Porträt in Bewegung: Jonglieren mit Bällen

Porträt in Bewegung: Jonglieren mit Bällen

Jonglieren ist eine Kombination aus Sport, Tanz und Kunst. Es erfordert Training, Geduld, höchste Konzentration, Kreativität und gute Kondition. Die Darbietung eines Jongleurs ansprechend einzufangen, ist eine echte Herausforderung. Sind Sie dabei?

Jongleure zu fotografieren ist nicht nur eine Herausforderung, sondern auch eine spielerische Übung in Porträt- und Bewegungsfotografie und der Entwicklung von Kreativität und Kommunikation. Diese Tipps können Sie auch beim Fotografieren von anderen Bewegungsaktivität anwenden – z. B. wenn Ihre Großmutter einen Pullover strickt.

Erfahren Sie, mit wem Sie es zu tun haben

Wie bei jeder Sportart oder Vorstellung müssen Sie mit der Aktivität selbst vertraut sein: Was sind die charakteristischen Momente? Wie soll die Leistung aussehen und was ist ein Fehlgriff? Sie wollen sich oder Ihr Model doch nicht vor anderen Jongleuren blamieren. Bevor Sie mit dem Fotografieren beginnen, lassen Sie sich vom Künstler erklären, was Sie erwartet.

Während der Vorbereitung können wir uns auch eingehender überlegen, welche Art von Umgebung sich für das Fotografieren dieses oder jenes Tricks eignet – eine Kaskade mit sieben Bällen, die mehrere Meter hoch fliegen, können Sie in einer Telefonzelle nicht einfangen – oder welche Objektiv- und Kameraeinstellungen Sie benötigen werden. 

Porträt in Bewegung
1/2000 s, f/2.8, ISO 500, 55 mm (links), 48 mm (rechts)

Auf den Fotos oben sehen Sie eine klassische Kaskade mit fünf Bällen. Ich habe den Jongleur gebeten, ein neutrales schwarzes Hemd zu tragen, das nicht mit den leuchtend orangefarbenen Bällen um Aufmerksamkeit ringt. Aus der Sicht des Jongleurs ist es ideal, wenn vier Bälle in der Luft sind und nur einer in der Hand ist oder ein zweiter gerade in der Hand landet. Bei einer klassischen Kaskade sollte er weder die Arme ausstrecken, noch den Ball vom Körper entfernt fangen. Auf dem rechten Foto sehen Sie die Seitenansicht, je gleichmäßiger die Bälle übereinander verteilt sind, desto gelungener ist die Leistung.

Wenn ein Foto voller Farben ist

Jonglierutensilien haben oft ausdrucksstarke Farben. Das fällt dem Künstler besser ins Auge – manchmal im wahrsten Sinne des Wortes – aber für Sie als Fotografen ist es ein weiteres Element, worüber Sie sich Gedanken machen sollten. Versuchen Sie gar nicht erst, die Bälle des Jongleurs zu ersetzen, sonst erhalten Sie einen Vortrag über die perfekte Balance zwischen Gewicht und Größe seiner runden Schätze. In der Praxis bedeutet das, dass Sie eine Umgebung wählen müssen, die nicht mit den Bällen um Aufmerksamkeit ringt, und dem Jongleur das grellgelbe T-Shirt mit rotem Aufdruck vom letzten Jonglier-Event ausreden müssen.

Abgesehen von rein weißen Hintergründen – diese bieten zum Beispiel Kirchenwände, die auch hoch genug sind – kann ich Ihnen kaum einen universellen Tipp geben, denn es hängt immer von der Farbe der Bälle ab. Wenn Sie aber über geeignete Farbkombinationen nachdenken, sollten Sie sich das Prinzip des Farbkreises ansehen. Sie erfahren, welche Farben sich ergänzen, welche im Kontrast zueinander stehen und wie man ihre Harmonie erreicht.

Große Nasenlöcher und andere Kleinigkeiten

Beim Fotografieren von Künstlern ist gute Kommunikation unerlässlich. Wenn Sie versuchen, dem Jongleur ohne Vorbereitung bei höchster Konzentration zu signalisieren, dass er Blickkontakt mit Ihnen aufnehmen und idealerweise aufhören soll, die Stirn zu runzeln, bekommen Sie möglicherweise einen Ball auf den Kopf geworfen. So wie er Ihnen die Besonderheiten des Jonglierens vermittelt, teilen Sie ihm mit, was Sie als Fotograf brauchen.

Erstens: natürlicher Ausdruck. Menschen, die versuchen, sich auf etwas zu konzentrieren, denken nicht darüber nach, wie sie aussehen. Bitten Sie Ihr Model, neutral zu wirken oder sogar zu lächeln, zumindest sich aber auf die Zunge zu beißen. Im Idealfall gelingt es Ihnen, ein trotziges Funkeln in seinen Augen einzufangen.

Zweitens: den Kopf so wenig wie möglich nach hinten kippen. Beim Fotografieren von Jongleuren gibt es eine einfache Regel: Je mehr der Kopf geneigt ist, desto mehr wird das Gesicht von den Nasenlöchern verdeckt. Natürlich können sie nicht direkt in die Kamera schauen, aber sie sollten auch nicht den Kopf nach hinten neigen wie ein Kormoran, wenn er einen Fisch für seine Jungen auswürgt. Eine weitere Möglichkeit ist, das Model von oben zu fotografieren oder den Blickwinkel zu ändern.

Porträt in Bewegung
Hier sind zwei Bilder zum Vergleich: Auf dem linken Bild konzentriert sich das Model auf die Bälle und neigt den Kopf. Auf dem rechten Bild kommt er meiner Aufforderung nach und senkt seinen Kopf. Das Foto sieht viel besser aus. Sehen Sie den Funken des Trotzes? 1/1600 s, f/2.8, ISO 400, 66 mm
Porträt in Bewegung
Eine weitere Möglichkeit besteht darin, das Model von oben zu fotografieren. Gleichzeitig ist das Greifen des Balls mit der rechten Hand aus der Sicht eines Jongleurs höchst fragwürdig. Beachten Sie dies :). 1/40 s, f/2.8, ISO 320, 28 mm

Drittens: Blick in die Augen. Wer hätte es nicht gerne, wenn ein Sportler, der Höchstleistungen vollbringt, einen nur eine Sekunde lang ansieht? Während die Abfolge der Ballwürfe vom Jongleur immer wiederholt werden kann und man viel Zeit hat, sie in der richtigen Formation festzuhalten, kann er Ihnen nur einen Blick während der Darbietung zuwenden, bevor alles herunterfällt. Eine Alternative ist, das Model zu bitten, eine Sonnenbrille zu tragen.

Porträt in Bewegung
Die Unschärfe der Hand, die sich näher an der Kamera befindet, ist in diesem Fall auf die geringe Schärfentiefe zurückzuführen. Die Bälle scheinen aufgrund der kurzen Verschlusszeit durch Willenskraft in der Luft gehalten zu werden. Wäre der oberste Ball etwas höher als der Kopf des Models, wäre die Figur gleichmäßig von ihnen eingerahmt. 1/2000 s, f/2.8, ISO 500, 51 mm

Wie man das Bild aufpeppt

Jonglieren eignet sich perfekt für Videos, hat aber so seine Tücken in der Fotografie. Die Darbietung eines Jongleurs ist in ihrer Gesamtheit atemberaubend, man kann aber nur einen Moment davon in einem Foto festhalten. Damit Ihre Aufnahme eindrucksvoll ist, dürfen Sie sich nicht allein auf den Akt des Jonglierens verlassen. Schauen Sie sich nach interessanten Motiven um, die die Aufnahme spannender machen, z. B. verlassene Gebäude oder andere ungewöhnliche Orte. Achten Sie auf Linien und Formen der Architektur, die die Darbietung unterstreichen. 

Porträt in Bewegung
Verlassene Gebäude sind der perfekte Ort, um ein Bild zu beleben. Hier ist es gelungen, den Flug der Bälle direkt im Fensterrahmen einzufangen, ohne den Kopf des Jongleurs zu bedecken. Das war ungefähr der dreihundertfünfzigste Versuch. 1/8000 s, f/3.5, ISO 500, 65 mm
Porträt in Bewegung
Eine interessante Umgebung findet man auch in der Stadt – hier eine typische Szene an den Garagen in einer Wohnsiedlung. Zur Abwechslung wurde mit Kegeln jongliert.  1/160 s, f/2.8, ISO 320, 75 mm

Oder versuchen Sie mehr die künstlerische Seite des Jonglierens einzufangen, idealerweise, wenn der Jongleur auch ein guter Performer ist. Darauf konzentriert sich der Fotograf Norbi Whitney, dessen Instagram eine wahre Fundgrube an Inspiration ist.

Kameraeinstellungen

Über das Jonglieren wissen Sie bereits alles von A bis Z, Sie haben die richtige Location und den richtigen Jongleur gefunden und es liegt jetzt an Ihnen, zu zeigen, was Sie können. Da Jonglieren sowohl Sport als auch Kunst ist, hängt es von Ihnen ab, wie Sie das Thema angehen. Während beim Sport Bewegung auf einem Foto nicht allzu geduldet wird, kann man in der Kunst kreativer sein.

Ich empfehle, die Kamera auf manuellen Modus oder Zeitpriorität (S) einzustellen. Bei störenden Hintergründen, bei denen Sie die Blende niedrig halten müssen, wählen Sie lieber den manuellen Modus (M). Wenn Sie Bälle oder andere Jonglierutensilien in Bewegung aufnehmen möchten, stellen Sie eine Verschlusszeit von 1/100 Sekunde oder weniger ein. Das hängt von den Lichtverhältnissen ab, unter denen Sie fotografieren. Zeitgleich mit den Gegenständen bewegen sich auch die Hände des Jongleurs, bitten Sie ihn daher, seine Bewegungen zu minimieren. Wenn Sie die Bewegung einfrieren wollen, verkürzen Sie die Zeit.

Porträt in Bewegung
Die Bewegung der rechten Hand, die gerade den Ball gefangen hat, verleiht dem Bild die Dynamik der Bewegung. 1/40 s,  f/2.8, ISO 320, 75 mm
Porträt in Bewegung
1/1250 s, f/2.8, ISO 320, 54 mm

Sequenzaufnahmen sind ebenfalls gut geeignet, drei Aufnahmen pro Sekunde reichen aus. Ich empfehle, die Fotos mit dem Model durchzugehen, der Ihnen genau sagen kann, was an diesem oder jenem Foto aus der Sicht des Jonglierens gut oder schlecht ist. Sie werden den Dreh schnell raus haben und die Fotoauswahl wird viel schneller gehen.

Und das Wichtigste: Üben, sich inspirieren lassen und spielen

Eines haben Fotografen und Jongleure gemeinsam – um beeindruckende Ergebnisse zu erzielen, müssen sie üben, geduldig sein und sich von anderen inspirieren lassen. Der Einfachheit halber habe ich mich auf das Fotografieren von Bällen konzentriert, es gibt aber unzählige Themen in der Welt der Kunst, mit denen man spielen und kreativ sein kann. Viel Spaß!

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