Meiden Sie klischeehafte Posen

Auf einem guten Porträtfoto, einer Mode- oder Glamouraufnahme muss nichts Ungewöhnliches sein, damit sie wahrgenommen wird. Die Trends zeigen, dass natürliche Posen immer beliebter werden. Das übertriebene Glätten der Haut hingegen ist langsam out. Manchmal ist die Bestimmung der Grenze was nun Klischee ist und was nicht, ziemlich schwierig. Dieser Artikel soll aufzeigen, worauf Sie bei der Porträtfotografie achten sollten und was Sie möglichst vermeiden sollten.

Die Porträtfotografie ist ziemlich verbreitet und beliebt. Es ist aber ganz normal, dass die porträtierten Personen bei Anfängerfotografen in ein nicht schönes Licht gerückt werden. Grund hierfür sind meist übertriebene bzw. unnatürliche Posen.

Hauptsache natürlich

Die Vorstellung, dass eine „künstlerische Aufnahme“ auf irgendeine Weise ausgefallen oder ganz einfach anders sein muss als eine normale Aufnahme, ist falsch. Nicht die Pose bestimmt darüber, ob ein Porträt- oder Modefoto gut ist, sondern der Gesamteindruck der Fotografie, die Bearbeitung sowie die Darstellung sind ausschlaggebend. Deshalb werden mittlerweile selbst bei Modeaufnahmen zunehmend komplizierte Posen gemieden.

Falls Sie Models fotografieren und möchten, dass diese verführerisch anstatt billig aussehen, dann fotografieren Sie sie in ihrem besten Licht – im natürlichen sowie im künstlichen Licht.

Die Models werden auch dann nicht verführerischer aussehen, wenn Sie sie an Orten fotografieren, wo normalerweise keine Menschen aufzufinden sind – und erst recht nicht, wenn Sie etwas anhaben, was eher lächerlich als anziehend wirkt.

Ein Dachgeschoss kurz vor dem Einsturz und ein Model nur in Unterwäsche. Dieser Weg führt nicht zum Ziel.

Ein Dachgeschoss kurz vor dem Einsturz und ein Model nur in Unterwäsche. Dieser Weg führt nicht zum Ziel.

Auch wenn dies logisch erscheinen mag, dann ist es kein Wunder, dass man oft auf solche Fehler trifft.

Lernen Sie aus der Kritik

Falls Sie solche Aufnahmen kritisieren, dann werden Sie oft die Antwort „Mir gefällt es aber so“ zu hören bekommen. Alles ist aber von der Einstellung und der Kritikfähigkeit des Fotografen abhängig. Entweder er lernt aus der Kritik etwas oder eben nicht. Hiermit soll nicht behauptet werden, dass jede Kritik zutreffend ist. Aber konstruktive Kritik bringt einen Menschen voran, auch wenn sich das Anhören nicht immer angenehm anfühlt.

Sich auf die Gleise zu legen ist wirklich keine gute Idee.

Sich auf die Gleise zu legen ist wirklich keine gute Idee.

Haben Sie keine Angst davor, „Nein“ zu sagen.

Außer der Antwort „Mir gefällt es aber so“ werden Sie vielleicht auch folgende Reaktion erleben „Sie wollte es aber so haben“. Werden Sie sich jedoch bewusst, wer der Fotograf ist und wer sich unter dem Bild unterschreibt. Sie oder das Model?

Genauso wenig wie ein Fotograf ein Model dazu zwingen sollte Fotos zu machen, die das Model nicht möchte, genauso wenig sollte das Model den Fotografen dazu zwingen, etwas zu fotografieren wie er es nicht möchte. Ein schlechtes Bild kann nämlich den Fotografen unnötigerweise um weitere Klienten bringen. Deshalb überlegen Sie sich die Sache lieber zweimal. Alles dreht sich nur um den Respekt und um die Vereinbarung.

Fotografieren Sie so, damit Sie sich nicht schämen müssten, wenn Sie an die Stelle des Models treten würden.

Eine genaue Anleitung wie man Klischee Posen vermeidet, gibt es nicht. Jeder Fotograf hat einen anderen Stil, genauso wie jedes Model anders ist. Sie können sich jedoch allgemein die Frage stellen, ob Sie sich auch so fotografieren lassen würden, wie es das Model tut – ähnlich wie der weltweit bekannte tschechische Fotograf Jan Saudek, der keine Hemmungen hat, sich auszuziehen und vor die Fotokamera zu stellen.

Richten Sie sich nach der alten Weisheit: „Was du nicht willst das man dir tu‘ das füg‘ auch keinem andern zu“. Halten Sie sich daran und Ihre Aufnahmen werden viel besser sein.

Mit dieser „Kleidung“ würden Sie wohl nicht auf die Straße gehen. Es sollte verführerisch aussehen, ist es aber nicht.

Mit dieser „Kleidung“ würden Sie wohl nicht auf die Straße gehen. Es sollte verführerisch aussehen, ist es aber nicht.

Kopieren Sie nicht Unkopierbares

Anstatt mit verschiedenen Posen zu experimentieren, sollten Sie lieber auf die Natürlichkeit und die Komposition setzen. Versuchen Sie nicht, Fotografien nachzuahmen, bei denen sichtlich viel Geld in die Produktion investiert wurde – es ist dabei völlig irrelevant, ob es sich um ein professionelles Model, einen exotischen Ort oder teuere Requisiten handelt.

Als ich als Anfänger die Schärfentiefe entdeckte, dachte ich mir, dass die Aufnahme eine gute Idee ist. Heute würde ich dies nicht mehr machen.

Als ich als Anfänger die Schärfentiefe entdeckte, dachte ich mir, dass die Aufnahme eine gute Idee ist. Heute würde ich dies nicht mehr machen.

Ein Ferrari und ein Model in Unterwäsche garantiert noch lange nicht, dass die Aufnahme ein Erfolg haben wird. Versuchen nicht, etwas zu kopieren, dass Ihnen schon auf den ersten Blick kompliziert und für Sie nicht machbar erscheint. Mit großer Wahrscheinlichkeit wird die Fotografie billig oder spotthaft aussehen. Ganz zu schweigen davon, dass das Foto in einer Sammlung wie „Die Kopie ist nicht das Original“, schnell in sozialen Netzwerken herumkursieren wird. Dies mag vielleicht die anderen unterhalten, aber ganz bestimmt nicht Sie.

Passen Sie die Posen Ihren Bedürfnissen an

Die Pose, die Sie irgendwo in einem Magazin gesehen haben, kann nicht universell für jedes Model genutzt werden. Im Magazin posiert beispielsweise ein langbeiniges Model, aber Ihr Model weist nur eine Größe von 162 Zentimeter auf. Die Pose, welche für ein anderes Model „maßgeschneidert“ wurde, wird sich für ein Model mit anderen Proportionen nicht eignen.

Deshalb sollten Sie die Posen immer auf das Model anpassen. Heben Sie die Vorzüge hervor und rücken Sie die Unvollkommenheiten in den Hintergrund.

Versuchen Sie jedoch nicht, etwas zu verdecken, weil dies erkennt man sofort – insbesondere dann, wenn das Model etwas kräftiger ist. Fotografieren Sie sie so, damit sie so ist, wie sie ist und nicht einfach etwas anderes darstellt. Natürlichkeit ist der beste Weg zum Erfolg.

Das Foto verliert den Sinn und hat keine Aussagekraft.

Das Foto verliert den Sinn und hat keine Aussagekraft.

Lernen Sie aus Fehlern

Falls Sie in den aufgeführten Bildern Ihre wiedererkennen, dann heißt dies noch lange nicht, dass Sie ein schlechter Fotograf sind. Jeder fängt einmal an – auch ich. Wir lernen das ganze Leben lang und suchen neue Wege. Auch das Fotografieren ist keine Ausnahme.

Es ist besser, aus den Fehlern anderer zu lernen, als aus den eigenen. Umso mehr sollten Sie sich Ihre Fehler merken. Wenn Sie dann nach einiger Zeit Ihre Fotoarchive durchforsten, dann werden Sie bestimmt genauso lachen wie ich, als ich nach geeigneten Klischeeposen gesucht habe, die ich vor langer Zeit selbst gemacht habe.

Letzte Änderung 8. August 2016

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Autor: Majo Elias

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Kommentare

  • Hans-Jürgen Hartwig

    https://lernen.zoner.de/author/elias/
    Ja. ein guter und lehrreicher Beitrag. Aber um Wissen zu vermitteln, sollte nicht nur mit negativen Beispielen gearbeitet werden. Zeige doch mal einige Bilder, welche Deine Anforderungen entsprechen, würde ich gern sehen, nicht um zu kopieren sonder zum lernen.

    Viele Grüsse aus Teltow
    Hans

    • Zoner Redaktion

      Sehr geehrter Herr Hartwig,
      sehr geehrter Herr von Bargen,

      vielen Dank für Ihre Beiträge. Im Artikel wurden absichtlich keine Bilder beigefügt, die den Anforderungen von Herr Elias entsprechen. Es gibt nämlich keine allgemeingültige Aussage darüber, was nun Klischee ist und was nicht. Die Meinungen von Fotograf zu Fotograf unterschiedlich. Im Artikel geht es viel mehr darum darauf hinzuweisen, dass man nicht einfach jede Pose kopiert, ohne dabei vorher nachgedacht zu haben.

      Falls Sie jedoch ein paar Fotos von Majo Elias sehen möchten, dann besuchen Sie bitte seine Homepage unter: http://majoelias.sk/

      Beste Grüße

      • Hans-Jürgen Hartwig

        Hallo, habe mir die Bilder von Majo Elias angesehen. Sehr schöne und techn. perfekte Aufnahmen, aber die Menschheit besteht nicht nur aus Leuten zwischen 18 und 30 Jahren. Es wäre für mich schön, wenn auch ältere und alte Gesichter zu sehen werden. Gerade bei alten Gesichter, mit viel Gesichtsfalten ist viel zu erkennen und nicht wie bei jungen Menschen, dort dominiert der Zeitgeist in Kleidung,Make Up usw.
        Gruß aus Teltow
        Hans

  • Lothar von Bargen

    Viele Fotografen sollten sich vor der Aufnahme mit dem Modell unterhalten und sollte der Funke nicht rüberkommen, auch schon mal nein sagen, denn es gibt nichts peinlicheres
    als perfekte Technik , aber ein nichtsagendes Foto „das gilt für beide Seiten“.
    Ich muss Hans beipflichten, zeig ein paar Fotos, wie es denn besser wäre.
    Mein Leitsatz für alles was ich tue:
    „Ich mache Fehler um aus Ihnen zu lernen, denn wenn ich nichts mache, mache ich auch keine
    Fehler- aber dann lerne ich auch nichts. Mein Ziel ist es aus Fehlern schnell zu lernen“.
    Liebe Grüße
    Lothar