Wie erstellt man einen unscharfen Hintergrund bei Porträts

Spiegelreflexkameras rühmen sich mit einer geringen Schärfentiefe. Hierdurch kann man scharfe Porträts einer Person mit gleichzeitig unscharfen Hintergrund machen. Dieser Effekt ist elegant und hilft gleichzeitig dabei, unerwünschte Details im Hintergrund loszuwerden. Mithilfe der Bildbearbeitung kann man diesen Effekt auch nachträglich mit Bildern von kleineren Fotokameras bzw. Mobilfunkgeräten erzielen.

Grundlage für diesen Artikel bieten zwei Fotos. Auf der einen Seite haben wir eine Aufnahme mit einer Spiegelreflexkamera mit einem Vollformatsensor (full frame) sowie einem hervorragenden Objektiv mit einer Blendenzahl von f/1.4. Auf der anderen Seite haben wir ein Bild, welches mit einem Mobilfunkgerät LG G4 gemacht wurde. Das Smartphone besitzt zwar ein Objektiv mit der Blendenzahl f/1.8, aber bei der Berechnung mit dem Crop Faktor ergibt sich verglichen mit einer Spiegelreflexkamera, einen Blendenwert von etwa f/11 – die Aufnahmen besitzen somit eine höhere Schärfentiefe.

Hier sehen wir die Originalfotos zum Vergleich:

Aufnahme mit einer Spiegelreflexkamera.
Canon 5D Mark IV, Sigma 50/1.4 Art, 1/5000 s, f/1.4, ISO 100, Brennweite 50 mm

Aufnahme mit einem Smartphone.

Aufnahme mit einem Smartphone. LG G4, 1/1000 s, f/1.8, ISO 50, Brennweite 4.42 mm

Die Sensoren weisen ein unterschiedliches Seitenverhältnis auf und somit ist der zahlenmäßige Vergleich ziemlich ähnlich. Beim visuellen Vergleich ist wird der Unterschied in der Schärfentiefe jedoch bereits auf den ersten Blick sichtbar.

Was das Rauschen und die Bildschärfe betrifft, dann kann das Smartphone bei weitem nicht mithalten mit der Spiegelreflexkamera. Durch die Verwendung eines Tricks – Weichzeichnen des Hintergrundes mit einer Software – kommt es jedoch ziemlich nah dran, was diesen Aspekt betrifft. Manche Smartphones besitzen sind auch mit der Eigenschaft ausgestattet, das Foto zu analysieren und den Hintergrund automatisch unscharf darzustellen. Die Verwendung ist jedoch bis jetzt ziemlich begrenzt und selbst wenn die Ergebnisse nicht schlecht ausfallen, dann sind sie immer noch nicht perfekt. Ferner haben wir nicht die Möglichkeit, den entsprechenden Bereich zu korrigieren, falls etwas nicht so gut geklappt hat. Wenn wir also die volle Kontrolle und einen qualitativ hochwertigen unscharfen Hintergrund haben wollen, dann kommen wir ohne die nachträgliche Bearbeitung am Computer nicht herum.

Der Bearbeitungsschritt ist an sich nicht kompliziert. Wir benötigen hierzu nur das Zoner Photo Studio und ein paar Minuten Zeit. Danach müssen Sie nur noch den folgenden Schritten folgen.

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Auswahl des Bereiches, der weichgezeichnet werden soll

Dieser Schritt ist der Wichtigste und ferner auch zeitlich aufwendig. Grund hierfür ist unter anderem, dass die weiterfolgenden Schritte wiederum extrem einfach und schnell umzusetzen sind.

In den meisten Fällen ist es einfacher, nicht den Hintergrund auszuwählen, sondern das Hauptobjekt und in diesem Fall das Model. Sobald wir mit der Auswahl fertig sind, dann müssen wir nur noch auf Auswahl umkehren in der Werkzeugleiste zu klicken. Diese Vorgehensweise wenden wir auch in unserem Fall an.

Wir führen den kompletten Bearbeitungsprozess im Modul Editor durch, wo wir zunächst ein Auswahl-Werkzeug auswählen. Hier gibt es mehrere Möglichkeiten, wie man einen Bereich auswählt. Das wohl effektivste und universell einsetzbare Auswahl-Werkzeug ist meiner Meinung nach das magnetische Lasso (A).

Das magnetische Lasso wird zur Auswahl eines Bildbereiches genutzt.

Es handelt sich hierbei um ein Instrument, mit welchem wir schrittweise eine Auswahl vornehmen. Das magnetische Lasso nutzt die stark kontrastreichen Kanten des Objektes automatisch und heftet sich wie ein Magnet an das Objekt an. Wir müssen dabei nicht übermäßig präzise arbeiten, weil der Computer für uns die Arbeit erledigt. Kompliziert sind für den Computer Fälle, wo der Hintergrund eine ähnliche Farbe wie z. B. die des Models aufweist.

Aus diesem Grund müssen wir am Ende manchmal doch etwas genauer arbeiten, um den Computer den richtigen Umriss anzuzeigen, welchen wir haben wollen. Falls wir bei der Auswahl einen Fehler gemacht haben, dann kann man den letzten Punkt mit der Entf-Taste ganz einfach rückgängig machen.

Demonstration der Auswahl eines Bereiches mit dem magnetischen Lasso.

Sollte sich am Ende dennoch herausstellen, dass einige Stellen nachbearbeiten werden, dann kann man dies ganz leicht korrigieren:

Verwenden Sie in diesem Fall das normale Lasso (L). Wenn Sie dann die Shift-Taste gedrückt halten, dann erscheint ein grünes Pluszeichen und somit können wir noch Bereiche nachträglich zur Auswahl hinzufügen. Mit der Strg-Taste erzielt man genau den umgekehrten Effekt und ein Minuszeichen erscheint. Jetzt kann man einen Bereich von der aktuellen Auswahl entfernen.

Das Hinzufügen/Entfernen funktioniert sowohl beim normalen als auch bei magnetischen Lasso.

Eine weitere Möglichkeit bietet die Pinselauswahl (Shift+Q), mit welcher Sie den Bereich direkt einzeichnen.

Die Pinselauswahl inkl. der Modi Zur Auswahl hinzufügen bzw. aus der Auswahl entfernen.

Wie präzise die Auswahl ist, können Sie noch besser mit dem Anzeigemodus der Auswahl sehen. Diese befindet sich über dem Histogramm.

Präzise Objekte auswählen dank dem Anzeigemodus der Auswahl.

Wir haben uns bis jetzt die ganze Zeit mit der Auswahl des Models beschäftigt, Hauptziel jedoch ist es, den Hintergrund weichzuzeichnen. Daher müssen wir am Ende dieses Bearbeitungsschrittes, die Auswahl umkehren. Sie müssen hierzu nur auf der rechten Seite auf den Knopf Auswahl umkehren (Strg + Shift + I) klicken.

Auswahl speichern und laden

Weil wir für die Auswahl einige Zeit investiert haben, wäre es schade, wenn wir versehentlich die Auswahl löschen. Daher sollte man die Auswahl lieber speichern, wenn man fertig ist. Gehen Sie hierzu auf Menü > Auswahl > Auswahl speichern bzw. Auswahl laden.   

Auswahlmaske erstellen

Seit mit ZPS X die Arbeit mit Ebenen möglich ist, gibt es vielleicht eine elegantere Möglichkeit, die Auswahl zu speichern. Es reicht völlig aus, wenn Sie eine neue sowie leere Ebene erstellen und danach mit der rechten Maustaste in der Ebenenleiste die Ebene klicken. Im Kontextmenü wählen Sie dann Maske und danach Auswahl einblenden. Hierdurch entsteht eine Auswahl direkt in der Datei mit dem Bild. Damit die Einstellungen beibehalten werden, müssen wir hier beim Speichern das Format ZPS wählen. Würden wir das Bild hingegen als JPEG speichern, dann würden die Ebenen sowie Masken verloren gehen. Wir können die Ebenenmaske in Zukunft wieder hinzufügen, indem wir auf Maske und hier dann auf Maske zur Auswahl hinzufügen klicken.

Da wir jedoch weiter mit dem Bild arbeiten möchten, sollten Sie nicht vergessen, die ursprüngliche Ebene in der Ebenenleiste anzuklicken.

Den Hintergrund weichzeichnen

Dieser Schritt ist jetzt ein Kinderspiel. Gehen Sie hierzu auf Menü > Einstellen > Weichzeichnen (Strg + 6). Als Typus wählen wir Gauss aus. Die Stärke des Effekts stellen wir so ein, bis wir mit dem Ergebnis zufrieden sind.

Hierbei ist es sehr wichtig, ein Häkchen bei Nur ausgewählten Bereich weichzeichnen zu setzen. Sonst wird auch ein Teil des Models weichgezeichnet und ein unschöner Rand entsteht.

Verwendete Werte beim Weichzeichnen.

Und das war es schon. In diesem Fall sind wir ziemlich einfach zu einem tollen Ergebnis gekommen, welches dem einer Spiegelreflexkamera ziemlich nahe kommt.

Endergebnis.

Stufenweises Weichzeichnen

Manchmal reicht es nicht einfach aus, den ganzen Hintergrund gleichmäßig weichzuzeichnen. Falls z. B. manche Objekte näher und andere wiederum weiter vom Model entfernt wären, dann müsste man diese auch unterschiedlich unscharf stellen. Die genaue Simulation ist ziemlich schwierig, wir können jedoch die Annäherungsverfahren anwenden. Anstatt dem gewöhnlichen Weichzeichnen verwenden wir den Tilt-Shift-Effekt im Menü unter Effekte. Hierdurch erreichen wir ein stufenweises Weichzeichnen. Ferner ist das Ergebnis davon abhängig, wohin wir die Trennungslinie platzieren, d. h. wo alles scharf dargestellt wird und von welcher Position sich das Weichzeichnen vergrößert (an beiden Übergangslinien).

Das Ergebnis kann man im folgenden Bild sehen.

Das Originalbild und mit dem Tilt-Shift-Effekt bearbeitet.

Hierzu muss man noch einige Einstellungen vornehmen. Extreme Werte verwenden wir nur in den seltensten Fällen.

Einstellungsparameter bei Verwendung des Tilt-Shift-Effektes.

Das Ergebnis ist nicht perfekt, aber gewöhnlich gut genug

Das Endergebnis ist maßgeblich von unserer Auswahl und der hierfür investierten Zeit abhängig. Aber auch innerhalb von 2 Minuten kann man recht ordentliche Ergebnisse mit Zoner Photo Studio X erzielen. Bei einer geringen Auflösung wird der Unterschied zudem kaum noch sichtbar. Ferner muss man nicht viel Geld für eine gute Ausrüstung bezahlen. Einen Versuch ist es wert, oder?

Letzte Änderung 25. Mai 2017

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Autor: Vít Kovalčík

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