Vögel fotografieren

Vögel fotografieren

Beim Fotografieren im Freien denkt man wahrscheinlich zuerst an Landschaften und Menschen, aber es gibt noch viele weitere mögliche Ziele. Eine dieser Kategorien sind Vögel, die nahezu allgegenwärtig sind. Außerdem gibt es viele Möglichkeiten, sie zu verewigen, von einfachen bis hin zu solchen, die Sie und Ihre Kamera an ihre Grenzen bringen.

Das Beobachten von Vögeln ist ein ruhiger und lehrreicher Zeitvertreib, den man mit den Augen oder einem einfachen Fernglas betreiben kann. Für uns Fotografen macht es jedoch mehr Spaß, sie durch den Sucher zu betrachten und um die beste Aufnahme zu kämpfen.

Die Suche nach Gelegenheiten

Obwohl es oft reicht, nur aus dem Fenster zu schauen, findet man anderswo eine größere Artenvielfalt.

Gute Plätze sind in der Nähe von Seen oder Feuchtgebieten, manchmal gibt es auch spezielle Vogelbeobachtungsplätze (meist erhöhte Holzhütten).

Ein Zoo bietet ganz andere Arten von Aufnahmen, bei denen man in der Regel viel näher an die gefiederten Tiere herankommt und sie meistens nicht wegfliegen können. 

Auch gewöhnliche Ausflüge durch die Landschaft, bei denen man allerlei Tieren begegnen kann, sollten Sie nicht außer Acht lassen. Hier hilft es oft, die ausgetretenen Pfade zu verlassen. In einem stillen Wald kann man zum Beispiel einem Specht oder Buntspecht lauschen und dem Geräusch folgen.

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Buntspecht, bei einem Waldspaziergang entdeckt. Canon R5, Canon 70-300/4-5.6L, 1/320 s, f/5.6, ISO 160, Brennweite 300 mm

Wichtigste Eigenschaft eines Fotografen

Vogelfotografie ist aber nicht jedermanns Sache. Das Warten auf die beste Aufnahme erfordert Geduld. Andernfalls verscheucht man entweder die Vögel, oder man macht nur eine Menge langweiliger Aufnahmen. Manchmal reicht es nicht einmal aus, lange auf die Landschaft zu starren, sondern man muss das Objektiv auf ein bestimmtes Individuum richten und mit dem Finger auf dem Auslöser gespannt darauf warten, bis etwas passiert. Wird es zehn Sekunden oder zehn Minuten dauern? Das weiß niemand.

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Vögel, die in Bäumen sitzen. Was werden sie tun? Wird sie etwas verscheuchen? Fliegen sie aus Langeweile in die Wälder? Nach zwei Minuten, in denen ich meine Kamera auf sie gerichtet hatte, fand ich es heraus. Canon R5, Canon 70-300/4-5.6L, 1/250 s, f/8, ISO 100, Brennweite 270 mm

Geeignete Objektive

Das Objektiv ist bei dieser Art von Fotografie entscheidend. Auch wenn das typische Vogelbild eine Nahaufnahme ist, die mit einem Teleobjektiv aufgenommen wurde, kommt man in manchen Fällen auch mit kürzeren Brennweiten aus. Diese eignen sich bei Schwärmen oder wenn Sie die Umgebung in die Aufnahme einbeziehen, damit der Betrachter eine Vorstellung vom Kontext bekommt.

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Weitwinkelaufnahme einer Möwe an den Klippen. Canon 5D Mark II, Canon 16-35/2.8 II, 1/640 s, f/7.1, ISO 400, Brennweite 35 mm

Mit einem Teleobjektiv haben Sie jedoch die Möglichkeit, „heranzuzoomen“ und Ihr Ziel viel näher zu beobachten. Dies gilt auch für die gängigen Brennweiten 200 – 400 mm (umgerechnet auf Vollformat).

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Eine Schwanenfamilie auf einem Teich. Canon 5D Mark IV, Canon 70-200/2.8 II IS + 2x Telekonverter, 1/500 s, f/5.6, ISO 200, Brennweite 400 mm

Bei größeren Brennweiten ist das Potenzial noch größer.

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Reiher im Flug, mit langer Brennweite eingefangen. Canon R5, Sigma 150-600/5-6.3, 1/2500 s, f/6.3, ISO 1250, Brennweite 600 mm

Objektive mit größtmöglicher Lichtstärke sind zu bevorzugen, vor allem, wenn Sie Vögel im Flug und/oder in der Dämmerung bei Sonnenaufgang und Sonnenuntergang fotografieren. High-End-Ausrüstung ist extrem teuer, aber glücklicherweise können auch mit günstigeren Optionen aufsehenerregende Aufnahmen gelingen.

Kameraeinstellungen

Jedes Gerät verfügt über unterschiedliche Fokussiermöglichkeiten, daher überlasse ich die Einzelheiten dem Handbuch Ihrer Ausrüstung. Für actionreichere Aufnahmen müssen Sie jedoch unbedingt den kontinuierlichen Fokus aktivieren, welcher den Vogel selbst verfolgt.

Hochwertige spiegellose Kameras können Vögel im Bild finden und verfolgen, während spiegellose Kameras und Spiegelreflexkameras der unteren Preisklasse in der Lage sind, sich bewegende Motive zu verfolgen und sie zwischen den Fokuspunkten zu übertragen. Aber auch wenn Sie ein Gerät ohne diese Funktionen besitzen, müssen Sie nicht verzweifeln: Es ist durchaus üblich, den mittleren Fokuspunkt zu verwenden (der am genauesten ist) und das Motiv nur mit diesem zu verfolgen. Machen Sie sich in dem Moment keine Gedanken über die perfekte Komposition, sondern nehmen Sie mehr Raum auf und schneiden Sie das Bild auf Ihrem Computer nach Belieben zurecht.

Praktisch ist auch die Serienbildfunktion, mit der Sie mehrere Bilder pro Sekunde aufnehmen können. Manchmal spielt sich die Handlung so schnell ab, dass es schwierig sein kann, den entscheidenden Moment zu erwischen.

Wegen der hohen Geschwindigkeit der Ereignisse ist es auch üblich, mit kurzen Belichtungszeiten zu arbeiten, 1/2000 s ist ein gängiger Wert. Natürlich erfordert dies eine Erhöhung des ISO-Werts. Wenn die Vögel müde werden und sich niederlassen, versuche ich daher, die Zeit zu verkürzen, um die Bildqualität zu verbessern.

Von einfacheren, breiteren Aufnahmen

Wie bereits erwähnt, gibt es viele Möglichkeiten, Vögel auf einem Foto festzuhalten. Zu den technisch einfachsten gehören breitere Aufnahmen von mehr oder weniger statischen gefiederten Lebewesen. Das Bild unten zeigt zwar kompliziertes Gegenlicht, ansonsten musste ich mich aber nicht besonders auf das Fokussieren konzentrieren, es war nicht nötig, mehrere Bilder pro Sekunde aufzunehmen, und die Belichtungszeit lag bei angenehmen 1/160 s. Auch eine hohe Blende ist in solchen Fällen von Vorteil.

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Eine einfachere Aufnahme, bei der die Kamera nicht zu sehr beansprucht wird. Canon 5D Mark IV, Canon 16-35/2.8 III, 1/160 s, f/11, ISO 125, Brennweite 23 mm

Teleobjektiv und bewegungslose Lebewesen

Bei der Verwendung eines Teleobjektivs kann sich die Situation ändern, wenn wir aber stets Vögel fotografieren, die nicht fliegen, erspart uns das viele Sorgen.

Für solche Experimente eignet sich der Zoo. Einer der Nachteile sind die Drahtbarrieren, die jedoch teilweise aus den Bildern entfernt werden können, wenn das Objektiv bei der Aufnahme den Zaun fast berührt. Leider wird das Vorhandensein der Drähte auch durch das Bokeh im Hintergrund verraten, in dem ihre Formen abgebildet sind. Auf dem folgenden Bild sind beispielsweise die horizontalen und vertikalen „Fäden“ im Hintergrund zu sehen, die auf genau diese Weise entstanden sind.

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Schneeeule und ein nervöses Bokeh im Hintergrund wegen der Aufnahme durch den Zaun. Canon 5D Mark IV, Sigma 150-600/5-6.3, 1/160 s, f/5.6, ISO 1000, Brennweite 260 mm

Im Zoo sind die Besucher den Vögeln so nah, dass mehr Details eingefangen werden können als in der Natur. Das Bild des Adlerkopfes zeigt auch, mit welch primitiver Technik man Vögel fotografieren kann – zum Einsatz kam die Einsteiger-Spiegelreflexkamera Canon 350D aus dem Jahr 2005, ein aus heutiger Sicht prähistorisches Produkt.

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Ein Adler, der im Zoo durch einen Bretterzaun fotografiert wurde. Canon 350D, Sigma 70-300/4-5.6, 1/1000 s, f/5.6, ISO 200, Brennweite 300 mm

Der umgekehrte Ansatz besteht darin, sich auf den Hintergrund zu konzentrieren und die Aufnahme so abzustimmen, dass die Vögel die Szene vervollständigen. Mit dem Teleobjektiv war ich über hundert Meter von den Drähten entfernt, hatte also viel Spielraum, um mich ein paar Meter hierhin oder dahin zu bewegen, was zu einem völlig anderen Landschaftsbild führte.

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 Canon R5, Sigma 150-600/5-6.3, 1/500 s, f/10, ISO 400, Brennweite 600 mm

Teleobjektiv und Vögel in Bewegung

Das Einfangen von Vögeln in Bewegung ist die schwierigste Disziplin, die in der Regel mit einer großen Menge an Abfall verbunden ist. Auch hier gibt es die Möglichkeit, Kompositionen mit mehreren Tieren aufzunehmen.

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Zwei Vögel im Flug. Canon R5, Sigma 150-600/5-6.3, 1/1000 s, f/6.3, ISO 500, Brennweite 600 mm

Allerdings ist die Einzelaufnahme üblicher. Wenn Sie eine Weile fotografiert haben, wird es Ihnen wahrscheinlich leicht fallen, einen fliegenden Vogel zu fotografieren, und dann beginnt die eigentliche Jagd nach ungewöhnlichen Fotos. Das kann eine dramatische Landung, eine Jagd oder einfach nur ein Sonnenbad sein.

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Ein Graureiher berührt die Oberfläche mit seinem Flügel. Canon R5, Sigma 150-600/5-6.3, 1/2000 s, f/6.3, ISO 200, Brennweite 600 mm

Der Kampf zwischen einem Eisvogel und einem gefangenen Frosch war in dieser Hinsicht etwas schwieriger. Der Vogel selbst ist klein und hat sich nach Einbruch der Dunkelheit den Ort des Geschehens im dunklen Gras ausgesucht. Den ISO-Wert musste ich auf 12.800 erhöhen und kam selbst mit einem 600-mm-Teleobjektiv nicht nah genug heran, sodass das Ergebnis ein Ausschnitt von weniger als einem Viertel des Originalbildes ist.

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Ein Duell zwischen einem Eisvogel und einem gerade gefangenen Frosch. Canon R5, Sigma 150-600/5-6.3, 1/800 s, f/6.3, ISO 12 800, Brennweite 600 mm

Für Action-Aufnahmen eignet sich der Zoo auch gut. Nur sind die Flüge der Vögel auf kurze Entfernungen sehr plötzlich, sodass man die meisten von ihnen leicht verfehlt. Aber wenn Sie nicht gleich nach ein paar Minuten aufgeben, gelingt Ihnen mit der Zeit bestimmt eine gute Aufnahme.

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Ein Papagei landet nach einem kurzen Flug. Canon 5D Mark IV, Canon 70-200/2.8 II IS + 2x Telekonverter, 1/1250 s, f/5.6, ISO 800, Brennweite 260 mm

Gutes Gelingen und viel Spaß

Das Fotografieren von Vögeln im Flug ist eine schwierige Disziplin, aber der Lohn dafür ist ein jedes Mal anderes Foto. Außerdem macht es Spaß an der frischen Luft und Vogelbeobachtung ist mitunter ein therapeutisches Erlebnis. Nicht zuletzt werden Sie lernen, wie Sie Ihre Kamera richtig einsetzen und ihre Möglichkeiten und Grenzen kennenlernen. Und das wird sich in Zukunft bestimmt als nützlich erweisen.

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