Objektivprofile – was sind sie und wie werden sie verwendet

Jedes Objektiv hat eigene spezifische Verzerrungen und optische Fehler. Diese sind bei manchen Aufnahmen gar nicht, bei anderen wieder deutlich sichtbar. Im RAW Format lassen sich solche Mängel relativ einfach entfernen. Das Zoner Photo Studio ermöglicht schon ziemlich lange eine manuelle Ausbesserung von Objektivfehlern, eine automatische Korrektur bietet allerdings erst die Version 17 an. Nicht weniger interessant ist außerdem die Profilunterstützung von Kameragehäusen. Falls Sie aus Ihren Fotos das Maximum herausholen wollen, sollten Ihnen diese Funktionen keinesfalls entgehen.

Das Prinzip der automatischen Objektivfehlerkorrektur ist, dass aus verschiedenen Messungen die Verzerrungen eines bestimmten Objektivs bekannt sind. Und da sich die Verzerrungen einzelnen Stücke bestimmter gleicher Objektive nur minimal unterscheiden, kann man gewisse „Muster“ der Verzerrungen und optischen Fehler konkreter Objektive auf konkreten Kameras (auf anderen Gehäusen können die Verzerrungen anders sein) erstellen. Nach diesem Muster, das als LCP Profil bezeichnet wird, werden die Bildmängel anschließend automatisch entfernt.

ZPS bietet Optionen zum Entfernen folgender Objektivmängel:

  • Verzerrung, bedeutet Korrektur einer Bilddeformation, z.B. tonnenförmige Verzerrung
  • Farbabweichung (Chromatische Aberration), Unterdrücken meist grünblauer oder violetter Tönungen an Kontrastkanten in Fotos
  • Vignettierung, bedeutet Korrektur abgedunkelter Bildeckenbereiche
Auf diesem Bild ist die Ausbesserung der Verzerrung nicht  besonders deutlich, allerdings besteht kein Grund sie bei den Auto­Korrekturen   auszuschalten.

Auf diesem Bild ist die Ausbesserung der Verzerrung nicht besonders deutlich, allerdings besteht kein Grund sie bei den Auto-­Korrekturen auszuschalten.

Eine erhebliche Farbabweichung kann ein Foto verderben, weshalb man sie sicherlich entfernen sollte, wenn man das Foto ausdrucken oder in hoher  Auflösung weiterverwenden möchte.

Eine erhebliche Farbabweichung kann ein Foto verderben, weshalb man sie sicherlich entfernen sollte, wenn man das Foto ausdrucken oder in hoher Auflösung weiterverwenden möchte.

Obwohl Vignettierungen heutzutage schon von vielen Fotografen  zum Hervorheben des Hauptmotivs verwendet werden, sind sie beispielsweise bei   Landschaftsbildern ungewünscht.

Obwohl Vignettierungen heutzutage schon von vielen Fotografen zum Hervorheben des Hauptmotivs verwendet werden, sind sie beispielsweise bei Landschaftsbildern ungewünscht.

ANWENDUNG DER AUTOMATISCHEN OBJEKTIVFEHLER-KORREKTUR IN ZPS 17

Zuerst (falls noch nicht gemacht) installieren Sie den Adobe DNG Converter.

Als nächstes müssen Sie das Objektiv ganz genau identifizieren. Überprüfen Sie gründlich die Bezeichnung Ihres Objektivs. Viele Objektive werden nämlich in verschiedenen Versionen hergestellt, beispielsweise wird nach der ersten mit der Zeit eine zweite Version herausgegeben, die bereits ein wenig andere optische Eigenschaften und somit andere Verzerrungen und ein unterschiedliches Profil hat. Wenn Sie die genaue Bezeichnung Ihres Objetives kennen, kommen Sie zur Auswahl und Zuweisung des konkreten LCP Profils.

Öffnen Sie die RAW Datei und danach im RAW Modul den Reiter Objektiv. Markieren Sie LCP Profil, klicken Sie auf Profil hinzufügen… und wählen Sie Ihren Objektivtyp aus. Den finden Sie bei Standardinstallationen im Ordner C:\ProgramData\Adobe\CameraRaw\LensProfiles\1.0. Weiters wählen Sie die Ordner Objektivhersteller aus und danach den Ordner Kamerahersteller, auf der Sie das Objektiv benutzen. Schließlich wählen Sie das Profil, das Ihrem Objektiv auf Ihrer Kamera entspricht, aus.

Mit dieser Vorgangsweise fügen Sie allen Ihren Objektiven Profile zu, das ZPS erkennt selbst, zu welchem Objektiv welches Profil gehört. Sie müssen nur noch bestimmen, welche Korrekturen durchgeführt werden sollen.

Korrekturen optischer Fehler finden Sie in der rechten Seitenleiste  unter dem Reiter Objektiv.

Korrekturen optischer Fehler finden Sie in der rechten Seitenleiste unter dem Reiter Objektiv.

KAMERAPROFILE

Jede Kamera bietet verschiedene Bildoutputs an. Meistens sind es die Modi Porträt, Landschaft, Neutral oder lebendige Farben. Diese Betriebsarten beeinflussen die Bildfarben, Kontrast und die Gesamttonalität der Aufnahme. Das Problem ist aber, dass sich diese Einstellungen nur dann auswirken, wenn man in JPEG fotografiert. Fotografiert man in RAW, muss man entweder die Firmensoftware je nach Kameramarke verwenden oder die benutzte Software muss Kameraprofile unterstützen. Danach wäre allerdings zu testen, welches Profil Ihnen auf einem konkreten Foto besser entspricht. Diese Profile werden DCP Profile genannt. Vorteil ihrer Verwendung im ZPS ist auch, dass Sie nach ihrer Anwendung einen Output bekommen, der den direkt von Kameras kommenden JPGs oder den mit Herstellersoftwares erstellten RAW-Datei-Outputs stark ähnelt.

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DCP Profile können Sie im ZPS folgendermaßen hinzufügen. Erneut gilt als Voraussetzung, den Adobe DNG Converter installiert zu haben. Im RAW Modul wechseln Sie zum Reiter Konvertierungseinstellungen, wo Sie Kameraprofil markieren. Klicken Sie weiter auf Profil hinzufügen und wählen Sie das DCP Profil Ihrer Kamera aus. Bei herkömmlichen Installationen finden Sie dieses unter C:\ProgramData\Adobe\CameraRaw\CameraProfiles\Camera. Sie wählen zunächst den Ordner Ihres Kameraherstellers und danach den Ordner des konkreten Typs aus und fügen dann seine Profile hinzu.

So sieht die Verwendung der DCP Profile für Nikon D90 aus, vertreten sind Profile aller Betriebsarten, die das Gehäuse anbietet.

Basiseinstellungen ohne Verwendung von DCP Profilen (links) und  die Profile Standard, Neutral, Landschaft und Vivid (Lebhaft).

Basiseinstellungen ohne Verwendung von DCP Profilen (links) und die Profile Standard, Neutral, Landschaft und Vivid (Lebhaft).

Der Adobe DNG Converter besitzt nicht Profile für alle Objektive und Kameras, der konkrete Kameratyp hängt aber mit den Profilen nicht direkt zusammen. Die vertretenen Kameras definieren vor allem die Chipgröße, wählen Sie aus den Profilen deshalb eine Kamera aus, die mit der Ihrigen einen identischen Chip hat.

Beispielsweise bei Canon sind Profile für 50D ( APS-C Chip), 1D (APS-H Chip) und 5D (Full-frame), bei Nikon für D90 (APS-C) und D3x (Full-frame) vertreten.

Eine komplette Auflistung der unterstützen Objektive und Gehäuse finden Sie hier. Schauen Sie, ob für Ihre Objektive und Gehäuse Profile verfügbar sind. Falls ja, zögern Sie nicht diese Errungenschaft und Zoner Photo Studio 17 auszunutzen. Sie stellt einen weiteren und außerdem mühelosen Schritt zur technischen Perfektion Ihrer Fotos dar!

Letzte Änderung 27. April 2015

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Autor: Jakub Chrudina

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Kommentare

  • Werner Schröder

    Hallo, entgegen Ihrer Aussage ist der Adobe DNG 3.6 (für Canon EOS 400D) Converter nicht kostenfrei.Ich habe ihn deshalb nicht heruntergeladen.

    MfG
    Werner Schröder

    • Alex Roediger

      Hallo Herr Schröder,

      selbstverständlich ist der DNG Converter Free – aktuell ist die Version 8.7 und kann bei Adobe heruntergeladen werden. Adobe wäre dumm, würde sie Geld für den Converter verlangen, denn schließlich wollen sie das DNG Format als freies RAW Format etablieren.
      Downloadlink
      http://www.adobe.com/support/downloads/detail.jsp?ftpID=5855

      MfG

      Alex Roediger