Fotorucksäcke: So finden Sie den richtigen für sich

Fotorucksäcke

Bei der Wahl eines Fotorucksacks geht es nicht nur um das Volumen in Litern – entscheidend sind auch die Art des Zugriffs auf die Ausrüstung, der Platz für Notebook, Wasser und Stativ sowie letztlich der Tragekomfort der Träger bei ganztägigem Einsatz. Anhand von drei langjährig erprobten Rucksäcken zeigen wir Ihnen, worauf Sie bei der Wahl achten sollten, damit er genau zu Ihrer Ausrüstung und Ihrer Art zu fotografieren passt.

Was Sie in diesem Artikel erfahren

  • Welche Zugriffsarten Rucksäcke für die Ausrüstung bieten.
  • Wie Sie die richtige Rucksackgröße je nach Umfang Ihrer Ausrüstung wählen.
  • Wo Sie im Rucksack Notebook, Wasser oder Stativ unterbringen.
  • Worauf Sie bei Trägern und Hüftgurt für komfortables Tragen achten sollten.
  • Warum sich eine Regenhülle lohnt und wie gut Rucksäcke Regen abhalten.

Während ein Smartphone samt seinen drei Objektiven noch in die Tasche passt, sieht die Situation bei einer größeren Kamera schon anders aus – dann müssen Sie sich Gedanken machen, wie Sie sie tragen. Eine der praktischsten Lösungen ist der Rucksack. Er eignet sich sowohl für die Stadt als auch für Ausflüge, und aktuelle Modelle bieten jede Menge nützlicher Eigenschaften. Lesen Sie, welche davon die wichtigsten sind.

Als Fotograf habe ich bereits mindestens sechs Fotorucksäcke ausprobiert, von denen ich drei noch immer besitze und für verschiedene Anlässe nutze. Ich verwende sie daher für die folgenden Beispiele. Konkret handelt es sich um:

  • Tenba Axis 32L (Version 1)
  • Peak Design Everyday Backpack (Version 1)
  • Think Tank MindShift Rotation 360° 38L Pro
Die Beispielrucksäcke in derselben Reihenfolge wie im Text, also von links nach rechts Tenba, Peak Design und Think Tank.

Mir ist bewusst, dass es sich bei diesem Beispiel-Set um teurere Produkte handelt, doch in der Regel finden Sie dazu auch eine günstigere Alternative, die trotzdem alles bieten kann, was Sie brauchen.

Der Zugriff auf die Ausrüstung

Am wichtigsten ist die Grundfrage: Wie kommen Sie an Ihre Ausrüstung heran?

Mein Favorit ist der seitliche Zugriff. Sie lassen den Rucksack von einer Schulter herabgleiten und kommen nach dem Öffnen des seitlichen Reißverschlusses an die Kamera heran, ohne irgendetwas auf dem Boden abstellen zu müssen. Das geht schnell und ist besonders in unwegsamem Gelände von Vorteil. Die Öffnung fällt unterschiedlich groß aus und befindet sich entweder auf beiden Seiten oder nur auf einer – praktisch immer der linken. Die rechte „Tür“ wird in diesem Fall meist zugunsten eines Trinkflaschen- oder Stativhalters geopfert.

Der seitliche Zugriff bei zwei Rucksäcken. Der Tenba hat eine kleinere Öffnung, während sich beim Peak Design fast die gesamte Seite öffnet.

Üblich ist auch der rückseitige Zugriff. Dabei müssen Sie den Rucksack mit der Vorderseite auf den Boden legen, sodass sich die Rückseite öffnet. Der große Vorteil ist, dass Sie so an jeden Punkt des Innenraums herankommen.

Der rückseitige Zugriff beim Tenba Axis.

Eine ältere Variante ist der vordere Zugriff, bei dem sich der Rucksack ähnlich öffnen lässt, allerdings auf der Seite, die beim Tragen vom Rücken abgewandt ist. Es gelten ähnliche Vorteile, allerdings mit einem Problem: Da Sie den Rucksack auf dem Boden abstellen müssen, landet dabei die gegenüberliegende Seite unten – also jene, die Sie sich anschließend an die Jacke drücken.

Natürlich gibt es auch den Zugriff von oben. Für Fototechnik nutzen Sie ihn aber eher dann, wenn Ihre Ausrüstung den gesamten Rucksack ausfüllt. Ansonsten ist der obere Bereich meist für Wandersachen reserviert, während die Elektronik weiter unten räumlich getrennt und damit unzugänglich ist.

Der Zugriff von oben, wo sich Kamera oder Wanderausrüstung befinden können.

Der Think Tank Rotation aus meinem Beispiel verfügt über einen ganz anderen Zugriff, den ich als rotierend bezeichnen würde. Ein Teil des Rucksacks lässt sich wie eine riesige Gürteltasche um den Körper drehen, und in seinem Inneren befinden sich Ihre elektronischen Schätze. Das ist eine praktische Lösung, wird aber durch den kleineren Stauraum eingeschränkt – bei meinem Modell reicht er für einen Body und zwei Objektive.

Der rotierende Zugriff beim Rucksack von Think Tank.

Der Stauraum für die Fotoausrüstung

Das benötigte Rucksackvolumen hängt direkt vom Umfang Ihrer Ausrüstung ab. Deshalb gibt es häufig Serien fast identischer Rucksäcke, bei denen sich die benachbarten Modelle nur in den Abmessungen unterscheiden.

Der erwähnte Tenba Axis ist zum Beispiel in den Größen 20 l, 24 l und 32 l erhältlich. (Bilder © Tenba)

Wenn Sie mit Ihrer Technik im Flugzeug reisen, müssen Sie außerdem die Größenlimits fürs Handgepäck im Kopf behalten und dürfen keinen zu großen Rucksack wählen.

Das Innere können Sie ganz nach Belieben anpassen. Trennwände mit Klettverschluss gehören zum Lieferumfang, weitere lassen sich nachkaufen oder selbst herstellen (mein Rezept ist eine Kunststoffplatte, umwickelt mit Schaumstoff und einem abschließenden Stoffbezug).

Die weiße Trennwand ist Marke Eigenbau – ich hatte kein dunkles Material zur Hand.

Platz für weitere Ausrüstung

Es gibt jede Menge Fototaschen, bei denen scheinbar nicht bedacht wurde, dass Sie darin auch eine Jacke oder einen Snack verstauen möchten. Manche Rucksäcke sind konfigurierbar, sodass Sie sie bei jeder Reise nach Bedarf anpassen. Andere haben fest getrennte Foto- und Wanderbereiche. Das ist zwar etwas sicherer, birgt aber gleichzeitig ein potenzielles Problem für die Zukunft, falls Sie unerwartet ein weiteres Objektiv kaufen.

Die Notebook-Tasche

Ein spezielles Notebook-Fach eignet sich auch für Papierdokumente oder größere flache Gegenstände. Moderne Rucksäcke haben so ein Fach fast immer, doch mein älterer Think Tank hat zum Beispiel keins (die aktuelle Version verfügt bereits darüber). Ebenso sollten Sie beim Kauf eines gebrauchten Rucksacks aufpassen, wenn Sie ein solches Fach benötigen.

Das Notebook- oder Tablet-Fach über die gesamte Rückseite des Tenba-Rucksacks.

Wasser und Stativ verstauen

Hier kann die Sache kompliziert werden, denn Stativ, Wasser und der seitliche Zugriff kommen sich in die Quere. Meine drei Rucksäcke sind ein schönes Beispiel für die verschiedenen Möglichkeiten.

Für das Stativ sehen manche Hersteller einen Platz genau in der Mitte des Rucksacks vor, möglichst weit vom Rücken entfernt. Dadurch verschiebt sich jedoch der Schwerpunkt ungünstig, und Sie dürfen den Rucksack anschließend auch nicht mehr auf dieser Seite ablegen. Wenn möglich, ist es besser, das Stativ seitlich zu tragen.

Der ausgeklappte Stoff links ist die Halterung für die Stativbeine. Wenn Sie sie jedoch nutzen, lässt sich der Rucksack kaum noch „normal“ aufstellen (hochkant) oder mit der Rückseite auf den Boden legen. Deshalb trage ich das Stativ in der seitlichen Tasche des Rucksacks.

Der Think Tank hat wegen seines Rotationssystems nur eine Tasche, kann deren Platz aber als Einziger für eine Trinkblase nutzen. Diese landet dann im Inneren des Rucksacks, aber getrennt von allem anderen. Für das Stativ bleibt dadurch leider genau der etwas ungünstige Platz weit weg vom Rücken.

Die Seite des Think Tank, wo der Platz für Wasser im Inneren von einer versteckten Trinkblase eingenommen werden kann. Ihr Schlauch wird durch eine spezielle kleine Öffnung oben unter dem Tropfen-Symbol herausgeführt.

Der Peak Design hat zwar keinen Platz für eine Trinkblase, dafür aber zwei riesige Außentaschen auf beiden Seiten, in die problemlos eine 1,5-Liter-Flasche plus Stativ passen.

In die seitlichen Taschen des Peak-Design-Rucksacks passt bequem eine 1,5-Liter-Flasche.

Der Tenba hat nur eine Tasche und auf der anderen Seite den seitlichen Zugriff, der mit Riemen bedeckt ist, die mit dem sogenannten MOLLE-System kompatibel sind. Damit lassen sich verschiedene Trinkflaschenhalter befestigen, doch der Platz reicht nur für einen Liter.

Ein zusätzlicher Flaschenhalter, der mithilfe des MOLLE-Systems am Tenba-Rucksack befestigt ist.

Weitere kleine Taschen

Sehr nützlich sind verschiedene kleine Fächer, und eine größere Anzahl davon stört überhaupt nicht. Beliebt sind auch versteckte Fächer zur Unterbringung eines AirTags, um gestohlene Sachen im Zweifelsfall aufspüren zu können.

Auch hier zeigen unsere Beispiele wieder unterschiedliche Lösungen: Der Think Tank hat über den ganzen Rucksack verteilte Reißverschlüsse, der Tenba legt wenig Wert auf getrennte Fächer, und die meisten Punkte sammelt hier der Peak Design mit einer großen Anzahl an Taschen rund um den gesamten Rucksack.

Die geöffnete Seite des Peak Design mit einer Vielzahl an kleinen Taschen, die sich unter einem einzigen Reißverschluss verbergen.

Gewicht und Tragekomfort

Ein leichter Rucksack ist verlockend, doch wichtiger ist, ob er gut sitzt und das Gewicht richtig verteilt. Rucksäcke, die eindeutig fürs Wandern gedacht sind, haben meist bessere Schulter- und Hüftgurte. Sie unterscheiden sich nicht nur in der Polsterung, sondern auch in den Einstellmöglichkeiten an verschiedenen Stellen.

Links der Peak Design mit eleganten, aber dünnen Trägern, die zudem im oberen Bereich nicht verstellbar sind. Rechts der Think Tank mit robusten, stark gepolsterten und verstellbaren Trägern.

Der Hüftgurt ist ein weiterer Unterschied. Bei Design-Rucksäcken fehlt er entweder ganz oder ist eher ein Witz. Bei Wanderrucksäcken ist er deutlich massiver und erfüllt bei schwererer Ausrüstung tatsächlich seinen Zweck. Brauchen Sie ihn nur manchmal und stört er Sie sonst eher, sollten Sie nach einem Rucksack mit abnehmbarem Hüftgurt Ausschau halten.

Die Hüftgurte aller drei Rucksäcke. Meinen Messungen zufolge beträgt die Polsterdicke beim Think Tank 25 mm, beim Tenba 14 mm, während der Peak Design nur einen 1 mm dünnen, eher symbolischen Gurt hat, der sich aber leicht verstauen lässt.

Eine Regenhülle für schlechteres Wetter

Höherwertige Modelle verfügen fast immer über eine Regenhülle, die passgenau für den Rucksack gefertigt ist und bei schlechtem Wetter herausgezogen wird. Danach müssen Sie sich um Ihre Ausrüstung keine Sorgen mehr machen.

Think Tank und Tenba mit ihren Regenhüllen. Diese sind zerknittert, da sie die meiste Zeit zusammengeknüllt in winzigen Täschchen verbringen.

Zur Veranschaulichung: Ich war einige Stunden bei mäßigem Regen in den Bergen unterwegs, mit einem Rucksack, der mit gummigesäumten Reißverschlüssen wirbt, aber keine Regenhülle bietet. Trotzdem drang durch die Öffnungen Feuchtigkeit ein. Andererseits war das eher ein Extremfall, und um meine Fotoausrüstung musste ich mir keine Sorgen machen, sodass es für den praktischen Einsatz vermutlich kein großes Problem darstellt.

Der geöffnete obere Zugang des Peak-Design-Rucksacks mit Feuchtigkeitsspuren nach ein paar Stunden im Regen.

Gibt es den perfekten Rucksack?

Im Allgemeinen nicht, denn es gibt zu viele widersprüchliche Anforderungen. Mit gut durchdachten Anforderungen finden Sie aber vielleicht den idealen Begleiter genau für Ihre Situation, dem Sie Ihre hart erarbeitete Ausrüstung anvertrauen können.

FAQ

Welche Zugriffsart ist bei einem Fotorucksack am praktischsten?

Am schnellsten ist der seitliche Zugriff, bei dem Sie an die Kamera herankommen, ohne den Rucksack vom Rücken zu nehmen. Der rückseitige Zugriff bietet einen besseren Zugang zum gesamten Innenraum, doch Sie müssen den Rucksack dafür auf dem Boden ablegen. Das rotierende System kombiniert beides, hat aber ein geringeres Fassungsvermögen.

Wie groß sollte ein Fotorucksack sein?

Wählen Sie die Größe nach dem Umfang der Ausrüstung, die Sie tatsächlich mitnehmen, nicht nach einer Reserve für die Zukunft. Wenn Sie fliegen, denken Sie außerdem an die Handgepäcklimits – beliebte Modelle sind deshalb oft gleich in mehreren Größenvarianten erhältlich.

Wie lässt sich ein Stativ im Rucksack tragen?

Am häufigsten seitlich am Rucksack in einer eigenen Tasche oder Halterung für die Beine. Die Platzierung mittig am Rücken spart zwar Platz, verschiebt aber den Schwerpunkt und macht es unmöglich, den Rucksack auf dieser Seite abzustellen.

Worauf sollte ich bei Trägern und Hüftgurt achten?

Wanderrucksäcke haben meist massivere, gepolsterte Träger und einen funktionalen Hüftgurt, der tatsächlich einen Teil des Gewichts von den Schultern nimmt. Design-orientierte Stadtrucksäcke sind in dieser Hinsicht oft einfacher gehalten oder verzichten ganz auf den Hüftgurt.

Brauche ich für meinen Fotorucksack eine Regenhülle?

Wenn der Rucksack keine wasserdichten Reißverschlüsse oder eine eigene Regenhülle hat, kann bei längerem Regen trotz ansonsten hochwertiger Verarbeitung Feuchtigkeit eindringen. Eine passgenaue Regenhülle ist daher eine sinnvolle Investition, wenn Sie häufig bei unsicherem Wetter im Freien fotografieren.

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AutorVít Kovalčík

Ich bin seit 2012 freiberuflich tätig und verdiene meinen Lebensunterhalt als Fotograf in Brünn. In den vergangenen Jahren habe ich meine Erfahrungen mit Fotografie im Studio und anderswo gesammelt, als ich tagsüber arbeitete und abends und am Wochenende fotografierte. Ich habe kein bestimmtes Thema - ich fotografiere gerne Menschen, aber auch Landschaften und Städte.

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