Sigma 20/1.4 DG DN Art im Test: Ein ultraweites Objektiv mit außergewöhnlicher Lichtstärke

Ein ultraweites und extrem lichtstarkes Objektiv. Das ist keine bloße Kuriosität für die Vitrine, sondern ein wirklich praktisches Werkzeug – wenn auch nicht für jeden Fotografen. Lesen Sie, was mich zu diesem Objektiv geführt hat und welche Erfahrungen ich damit gemacht habe.
Was Sie in diesem Artikel erfahren
- Warum ein ultraweites Objektiv mit einer Lichtstärke von f/1.4 ein praktisches Arbeitswerkzeug sein kann.
- Welche Vorteile die Sigma 20/1.4 DG DN bei der Hochzeitsfotografie bietet.
- Wie schlägt sich das Objektiv in Bezug auf Schärfe, Vignettierung, Verzeichnung und Anfälligkeit für Reflexionen.
- Welches Bokeh es selbst bei einer Brennweite von 20 mm bieten kann.
- Warum es sich für Astrofotografie und nächtliche Landschaftsaufnahmen eignet.
- Welche unkonventionellen Funktionen es bietet.
- Für wen die Sigma 20/1.4 DG DN die richtige Wahl ist und wann sich die Anschaffung lohnt.
Im Titel steht zwar „im Test“, doch verstehen Sie das nicht als kurzen Test für ein paar Tage. Dieses Objektiv habe ich mir angeschafft, damit es dauerhaft Teil meiner Ausrüstung bleibt. Während ich diesen Artikel schreibe, habe ich damit bereits rund 1.500 Aufnahmen bei echten Kundenaufträgen gemacht.
Meine Motivation für ein Objektiv vom Typ 20/1.4
In einem anderen Artikel habe ich bereits die Anschaffung der Sigma 35/1.2 für Hochzeiten erwähnt. Das ist mein Hauptwerkzeug, doch gelegentlich braucht man auch ein Teleobjektiv (aktuell das Samyang 85/1.4 II) und eben auch ein weites Glas – und das ist neu die Sigma 20/1.4 DG DN.

Ich hatte immer irgendein Weitwinkelobjektiv dabei. Früher war es das Zoom 16-35/2.8, doch im Vergleich zu lichtstarken Festbrennweiten macht sich die größere Schärfentiefe eben doch bemerkbar. Oder das Sigma 24/1.4, bei dem mir aber manchmal der Bildwinkel nicht ausreichte, sodass ich für ein paar Aufnahmen trotzdem etwas Weitwinkligeres brauchte (dafür griff ich experimentell oft zum 12-24/4).
Die ultraweite Festbrennweite Sigma 20/1.4 DG DN löst diese Situationen und reicht als einzige weitere Alternative zu 35 mm völlig aus.

Es funktioniert sogar als Backup, falls meinem Hauptobjektiv Sigma 35/1.2 etwas passieren sollte. Die Brennweite 20 mm ist zwar deutlich weiter, doch ich nutze sie auf einem 60-Megapixel-Body, bei dem ich beschneiden kann. Selbst wenn ich theoretisch aus dem Bild nur das mittlere Viertel des Bildausschnitts herausschneiden würde, erhielte ich ein sehr ähnliches Bild, wie es eine Vollformatkamera mit einem 40/2.8-Objektiv liefern würde (gleiche Schärfentiefe, gleiche Lichtstärke, aber geringerer Dynamikumfang). Dann hätte ich zwar nur noch fünfzehn Megapixel zur Verfügung, aber auch das ist nicht wenig.

Ultraweit + lichtstark = eine Rarität
Während es Standardobjektive vom Typ 50/1.4 (für Vollformat) in Hülle und Fülle von praktisch jedem Hersteller gibt, ändert sich die Situation, sobald man zu kürzeren Brennweiten geht. Von 35/1.4 gibt es noch immer Dutzende Varianten, doch Gläser mit der Spezifikation 24/1.4 stellen nur noch wenige ausgewählte Hersteller her. Kommt man zu 20/1.4, existieren derzeit nur zwei Möglichkeiten – Objektive von Sigma oder Canon (wenngleich es noch ein paar Varianten mit 21/1.4 von anderen Herstellern gibt).
Sigma ist hier ein Pionier, und das aktuelle Objektiv Sigma 20/1.4 DG DN Art ist eigentlich bereits die zweite Version, obwohl es entgegen der üblichen Praxis keine römische Ziffer im Namen trägt. Sein Vorgänger ist nämlich die Sigma 20/1.4 DG HSM Art, die für Vollformat-Spiegelreflexkameras gedacht war. Das Kürzel „DN“ beim neueren Glas zeigt an, dass es ausschließlich auf spiegellose Kameras zielt.

Dadurch war die Konstruktion offenbar einfacher, und die optische Veränderung gegenüber der ersten Version ist beträchtlich. Das Objektiv wurde leichter (von 950 g auf 630 g), kompakter (von 130 mm Länge auf 113 mm) und außerdem verschwand sogar das vordere, gewölbte Element, das die Verwendung von Filtern verhinderte. Neu steht ein Standard-Filtergewinde mit 82 mm Durchmesser zur Verfügung.

Bildqualität wie erwartet
Die Bildqualität entspricht der eines modernen Spitzenobjektivs, das aber zur Gewichtsersparnis in kleinen Details doch auf digitale Korrekturen setzt.
Die Schärfe ist sehr gut, und auch die Gegenlichtfestigkeit ist ordentlich. Das ist bei Ultraweitwinkelobjektiven eine wichtige Eigenschaft, denn die Sonne befindet sich oft im Bild oder zumindest in dessen Nähe.

Die Vignettierung ist dagegen sehr hoch (in den Ecken über 3 EV). Da ich gleichzeitig auch die Vorgängerversion des Objektivs besitze, zeigt sich deutlich, dass die neue Version hier eine sichtbare Verschlechterung mit sich bringt.


Die neue Version des Objektivs (links) weist eine stärkere Vignettierung auf als die alte (rechts). Beide Fotos wurden mit Blende f/1.4 aufgenommen.
Das ist offensichtlich die Folge des Bestrebens, das Objektiv zu verkleinern. Die Designer von Sigma mussten entscheiden, welche Eigenschaften für sie wichtig sind, und dabei haben Gewicht und Filterdurchmesser gewonnen. Vignettierung ist der übliche Preis nicht nur bei diesem Objektiv, sondern auch bei vielen anderen.
Auch eine leichte tonnenförmige Verzeichnung ist vorhanden. Obwohl Festbrennweiten darin meist besser abschneiden als Zoomobjektive, sind ultraweite Gläser noch einmal ein eigenes Kapitel, und Verzeichnung tritt hier deutlich häufiger auf als bei Teleobjektiven.
Bokeh und „Makro“
Der unscharfe Hintergrund ist für mich der Clou dieses Objektivs, und es hat mich darin ganz sicher nicht enttäuscht. Selbst bei so weiten Aufnahmen ist fast durchgehend ein angenehmes Bokeh zu sehen, das das Motiv schön von der Umgebung trennt.
Bei meinen Versuchen bin ich darauf gestoßen, dass sich damit eine Art abgespecktes Makro fotografieren lässt. Obwohl das Objektiv einen maximalen Abbildungsmaßstab von nur 1:6,1 hat (gegenüber echten Makroobjektiven mit 1:1), wirken Nahaufnahmen gerade wegen des schnellen Schärfeabfalls effektvoll.


Astrofotografie
Ein weiterer Bereich, in dem sich das Objektiv wie zu Hause fühlt, sind Aufnahmen des Nachthimmels. Da sich die Erde recht schnell dreht, ist es nicht einfach, lange Aufnahmen zu machen. Innerhalb weniger Sekunden ziehen sich die Sterne zu Strichen, weshalb die hohe Lichtstärke hier hilft, den Himmel schneller einzufangen, bevor die Bewegung sichtbar wird.
Gegenüber der Blende f/2.8 sammeln Sie außerdem in einem Viertel der Zeit genügend Photonen. Es macht einen großen Unterschied, ob Sie die Milchstraße eine Stunde oder nur fünfzehn Minuten lang fotografieren.
Mit guten Bedingungen für die Milchstraße hatte ich bisher leider kein Glück, daher zeige ich stattdessen meine beliebten Sternspuren, zusammengesetzt aus 116 Fotos mit je 13 Sekunden Belichtung. Die Kapelle wird vom Mond beleuchtet, der hinter mir stand.

Besondere Eigenschaften
Die Sigma 20/1.4 steckt voller Überraschungen, und eine davon ist die Halterung für Filter an der Objektivrückseite. Hier können Sie sich eigene Gel-ND-Filter zuschneiden und so die Verwendung großer Frontfilter vermeiden.

Schade nur, dass solche Filter nicht standardisiert sind. Zur Sicherheit habe ich getestet, ob sich mein nachgekauftes Set an Rückseitenfiltern für das bereits getestete Objektiv Sony 12-24/4 verwenden lässt – das Ergebnis war leider ein klares Nein.
Mit Frontfiltern gibt es dagegen überhaupt kein Problem, und selbst der recht dicke Revoring, der Polarisations- und ND-Filter kombiniert, verursachte keine zusätzliche sichtbare Vignettierung. Zumindest nicht über die enorme hinaus, die das Objektiv ohnehin schon ohne Filter aufweist.

Mit den Frontfiltern hängt auch eine zweite Besonderheit zusammen. Das Objektiv besitzt nämlich vorne eine deutliche Verbreiterung, wodurch es leider etwas mehr Platz im Rucksack beansprucht. Die vorderste Linse verursacht das offenbar nicht, denn sie liegt erst dahinter. Woran liegt es also?

Der Hauptgrund dürfte sein, dass die Filter breiter ausfallen und keine Abdunkelung der Bildecken verursachen sollen. Sigma selbst hat aber noch eine weitere Erklärung geliefert: „Lens Heater Retainer“. Mit „Lens Heater“ ist hier eine Heizmanschette gemeint, die verhindert, dass die vordere Linse beschlägt, wenn die Temperatur sinkt. Im Grunde ist das ein Band rund um das Objektiv, und die Verbreiterung verhindert vermutlich genau, dass dieses Heizband zu weit nach vorne rutscht und ins Bild gerät.
Hochzeiten und Nachthimmel
Mit der Sigma 20/1.4 DG DN bin ich ganz klar zufrieden. Bei Hochzeiten erfüllt sie genau das, wofür ich sie mir angeschafft habe, und darüber hinaus haben sich noch einige weitere Gelegenheiten ergeben, sie einzusetzen.
Ob dieses Objektiv auch für Sie das richtige ist, müssen Sie selbst abwägen. Es ist sicher nicht das erste Objektiv, das ich anschaffen würde, doch schon in Kombination mit einem weiteren, universelleren Zoom (etwa vom Typ 28-200 oder 35-150) ist es eine sehr starke Lösung, mit der Sie viele Situationen meistern.
FAQ
Für wen ist die Sigma 20/1.4 DG DN geeignet?
Am meisten profitieren Hochzeits-, Landschafts-, Architektur- und Nachthimmelfotografen. Dank der Lichtstärke f/1.4 lassen sich selbst bei sehr weitem Bildwinkel Aufnahmen mit ausgeprägter Raumwirkung erzeugen.
Was sind die wichtigsten Vorteile der Sigma 20/1.4 DG DN?
Zu den größten Vorzügen zählen die hohe Lichtstärke, die sehr gute Schärfe, das geringe Gewicht gegenüber der Vorgängergeneration, die Möglichkeit, gängige 82-mm-Filter zu verwenden, sowie die hervorragende Eignung für die Astrofotografie.
Hat das Objektiv auch Nachteile?
Ja. Am deutlichsten sind die starke Vignettierung bei Blende f/1.4 und eine leichte tonnenförmige Verzeichnung. Beides lässt sich bei den meisten Fotos jedoch problemlos im Editor korrigieren.
Lassen sich klassische Filter am Objektiv verwenden?
Ja. Im Gegensatz zur älteren Version verfügt es über ein Standardgewinde mit 82 mm für Frontfilter. Zusätzlich bietet es eine Halterung für Gelfilter an der Rückseite.
Ist die Sigma 20/1.4 DG DN für die Astrofotografie geeignet?
Ja. Die Kombination aus 20 mm Brennweite und f/1.4 Lichtstärke ermöglicht kürzere Belichtungszeiten, was hilft, Sterne ohne merkliche Bewegung einzufangen.
Kann es ein Standardobjektiv ersetzen?
Eher nicht. Es handelt sich um ein spezialisiertes Weitwinkelglas, das ein universelleres Objektiv am besten ergänzt, etwa eine 35-mm-Festbrennweite oder ein lichtstarkes Zoom.

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