Wir bereiten eine Ausstellung vor: Tipps zur Auswahl von Fotos

Eine Fotoausstellung kann verschiedene Formen annehmen: von einer Gemeinschafts- oder Wanderausstellung über eine kommerzielle Ausstellung bis hin zu einer Autorenausstellung. In diesem Artikel konzentrieren wir uns auf die Autorenausstellung, also auf eine Sammlung von Fotografien, die ein einheitliches Ziel verfolgen und die persönliche Vision des Autors zum Ausdruck bringen. Die Ausstellung sollte nicht nur eine ansprechende Präsentation „schöner Bilder” sein, sondern eine tiefere Bedeutung haben – sie sollte eine Botschaft vermitteln.
Was Sie in diesem Artikel erfahren werden:
- Was der Unterschied zwischen einer Autorenausstellung und einer reinen Präsentation von Fotografien ist.
- Warum es nicht sinnvoll ist, das gesamte Portfolio zu präsentieren, und wie man ein starkes Thema findet.
- Wie man mit einer Auswahl von Fotos arbeitet, damit sie miteinander „kommunizieren“.
- Warum ausgedruckte Vorschauen ein wichtiges Hilfsmittel bei der Vorbereitung einer Ausstellung sind.
- Wie Ihnen ein Kurator oder Kollege dabei helfen kann, die endgültige Auswahl zu optimieren.
- Wie man eine Ausstellung als Geschichte betrachtet und nicht nur als eine Sammlung schöner Bilder.
Was ist eine Ausstellung – Arten und Autorenausstellung
Eine Ausstellung ist eine Sammlung von Fotografien, die nach einem bestimmten Konzept als Ganzes präsentiert werden. Es gibt verschiedene Arten von Ausstellungen: beispielsweise Retrospektiven (das gesamte Werk eines Künstlers), thematische Projekte (Gruppen- oder Einzelprojekte), kommerzielle Messen oder Verkaufsausstellungen und viele mehr.
In diesem Artikel konzentrieren wir uns auf die Autorenausstellung, die das Werk eines einzelnen Fotografen präsentiert. Im Gegensatz zur Präsentation zufälliger Aufnahmen ist die Autorenausstellung als freie Schöpfung des Autors mit einer eigenen Botschaft konzipiert. Hier wird hauptsächlich künstlerische Fotografie präsentiert. Die Ausstellung sollte eine übergreifende Bedeutung haben, etwas Wichtiges zu sagen haben und auf dem persönlichen Schaffen des Autors, seinen Erfahrungen oder Einstellungen basieren. Die Ausstellung ist also eher wie ein Buch mit Fotos – jedes Foto erfüllt hier seinen Zweck im Rahmen des Ganzen, ähnlich wie die Kapitel einer Geschichte. Es geht nicht nur um „schöne Bilder”.
Präsentieren Sie nicht Ihr gesamtes Portfolio – wählen Sie ein Thema
Eine Autorenausstellung muss (und kann in der Regel auch nicht) das gesamte Portfolio des Autors umfassen. Eine Ausnahme bildet lediglich eine echte Retrospektive – beispielsweise die Ausstellung von Josef Koudelka, die sein Lebenswerk präsentierte. Diese wurde 2018 von der Nationalgalerie in Prag (Ausstellungsräume Rudolfinum) geplant.
Meistens ist es jedoch besser, eine ausgewählte Serie von Aufnahmen zu einem bestimmten Thema auszustellen. Anstatt eine Vielzahl zufälliger Fotos auszuwählen, konzentrieren Sie sich auf ein Thema oder Motiv, mit dem Sie sich langfristig beschäftigen. Jeder Fotograf fragt sich früher oder später, was er mit seinen Fotos eigentlich ausdrücken möchte. Es geht nicht um Trends, sondern um Sie – um Ihr Thema, um das, was Sie kennen und wofür Sie stehen. Es geht nicht nur darum, Likes zu sammeln. Das wiederholte Fotografieren eines Themas baut Ihre persönliche Aussage auf. Wie ich in meinem Artikel über langfristiges Fotografieren schreibe: „Ihre Fotos beginnen miteinander zu kommunizieren. Und das ist der Moment, in dem Sie aufhören, nur jemand zu sein, der „schöne Fotos macht”, sondern zu einem Autor mit einer Aussage werden”. Eine Fotoserie ermöglicht es Ihnen, ein Motiv weiterzuentwickeln, Symbole zu wiederholen und die Bedeutung zu vertiefen. Konzipieren Sie die Ausstellung also als Geschichte oder Dokument – lassen Sie die einzelnen Bilder miteinander kommunizieren.

Inspiration aus früheren Erfahrungen
Stützen Sie sich bei der Vorbereitung der Ausstellung auf das, was Sie bereits gelernt haben. Das Wichtigste ist, das zu fotografieren, was Sie wirklich kennen und hinter dem Sie stehen. Genau diese authentischen Momente hinterlassen bei einer Ausstellung den größten Eindruck. Starke Fotos entstehen oft dort, wo Sie die Umgebung gut verstehen. Vermeiden Sie auch klischeehafte Kompositionen – suchen Sie nach ungewöhnlichen Bildausschnitten und Bildern, die Aussagekraft haben. Die Suche nach dem eigenen Stil und langfristige Arbeit hängen miteinander zusammen.
Arbeiten Sie mit gedruckten Vorschauen
Sobald Sie eine grobe Auswahl an Fotos getroffen haben, drucken Sie diese in Kleinformat aus (A5 ist ausreichend). Arbeiten Sie physisch: Kopieren oder verkleinern Sie die Fotos, hängen Sie sie an die Wand oder legen Sie sie auf den Boden und kombinieren Sie sie auf verschiedene Weise. So erhalten Sie einen besseren Überblick darüber, wie die Bilder zusammenpassen und wie der Rhythmus und der Ablauf der Ausstellung aussehen werden (ähnlich wie bei einem Buchentwurf).
Das Ergebnis sollte eine visuelle Szenografie sein – ein Modell der Ausstellung, an dem die Anordnung der Bilder an den Wänden ersichtlich ist. Dies hilft dabei, die auffälligsten „Solitäre“ (die dominierenden Fotos) und ergänzende Bilder, die die Gesamtgeschichte unterstreichen, zu identifizieren. Wenn Sie die Möglichkeit haben, verwenden Sie auch eine Visualisierung der Ausstellung – zeichnen Sie einen Entwurf oder erstellen Sie einen virtuellen Plan der Galeriewände.
Wählen Sie Haupt- und Zusatzfotos aus: Markieren Sie die eindrucksvollsten (Solitäre) sowie diejenigen, die den thematischen Rahmen ergänzen. Berücksichtigen Sie bei Ihrer Entscheidung auch die Lesbarkeit und Kontinuität der gesamten Ausstellung (z. B. Farben, Licht, sich wiederholende Motive). Visualisieren Sie die Anordnung gemäß den Empfehlungen der Kuratoren.
Warum Sie einen Kurator (oder Kollegen) brauchen
Die Auswahl der Bilder für eine Ausstellung ist nicht einfach – es ist gut, jemanden an seiner Seite zu haben, der einen frischen Blick darauf wirft. Ein Kurator ist eine Person, die auf die Dramaturgie von Ausstellungen spezialisiert ist und im Idealfall gemeinsam mit Ihnen die endgültige Zusammenstellung der Werke erstellt. Die Zusammenarbeit mit einem Kurator bedeutet, das Konzept zu besprechen, die endgültige Form zu entwerfen und die technischen Möglichkeiten des Raumes zu berücksichtigen.
Falls Sie keinen professionellen Kurator haben, suchen Sie sich zumindest einen Kollegen oder Freund, der Fotograf ist und dessen Meinung Sie schätzen. Bitten Sie ihn um kritisches Feedback und tauschen Sie sich mit ihm aus. Zeigen Sie ihm regelmäßig Ihre ausgedruckten Vorschaubilder (in verschiedenen Phasen der Vorbereitung, an verschiedenen Orten, in unterschiedlichen Stimmungen), um zu sehen, wie die Bilder im Laufe der Zeit wirken. Ein frischer Blick kann auf Mängel aufmerksam machen oder stärkere Varianten der Zusammenstellung finden.

Machen Sie mit Print-Vorschauen weiter
Egal, mit wem Sie die Diskussion führen, nutzen Sie weiterhin Papierausdrucke. Das gilt für jede weitere Beratung oder bei einer Konzeptänderung. Unterschiedliche Stimmungen und das Betrachten in unterschiedlichen Umgebungen können unterschiedliche Qualitäten der Fotos hervorheben. Regelmäßiges Betrachten und Neuanordnen hilft Ihnen, eine visuelle Vorstellung zu behalten und zu erkennen, welche Bilder wirklich die richtigen sind und dem gesamten Thema zugute kommen und welche eher im Hintergrund bleiben sollten.
Nächste Phase – Form der Ausstellung
Jetzt haben Sie eine Auswahl an Bildern und eine klare Vorstellung davon, wie Sie diese anordnen möchten. Im nächsten Schritt werden wir verschiedene Ausstellungsformen betrachten: zum Beispiel monografische Ausstellungen (Ausstellung von Büchern oder Druckerzeugnissen), Installationen im Freien, Ausstellungs-Scroll, Online-Präsentationen und Ähnliches. Jede Form hat ihre eigenen Regeln, die wir im nächsten Artikel behandeln werden.
Die Fotoauswahl für die Ausstellung ist Teil der umfassenderen Arbeit am gesamten Projekt. Vergessen Sie nicht, dass die Ausstellung in Erinnerung bleiben sollte – sie soll dem Betrachter etwas sagen. Setzen Sie daher nicht auf oberflächliche Effekte (ähnlich wie „Postkarten“ von Reisen, die zwar schön, aber oft inhaltslos sind). Starke Bilder entstehen oft gerade in der gewohnten Umgebung, in der Sie zu Hause sind. Abschließend gilt eine gute Regel: Beginnen Sie dort, wo Sie sich gerade befinden. Wenn Sie wirklich starke Fotos machen wollen, begeben Sie sich mit klarem Kopf an bekannte Orte, betrachten Sie Ihre Umgebung mit neuen Augen und lassen Sie Ihrem eigenen Thema Raum. Die Ausstellung wird dann vor allem Ihre persönliche Geschichte widerspiegeln.
FAQ – Häufig gestellte Fragen
Muss ich einen Kurator für die Ausstellung haben? Das müssen Sie nicht, aber es ist sehr hilfreich. Ein Kurator oder zumindest ein erfahrener Kollege bietet Abstand und hilft dabei, das Konzept und die Qualität der Auswahl aufrechtzuerhalten.
Wie viele Fotos ist es sinnvoll auszustellen? Es gibt keine allgemeingültige Zahl. Wichtiger als die Menge ist die Kohärenz der Serie und die Fähigkeit der Bilder, als Ganzes zu funktionieren.
Ist eine Autorenausstellung nur für künstlerische Fotografie geeignet? Nicht unbedingt. Eine Autorenausstellung definiert sich durch persönliche Aussagen und Konzepte, nicht durch Genres.
Kann ich Fotos aus verschiedenen Zeiträumen ausstellen? Ja, wenn sie ein gemeinsames Thema, eine gemeinsame Bildsprache oder Idee verbindet. Ohne ein klares Konzept wirkt die Ausstellung jedoch unzusammenhängend.
Warum ist es besser, mit gedruckten Vorschauen zu arbeiten als mit dem Bildschirm? Papier ermöglicht die physische Arbeit mit Rhythmus, Größe und Beziehung zwischen den Bildern. So erhalten Sie eine bessere Vorstellung von der endgültigen Installation.
Ist es notwendig, von Anfang an ein starkes Thema zu haben? Nicht immer. Das Thema kristallisiert sich oft erst im Nachhinein heraus, nach langfristiger Arbeit und wiederholter Auswahl von Fotos.