Wie viele Objektive braucht man in einem Smartphone? Marketingversprechen vs. Realität

Wie viele Kameras im Handy sind wirklich sinnvoll? Die Hersteller locken mit drei oder mehr Objektiven und einem „optischen Zoom“, doch die Realität sieht oft anders aus. Wir haben die Unterschiede zwischen dem Hauptobjektiv und dem Teleobjektiv im Smartphone getestet und herausgefunden, wann es sich um eine echte Verbesserung handelt und wann es nur Marketingstrategie ist.

Was erfahren Sie?

  • Warum die technischen Daten von Handykameras oft irreführend sind.
  • Wie die Lichtstärke funktioniert und warum man sie bei Handys nicht einfach vergleichen kann.
  • Was der tatsächliche Unterschied zwischen dem Hauptobjektiv und dem Teleobjektiv ist.
  • Was „optischer Zoom“ in der Praxis bedeutet.
  • Welchen Einfluss die Auflösung und der Bildausschnitt auf die Fotoqualität haben.
  • Wann es sinnvoll ist, mehrere Objektive zu haben, und wann nicht.
  • Wie man anhand von Tests ein hochwertiges Fotohandy erkennt.

Heutige Smartphones rühmen sich oft mit drei Objektiven, die deutlich aus dem Gehäuse herausragen. Ist das aber nicht nur ein Marketingtrick? Was wäre, wenn in Wirklichkeit eine geringere Anzahl dieser Minikameras ausreichen würde und man einfach den entsprechenden Ausschnitt aus der Bildmitte herausschneiden würde? Das ist gar nicht so abwegig, wie es klingt, und genau das habe ich mit meinem Smartphone getestet.

Seit vielen Jahren bemängele ich, dass die technischen Daten von Handykameras irreführend oder sogar falsch sind. Nicht nur die Marketingabteilungen der Hersteller verstehen sie nicht, sondern leider auch die große Mehrheit der Bewertungsportale, einschließlich großer, angesehener Websites.

Warum sind Angaben zur Lichtstärke bei Smartphones irreführend?

Der Hauptfehler wird in dem Artikel unter dem Link im ersten Absatz beschrieben, aber um es kurz zusammenzufassen: Die Lichtstärke einzelner Objektive wird als „f/Zahl“ angegeben, was korrekt ist. Es handelt sich dabei in Wirklichkeit um eine Formel, in die man f, also die Brennweite, einsetzt, um die Größe der Öffnung im Objektiv zu erhalten, durch die das Licht fällt.

Die Brennweite hängt von der Sensorgröße ab, sodass Ihnen beispielsweise 4 mm nichts sagen; deshalb wird dieser Wert für die Darstellung auf ein Format umgerechnet, das dem von Full-Frame-Kameras entspricht. Man multipliziert ihn beispielsweise mit sechs (oder allgemein mit dem sogenannten Crop-Faktor). Wenn man jedoch die Blende in derselben Angabe belässt, würde das bedeuten, dass sich die Öffnung im Objektiv versechsfacht hat!

Richtig wäre es, diese „f/Zahl“ ebenfalls mit sechs zu multiplizieren, um vergleichbare Werte zu erhalten. Doch dann ergibt sich im Vergleich zu Full-Frame-Kameras (die tatsächlich so große Objektive haben, dass die Blendenöffnung viel größer ist) ein ungünstiges Ergebnis. Bei Teleobjektiven in Handys wird mit noch höheren Zahlen multipliziert, daher ist es irreführend, ein System mit einer Lichtstärke von f/2,4 zu bewerben, wenn es sich in Wirklichkeit um f/23 handelt.

Die Angabe der umgerechneten Brennweite bei gleichzeitig NICHT umgerechneter Blende sagt also nicht viel aus, doch leider ist dies praktisch überall der Standard.

Warum lassen sich Handykameras nicht einfach vergleichen?

Aus diesem Grund lassen sich nicht nur Kameras verschiedener Smartphones nur schwer miteinander vergleichen, sondern auch die Kameras innerhalb eines einzigen Smartphones. Sie verfügen oft über Sensoren unterschiedlicher Größe, sodass die Blende überhaupt nicht übertragbar ist.

Wenn man dann noch die unterschiedlichen Auflösungen der einzelnen winzigen Sensoren hinzunimmt, wird es wirklich verwirrend.

Test: Das Samsung Galaxy S25 und seine Kameras in der Praxis

Ich habe mir ein Handy zugelegt, dessen technische Daten mich in Erstaunen versetzt haben, insbesondere beim Vergleich der Standard-Weitwinkelkamera mit der Tele-Kamera. Den Zahlen zufolge scheint die „längere“ Kamera nämlich ähnliche Parameter zu haben wie ein einfacher Ausschnitt aus dem Bild der Weitwinkelkamera.

Das getestete Handy: Samsung S25.

Das Weitwinkelobjektiv hat eine umgerechnete Brennweite von 24 mm und eine umgerechnete Blende von f/8 (Crop-Faktor 4,4). Dahinter befindet sich ein Sensor mit 50 Megapixeln.

Das Teleobjektiv hat nur 12 Megapixel, eine Brennweite von 67 mm und eine Blende von f/23 (Crop-Faktor 9,6).

Um nicht nur mit Zahlen um mich zu werfen, wollen wir ein paar Tests durchführen. Ich werde jeweils das Vollbild des Teleobjektivs mit einem Ausschnitt aus dem Weitwinkelobjektiv bei gleicher Pixelgröße vergleichen. Alle Aufnahmen wurden mit der Samsung-App im PRO-Modus (d. h. im manuellen Modus) gemacht, und ich vergleiche die RAW-Dateien.

Im Folgenden werde ich die gängigeren Bezeichnungen „Teleobjektiv“ oder „Weitwinkelobjektiv“ verwenden, obwohl es sich in beiden Fällen um ein System aus Objektiv und Sensor handelt, also um vollständig eigenständige Kameras.

Der tatsächliche Unterschied beim Bildwinkel und bei der Unschärfe

Das hat mich am meisten interessiert, denn ein einfacher Ausschnitt aus einer Weitwinkelaufnahme hat eine Brennweite von etwa 50 mm, während das Teleobjektiv jene 67 mm hat. Ich wollte also wissen, wie sehr sich die Bilder unterscheiden würden.

Hier ist der Vergleich:

Bildwinkel und Hintergrundunschärfe. Oben das Weitwinkelobjektiv, unten das Teleobjektiv.

Das Handy war auf einem Stativ befestigt, die Objektive befinden sich aber links und rechts, sodass jedes einen etwas anderen Bildausschnitt hat. Interessant sind hier die Höhenverhältnisse, die gleich bleiben.

Sie sehen, dass es sich im Gegensatz zu den Marketingangaben über einen dreifachen optischen Zoom um eine etwa 1,3-fache Vergrößerung handelt, was nicht einmal annähernd den Herstellerangaben entspricht.

Die Unschärfe ist noch schlechter ausgefallen, und der Unterschied zwischen den Objektiven ist nicht zu erkennen, was auch den Zahlen entspricht: Beide haben eine sehr ähnliche Blendenöffnung: 3 mm (24 mm geteilt durch 8) bzw. 2,9 mm (67 mm geteilt durch 23). Wenn man auf den am weitesten entfernten roten Stift fokussiert, ist dieser genauso unscharf.

Qualität der Details: Welches Objektiv liefert schärfere Bilder?

Uns wird auch interessieren, welche Details die einzelnen Objektive erkennen können. Dies ist die Gesamtaufnahme bei Verwendung der niedrigstmöglichen Empfindlichkeit, d. h. ISO 50.

Szene für den Schärfetest. Oben ein Weitwinkelobjektiv, unten ein Teleobjektiv.

Entscheidend sind hier jedoch die Details:

Schärfedetails, vierfache Vergrößerung. Oben das Weitwinkelobjektiv, unten das Teleobjektiv.

Das Teleobjektiv erfasst zwar mehr Details, aber auch hier kann man keineswegs behaupten, dass es dreimal besser wäre als die Hauptkamera.

Rauschen und Bildqualität bei schlechten Lichtverhältnissen

Der Unterschied in der Lichtstärke, f/8 gegenüber f/23, könnte zu der Annahme verleiten, dass das Weitwinkelobjektiv deutlich besser sei. Man muss sich jedoch bewusst machen, dass wir nur einen Ausschnitt daraus verwenden, wodurch das Rauschen deutlich stärker wird.

Ein weiterer wichtiger Punkt ist, dass ein Weitwinkelobjektiv etwa um 0,5 EV hellere Bilder liefert als ein Teleobjektiv und daher weniger Licht oder eine niedrigere ISO-Einstellung benötigt. Da die Empfindlichkeit jedoch nicht in Schritten von weniger als 1 EV angepasst werden kann, habe ich, um diesem Vorteil etwas Rechnung zu tragen, das Ergebnis des Weitwinkelobjektivs abgedunkelt, wodurch das Rauschen reduziert wird.

Die Aufnahme ist dieselbe, nur der ISO-Wert wurde auf 3200 geändert.

Rauschdetails, vierfache Vergrößerung. Oben das Weitwinkelobjektiv, unten das Teleobjektiv.
Rauschdetails, diesmal im Maßstab 1:1. Links das Weitwinkelobjektiv, rechts das Teleobjektiv.

Hier sehen wir, womit sich die Algorithmen im Inneren des Handys auseinandersetzen müssen. In diesen Fällen leiden die Details sehr, und bei einem Weitwinkelobjektiv scheint es, als würden wir vielleicht gar nicht das tatsächliche Rauschen sehen, sondern bereits ein leicht softwarebearbeitetes Bild. Auf jeden Fall kann das Teleobjektiv auch in diesem Durcheinander etwas mehr Details erkennen und wirkt bei größeren Fotos schärfer.

Testergebnis: Ist ein Teleobjektiv im Handy sinnvoll?

Das Teleobjektiv hat einen kleinen Vorteil gegenüber einem Ausschnitt aus dem Hauptsensor, ist aber keineswegs dreimal besser als dieser. Ich würde es eher auf das 1,5-Fache schätzen.

Es gibt jedoch einen Haken: Zugriff auf die 50-Megapixel-Fotos der Hauptkamera haben nur Apps von Samsung. Alle anderen Programme müssen sich mit 12 Megapixeln begnügen, sodass sie keine Ausschnitte erstellen können. Es handelt sich jedoch nur um eine softwareseitige Einschränkung.

Ein anderes Smartphone, das nur eine etwas bessere Hauptkamera hätte und keine Einschränkungen für Apps von Drittanbietern auferlegen würde, könnte beide Objektive übertrumpfen. Dann wäre ein separates Teleobjektiv gar nicht nötig.

Teleobjektive und die Begegnung mit der Realität

Ein allgemeines Problem von Teleobjektiven besteht darin, dass sie nur einen kleinen Ausschnitt der Szene erfassen, wodurch dem Sensor das gesamte Umgebungslicht entgeht, das ein Weitwinkelobjektiv einfangen würde. Um diesen Effekt auszugleichen, verfügen Teleobjektive in der Regel über eine größere Blendenöffnung, sodass sie im Gegenzug einen größeren Lichtstrahl von jedem Punkt der Szene einfangen.

Deshalb sind Teleobjektive bei Vollformatkameras so groß. Es liegt nicht am Sensor, sondern einfach daran, dass für eine hohe Bildqualität ein großer Durchmesser erforderlich ist und die Kunden größere Komponenten akzeptieren.

Bei einem Handy wollen wir jedoch möglichst kleine Maße, sodass eine große Öffnung unrealistisch ist. Von Zeit zu Zeit tauchen begeisterte Artikel über Periskopobjektive in neuen Handys auf, doch diese lösen das Problem nach wie vor nicht.

Wikipedia hat sogar eine Liste der längsten Teleobjektive in Smartphones, in der die Lichtstärke korrekt (endlich! ) umgerechnet ist. Werte um f/20 sind völlig gängig, eine große Ausnahme bildet derzeit (2026) nur das Xiaomi 15 Ultra mit einer Lichtstärke von f/10,6. Dieses Smartphone hat jedoch auf der Rückseite einen wirklich riesigen Kameravorbau, und seine Gesamtdicke beträgt in diesem Bereich 15,6 mm.

Bei normal schlanken Handys sollten Sie allerdings keine Wunder erwarten.

Mehr Objektive bedeuten nicht gleich mehr Qualität

Die einzige Möglichkeit, Smartphones zu vergleichen, besteht darin, sich die Bewertungen und Testberichte zu den Kameras anzusehen. Seien Sie aber nicht überrascht, wenn ein Smartphone mit nur einer oder zwei Kameras besser abschneidet als ein Modell mit mehreren Kameras.

Natürlich sind manche separate Objektive unabhängig von ihren genauen technischen Daten nach wie vor praktisch. Ultraweitwinkelobjektive bei Smartphones haben zwar meist eine recht geringe Lichtstärke, sind aber unverzichtbar, wenn man in engen Räumen einen sehr weiten Bildausschnitt aufnehmen möchte.

Die Anzahl der Kameras in einem Smartphone ist also kein verlässlicher Qualitätsindikator. In der Praxis entscheiden oft der Hauptsensor und die Bildverarbeitung. Ein Teleobjektiv kann zwar hilfreich sein, doch ist sein Nutzen meist geringer, als es die Werbung vermuten lässt.

FAQ

Bietet eine höhere Anzahl an Kameras im Handy immer eine bessere Qualität?

Nein. Mehr Objektive bedeuten nicht automatisch bessere Fotos. Oft handelt es sich eher um Marketingstrategien als um einen tatsächlichen Mehrwert.

Was ist optischer Zoom bei einem Smartphone?

Optischer Zoom bedeutet eine Änderung der Brennweite durch den Einsatz eines anderen Objektivs. Bei Smartphones ist der Unterschied jedoch oft geringer, als von den Herstellern angegeben.

Warum kann man die Blende bei Handys nicht miteinander vergleichen?

Weil es von der Größe des Sensors abhängt. Dieselbe Blendenzahl kann in der Praxis eine völlig andere Lichtstärke bedeuten.

Was ist besser: ein Teleobjektiv oder ein Ausschnitt aus dem Hauptsensor?

In vielen Fällen ist der Unterschied überraschend gering, und manchmal kann der Ausschnitt aus einem hochwertigen Hauptsensor vergleichbar oder sogar besser sein.

Woran erkenne ich ein hochwertiges Fotohandy?

Nicht nach der Anzahl der Objektive, sondern nach realen Tests.

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AutorVít Kovalčík

Ich bin seit 2012 freiberuflich tätig und verdiene meinen Lebensunterhalt als Fotograf in Brünn. In den vergangenen Jahren habe ich meine Erfahrungen mit Fotografie im Studio und anderswo gesammelt, als ich tagsüber arbeitete und abends und am Wochenende fotografierte. Ich habe kein bestimmtes Thema - ich fotografiere gerne Menschen, aber auch Landschaften und Städte.

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