Wie entscheidet man, ob man ein Foto in ein S/W-Bild umwandeln soll

Genauso wie wir sehen auch die Kameras die Welt in Farben. Trotzdem kann es sich lohnen, ein farbiges Bild in ein Schwarz-Weiß-Foto umzuwandeln. Wann lohnt sich die Konvertierung und wann nicht?

Die Entscheidung, ob das Foto schwarz-weiß oder lieber farbig bleiben soll, ist eher eine subjektive Angelegenheit und hängt von dem Autor selbst ab. Natürlich findet man solche Menschen, die ausschließlich schwarz-weiß oder im Gegenteil nur farbig fotografieren. Die Umwandlung in ein Schwarz-Weiß-Foto ist in gewisser Weise eine Stilisierung des Bildes – weil normalerweise die Welt um uns herum farbig ist. Trotz einer gewissen Subjektivität gibt es ein paar Prinzipien, die uns bei der Entscheidung zwischen S/W und Farbe helfen können.

Spielt die Farbe eine wichtige Rolle?

Werfen Sie einen Blick auf Ihr Foto und überlegen Sie kurz: Ist die Farbe das wichtigste Element des Fotos? Würde man etwas vermissen, wenn die Farbe nicht vorhanden wäre? Falls Sie „ja“ antworten, sollten Sie das Foto wahrscheinlich nicht umwandeln. Stellen Sie sich vor, Sie würden versuchen, einen wunderschönen bunten Papagei zu fotografieren. Den Papagei in S/W zu fotografieren würde keinen Sinn ergeben. Das heißt aber noch lange nicht, dass Sie farbenfrohe Bilder nicht S/W konvertieren sollten. Schrille Farben können sogar die Aufmerksamkeit vom Hauptmotiv lenken. Vielleicht ist die Farbe aber auch völlig bedeutungslos für die Stimmung oder das Thema des Bildes, das Sie erfassen möchten. Wenn die Farbe jedoch das Hauptmotiv ist, dann sollten Sie das Bild farbig lassen.

Im Mittelpunkt des Bildes steht die Farbenvielfalt des Ortes und das Hauptmotiv ist das typische gelbe NYC-Taxi. Nach der Konvertierung in S/W verliert das Bild seinen Sinn – nämlich der Tatsache, dass New York bei Nacht eine bunte Stadt mit hoher Verkehrsdichte ist. In diesem Fall ist es besser, die Farbe zu lassen.
Canon EOS 100D, EF-S 24 mm f/2.8 STM, 1/80 s, f/4, ISO 800, Brennweite 24 mm

Hat das Foto einen geometrischen Charakter?

Falls Sie bei der Aufnahme grafische Elemente oder klare Linien nutzen, dann eignet sich das Bild bestens für die S/W-Umwandlung. Mithilfe der Linien erzielen Sie dynamische Kompositionen, die das Auge des Betrachters entlang des Bildes führen. In S/W stechen diese Linien noch deutlicher hervor, deshalb werden sie umso eindrucksvoller sein.

Die Linien (auf dem sind eine Menge von Linien zu sehen) ergänzen sich perfekt mit der Schattenkontur der Person. In Schwarz-Weiß sind sie dank klarem Kontrast deutlicher und damit unterstützen sie die Geometrie des Fotos.
Sony A7, FE 50 mm f/1.8, 1/160 s, f/8, ISO 125, Brennweite 28 mm

Ist das Foto besonders kontrastreich?

Besonders kontrastreiche Bilder eignen sich sehr gut für S/W Fotos. Sobald Sie nämlich die Farbe auf dem Bild entfernen, bleibt nur noch das Schatten- und Lichtspiel übrig. Besonders kontrastreiche Fotos enthalten viele Schwarz- und Weißtöne – Graustufentöne sind in geringerem Maße vertreten.

Der Kontrast ist gerade eine der Dinge, die ein S/W-Foto so interessant machen. Farben lenken unsere Wahrnehmung oftmals ab und deshalb kosten wir das Foto nicht richtig aus. Sollten Sie also Bilder mit kenntlich dunklen und hellen Flächen haben, dann zögern Sie nicht, eine S/W-Umwandlung vorzunehmen.

Die Silhouetten der Menschen stehen in einem ziemlich starken Kontrast zu der Umgebung. Farben würden hingegen unseren Blick beeinflussen. Durch die Konvertierung in S/W erhalten wir eine klarere und kompaktere Komposition.
Canon EOS 100D, EF-S 24 mm f/2.8 STM, 1/60 s, f/2.8, ISO 1600, Brennweite 24 mm

Spielt das Foto mit den Schatten von Objekten?

Wenn die Sonne knapp über dem Horizont steht, dann entstehen lange Schatten. Eine Umwandlung betont die Schatten noch mehr. Hier kommt wieder das Spiel zwischen den hellen und dunklen Flächen zum Tragen. In der farbigen Variante werden die Schatten nicht ausreichend betont und daher ist die Konvertierung in S/W ratsam.

Das Bild basiert auf der Parallelität der Schatten von verschiedenen Objekten. Dank ihnen wirkt es ruhig und harmonisch. Durch die S/W-Darstellung wird dieser Effekt noch deutlicher – die Schatten werden hervorgehoben und die winzigen Farbdetails verschmelzen mit den S/W-Tönen.
Sony A7, FE 28 mm f/2, 1/160 s, f/8, ISO 100, Brennweite 28 mm

Ist auf dem Bild eine auffallende Struktur oder Textur erkennbar?

Objekte mit sichtbarer Struktur oder Textur bzw. einer charakteristischer Oberfläche eignen sich bestens für die Umwandlung in S/W. Es kann sich hierbei beispielsweise um eine Baumrinde, eine Wand mit abgeplatztem Putz oder einer faltigen Haut handeln. Unter Struktur verstehen wir in diesem Sinne, wie sich die Oberfläche eines Gegenstandes anfühlt. Ein Bild sollte das Gefühl vermitteln, dass wir auf etwas Glattes, Grobes, Scharfes oder Weiches blicken. Bei Schwarz-Weiß-Fotos wirken die Texturen/Strukturen noch stärker.

Die rissige Mauer ruft den Eindruck einer abstrakten Zeichnung oder Malerei durch die Farben hervor. Die schwarz-weiße Verarbeitung lässt uns die Einzelrisse, Grobheit der Oberfläche und ihre Falten wahrnehmen.
Sony A7, FE 50 mm f/1.8, 1/4000 s, f/3.5, ISO 100, Brennweite 50 mm

Enthält die Komposition ein dominantes Element auf einem einfachen Hintergrund?

Eine klare Komposition wirkt gut, wenn sie in S/W dargestellt wird. Es ist ideal, wenn Sie auf einem Bild ein Hauptobjekt haben, das sich in einer einfachen Umgebung befindet. Es ist wichtig, dass das Objekt vom Hintergrund leicht isoliert ist.

Die Fotografie wirkt sehr einfach bis minimalistisch. Auf dem einfachen Hintergrund befindet sich eine deutlich sichtbare Person und deshalb wirkt das Bild auch ohne Farbe ganz gut.
Sony A7, FE 28 mm f/2, 1/100 s, f/7.1, ISO 100, Brennweite 28 mm

Die Stimmung im Bild

In vielen Fällen hat sowohl die schwarz-weiße als auch die farbige Ausführung etwas für sich. In S/W kann man gut mit der Dramatik arbeiten. Außerdem können Sie auch eine düstere Atmosphäre erschaffen. Natürlich bedeutet es nicht automatisch, dass eine schwarz-weiße Fotografie traurig oder dramatisch wirken muss. Man erreicht jedoch diese Stimmungen leichter als in der Farbfotografie. Ein schönes Beispiel ist eine Landschaft mit einem Himmel voller Wolken. Die schwarz-weiße Verarbeitung hebt die Struktur des Himmels und den Kontrast hervor. Fern wirkt das Bild dramatischer.

Beim Sonnenuntergang zogen viele verschiedenen Wolken über den Himmel. In der Farbversion wird man von der Kombination Orange-Gelb und Blau bezaubert. In Schwarz-Weiß spielt die Struktur der Wolken eine wichtige Rolle, die dank des hohen Kontrastes dramatischer wirkt als in Farbe.
Sony A7, FE 28 mm f/2, 1/100 s, f/22, ISO 100, Brennweite 28 mm

Wenn Sie das nächste Mal Ihre Fotos in Schwarz-Weiß-Bilder umwandeln, dann sollten Sie darauf achten, dass die Aufnahme sowohl die schwarze als auch die weiße Farbe enthält und nicht nur Graustufentöne. Der Zauber der Schweiz-Weiß-Fotografie liegt im Kontrast und in den Übergängen zwischen Schatten und Lichtern. Die Entscheidung, ob Sie ein Bild in ein S/W-Foto umwandeln möchten hängt natürlich auch vom persönlichen Geschmack sowie der Atmosphäre die Sie schaffen möchten ab. Die Komposition spielt hier jedoch eine ausschlaggebende Rolle.

Ja, es hängt auch vom Geschmack und der Atmosphäre ab, die Sie erreichen wollen. Entweder so oder so, Schwarz-Weiß-Fotografie benötigt deutlichere Komposition. Suchen Sie nach klaren Linien, dominanten Figuren, kontrastreichen Szenen oder Objekten auf einem einfachen Hintergrund.

Letzte Änderung 13. Juni 2017

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Autor: Dasa Husarova

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Kommentare

  • Knorx Thieus

    Ein sehr guter Artikel! Ich muss gestehen, dass es mir besonders schwer fällt, den richtigen Blick für den Zauber von Schwarz-Weiß-Fotografien zu finden. Im Gegensatz zu farbigen Bildern lenken diese die Aufmerksamkeit des Betrachters in der Folge ihres farblichen Defizites weniger eindringlich auf mich … Auf mich als 2000’er wirken solche Abbildungen auf dem ersten Blick spontan zu oft einfach nur „altmodisch“, ihr künstlerischer Wert liegt tiefer.