Wie beginne ich mit dem Fotografieren?

Man sagt, dass man am meisten in der Praxis lernt. Und dies gilt auch für die Fotografie. Dennoch gibt es Menschen, die über die Fotografie lesen, aber sobald sie selbst die Kamera in die Hand nehmen sollen, kommen plötzlich die Zweifel auf. Mit dem Fotografieren anzufangen ist dabei kinderleicht. Erfahren Sie mehr darüber.

Zunächst einmal muss man sich einer Tatsache bewusst werden: Fotografieren kann jeder. Die Fotografie ist nämlich nichts anderes als ein Ausdrucksmittel, wie die Person die Welt wahrnimmt und welche Sichtweise sie dabei einnimmt. Fotografieren ist auch Kunst und diese hat keine festen Regeln. Auch Sie können ein Künstler sein.

Die Fotografie ist die subjektive Wahrnehmung der Welt und ist mit Emotionen verbunden.

Die Fotografie ist die subjektive Wahrnehmung der Welt und ist mit Emotionen verbunden. Nikon D3300, AF-S NIKKOR 35 mm 1:1. 8 G, 1/250 s, f/4.8, ISO 400

Selbstverständlich gibt es auch viele Grenzen, die Sie i. d. R. nicht überschreiten sollten, aber niemand hindert Sie daran, diese in bestimmten Situationen zu ignorieren. Nämlich gerade die Überschreitung von Grenzen trägt zur Entwicklung bei.

Zu den Regeln, die Sie einhalten sollten, gehört beispielsweise der Goldene Schnitt. Schon alleine aus dem Grund, weil mittige Kompositionen nicht sehr angenehm für das Auge sind. Aber auch hier gibt es Ausnahmen, wie Sie später erfahren werden.

Schauen wir uns jedoch jetzt die einzelnen Etappen an, die die meisten Anfänger durchlaufen müssen.

Ausrüstung

Falls Sie nicht wissen, welche Ausrüstung Sie sich anschaffen sollen, dann werfen Sie einen Blick auf unsere Artikel, um herauszufinden, welche Ausrüstung zu Ihnen passt. Scheuen Sie sich auch nicht davor, sich von Experten oder Freunden beraten zu lassen, oder fragen Sie uns mithilfe von Kommentaren unter den Artikeln. Durchstöbern Sie auch das Internet und lesen Sie Fachartikel, die die konkreten Eigenschaften bestimmter Fotokameras behandeln.

Worauf sollten Sie achten?

Als Anfänger benötigen Sie keine Spiegelreflexkamera für 2.000 € und mehr. Überlegen Sie sich genau, für welchen Einsatzzweck Sie die Kamera verwenden möchten. Es existieren nämlich verschiedene Typen von Fotografen:

  • Profis, die mit der Fotografie ausschließlich Ihren Lebensunterhalt verdienen. Daher benötigen Sie auch eine Ausrüstung, die in einer anderen Preiskategorie angesiedelt ist, als bei den anderen Typen von Fotografen.
  • Halb-Profis, die aus Leidenschaft fotografieren und hin und wieder im Auftrag eines Klienten Fotos schießen.
  • Hobby-Fotografen, die rein aus Spaß fotografieren. Diesem Typ von Fotograf reicht sogar eine Kompaktkamera.

Falls Sie über die Anschaffung einer Spiegelreflexkamera nachdenken, obwohl Sie der dritte Typ von Fotograf sind, dann sind auch schon ordentliche Kameragehäuse für einen Preis ab 260 € erhältlich. Falls Sie jedoch nur bestimmte Momente erfassen wollen, die an einen Ort oder ein Ereignis erinnern sollen, dann reicht eine Kompaktkamera völlig aus.

Als Beispiel können wir meine Oma nennen, die ich schon seit Jahren davon zu überzeugen versuche, sich eine neue Fotokamera anzuschaffen und Ihre Analogkamera bei Seite zu legen. Die Antwort lautet immer wieder: „Ich will nicht!“. Es genügt ihr nämlich völlig, eine Situation zur Erinnerung zu erfassen, auf der zumindest teilweise erkennbar ist, um was es sich handelt und schon ist sie zufrieden. Und darum geht es letztendlich.

Daher sollten Sie zunächst darüber nachdenken, welche Qualität Sie haben wollen und was Sie noch so alles von Ihrer Kamera verlangen. Natürlich sollte die Ausrüstung auch dem Fotografietyp entsprechen.

Fotoausrüstung

Bevor Sie eine Spiegelreflexkamera kaufen, sollten Sie sich folgende Frage stellen: „Brauche ich so eine Kamera wirklich? Foto: Vít Kovalčík

Zudem hat man genug Zeit. Niemand behauptet, dass mal aus einem Hobbyfotografen, später nicht auch ein Voll-Profi werden kann. Fangen Sie ruhig mit einer Kompaktkamera an und steigern Sie sich schrittweise nach oben. Damit jedem klar wird, an was ich gerade denke, möchte ich die Erfahrung einer unserer Redakteure und Fotografen Vít Kovalčík mit Ihnen teilen:

„Meine erste Fotokamera im Jahr 2005 war eine kleine Kompaktkamera des Typs Minolta G400. Die Kamera war leicht verstaubar, aber auch zuverlässig. Ich habe sie überall mitgenommen und alles Mögliche fotografiert – von Landschaften bis hin zu Städten und Freunden bei Pétanque. Dabei habe ich herausgefunden, dass es mich reizt, aus verschiedenen Perspektiven zu fotografieren und mit unterschiedlichen Kompositionen zu arbeiten. Hierdurch begann ich mich mehr und mehr für die Fotografie zu interessieren. Die Ausrüstung wurde natürlich auch nach und nach besser, damit ich ausprobieren konnte, was ich gelernt habe. Und so geht es bis heute weiter. Obwohl ich mittlerweile meine achte Fotokamera habe und mit dem Fotografieren meinen Lebensunterhalt verdiene, weiß ich genau, dass ich immer noch viel zu lernen habe und meine Ausrüstung verbessern muss.“

Sie müssen also nicht gleich ein Stativ, einen Fernauslöser, externe Blitze etc. kaufen. Alles hat seine Zeit. Sobald Sie sich für die geeignete Fotokamera entschieden haben, folgt das Wichtigste …

Wie beginne ich mit dem Fotografieren?

Falls Sie sich für eine Spiegelreflexkamera entschieden haben, dann sollten Sie den Automatikmodus vergessen. Sie sollten sich lieber auf folgende Programmmodi konzentrieren:

  • A/Av – Blendenautomatik,
  • M – manueller Modus,
  • P – Programmautomatik,
  • S/Tv – Zeitautomatik.

Bei allen Programmen benötigen Sie die das Grundlagenwissen über die Blende, die Verschlusszeit und dem ISO-Wert, weil die Kombination dieser drei Werte letztendlich die Belichtung des Bildes bestimmt.

Belichtungszeit bzw. Verschlusszeit

Die Belichtungszeit ist nichts anderes als die Zeit, wie lange wir das Licht auf den Sensor einfallen lassen. Je kürzer die Belichtungszeit ist (z. B. 1/4000 s), umso dunkler ist die Aufnahme. Je länger hingegen die Zeit ist (½ s), umso heller wird das Foto sein.

Möchten Sie mehr über die Belichtung erfahren? Lesen Sie hierzu die folgenden zwei Artikel:

Blende

Mit der Blende können Sie die Lichtmenge regulieren, die auf den Bildsensor fallen soll.

Je geringer die Blendenzahl ist (z. B. f/1.8), umso weiter ist die Blende geöffnet und umso mehr Licht fällt auf den Kamerachip (Sensor). Dank einer geringen Blende machen Sie auch die Umgebung vor und hinter dem fokussierten Hauptobjekt unscharf. Ist die Blendezahl hingegen beträchtlich höher (z. B. f/18), desto schärfer wird der Vorder- und Hintergrund.

Mithilfe einer geringen Blendenzahl ist die Umgebung vor und hinter dem Hauptobjektiv unscharf.

Mithilfe einer geringen Blendenzahl ist die Umgebung vor und hinter dem Hauptobjektiv unscharf. Nikon D3300, AF-S NIKKOR 35 mm 1:1. 8 G, 1/100 s, f/1.8, ISO 200

ISO

Der ISO-Wert steuert die Lichtempfindlichkeit des Sensors in der Kamera. Je höher der ISO-Wert ist, desto heller ist das Bild. Ebenso erhöht sich jedoch auch das digitale Rauschen auf der Aufnahme.

Bei den gängigen Spiegelreflexkameras liegt der ISO-Wert im Bereich zwischen 100 bis 6400. Falls Sie in gut belichteten Räumen oder bei Sonnenschein fotografieren, dann sollten Sie die ISO so niedrig wie nur möglich halten.

Schloss

Bei einem klaren und sonnigen Tag reicht ein niedriger ISO-Wert in Verbindung mit einer höheren Blende sowie adäquaten Belichtungszeit aus. Nikon D3300, AF-S NIKKOR 35 mm 1:1. 8 G, 1/400 s, f/10, ISO 200

Woran muss ich noch denken?

Komposition

Denken Sie immer daran, dass das Foto i. d. R. besser aussieht, wenn das Hauptmotiv nicht in der Mitte des Bildes platziert ist. Der Goldene Schnitt oder ggf. die Drittel-Regel sind hierfür verantwortlich. Bei manchen Fotokameras können Sie sich sogar das Raster bereits im Sucher anzeigen lassen. Dies erleichtert Ihnen das Komponieren.

Eine mittige Komposition

Eine mittige Komposition wirkt langweilig. Nikon D3300, AF-S NIKKOR 35 mm 1:1. 8 G, 1/60 s, f/1.8, ISO 1000

Wendet man die Drittel-Regel beim Freistellen der Fotografie an, dann wirkt das Bild gleich viel interessanter.

Wendet man die Drittel-Regel beim Freistellen der Fotografie an, dann wirkt das Bild gleich viel interessanter. Die Linien durchlaufen hier die Augen des Models. Dennoch leidet das Bild daran, dass es bereits vor Ort schlecht fotografiert wurde. Beim Versuch der Drittel-Teilung wurden dem Jungen die Beine abgeschnitten und das Bild wirkt verzerrt. Denken Sie daher bereits beim Fotografieren an die Komposition.  Nikon D3300, AF-S NIKKOR 35 mm 1:1. 8 G, 1/60 s, f/1.8, ISO 1000

Amateure tendieren gerne dazu, Hauptmotive direkt in der Mitte zu platzieren. Dies wirkt für das Auge jedoch unnatürlich. Professionellere Aufnahmen erreichen Sie daher nur mit einer gut durchdachten Bildkomposition.

Fotografie, die nicht zugeschnitten wurde und bei der die Drittel-Regel direkt beim Fotografieren angewendet wurde.

Fotografie, die nicht zugeschnitten wurde und bei der die Drittel-Regel direkt beim Fotografieren angewendet wurde. Nikon D3300, AF-S NIKKOR 35 mm 1:1. 8 G, 1/60 s, f/1.8, ISO 100

Wie bei allem gibt es auch bei der Drittel-Regel Ausnahmen. Falls Sie auf zusammenlaufende Linien stoßen, dann wirkt die Platzierung des Hauptobjektes dramatisch.

In diesem Fall wirkt eine mittige Komposition sehr dramatisch

In diesem Fall wirkt eine mittige Komposition sehr dramatisch. Beide Linien (obere und untere Linie) laufen hinter der Person zusammen. Nikon D3300, AF-S NIKKOR 35 mm 1:1. 8 G, 1/60 s, f/4, ISO 450

Sobald Sie die Drittel-Regel beherrschen, sollten Sie sich nicht davor scheuen, mit verschiedenen Perspektiven zu arbeiten. Behalten Sie jedoch immer im Hinterkopf, dass der Horizont gerade sein muss und dies gilt nicht nur für Landschaftsaufnahmen, sondern auch für das Fotografieren von Gebäuden. Hüten Sie sich jedoch vor unschönen Perspektiven bei Porträtaufnahmen.

Eine ungewöhnliche Perspektive kann die Aufnahme lebendiger machen

Eine ungewöhnliche Perspektive kann die Aufnahme lebendiger machen. Nikon D3300, AF-S NIKKOR 35 mm 1:1. 8 G, 1/250 s, f/8, ISO 400

Was soll ich fotografieren?

Jetzt bleibt nur noch die Frage: „Was soll ich fotografieren?“. Die Antwort ist ganz einfach. Alles. Hier gibt es keine Grenzen. Lassen Sie sich von anderen Fotografen inspirieren, experimentieren Sie mit den Perspektiven, den Farben, den Stilen und lernen Sie dabei aus Ihren Erfahrungen.

Zu Beginn werden Sie mit höchster Wahrscheinlichkeit und Euphorie, bei jeder Situation den Auslöser betätigen. Bei der Aussortierung werden Sie dann am Ende hunderte von Fotos wieder löschen. Später werden Sie jedoch zu dem Entschluss kommen, dass es sich lohnt, nur die wirklich außergewöhnlichen Momente zu erfassen, und die das gewisse Etwas haben.

Das Wiener Rathaus in Schwarz-Weiß.

Das Wiener Rathaus in Schwarz-Weiß. Nikon D3300, AF-S NIKKOR 35 mm 1:1. 8 G, 1/250 s, f/8, ISO 200

Haben Sie keine Angst zu experimentieren. Versuchen Sie beispielsweise einen Gegenstand mithilfe von unterschiedlichen Kameraeinstellungen, aus unterschiedlichen Perspektiven oder in unterschiedlichen Farben zu fotografieren. Fotografieren Sie dabei ruhig Ihre Katze, Kirschen, Ihre Freundin usw.

Diese Aufnahme habe ich im Automatikmodus erstellt.

Diese Aufnahme habe ich im Automatikmodus erstellt. Ich habe die Kamera hierbei selbst darüber entscheiden lassen, welche Einstellungen sie vornimmt. Mit dem Ergebnis bin ich nicht zufrieden. Nikon D3300, AF-S NIKKOR 35 mm 1:1. 8 G, 1/125 s, f/5,6, ISO 400

Die gleichen Kirschen habe ich diesmal im manuellen Modus (M) fotografiert.

Die gleichen Kirschen habe ich diesmal im manuellen Modus (M) fotografiert. Ich habe somit selbst die Verschlusszeit, die ISO sowie die Blende eingestellt. Gerade hier kann man sehen, wie unscharf gestaltet der Hintergrund ist und das Hauptobjekt in den Mittelpunkt des Bildes rückt. Nikon D3300, AF-S NIKKOR 35 mm 1:1. 8 G, 1/80 s, f/4,5, ISO 100

Sie müssen nicht immer mit der teuersten Fotokamera fotografieren. Fotografieren Sie auch ruhig mit Ihrem Mobilfunkgerät. So finden Sie heraus, was Sie interessiert und auf Grundlage dieser Informationen entscheiden Sie sich dann für eine für Sie passende Kamera. Falls Sie sich innerhalb der Fotografie verbessern möchten, dann sollten Sie auf jeden Fall unsere Artikel auf Fotografieren lernen lesen.

Haben Sie auch keine Angst davor, Ihre Ergebnisse auf Facebook, Instagram oder auf der kostenlosen Zonerama zu veröffentlichen. Dies bringt Sie genauso weiter, wie die Kritik oder der Lob von erfahrenen Fotografen.

Vergessen Sie beim Fotografieren auch nie, an Ihre Originalität und Ihren eigenen Stil zu denken. Nirgendwo steht, was gut und was schlecht ist. Jeder sieht die Welt anders und jedem gefällt etwas anderes (andere Farben, andere Perspektiven etc.). Was die eine Person interessant findet, muss wiederum einem anderen Menschen gar nicht gefallen.

Für manch jemanden ein Foto, welches im Papierkorb landen sollte.

Für manch jemanden ein Foto, welches im Papierkorb landen sollte. Ich finde die Farben und die absichtliche Körnung im Bild sehr interessant. Nikon D3300, AF-S NIKKOR 35 mm 1:1. 8 G, 1/100 s, f/5, ISO 400

Die Anfänge können wirklich schwierig sein, aber es lohnt sich. Hier gilt das Sprichwort: „Übung macht den Meister!“. Sobald Sie ein paar grundlegende Regeln beherrschen, eröffnen sich Ihnen schier unendlich viele Möglichkeiten. Ihre Fotos werden lebendiger und interessanter. Und darum geht es letztendlich – sich kontinuierlich zu verbessern.

Sollten Sie also darüber nachdenken, mit dem Fotografieren zu beginnen, dann zögern Sie nicht und begeben Sie sich auf eine schöne Reise des Lernens, die Rückschläge sowie viele wunderschöne Momente.

Letzte Änderung 17. August 2017

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Autor: Lenka Jebackova

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