Vom Fotografen zum Filmemacher: Erfahren Sie, wie Sie Ihren Fotos eine filmhafte Atmosphäre verleihen

Fotografien im Filmstil sind sehr effektvoll und beliebt. Auch Ihre Fotos können aussehen, wie aus einer silbernen Leinwand ausgeschnitten – wir zeigen Ihnen, wie einfach es ist, diesen Effekt zu erzielen. Befolgen Sie einfach einige Grundregeln und achten Sie auf Farben, Beleuchtung und Komposition. Lesen Sie unseren Artikel und verwandeln Sie Ihr Wohnzimmer oder Atelier in ein Hollywood-Filmstudio!

In diesem Artikel geben wir Ihnen einige einfache Tipps, wie Sie Ihren Fotos einen filmartigen Look verleihen können. Fotografie und Film haben viel gemeinsam und es gibt viele Dinge beim Film, von denen Sie sich inspirieren lassen können. Erfahren Sie mehr im Artikel über Belichtung und Filmkomposition.

Stellen Sie sich das Foto als Film vor – mit einer Geschichte

In der Porträtfotografie sehen wir selten eine Handlung. Oft ist es nur ein hübsch gekleidetes Model in einem interessanten Licht und was wir auf dem Foto sehen, ist einfach nur „eine sehr hübsche Dame“. Und das ist okay, es funktioniert, also warum nicht.

Es schadet jedoch nicht, etwas von der Reportagefotografie in die Porträtfotos einzubringen und eine Situation mit Handlung künstlich zu erstellen. Genau das machen Filmemacher.

Es muss keine komplizierte Geschichte mit einer überraschenden Handlung sein. In diesem Fall haben wir eine einfache Alltagssituation geschaffen. Am Ende des Artikels werden wir Ihnen die ganze Geschichte erzählen und zeigen. Aber zuerst reden wir über die Vorbereitung.

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Durch Bewegung bringen Sie eine Geschichte in Ihre Fotos.

Planen Sie Farben, Kleidung, Requisiten und Raum

Die Farben, die einen Gesamteindruck auf Ihren Fotos erzeugen, sollten in einem bis zwei dominanten Tönen gehalten werden. Natürlich können Sie die Farbe dank der Farbkorrekturen bei der Nachbearbeitung beliebig anpassen, aber es ist besser die Farben bereits in die Planung einzubeziehen, damit Sie nicht alles im Nachhinein bearbeiten müssen. Am Ende werden nur leichte Farbverschiebungen auf Ihrem Computer nötig sein.

In diesem Fall habe ich Orange als Grundfarbe für Kleidung und Accessoires gewählt, da es sich gut mit dem Hautton kombinieren lässt und wunderbar mit dem warmen Licht der Lampe korrespondiert. Die zweite Komplementärfarbe bildet das kühlere Hintergrundlicht, welches einen Farbkontrast erzeugt. 

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Halten Sie die Farben idealerweise in zwei Farbtönen.

Und wie beleuchtet man das Ganze?

Das ist nicht besonders schwierig. Bei der Aufnahme von Filmen oder Videoclips mit künstlicher Beleuchtung wird meistens die so genannte Dreipunktbeleuchtung verwendet:

  1. Führungslicht (Key Light) beleuchtet in der Regel den größten Teil des Gesichts und je mehr es von der Seite kommt, desto mehr Schatten werden erzeugt, wodurch die Szene „geheimnisvoller“ wirkt.
  2. Gegenlicht (Backlight) erzeugt einen Farbkontrast und hilft das Hauptmotiv vom Hintergrund zu trennen.
  3. Aufheller (Fill Light) füllt den Rest des Gesichts, sodass die Schatten nicht zu groß sind. Es ist immer schwächer als das Hauptlicht.
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Klassische Dreipunktbeleuchtung (erstellt auf lightingdiagrams.com).

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Hinter den Kulissen eines Fotoshootings mit 3 Lichtquellen.

Das Hauptlicht hat 3200K, damit es einer Glühbirne am ähnlichsten wirkt. Die Hintergrundbeleuchtung ist kühler (5500K – genauso, wie die Farbe der Blitze) und simuliert das Mondlicht, welches durch das Fenster scheint. Beide Lichter sind LED-Stableuchten. Damit arbeite ich gerne, weil sie einfach aufzubewahren und bequem zu verwenden sind.

In diesem Fall handelt es sich nicht um ein Lehrbuchbeispiel für Dreipunktbeleuchtung, da wir den Aufheller in Form einer Tischlampe statt auf die rechte Seite links platziert haben. Der resultierende Effekt ist also eher eine Zweipunktbeleuchtung. Der Grund ist einfach: Die Stimmung der Fotos sollte die dunkle Atmosphäre des Nachtstudiums mit einer Tischlampe widerspiegeln. Die allein scheinte aber zu stark von unten und das Hauptlicht ergänzte es, ohne das ursprüngliche Konzept grundlegend zu ändern.

So sah die beleuchtete und vorbereitete Szene aus. Wir haben während des Fotoshootings ein Video für Sie gedreht, um Ihnen zu zeigen, wie die Aufnahmen in Bewegung aussehen würden. Es ähnelt schon sehr einem Film, finden Sie nicht?

Berücksichtigen Sie beim Fotografieren das Seitenverhältnis und die Komposition

Wenn es sich bei den Fotos um eine Serie handelt, die eine Geschichte erzählt, sollten alle Fotos das gleiche Seitenverhältnis haben. Aber welches? Das liegt natürlich an Ihnen, aber es gibt ein paar Standardverhältnisse, die man einhalten sollte und die bereits beim Shooting zu berücksichtigen sind: 

  • 4:3 – wird nur noch sehr selten verwendet. Früher wurden in diesem Format Sendungen im Fernsehen ausgestrahlt, aber derzeit verliert es an Bedeutung, da alle Fernsehgeräte 16:9 oder breiter sind.
  • 3:2 – Die meisten Kameras haben einen Sensor in diesem Verhältnis, daher ist dies die einfachste Lösung, da Sie die Szene direkt im Sucher sehen können. Aber es sieht nicht sehr filmhaft aus, es ist einfach ein klassisches Foto. 
  • 16:9 – in diesem Format laufen die meisten TV-Shows, Serien und andere Sendungen. Das hat einen filmartigen Effekt und es reicht nur ein kleiner Beschnitt.
  • 21: 9 – wird oft für Spielfilme verwendet und wirkt sehr filmartig (basierend auf bestimmten anamorphotischen Objektiven). Ich habe dieses Seitenverhältnis gewählt. 

Wie Sie sehen können, müssen Sie beim Zuschneiden auf 21:9 (2.33:1) beim Aufnehmen auf einen größeren Abstand oben und unten achten. Bei einem schmaleren Bild ist die Komposition jedoch etwas anders zusammengesetzt und es ist oft einfacher, die Geschichte einzubringen. Auch aus diesem Grund wird es im Film verwendet.

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Wählen Sie ein Seitenverhältnis und halten Sie es während der gesamten Serie ein. 21:9 ist dem Film am nächsten.

Filmsprache und aufeinanderfolgende Aufnahmen 

Filmsprache ist ein sehr komplexes und umfangreiches Thema, aber ich werde versuchen, es zu vereinfachen und die Grundregeln in einem Absatz zusammenzufassen. Für eine Reihe aufeinanderfolgender Fotos sollten Sie zwei Grundregeln befolgen: 

  • Ändern Sie die Komposition so, dass sich zwei Fotos nicht allzu ähnlich sind. Und binden Sie totale, halbtotale Aufnahmen und Details ein.
  • Halten Sie die Achsen ein – die Achse ist eine imaginäre Linie durch das Motiv und man sollte sich nur innerhalb von 180° um das Motiv bewegen. Das klingt ziemlich abstrakt, aber das werden wir auf dem folgenden Foto zeigen. Die Blickrichtung des Modells geht von rechts nach links. Und wenn Sie auf dem nächsten Foto in den roten Bereich auf die andere Seite übergehen, ist die Richtung plötzlich umgekehrt und das sollte besser vermieden werden.

Es ist wie mit den Kompositionsregeln – es ist schön, darüber Bescheid zu wissen, aber man muss sie nicht zu 100 % einhalten.

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Mit dem Überschreiten der Achse kehren Sie die Bewegungsrichtung um, was in der Regel nicht erwünscht ist.

Ordnen Sie die Fotos so an, dass eine Handlung entsteht

Die Geschichte fängt mit beschreibenden Aufnahmen des Ganzen und einer Einführung an – unsere Hauptdarstellerin hat noch viel zu lernen. Es ist aber offensichtlich, dass sie dazu keine Lust hat. Ich habe dies in den folgenden Aufnahmen anhand detaillierter Gesichtsaufnahmen, die die Lustlosigkeit und Depression des Modells aufgrund der großen Menge von Lehrmaterial zeigen, dargestellt. Was nun? Unsere Heldin denkt darüber nach, wie sie da rauskommt, was ein weiteres Detail ihres Gesichts zeigt. Im letzten Teil beschließt sie, die Lehrunterlagen hinzuwerfen und sie liegen zu lassen. Anstatt zu lernen, widmet Sie sich einer Tätigkeit, die ihr viel näher ist – dem Zeichnen. Die Emotionen werden allmählich positiver. Dies hängt mit der Beleuchtung zusammen, die am Ende einen höheren Anteil an wärmerem Licht aufweist als am Anfang.

Auf dem letzten Foto scheint eine Achsenkreuzung vorzuliegen. Dies ist jedoch Absicht, da wir zum Anfang zurückkehren. Es gibt einen klaren ersten Plan (Vordergrund) und einen sekundären Plan (Hintergrund mit Tischlampe und Lernmaterial, wo es begonnen hat, was die gesamte Handlung verbindet und schließt).

Betrachten Sie die ganze Geschichte

Alle Fotos wurden mit einer Nikon D750 + Sigma 50 mm f/1.4 Art aufgenommen und bei zwei Fotos wurde das Sigma 24 mm f/1.4 Art verwendet. 

Die meisten Fotos wurden mit 1/125, f/1.4, ISO 800 aufgenommen.

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Denken Sie beim Ansehen von Filmen an Fotografie

Wenn Sie abends einen Film ansehen, betrachten Sie ihn neben der Entspannung als Training Ihres fotografischen Auges und denken Sie an die einzelnen Aufnahmen, die die Filmemacher gemacht haben. Sie werden eine Menge kreative Verstöße gegen Kompositionsregeln, aber auch die Einhaltung dieser, feststellen. 

Letzte Änderung 31. März 2020

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Autor: Matěj Liška

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