[Test] 4 Objektive, 35 mm Brennweite, f/2.8 – erfahren Sie, welches Objektiv am besten abgeschnitten hat

Wenn Sie Objektive haben, bei dem Sie mit der gleichen Brennweite und Blende arbeiten können, dann kann es passieren, dass die Ergebnisse nahezu identisch ausfallen. In der Praxis gibt es jedoch bei näherer Betrachtung Unterschiede. Daher wollten wir die Objektive von Canon und Sigma in der Praxis ausprobieren und Ihnen die Ergebnisse unseres Tests mit einer Brennweite von 35 mm mitteilen.

[Test] 4 Objektive, 35 mm Brennweite, f/2.8 - erfahren Sie, welches Objektiv am besten abgeschnitten hat

Auf Hochzeitsfeiern fotografiere ich am meisten mit nur einem Objektiv: Sigma 35/1.4 Art. Manchmal verwende ich jedoch auch ein anderes Objektiv, konkret das Canon 16-35/2.8 III. Obwohl ich die gleiche Blende und Brennweite verwendet habe, bemerkt man schnell, mit welchem Objektiv die Aufnahmen gemacht wurden.

Ich wollte daher herausfinden, wodurch sich die beiden Objektive unterscheiden und zusätzlich habe ich noch zwei weitere Objektive mit der gleichen Brennweite ausprobiert:

  • Sigma 35/1.4 Art – Einführung am Markt2013, Gewicht 660 g
  • Sigma 24-35/2 Art – Einführung am Markt 2015, Gewicht 940 g
  • Canon 16-35/2.8 III – Einführung am Markt 2016, Gewicht 790 g
  • Canon 24-70/2.8 II – Einführung am Markt 2012, Gewicht 800 g

Es handelt sich hierbei um Objektive in oberen Klasse. Bereits an den technischen Parametern kann man unterschiedliche Vor- und Nachteile feststellen. In diesem Test habe ich mich auf das Fotografieren mit einer Brennweite von 35 mm beschränkt. Ferner wurde jeweils immer die Blende von f/2.8 verwendet. Getestet wurden die Objektive mit einer Canon 5D Mark IV und somit 30 Megapixeln.

Selbst bei Objektiven in dieser Klasse ist nicht alles perfekt. Es treten immer noch verschiedene Fehler auf, aber zumindest in einem geringeren Maß als bei Alternativprodukten, wo die Hersteller bei der Produktion Geld sparen wollten oder ein ziemlich universell einsetzbares Produkt entwickelt haben.

Bildschärfe

Die Bildschärfe ist wohl eines der wichtigsten Bewertungskriterien, die einem bei einem Objektivtest einfallen. Ich habe die Objektive an einer Mauer getestet und hierbei einmal den Fokus auf die Ecke sowie einmal auf die Bildmitte gerichtet.

Ein Testbild und die verwendeten Fokusfelder. Der Vergleich folgt weiter unten.

Ein Testbild und die verwendeten Fokusfelder. Der Vergleich folgt weiter unten.

Hier kann man den Vergleich beim Fokusfeld in der Mitte sehen:

Ausschnitt zum Vergleich beim mittigen Fokusfeld.

Ausschnitt zum Vergleich beim mittigen Fokusfeld.

Und hier kann man einen Vergleich beim Fokusfeld in der Ecke sehen:

Ausschnitt zum Vergleich beim Fokusfeld in der Ecke.

Ausschnitt zum Vergleich beim Fokusfeld in der Ecke.

Bei beiden Tests gewinnt das Sigma 35/1.4 Objektiv, was nicht anders zu erwarten war. Dicht dahinter liegt das Objektiv Canon 24-70/2.8. Der Qualitätsunterschied wird jedoch beim Sigma 24-35/2 Objektiv deutlich und weit dahinter liegt das Canon 16-35/2.8 Objektiv.

Etwas leichter hat es in diesem Test sicherlich das Sigma 35/1.4 Objektiv, weil die Einstellung der Blende von f/2.8 kein Problem darstellt. Die Veränderung der Blende von f/1.4 auf f/2.8 hilft allgemein dabei, die Schärfe bei sehr lichtstarken Objektiven zu verbessern, auch wenn dieses Modell perfekte Ergebnisse bei einer Blendenzahl von f/1.4 liefert. Der Unterschied ist daher minimal.

Geometrische Verzeichnung

Ein Nebenprodukt des vorigen Tests ist die geometrische Verzeichnung. Man kann die geometrische Verzeichnung des Objektivs auf den Aufnahmen der Mauer gut erkennen. Die Unterschiede sind jedoch erst bei der Vergrößerung des Bildes erkennbar. Achten Sie hier auf die Form der horizontalen Fugen oben und unten:

Geometrische Verzeichnung.

Geometrische Verzeichnung.

Das Sigma 35/1.4 Objektiv weist eine leicht tonnenförmige Verzeichnung auf, während die anderen Objektive eine eher kissenförmige Verzeichnung aufweisen. Das Sigma 24-35/2 schneidet hier gut ab, das Canon 24-70/2.8 Objektiv schlechter und das Objektiv Canon 16-35/2.8 schneidert wiederum am schlechtesten ab. Dieser Abbildungsfehler ist jedoch nicht weiter schlimm, solange Sie keine Architekturaufnahmen machen. In der Praxis bemerken Sie nämlich gewöhnlich gar nicht diesen Fehler.

Vignettierung

Bei dem Test mit der Vignettierung schneiden wiederum die Objektive besser ab, die eine Lichtstärke höher als f/2.8 unterstützen. Beim Abblenden erhalten wir eine gleichmäßigere Verteilung der Helligkeit. Wir haben alles an einer weißen Wand ausprobiert:

Hier die Ergebnisse des Tests zur Vignettierung.

Hier die Ergebnisse des Tests zur Vignettierung.

Bei dieser konkreten Einstellung (35 mm, f/2.8) fällt die Vignettierung beim Sigma 35/1.4 Objektiv am besten aus. Bei den anderen drei Objektiven sind die Ergebnisse nahezu gleich, obwohl die Canon 16-35/2.8 doch noch ein bisschen schlechter ist. Nichtsdestotrotz betrachte ich die Vignettierung nicht als ein großes Problem, solange Sie nicht extrem ausfällt.

Durch diesen Effekt wird vor allem das Hauptmotiv sowie die Umgebung in der Mitte des Bildes hervorgehoben. Daher kann eine höhere Vignettierung bei manchen Objektiven in bestimmten Situationen vorteilhaft sein. Aber sicherlich nicht in allen Situationen.

Bokeh

Inwieweit der Hintergrund hinter den Menschen die wir fotografieren unscharf ist, kann man auch berechnen. Eine wichtige Rolle spielt jedoch auch die Art und Weise der Unschärfe. Die Qualität dieser Unschärfe wird als Bokeh bezeichnet. Die Art, wie die Unschärfe im Hintergrund erzeugt wurde, kann man sehr gut an Lichtern bei Dunkelheit erkennen. Ich habe dafür Weihnachtslichter auf dunklem Hintergrund verwendet.

Test Bokeh.

Test Bokeh.

Beim Test habe ich den Fokus auf das Licht gerichtet, welches circa einen halben Meter von der Fotokamera entfernt war. Die anderen Lichter, die ca. 1,5 Meter entfernt waren, waren in etwa immer gleich unscharf. Die absolute Größe der entstandenen Kreise interessiert uns aber nicht. Wichtiger ist das Detail eines Lichts. In diesem Fall habe ich mich für ein Lichtpaar in der oben in der Mitte entschieden.

Detailansicht des Lichtpaares oben in der Mitte der vorherigen Aufnahme.

Detailansicht des Lichtpaares oben in der Mitte der vorherigen Aufnahme.

Die Form der Lichter wird von mehreren Faktoren beeinflusst und daher sollten Sie sich nicht darüber wundern, dass bei den meisten Objektiven die Lichter rund aussehen, während beim Sigma 35/1.4 ein Neuneck entsteht. Verursacht wird dies durch das Abblenden von f/1.4 auf f/2.8 und hierdurch werden die Blendenlamellen langsam sichtbar. Bei den anderen Objektiven sind die Lamellen größtenteils versteckt und daher sehen wir schöne runde Kreise.

Viel wichtiger ist jedoch die Struktur innerhalb der Lichter. Während das Sigma 35/1.4 tolle Ergebnisse liefert, haben die anderen mehr oder weniger sichtbare Probleme. Beim Canon 16-35/2.8 wird die Struktur schon ziemlich schlecht dargestellt. Manchmal bezeichnet man diesen Effekt auch als Zwiebelringe (onion rings).

Zur besseren Veranschaulichung wie die Ringe in der Praxis auftreten, habe ich eine Aufnahme im Freien gemacht:

Bokeh Test im Freien.

Bokeh Test im Freien.

Im Folgenden sieht man die Details:

Detailansicht des Bokeh Tests im Freien.

Detailansicht des Bokeh Tests im Freien.

Alle Objektive machen den Hintergrund unscharf, aber bei manchen Objektiven treten weitere Details auf und daher ist der Hintergrund nicht so unauffällig wie man es sich manchmal wünscht. In diesem Zusammenhang hört man oftmals auch den Begriff nervöses Bokeh.

Chromatische Aberration

Dieser Abbildungsfehler macht sich durch grüne oder lilafarbene Pixel an den Rändern bemerkbar. Wenn Sie zum Beispiel ein perfekt fokussiertes Objekt in der Mitte des Bildes haben, dann treten gewöhnlich keine Fehler auf. Bei der chromatischen Abberation unterscheidet man ferner zwischen Farbquerfehlern (laterale chromatische Aberration – farbige Ränder in Richtung des Bildrandes) und Farblängsfehlern (longitudinale chromatische Aberration – Farbränder entstehen vor oder hinter der Fokusebene). In diesem Fall habe ich mich auf die Farblängsfehler konzentriert, da sie oftmals bei lichtstarken Objektiven auftreten. Als Szene habe ich einen Maschendrahtzaun ausgewählt, da in diesem Bild viele helle Ränder auf dunklem Hintergrund zu sehen sind.

Szene zur Prüfung der longitudinalen chromatischen Aberration.

Szene zur Prüfung der longitudinalen chromatischen Aberration.

Und hier sieht man die Details:

Detailansicht. Links sieht man immer einen Draht vor der Fokusebene sowie rechts dahinter.

Detailansicht. Links sieht man immer einen Draht vor der Fokusebene sowie rechts dahinter.

Wie zu Beginn erwähnt, hat das Sigma 35/1.4 Objektiv in diesem Test einen Vorteil, weil wir hier wiederum auf f/2.8 abblenden (bei einer Blende von f/1.4 verhält sich das Objektiv nämlich schlechter als die restlichen Objektive). Bei keinem der Objektive handelt es sich jedoch um ausdrücklich katastrophale Ergebnisse. Das Sigma 24-35/2 schneidet jedoch am schlechtesten ab, während das Canon 16-35 Objektiv trotz der extremen Ansprüche sehr gut abschneidet.

Selbst ein Test von Objektiven gibt keinen kompletten Aufschluss

Im Test hat sich gezeigt, dass das Sigma 35/1.4 sich durch eine hohe Bildschärfe sowie ein weiches Bokeh auszeichnet. Das Canon 16-35/2.8 III Objektiv hinkt in dieser Hinsicht etwas nach. Jedes Objektiv hat jedoch seine Vor- und Nachteile. Es kann sich dabei auch um Charaktereigenschaften außerhalb der Ergebnisse in einer Tabelle handeln, z. B. die Haltbarkeit bei schlechtem Wetter oder bei schlechter Behandlung.

Jeder muss daher selbst wissen, welche Anforderungen er an ein Objektiv hat und sich so das passende Objektiv aussuchen. Es handelt sich oftmals auch um einen Kompromiss, den man eingehen muss. Im Test hat das Sigma 35/1.4 zwar gewonnen, aber ein Zoomen wird jedoch nicht unterstützt.

Vergessen Sie zudem nicht, dass man kleine Objektivfehler bei der Bildbearbeitung beseitigen kann. Sie müssen hierfür nur das entsprechende Objektivprofil in Zoner Photo Studio laden.

Man kann viele Aspekte testen

Man könnte unzählige weitere Tests durchführen: Verhalten bei Gegenlicht, Fokusgeschwindigkeit und Genauigkeit etc. Aber nicht alles ist für uns relevant bzw. kann objektiv bewertet werden. Und daher ist selbst dieser Test nicht perfekt.

Letzte Änderung 23. November 2017

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Autor: Vít Kovalčík

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