So stellen Sie die ISO-Empfindlichkeit für Nachtaufnahmen ein

Bei Nachtaufnahmen geht es immer um einen Kompromiss zwischen Licht, Rauschen und Schärfe. Die richtige ISO-Einstellung hilft Ihnen dabei, auch ohne Blitz scharfe Bilder aufzunehmen – egal, ob Sie ein Stativ verwenden oder aus der Hand fotografieren. In diesem Artikel verraten wir Ihnen, welche ISO-Einstellungen sich für Nachtaufnahmen in der Stadt, für Bewegungsaufnahmen und für Sternenfotografie eignen, und Sie erfahren, wann Sie den ISO-Wert senken und wann Sie ihn hingegen ohne Bedenken erhöhen sollten.
Was Sie hier erfahren:
- Welchen ISO-Wert man bei Nachtaufnahmen mit Stativ verwenden sollte.
- Wie man die ISO-Einstellung bei Nachtaufnahmen mit Bewegung einstellt.
- Wie man eine Stadt bei Nacht ohne Stativ fotografiert.
- Welchen ISO-Wert man für das Fotografieren von Sternen und der Milchstraße wählen sollte.
- Wann es sich lohnt, Auto-ISO zu verwenden.
- Wie man den idealen Kompromiss zwischen Rauschen und Schärfe findet.
Kameras verfügen zwar über eine automatische Einstellung für die ISO-Empfindlichkeit, doch die Automatik kann Ihre Gedanken nicht lesen und weiß nicht, was Sie beabsichtigen. Oft lohnt es sich, die ISO-Empfindlichkeit auf einen bestimmten Wert einzustellen oder die Automatik zu verwenden, ihr aber mit weiteren detaillierteren Einstellungen, die mit der ISO-Empfindlichkeit zusammenhängen, unter die Arme zu greifen.
Lassen Sie uns verschiedene Situationen durchgehen, die auftreten können, von den einfacheren bis hin zu den komplexeren.
ISO-Einstellung für eine statische Nachtaufnahme mit Stativ
Vor Ihnen liegt ein wunderschön beleuchtetes Denkmal oder eine ganze Stadt, und Sie haben eine Kamera mit Stativ in der Hand. Das ist die ideale Situation. Stellen Sie die ISO-Empfindlichkeit manuell auf den niedrigsten Wert ein (normalerweise um die 100), was bedeutet, dass Sie viel Licht einfangen und daher die Belichtungszeit verlängern müssen. Mit einem Stativ ist das jedoch überhaupt kein Problem. Belichtungszeiten im Bereich von Sekunden oder Zehntelsekunden sind kein Problem, also können Sie ruhig auch eine höhere Blende wählen, damit alles perfekt scharf wird.

Sony A7R V, Tamron 150-500/5-6.7, 8 s, f/11, ISO 100, Brennweite 352 mm
Wenn Sie einen bestimmten ISO-Wert einstellen möchten, können Sie dies tun, ohne direkt in den manuellen Modus der Kamera wechseln zu müssen. Es reicht aus, wenn Sie beispielsweise im Blendenprioritätsmodus (mit A oder Av gekennzeichnet) bleiben, aber mit dem entsprechenden Drehregler oder der entsprechenden Taste nur die ISO-Empfindlichkeit einstellen. Dort finden Sie konkrete Werte von etwa 100 bis zu mehreren Tausend oder Zehntausend.
Um in solchen Situationen, in denen Sie gleichzeitig sehr dunkle und sehr helle Bereiche fotografieren, ein optimales Ergebnis zu erzielen, können Sie auch mehrere Aufnahmen mit unterschiedlichen Belichtungswerten machen, die Sie anschließend zusammenfügen.
ISO-Einstellung für Lichtspuren bei Stativaufnahmen
Überraschend einfach ist es auch, vorbeifahrende Autos, Karussells oder andere sich bewegende Objekte zu fotografieren. Vorausgesetzt natürlich, dass Sie nichts gegen Bewegungsunschärfe auf Ihren Bildern haben. Das ist übrigens meist sogar erwünscht, denn „langweilig scharfe“ Aufnahmen können Sie tagsüber machen, während sich gerade diese langen Lichtspuren nur nachts ergeben.
Auch hier empfiehlt es sich, die ISO-Empfindlichkeit auf ein Minimum zu reduzieren. Je nachdem, wie lang die unscharfen Linien Ihres Motivs sein sollen, stellen Sie die Belichtungszeit und die Blende ein. Wahrscheinlich benötigen Sie ein paar Versuche, um die richtigen Werte zu finden, doch dann gelingen Ihnen ein gelungenes Foto nach dem anderen.

Canon R5, Canon EF 24-70/2.8 II, 15 s, f/13, ISO 100, Brennweite 24 mm
ISO bei Aufnahmen des Nachthimmels mit Stativ
Man könnte annehmen, dass das Fotografieren des Nachthimmels genauso einfach ist wie im vorherigen Beispiel, aber das ist nicht immer der Fall. Die Sterne bewegen sich nämlich relativ schnell am Himmel, sodass Sie, wenn Sie Unschärfen vermeiden wollen, die Belichtungszeit unter einem bestimmten Wert halten müssen, den Sie sich berechnen lassen oder einfach ausprobieren. Wahrscheinlich liegt dieser Wert im Bereich von wenigen Sekundenbruchteilen, daher kommt hier eine niedrige Blende zum Einsatz, und wenn auch das nicht hilft, erhöhen Sie die ISO.

Eine gängige Methode ist auch das Zusammenfügen mehrerer kurzer Belichtungen auf spezielle Weise. Entweder, damit alles scharf bleibt (jede Aufnahme wird leicht verschoben und an die erste angepasst), oder umgekehrt, damit zwar die Spuren der Sterne ebenfalls verlängert werden, man aber im Gegensatz zu einer einzigen sehr langen Belichtung vorbeifliegende Satelliten und Flugzeuge ausblenden kann. Details finden Sie im Artikel über das Fotografieren von Sternen und Mond.
ISO-Einstellung beim Fotografieren aus der Hand bei Nacht
Niemand hat ständig ein Stativ dabei. Es kommt schon mal vor, dass man unterwegs nur die Kamera oder das Handy dabei hat, aber trotzdem die majestätische Szenerie vor sich fotografieren möchte.
Dann bleibt nichts anderes übrig, als Blende, Belichtungszeit und ISO-Empfindlichkeit sorgfältig aufeinander abzustimmen.
Was die Blende angeht, lohnt es sich, eher niedrig zu bleiben; rechnen Sie auf keinen Fall mit Werten wie f/16, sondern eher mit maximal f/5,6.
Die Belichtungszeit hängt davon ab, wie gut die Bildstabilisierung Ihres Geräts ist, um das natürliche Zittern der menschlichen Hände auszugleichen. Sie können dies unterstützen, indem Sie eine größere Brennweite wählen oder sich an etwas Festem wie einer Wand oder einem Geländer abstützen. So lassen sich relativ leicht Belichtungszeiten im Zehntelsekunden-Bereich erreichen, in manchen Fällen sogar ganze Sekunden.
Stellen Sie die ISO-Empfindlichkeit dann entsprechend den Möglichkeiten der beiden vorherigen Parameter ein, damit die Aufnahme angemessen hell wird. Wahrscheinlich werden Sie sich im Bereich von ISO 1600 und darüber bewegen.
Es ist sinnvoll, eine Testaufnahme zu machen, anhand derer Sie feststellen können, inwieweit das Bild einer Korrektur bedarf. Die Entscheidung hängt in der Regel davon ab, ob sie:
- zu dunkel ist – sie müssen die Blende verringern, die Belichtungszeit verlängern oder die Empfindlichkeit erhöhen.
- zu hell ist – dies ist ein angenehmes „Problem“, das darauf hindeutet, dass Sie noch Spielraum haben, und Sie können getrost die Empfindlichkeit verringern, gegebenenfalls die Belichtungszeit verkürzen oder die Blende vergrößern.
- unscharf ist – hier muss die Belichtungszeit verkürzt werden, was Sie durch eine Verringerung der Blende oder eine Erhöhung der Empfindlichkeit ausgleichen müssen.
- verrauscht ist – hier kommt es auf die Leistungsreserven Ihres Geräts an. Versuchen Sie, die Empfindlichkeit zu verringern, allerdings müssen Sie dann auch die Blende schließen oder die Belichtungszeit verlängern. Wenn das nicht möglich ist, bleibt das Rauschen leider bestehen, aber das ist immer noch besser als ein unscharfes Bild.

Canon 40D, Canon EF-S 10-22/3.5-4.5, 1/8 s, f/3.5, ISO 800, Brennweite 10 mm
ISO und Nachtaufnahmen von Menschen in Bewegung
Dazu gehört auch die Bewegung aller möglichen anderen Objekte, aber das Fotografieren von Menschen ist wohl am häufigsten. Nun kommen wir jedenfalls zur problematischsten Situation.
Die Lichtverhältnisse sind schlecht, dennoch muss die actionreiche Szene eingefangen werden. Sie benötigen daher eine relativ kurze Belichtungszeit, meist im Bereich von 1/100 s bis 1/500 s. Bei posierenden Gruppen können Sie sich auch längere Belichtungszeiten leisten, bei Sportlern und Tieren hingegen müssen Sie noch kürzere Werte wählen.
Damit Sie keine zu hohe ISO-Empfindlichkeit wählen müssen, ist eine möglichst niedrige Blende entscheidend. Fotografen mit lichtstarken Objektiven sind hier im Vorteil.
Die ISO-Werte werden wahrscheinlich höher sein, meist ISO 3200 und mehr. Manchmal erreicht man sogar Werte im Zehntausender-Bereich. Wenn dies jedoch die einzige Möglichkeit ist, ein scharfes Foto zu machen, ist das Rauschen meist ein akzeptabler Kompromiss.

Sony A7R V, Tamron 35-150/2-2.8,1/500 s, f/2.5, ISO 4000, Brennweite 52 mm
ISO-Einstellung unter wechselnden Bedingungen
Was aber, wenn Sie sich beim Fotografieren zwischen hellen und dunklen Bereichen bewegen oder sich einfach nicht allzu viele Gedanken über die ISO-Empfindlichkeit machen möchten? Sie können sich sogar mit den vollautomatischen Modi begnügen, doch ein besserer Kompromiss ist die einstellbare automatische ISO-Empfindlichkeit, bei der Sie der Kamera einige Einstellungen vorgeben, damit sie alles genauer berechnen kann.
Im Grunde reicht es aus, den Blendenprioritätsmodus (A oder Av) zu verwenden, sodass Sie lediglich die Blendenzahl einstellen und anschließend die ISO-Empfindlichkeit auf „Auto“ setzen. Die Kamera ermittelt dann die Belichtungszeit und die ISO-Empfindlichkeit nach eigenem Ermessen.
Hier kommt es sehr auf das jeweilige Gerät an. Im Laufe der Jahre hat sich diese Funktion zwar weiterentwickelt, aber grundsätzlich versucht der Prozessor, die Belichtungszeit zu berechnen, und wenn diese zu lang ist, erhöht er die ISO-Empfindlichkeit, bis die Belichtungszeit einen angemessenen Wert erreicht. Was unter „angemessenen Werten“ zu verstehen ist, hängt eben vom jeweiligen Gerät ab.
Je nach Alter Ihres Geräts können verschiedene Kombinationen der folgenden Punkte auftreten:
- Die Auto-ISO-Funktion ist überhaupt nicht verfügbar (das ist aber schon längst Geschichte, wie zum Beispiel die Canon 350D aus dem Jahr 2005).
- Die minimale Belichtungszeit richtet sich nach der Brennweite und entspricht in etwa der klassischen Faustregel „1/Brennweite“ Sekunden, d. h.: Je länger das Teleobjektiv, desto kürzer die Belichtungszeit. Im Menü lässt sich ein Multiplikator einstellen, mit dem Sie diese Werte erhöhen oder verringern können.
- Für die Belichtungszeit gibt es im Menü eine direkte Auswahl für den zulässigen Mindestwert, beispielsweise 1/100 Sekunde.
- Für den ISO-Bereich können Grenzwerte von / bis eingestellt werden.
- Umschalter, der festlegt, ob bei Überschreitung der zulässigen Werte auch die Blende automatisch verringert werden soll.
Es lohnt sich wirklich, solche Funktionen im Benutzerhandbuch durchzugehen, denn sie nehmen Ihnen Arbeit ab, an die Sie sonst ständig denken müssten.
Wenn ich zum Beispiel eine Reportage mit Menschen fotografiere, weiß ich, dass eine kürzere Belichtungszeit erforderlich ist, damit sie nicht durch Bewegung unscharf werden. Das gilt insbesondere bei einer höheren Megapixelzahl und der Verwendung eines Teleobjektivs, aber um ganz sicherzugehen, verwende ich fast immer eine Mindestbelichtungszeit von 1/250 s. Der ISO-Wert bleibt dann stets auf dem erforderlichen Wert und sinkt sogar automatisch, wenn sich mein Motiv ins Licht bewegt.
Wenn ich Innenaufnahmen mit einem Weitwinkelobjektiv mache, reicht es aus, die Mindestbelichtungszeit auf 1/30 s (manchmal auch länger) einzustellen, und um den genauen ISO-Wert muss ich mich dann wieder nicht allzu sehr kümmern. Es reicht, hin und wieder zu überprüfen, ob die Automatik akzeptable Werte wählt.
ISO – automatisch und manuell
Die überwiegend automatischen Einstellungen eignen sich hervorragend für Situationen, in denen Sie schnell viele Aufnahmen machen. Die manuelle ISO-Einstellung sollten Sie hingegen für einzelne, besonders sorgfältig komponierte Aufnahmen nutzen. Als Belohnung erhalten Sie klarere Bilder ohne unnötiges Rauschen.
FAQ – Häufig gestellte Fragen zur ISO-Einstellung bei Nachtaufnahmen
Welcher ISO-Wert eignet sich am besten für Nachtaufnahmen?
Das kommt auf die Situation an. Verwenden Sie bei Verwendung eines Stativs ISO 100 für maximale Qualität. Ohne Stativ liegen Sie in der Regel bei ISO 1600–6400, bei Aufnahmen von sich bewegenden Motiven auch darüber.
Ist es besser, den ISO-Wert zu erhöhen oder die Belichtungszeit zu verlängern?
Wenn Sie eine statische Szene mit einem Stativ fotografieren, ist es besser, die Belichtungszeit zu verlängern und den ISO-Wert niedrig zu halten. Bei Freihandaufnahmen oder Bewegungen muss der ISO-Wert hingegen erhöht werden, damit das Bild scharf wird.
Wie vermeidet man Bildrauschen bei Nachtaufnahmen?
Verwenden Sie eine möglichst niedrige ISO-Einstellung, fotografieren Sie im RAW-Format und achten Sie bereits beim Fotografieren auf die richtige Belichtung. Auch das Zusammenfügen mehrerer Aufnahmen oder die anschließende Rauschunterdrückung in der Bildbearbeitungssoftware können helfen.
Welchen ISO-Wert sollte man beim Fotografieren von Sternen verwenden?
Für Aufnahmen von Sternen und der Milchstraße wird in der Regel eine ISO-Empfindlichkeit von 1600–6400 verwendet, je nach Lichtstärke des Objektivs und Belichtungsdauer.
Was ist Auto-ISO und wann sollte man es verwenden?
Die ISO-Automatik passt die Empfindlichkeit automatisch an die Lichtverhältnisse an. Das ist besonders bei Reportagen oder Aufnahmen bei wechselnden Lichtverhältnissen praktisch, wenn keine Zeit bleibt, die Einstellungen manuell vorzunehmen.

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