So gelingen Ihnen bessere Reisefotos

Perfekte Fotos berühmter Orte gibt es im Internet genug. Wenn Sie von Ihren Reisen Bilder mitbringen möchten, die wirklich Ihre eigenen sind, entscheiden weniger die Technik als Ihr Ansatz und Ihr Blick für die Umgebung. Wir zeigen Ihnen, wie Sie dem Sog ikonischer Orte widerstehen, warum Sie nur mit einer Kamera und einem Objektiv reisen sollten, wie Sie fremde Kulturen wahrnehmen und wann es sich lohnt, sich Unbequemlichkeiten auszusetzen.

Was Sie in diesem Artikel erfahren

  • Warum es sich lohnt, ikonische Orte seltener zu besuchen und nach weniger bekannten zu suchen.
  • Wie Sie die Frage beantworten, warum Sie reisen und fotografieren.
  • Warum Sie nur eine Kamera und ein Objektiv mitnehmen sollten.
  • Wie Sie fremden Kulturen als Beobachter statt als Richter begegnen.
  • Warum es sich manchmal lohnt, sich Unbequemlichkeiten auszusetzen.
  • Wie Sie auch an berühmten Orten einen ungewöhnlichen Blickwinkel finden.

Seit zwei Jahrzehnten beschäftige ich mich intensiv mit Reisefotografie. In dieser Zeit habe ich die unterschiedlichsten Ansätze ausprobiert, um die Kulturen und Landschaften festzuhalten, denen ich auf meinen Reisen begegne. Insgesamt hat mich das alles zu einem einzigen Schluss geführt: zu immer mehr Einfachheit in allem.

Heute habe ich eine leichte Kamera, die Sony A7 II, samt einem leichten Standardobjektiv im Gepäck. Perfekte Aufnahmen berühmter Orte im schönsten Licht interessieren mich ebenso wenig wie ausgeklügelte Kompositionen. Mehr Freude macht mir das Beobachten einfacher Szenen, alltäglicher Begegnungen zwischen Menschen und gewöhnlicher ländlicher Gegenden. Außerdem versuche ich immer, mich von Erwartungen zu lösen, wie die Dinge auszusehen haben, und nehme alles so an, wie es auf mich zukommt.

Straße in New York. © Ondrej Čechvala

In diesem Artikel gehe ich deshalb weder auf die üblichen technischen Tipps zur „goldenen Stunde“ und zur Bedeutung des Lichts noch auf Hinweise zur richtigen Komposition und Farbharmonie ein. Es geht mir mehr um die Haltung beim Fotografieren und darum, wie wichtig es ist, über das Bild nachzudenken, zu beobachten und die Umgebung wahrzunehmen.

Straße in New York. © Ondrej Čechvala

1. So widerstehen Sie dem Sog ikonischer Orte

Island. © Ondrej Čechvala

Bei Google und auf Reiseblogs finden Sie jede Menge schöner Fotos ikonischer Orte. Sicher möchten Sie diese Orte auch in Ihre Reiseroute aufnehmen. Versuchen Sie aber, solche berühmten Wahrzeichen seltener zu besuchen und das Land, in das Sie reisen, gründlicher zu erkunden. Sie stoßen immer wieder auf neue Orte, die den bekannten ähneln, aber weniger überlaufen sind. Und meist sind sie auch authentischer.

Island. © Ondrej Čechvala

Nehmen wir beispielsweise Island: Dort gibt es zahlreiche berühmte, malerische und viel besuchte Wasserfälle. Tatsächlich existieren auf Island aber Dutzende – vielleicht sogar Hunderte – weitere Wasserfälle, die genauso schön sein können, nur nicht so bekannt sind.

Vielleicht ist der Weg dorthin länger, vielleicht müssen Sie sie selbst auf Karten entdecken, vielleicht sind sie nicht ganz so spektakulär. Dafür sind Sie dort von inspirierender Stille und echter Wildnis umgeben. Oder denken Sie an das ikonische Machu Picchu, den Lebenstraum vieler Reisender. Dabei ist Lateinamerika buchstäblich übersät mit präkolumbischen Stätten, die eine wunderbare Atmosphäre haben und die Sie durchaus auch ganz für sich allein genießen können.

2. Warum reise ich?

Verlassene Hirtenhütten in Montenegro. © Ondrej Čechvala

Diese philosophische Frage sollten Sie sich vielleicht gleich zu Beginn Ihrer fotografischen Reise stellen. Suchen Sie bestimmte Naturkulissen? Begeistert Sie die Vielfalt der Architektur? Möchten Sie Menschen auf der Straße beobachten? Möchten Sie mit Menschen in Kontakt treten? Legen Sie den Drang ab, „nur“ hübsche Bilder zu machen. Das Internet ist voller perfekter Fotos. Finden Sie heraus, was Ihnen am Reisen wirklich Freude macht und warum es Sie erfüllt, und richten Sie sich beim Fotografieren danach.

Tempel in Chiang Mai. © Ondrej Čechvala

Dazu zwei Beispiele. Vor zwei Jahren war ich in Florenz. Was gefiel mir dort am besten? Es war nicht die monumentale Basilika am Hauptplatz und auch nicht die berühmten Brücken über den Arno. Es war eine gewöhnliche Straße weit außerhalb des Stadtzentrums, in der ich morgens beobachtete, wie die Menschen zur Arbeit gingen. Oder vor Kurzem in Chiang Mai: Statt der bekannten buddhistischen Tempel besuchte ich einen noch unfertigen Tempel am Stadtrand, wo eine einheimische Künstlerin gerade die Wände mit Malereien verzierte, die das Leben Buddhas darstellen.

3. Eine Kamera und ein Objektiv

Slowakei. © Ondrej Čechvala

Fragen Sie sich, ob Sie dies oder jenes mitnehmen sollen? Wenn Sie unsicher sind, ob Sie ein Stück Fotoausrüstung einpacken sollen, lassen Sie es lieber zu Hause. Je mehr Sie mitnehmen, desto stärker schränkt Sie das beim Reisen ein. Nehmen Sie ein leichtes, kompaktes Kameragehäuse [3] und ein Objektiv mit – am besten eine Festbrennweite.

Reisen kann anstrengend sein, und das Schleppen schwerer Fotoausrüstung macht es noch mühsamer. Je leichter Ihre Ausrüstung ist, desto mehr Kilometer legen Sie zu Fuß zurück. Je einfacher sie ist, desto mehr können Sie sich auf das Wesentliche und den jeweiligen Moment konzentrieren, statt sich Gedanken darüber zu machen, welches Objektiv für die Situation das richtige ist.

4. Die Freude am Reisen

Bangkok. © Ondrej Čechvala

Vergessen Sie nicht, wie viel Glück wir haben, überhaupt reisen zu können. Das ist längst nicht in jedem Land selbstverständlich. Genießen Sie jede Interaktion und jede Begegnung, die Sie unterwegs erleben. Bewerten Sie nicht, was besser und was schlechter ist. In Japan beispielsweise folgen viele Dinge strengen Regeln. Viele Gesten, die wir in zwischenmenschlichen Beziehungen für normal halten, sind in der japanischen Kultur tabu. Ein Land wie Costa Rica mit seiner Philosophie „Pura Vida“ [4] ist dagegen das genaue Gegenteil. Die Menschen umarmen sich, zeigen offen ihre Gefühle und nehmen sich für alles Zeit. Was ist besser? Das lässt sich nicht sagen. Alle kulturellen Muster haben ihren eigenen Kontext und ihre eigene Komplexität. Versuchen Sie, diese Unterschiede anzunehmen und eher als Beobachter denn als Richter wahrzunehmen.

5. Warum Sie sich Unbequemlichkeiten zumuten sollten

Bangkok. © Ondrej Čechvala

Oft habe ich die interessantesten Situationen gerade dann erlebt, wenn die Dinge nicht nach Plan liefen: eine Nacht auf einer Parkbank, Herumirren, ungeplantes Trampen oder Begegnungen mit fremden Menschen. Natürlich ist es immer gut, an die eigene Sicherheit zu denken. Wenn Sie sich aber strikt an die Grenzen Ihrer sorgfältig geplanten Reiseroute halten, verhindern Sie, dass sich unerwartete Ereignisse in Ihre Reise einschleichen. Und dann entgehen Ihnen auch Situationen, aus denen großartige Fotos hätten entstehen können.

6. So finden Sie ungewöhnliche Blickwinkel

Niagarafälle. © Ondrej Čechvala

Wenn die bekanntesten Touristenattraktionen Sie trotz allem, was ich geschrieben habe, immer noch reizen, macht das gar nichts. Auch dann können Sie originelle Fotos machen. Meiden Sie die typischen Blickwinkel, aus denen alle anderen fotografieren, und versuchen Sie, den Ort in einer unerwarteten Situation oder in ungewöhnlichem Licht festzuhalten. Bleiben Sie stehen, sehen Sie sich um und fangen Sie diesen ikonischen Ort auf andere Weise ein.

FAQ

Warum sollten Sie ikonische Orte beim Fotografieren auf Reisen meiden?

Ikonische Orte sind oft überlaufen, und außerdem fotografieren alle sie auf dieselbe Weise. Wenn Sie das Land gründlicher erkunden, stoßen Sie auf ähnliche, weniger besuchte und authentischere Orte.

Welche Ausrüstung sollten Sie auf Reisen mitnehmen?

Ein leichtes, kompaktes Kameragehäuse und ein Objektiv genügen, am besten eine Festbrennweite. Wenn Sie unsicher sind, ob Sie ein Stück Ausrüstung brauchen, lassen Sie es lieber zu Hause. Leichtere Ausrüstung bedeutet, dass Sie mehr Kilometer zurücklegen und sich stärker auf den Moment selbst konzentrieren können.

Wie entwickeln Sie Ihren eigenen fotografischen Ansatz beim Reisen?

Fragen Sie sich selbst, warum Sie reisen. Suchen Sie Naturlandschaften oder Architektur, oder möchten Sie Menschen auf der Straße beobachten und mit ihnen ins Gespräch kommen? Legen Sie den Drang ab, nur hübsche Bilder zu machen, und richten Sie sich danach, was Ihnen am Reisen wirklich Freude macht.

Wie begegnen Sie beim Fotografieren fremden Kulturen?

Versuchen Sie, die Unterschiede anzunehmen und eher als Beobachter denn als Richter wahrzunehmen. Jede Kultur hat ihren eigenen Kontext und ihre eigene Komplexität. In Japan beispielsweise folgen viele Dinge strengen Regeln, während sich die Menschen in Costa Rica mit der Philosophie „Pura Vida“ umarmen und sich für alles Zeit nehmen.

Wie fotografieren Sie einen bekannten Ort originell?

Meiden Sie die typischen Blickwinkel, aus denen alle anderen fotografieren, und versuchen Sie, den Ort in einer unerwarteten Situation oder in ungewöhnlichem Licht festzuhalten. Bleiben Sie stehen, sehen Sie sich um und betrachten Sie den ikonischen Ort auf andere Weise.

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AutorOndrej Cechvala

Fotografie bereitet mir Spaß und ist gleichzeitig mein Lebensunterhalt. Entweder trifft man mich mit meiner Kamera bei einer Hochzeit oder irgendwo in der Welt. Vom Polarkreis bis zum Äquator. Ich finde überall dort ein Zuhause, wo ich lächelnden Menschen begegne. Ich sammle dann gerne Geschichten von Menschen und Orten, aus denen ich längere Serien zusammenstelle. Einige davon finden Sie auf meiner Website.

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