So fotografieren Sie Porträts in nächtlicher Stadtkulisse: Schaufenster, Neonlichter und Blitzlicht in realen Situationen

Ein Nachtporträt in der Stadt bietet die ideale Kombination aus Atmosphäre, Farben und Licht, die man tagsüber nicht findet. Lernen Sie, wie Sie Straßenbeleuchtung, Schaufenster, Lichtspuren und den Blitz nutzen können, um auch ohne komplizierte Ausrüstung beeindruckende Nachtporträts zu erstellen.

Was Sie erfahren:

  • Wie man Nachtporträts in der Stadt fotografiert.
  • Wie man Straßenbeleuchtung, Leuchtreklamen und Schaufenster nutzt.
  • Wie man Lichtspuren bei langer Belichtungszeit erzeugt.
  • Wie man ein Porträt im Freien mit Blitzlicht ausleuchtet.
  • Wie man bei Regen, Nebel und schlechtem Wetter fotografiert.

Im Mai werden die Nächte immer wärmer, und es wäre schade, sie nicht zum Fotografieren zu nutzen. Viele Fotografen schrecken vor Nachtaufnahmen aufgrund der schlechten Lichtverhältnisse zurück. Tatsächlich fotografiert man jedoch nicht im Dunkeln – man versucht vielmehr, bestimmte Situationen zu finden, in denen sich das Licht ganz anders verhält als tagsüber und noch eindrucksvoller wirkt. Schauen wir uns ein paar grundlegende Szenen an, die sich für das nächtliche Fotografieren von Porträts eignen.

Wie fotografiert man ein Nachtporträt mit Stadtlicht?

Straßenlaternen, Schaufenster und Leuchtreklamen sind der einfachste Einstieg in die Nachtfotografie. Wenn Sie ein Porträt aufnehmen möchten, nutzen Sie ein beleuchtetes Schaufenster wie eine riesige Softbox. Suchen Sie sich dann einen Blickwinkel, bei dem auch die leuchtenden Objekte im Hintergrund zur Geltung kommen. Achten Sie auf die Farbtemperatur der Lichtquellen. In der Stadt stoßen Sie nämlich oft auf Farbkontraste – zum Beispiel kühles Blau gegenüber warmem Orange. Es wäre schade, diese nicht zu nutzen.

Wenn ich sage, dass jede Lichtquelle geeignet ist, meine ich wirklich jede – selbst das leuchtende Display eines Handys kann das Gesicht wunderschön und dramatisch in Szene setzen.

Die Wahl der Location ist hier wichtiger als die Ausrüstung. Suchen Sie nach Szenen, in denen das Licht „aufeinandertrifft“ und eine bestimmte Stimmung erzeugt. Wenn genügend Licht vorhanden ist, können Sie ruhig aus der Hand fotografieren. Bei Nachtaufnahmen empfiehlt sich eine offene Blende, und dass der ISO-Wert etwas höher ist, müssen Sie einfach in Kauf nehmen.

Das Licht, das in der nächtlichen Stadt herrscht, sorgt manchmal für wunderschöne Farbkombinationen. Um zu sehen, wie es auf dem Gesicht wirkt, bitten Sie das Model, sich leicht zu drehen.

TIPP: Die längste Belichtungszeit, die Sie bei der Freihandaufnahme halten können, entspricht in etwa dem Kehrwert der Brennweite (z. B. beträgt sie bei 50 mm etwa 1/50 s). Bei Crop-Sensoren müssen Sie die Brennweite umrechnen. Die tatsächliche Grenze hängt auch von der Bildstabilisierung, der Haltetechnik und Ihrer ruhigen Hand ab.

Langzeitbelichtung und Lichtspuren in der Stadt

Lichtmalerei in der Stadt? Ja, vor allem, wenn das Licht von selbst malt! Vorbeifahrende Autos oder Straßenbahnen zeichnen in der Dunkelheit Bilder und hinterlassen Lichtspuren. In diesem Fall ist die Belichtungszeit entscheidend. Je länger Sie den Verschluss offen lassen, desto länger werden die Lichtspuren.

Dafür eignet sich alles, was sich bewegt und leuchtet: Autos, Straßenbahnen oder auch U-Bahnen. Es muss keine geradlinige Bewegung sein – wenn Sie eine Kurve finden, sieht das noch interessanter aus.

Interessante Lichtspuren entstehen, wenn Sie eine belebte Straße von oben fotografieren, zum Beispiel von einer Brücke aus.

Stellen Sie die Kamera auf ein Stativ (falls Sie keines zur Hand haben, versuchen Sie es mit einer anderen Stütze, zum Beispiel einer Bank oder einer kleinen Mauer). Stellen Sie eine längere Belichtungszeit ein. Die Belichtungszeit hängt von der Geschwindigkeit der Fahrzeuge ab, die Sie fotografieren, sowie davon, wie lang die Spur im Bild sein soll. Die Belichtungszeit kann zwischen 1/30 s und mehreren Sekunden liegen. Wenn Sie dabei jedoch ein Porträt aufnehmen, müssen Sie sicherstellen, dass das Model während der gesamten Belichtungszeit stillsteht, damit es nicht unscharf wird.

Ein Systemblitz hilft Ihnen dabei, das Model scharf abzubilden.

TIPP: Lichtspuren können Sie zur Verschönerung des Hintergrunds oder auch als Vordergrundelement in einem Porträt einsetzen. Wenn Sie sie jedoch im Vordergrund platzieren, achten Sie darauf, dass das Model von einer stärkeren Lichtquelle beleuchtet wird als von den Scheinwerfern vorbeifahrender Autos. Andernfalls geht das Model schlichtweg unter.

Wie beleuchtet man ein Nachtporträt im Freien mit Blitz?

Porträtaufnahmen im Dunkeln sind einfacher, als es scheint – man braucht nur eine Lichtquelle, die man entweder in der Stadt findet, wie wir zu Beginn beschrieben haben, oder selbst mitbringt. Ein kleiner Systemblitz mit Fernauslösefunktion kann dabei Wunder wirken. Wenn Sie den Blitz auf ein Einbeinstativ setzen und so positionieren, dass er sich über dem Kopf des Models befindet, bringen Sie das Licht genau dorthin, wo Sie es brauchen. Wenn Sie mehrere Blitze haben, können Sie eine Szene mit eindrucksvollem Studio-Licht und der Kulisse der nächtlichen Stadt im Hintergrund schaffen.

Zwei Blitzlichter sorgten für den Effekt eines im Studio beleuchteten Porträts – allerdings im Freien.

Wenn Sie weicheres Licht benötigen, aber keinen Schirm oder keine Softbox zur Lichtstreuung haben, richten Sie den Blitz auf eine helle Wand, sodass die Reflexion von der Wand auf das Gesicht fällt. Das Ergebnis ist ein weiches Licht auf dem Gesicht, das absolut natürlich wirkt.

Die Blitzleistung sollte auf die Leistung der Lichtquellen im Hintergrund abgestimmt sein.

TIPP: Vorsicht bei der Leistung! Lassen Sie sich nicht von der Leistung der Blitzgeräte blenden und passen Sie diese der Situation an, damit die nächtliche Stadt selbst nicht in den Hintergrund gerät. Ich verzichte daher lieber auf den „wundersamen“ TTL-Modus und stelle die Blitzleistung manuell ein.

Nachtporträt bei Nebel, Regen und Rauch

Es stimmt zwar, dass wir bei Regen nicht gerne nach draußen gehen, aber gerade dann entsteht die Magie. Das Licht liegt nämlich nicht nur auf den Objekten, sondern auch in der Luft. Nebel oder Regen bewirken, dass das Licht auf kleinen Partikeln gestreut und in Lichtkegel umgewandelt wird. Silhouetten kommen dabei besonders gut zur Geltung – Details sind nicht nötig, wichtig ist die Form. Die dichte Luft in Kombination mit dem Licht rundet die Stimmung ab.

Eine zauberhafte Szene lässt sich im Gegenlicht schaffen, indem Sie die Person mit dem Rücken zur Lichtquelle positionieren und eine Silhouette fotografieren. Als Lichtquelle eignet sich entweder ein Blitz, eine Taschenlampe auf einem Stativ oder beispielsweise die Scheinwerfer eines Autos.

Die dichte, von hinten beleuchtete Luft sorgt für die richtige Atmosphäre. Ihre Aufgabe ist es, eine Pose zu finden, die sich gut als Silhouette eignet.

Porträts im Regen können auch romantisch sein. Sie können beispielsweise eine Lichterkette um den Regenschirm wickeln. Oder Sie geben dem Model, das den Regenschirm hält, einen Systemblitz in die Hand. Das Licht wird vom Regenschirm reflektiert und fällt diffus auf das Gesicht zurück. Achten Sie nur auf die Leistung, damit Sie das Bild nicht überbelichten.

Die Lichter tauchen das Model in ein angenehmes, warmes Licht.

FAQ

Welche Belichtungszeit sollte man für ein Freihand-Nachtporträt wählen?

Das hängt von der Brennweite ab; im Allgemeinen gilt etwa 1/Brennweite, aber nachts empfiehlt es sich, die Verschlusszeit zu verkürzen und den ISO-Wert zu erhöhen.

Brauche ich ein Stativ für Nachtaufnahmen in der Stadt?

Für Porträts meist nicht, aber für Lichtspuren und Langzeitbelichtungen ist er sehr nützlich.

Wie stellt man den ISO-Wert bei Nacht ein?

So hoch, dass die Belichtung ausreicht – moderne Kameras schaffen sogar ISO 3200–6400.

Wie vermeidet man unscharfe Porträtaufnahmen bei Nacht?

Verwenden Sie einen Blitz, eine kürzere Verschlusszeit oder eine stabile Stütze.

Welcher Blitz eignet sich für Porträtaufnahmen im Freien?

Idealerweise ein Systemblitz, der auch extern ausgelöst werden kann.

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AutorGalina Gordeeva

Fotografin, Dozentin, Redakteurin. Sie beschäftigt sich seit 2004 mit Fotografie. Derzeit ist sie Leiterin des Magazins Digitale Fotografie, schreibt Artikel über Fotografie, unterrichtet, leitet eine Fotografie-Akademie in Prag und kreiert weiterhin ihre eigenen Werke. Auf Experimente kann sie nicht verzichten, weshalb sie sich in den letzten Jahren verstärkt experimentellen Techniken, insbesondere der Luminografie, widmet. Sie ist in der tschechischen und internationalen Lightpainter-Community anerkannt und ihre mit Licht gemalten Bilder gewinnen regelmäßig Preise bei internationalen Wettbewerben.

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