Schärfentiefe in der Landschaftsfotografie: So gelingt perfekte Schärfe – und kreative Unschärfe

Möchten Sie eine Landschaft vom Vordergrund bis zum Horizont scharf abbilden? Die richtige Einstellung der Schärfentiefe hängt nicht nur von der Blende ab, sondern auch von der Brennweite des Objektivs und vom Fokuspunkt. Wir zeigen Ihnen, wie Sie maximale Schärfe erreichen – und wann sich eine geringe Schärfentiefe umgekehrt als kreatives Element einsetzen lässt.

Was Sie in diesem Artikel erfahren

  • Was Schärfentiefe ist und wie die Blende sie beeinflusst.
  • Welche Blende sich für die Landschaftsfotografie eignet.
  • Wie Sie die hyperfokale Distanz berechnen und wozu sie dient.
  • Wie die Brennweite des Objektivs die Schärfentiefe beeinflusst.
  • Wie Sie mit Focus Stacking maximale Schärfe erreichen.
  • Wann es umgekehrt besser ist, die Schärfentiefe zu verringern und kreativ einzusetzen.

In der Landschaftsfotografie wollen wir meistens eine möglichst große Schärfentiefe erreichen, also ein Foto, das vom Vordergrund bis zum Horizont scharf ist. Die Schärfentiefe müssen wir bei jedem Foto neu abwägen, und meist sind Kompromisse zwischen ihr, der Belichtungszeit und der ISO-Empfindlichkeit nötig. Bei Landschaften hat die Schärfe in der Regel Priorität, und die übrigen Parameter müssen hinter diesem Ziel zurückstehen.

Was Schärfentiefe ist

Allgemeine Informationen zur Schärfentiefe habe ich bereits in einem anderen Artikel behandelt, daher fasse ich hier nur kurz zusammen: Wir sprechen von dem Bereich im Bild, der ausreichend scharf abgebildet wird.

Auf der Abbildung unten sehen Sie zwei Kameras, die denselben Blumenstreifen fotografieren und auf dieselbe Stelle fokussieren, wobei die untere eine höher eingestellte Blendenzahl hat. Dadurch entsteht ein Bild mit größerer Schärfentiefe als bei der oberen Kamera.

Illustration der Schärfentiefe. Mit einer höheren Blendenzahl (unten) geht auch eine größere Schärfentiefe einher. Die gestrichelte Linie markiert den Fokuspunkt beider Kameras.

In der Landschaftsfotografie wollen wir üblicherweise alles so scharf wie möglich abbilden. In der Praxis ist die Schärfentiefe nie unendlich, wir können sie jedoch auf verschiedene Weise vergrößern.

Welche Blende ist für Landschaftsaufnahmen am besten geeignet

Die Schärfentiefe wird am stärksten von der Einstellung der Blende beeinflusst. Man könnte meinen, je höher die Blendenzahl, desto besser. Doch Vorsicht: Je weiter Sie die Blende schließen (je höher also die Blendenzahl bzw. F-Zahl), desto mehr wächst zwar die Schärfentiefe – bei hohen Blendenwerten macht sich jedoch die sogenannte Beugung bemerkbar, wodurch das gesamte Bild zunehmend an Schärfe verliert.

Deshalb liegt die ideale Blende für die Landschaftsfotografie meist zwischen f/8 und f/16. Ich rechne dabei in Vollformat-Werten, weshalb Sie bei Kameras mit kleineren Sensoren Ihre Blende mit dem Crop-Faktor multiplizieren müssen. Auch bei Smartphones mit einer Blende von f/1.8 müssen Sie deshalb nicht befürchten, weit außerhalb dieses Bereichs zu liegen. Der Crop-Faktor liegt hier zum Beispiel bei etwa 5, sodass sich aus 1,8 × 5 tatsächlich eine Blende von rund f/9 ergibt – und das passt gut.

Eine übliche Blende von f/10 im Einsatz. Die Belichtungszeit von 1/40 s lässt sich zusammen mit der Brennweite von 16 mm noch aus der Hand halten.
Canon 5D Mark IV, Canon EF 16-35/2.8 III, 1/40 s, f/10, ISO 100, Brennweite 16 mm

Für die höchste Bildqualität ist es üblich, eine möglichst niedrige ISO-Empfindlichkeit um ISO 100 zu wählen, was zusammen mit einer höheren Blendenzahl eine längere Belichtungszeit bedeutet. Fotografieren Sie in der Dämmerung oder mit einem Teleobjektiv, greifen Sie häufig zum Stativ.

Die hyperfokale Distanz: Wohin Sie fokussieren müssen, damit das gesamte Foto scharf wird

Auch eine Blende von f/16 garantiert nicht, dass alles scharf ist. Ebenso wichtig ist die richtige Fokussierung.

Fokussieren Sie einfach auf ein Objekt am Horizont, wird dieses zwar perfekt scharf, die Blumen im Vordergrund werden dabei aber vermutlich unscharf. Fokussieren Sie hingegen auf die Blumen, verschwimmen die fernen Hügel.

Ihr Ziel ist also ein Punkt irgendwo dazwischen – aber wo genau? Genau das verraten Ihnen Rechner für die sogenannte hyperfokale Distanz. Diese berechnen den Punkt, an dem die Schärfentiefe bis ins Unendliche reicht, während ihre vordere Grenze so nah wie möglich an Ihrem Standort liegt. Stellen Sie sich das Ergebnis als Information vor: „Fokussieren Sie auf 8 Meter Entfernung, und alles von 4 Metern bis unendlich wird ausreichend scharf.“

Eine deutlich komplexere Situation, in der die richtige Blende (die auch höher hätte sein können) und der Fokuspunkt gewählt werden mussten, damit sowohl die Steine vorne als auch die Berge im Hintergrund scharf sind.
Canon 5D Mark III, Canon EF 16-35/2.8 II, 1/50 s, f/10, ISO 100, Brennweite 23 mm

Es gibt viele solcher Rechner. Mir persönlich gefällt der DOF Simulator, der alles auch grafisch darstellt (die hyperfokale Distanz wird unauffällig unten rechts erwähnt), der jedoch nur für kleine Entfernungen bis 25 Meter geeignet ist. Textbasierte Rechner sind universeller, ähnliche Ergebnisse erhalten Sie zum Beispiel auf den Seiten von DOF Master oder dem Hyperfocal Distance Calculator. Entsprechende Apps mit derselben Funktion lassen sich auch aufs Handy herunterladen, falls Sie in der Landschaft fernab vom Internet fotografieren.

Die berechnete Distanz hängt von der Blende und der Sensorgröße ab, weshalb diese in den Rechnern ebenfalls angegeben wird. Sehr wichtig ist auch die Brennweite, da sie die Schärfentiefe ebenso stark beeinflusst.

Wollten wir ganz genau sein, müssten wir auch die Auflösung des Fotos sowie gegebenenfalls die Druckgröße und den Betrachtungsabstand berücksichtigen, doch die meisten Rechner vernachlässigen das. Es lohnt sich daher, in der Praxis mit Ihrer eigenen Ausrüstung zu überprüfen, ob alles funktioniert, und anfangs lieber zu kontrollieren, ob die Schärfe der Fotos wirklich stimmt.

Wie die Brennweite des Objektivs die Schärfentiefe beeinflusst

Je länger die Brennweite, die Sie verwenden, desto geringer die Schärfentiefe. Ich empfehle Ihnen, das mit Ihren üblichen Brennweiten in den obigen Rechnern selbst auszuprobieren.

Bei einem extrem weitwinkligen Objektiv mit 12 mm Brennweite (umgerechnet auf Vollformat) und einer Blende von f/8 genügt es beispielsweise, auf 62 cm Entfernung zu fokussieren, und alles von 31 cm bis unendlich sollte scharf sein.

Solche Fotos mit einer durchgehend scharfen Szene sind mit einem Weitwinkelobjektiv einfach zu erreichen. Canon R5, Canon EF 16-35/2.8 III, 1/10 s, f/14, ISO 100, Brennweite 16 mm

Mit einem 300-mm-Teleobjektiv und derselben Blende müssen Sie dagegen auf fast 400 Meter Entfernung fokussieren! Und das Bild wird erst ab etwa 200 Metern bis unendlich ausreichend scharf.

Bei wenig Licht gelingen Ihnen mit einer kurzen Brennweite scharfe Fotos auch mit einer niedrigeren Blendenzahl, wodurch Sie die übrigen Parameter (Belichtungszeit und ISO-Empfindlichkeit) entlasten. In vielen Fällen kommen Sie sogar ohne Stativ aus.

Mit einem Teleobjektiv sollten Sie hingegen stärker abblenden, außer Sie fotografieren gezielt nur ein Detail am gegenüberliegenden Felsen.

Bei einem Teleobjektiv kontrolliere ich in solchen Situationen lieber, ob wirklich sowohl der entferntere als auch der nähere Hügel scharf sind.
Canon 5D Mark IV, Canon EF 70-300/4-5.6, 1/30 s, f/11, ISO 400, Brennweite 180 mm

Focus Stacking: Fotos für eine höhere Schärfentiefe zusammensetzen

Für eine große Schärfentiefe auch mit einem Teleobjektiv gibt es eine Lösung: Nehmen Sie vom Stativ aus mehrere praktisch identische Aufnahmen mit jeweils verschobenem Fokus auf. Diese werden anschließend zu einem einzigen, möglichst scharfen Bild kombiniert. Diese Technik nennt man Focus Stacking. In Zoner Studio setzen Sie Focus Stacking automatisch zusammen.

Ein Foto mit 244 mm Brennweite lässt sich nicht sinnvoll komplett scharf aufnehmen. Stattdessen wurde es aus fünf Aufnahmen mit Blende f/18 zusammengesetzt. Da es windig war, ist es dennoch voller Kompromisse (ISO 800).
Canon R5, Canon EF 70-300/4-5.6, 1/6 s, f/18, ISO 800, Brennweite 244 mm

Doch auch das ist kein Allheilmittel. Schwierig wird es bei starkem Wind sowie bei Szenen, in denen scheinbar nahe beieinander liegende Objekte auf dem Foto tatsächlich extrem weit voneinander entfernt sind.

Wann eine große Schärfentiefe nicht möglich ist

Damit sind wir bei einem wichtigen Aspekt angelangt – dem Wind. Selbst mit einem stabilen Stativ wird es schwierig, mit einer langen Belichtungszeit zu fotografieren, wenn sich Blumen oder gar Bäume vor Ihnen heftig hin- und herbewegen.

Eine verkürzte Belichtungszeit können Sie durch eine höhere ISO-Empfindlichkeit ausgleichen. Doch beim Fotografieren in der Dämmerung reicht selbst das mitunter nicht aus, und Sie müssen Ihre Ansprüche an die Schärfentiefe zurückschrauben und die Blende öffnen.

Das betrifft jede Art von Bewegung, einschließlich eines unruhigen Meeres oder fahrender Züge und Autos.

Details der Wellen bei Sonnenaufgang gehören wohl zu den schwierigsten Landschaftsmotiven, die ich je fotografiert habe. Sie bewegen sich schnell, sind weit entfernt, und es ist wenig Licht vorhanden, sodass ich verschiedene Werte gegeneinander abwägen und am Ende viele Fotos verwerfen musste, weil die Schärfentiefe nicht ausreichte.
Canon 5D Mark IV, Canon EF 70-300/4-5.6L, 1/400 s, f/5.6, ISO 400, Brennweite 300 mm

Wann Sie eine geringere Schärfentiefe einsetzen können

Wenn Sie die Blende bewusst als kreatives Mittel öffnen, erzielen Sie ungewöhnliche Ergebnisse.

Bei kurzen Brennweiten wirkt im Bild fast alles scharf, und bei einer leicht geöffneten Blende wirkt das Ergebnis eher wie ein Fehler, bei dem ein Teil des Bildes leicht unscharf ist. Eine Möglichkeit, eine offene Blende wirklich sinnvoll zu nutzen, besteht darin, sehr nah zu fokussieren. So betonen Sie ein bestimmtes Detail, und das Gesamtbild wirkt wie eine bewusste Entscheidung.

Eine etwas kürzere Brennweite und ein großes Detail, um die Berge im Hintergrund weich verschwimmen zu lassen.
Canon 5D Mark IV, Canon EF 16-35/2.8 III, 1/4 s, f/2.8, ISO 100, Brennweite 35 mm

Bei Teleobjektiven ist eine geringe Schärfentiefe eher der Standard, den Sie ohne großen Aufwand erreichen. Etwas schwieriger ist es, die richtigen Elemente in den Bildausschnitt einzupassen. Meist bedeutet das, näher an einen Felsen oder ein anderes Landschaftselement heranzutreten und es bewusst mit ins Bild zu nehmen, statt ihm auszuweichen. Das Teleobjektiv verstärkt durch die entstehende Unschärfe den Tiefeneindruck der gesamten Szenerie.

Die nahen Felsen sind bewusst im Bild, um den Betrachter in die Szene hineinzuführen.
Canon 5D Mark II, Canon EF 70-200/2.8 II, 1/100 s, f/5, ISO 125, Brennweite 102 mm

Längere Brennweiten können auch größere Ausschnitte aus der Szene herausgreifen und trotzdem den Hintergrund unscharf wirken lassen.

Die grasende Herde ist scharf, während die Berge im Hintergrund unscharf sind.
Canon 5D Mark IV, Canon EF 70-300/4-5.6L, 1/160 s, f/5.6, ISO 100, Brennweite 300 mm

So gelingt eine scharfe Landschaft: Zusammenfassung

In der Landschaftsfotografie machen Sie mit einer großen Schärfentiefe im Regelfall nichts falsch. Der Rechner für die hyperfokale Distanz ist Ihr Freund, doch mit der Zeit entwickeln Sie selbst ein Gefühl dafür, wohin Sie fokussieren müssen und wie das Ergebnis aussehen wird. Und wenn Sie Lust auf Experimente bekommen, versuchen Sie, eine Landschaft mit einer offenen Blende zu fotografieren – vielleicht überrascht Sie selbst, was Sie damit einfangen können.

FAQ

Welche Blende sollten Sie für die Landschaftsfotografie verwenden?

Das beste Verhältnis zwischen Schärfentiefe und Bildqualität bietet eine Blende zwischen etwa f/8 und f/16 (umgerechnet auf Vollformat). Bei höheren Werten macht sich bereits die Beugung bemerkbar, die das Bild wiederum verwaschen lässt.

Was ist die hyperfokale Distanz, und wozu dient sie?

Die hyperfokale Distanz ist der Fokuspunkt, bei dem alles von der Hälfte dieser Distanz bis unendlich scharf ist. Sie berechnen ihn mithilfe von Online-Rechnern oder mobilen Apps auf Basis von Blende, Brennweite und Sensorgröße.

Wie beeinflusst die Brennweite des Objektivs die Schärfentiefe?

Je länger die Brennweite, desto geringer die Schärfentiefe bei gleicher Blende. Weitwinkelobjektive fangen deshalb mühelos eine durchgehend scharfe Szene vom Vordergrund bis zum Horizont ein, während das bei Teleobjektiven deutlich anspruchsvoller ist.

Was ist Focus Stacking, und wann eignet es sich in der Landschaftsfotografie?

Focus Stacking ist eine Technik, bei der mehrere Fotos mit gleicher Komposition, aber verschobenem Fokus zu einem einzigen Bild mit maximaler Schärfentiefe zusammengesetzt werden. Es eignet sich vor allem für Teleobjektive, bei denen eine einzelne Belichtung für ausreichende Schärfe nicht genügt.

Wann ist es umgekehrt besser, eine geringere Schärfentiefe zu verwenden?

Eine geringere Schärfentiefe eignet sich als kreatives Werkzeug, wenn Sie ein bestimmtes Detail im Vordergrund betonen und den Hintergrund unscharf wirken lassen möchten, oder wenn Ihnen zu wenig Licht oder Bewegung in der Szene (Wind, Wellen) keine lange Belichtungszeit mit hoher Blende erlaubt.