Porträtfotografie und Zoom

Eine Kamera richtig einzustellen ist gar nicht mal so einfach – und erst recht für Fotoanfänger. Deshalb werden oftmals Kameras oder Smartphones gezückt und Bilder ganz ohne nachzudenken geschossen. Gerade bei Porträtfotografie kann das aber zu groben Mängeln führen (z.B. können Gesichter deformiert werden). Wie etwa Porträtfotos aus verschiedenen Brennweiten aussehen oder wie man häufige Fehler vermeiden  kann, erfahren Sie im folgenden Beitrag.

Ob Personalausweisfotos, Handybilder für das Adressbuch oder professionelle Studioaufnahmen – Porträtfotografie ist weit verbreitet. Im Artikel Menschenfotografie – wie Sie Fehler vermeiden finden Sie diesbezüglich Tipps für bessere Personenaufnahmen.

Fotografen sollten Personen von ihrer besten Seite festhalten können. Doch gerade Anfänger begehen oft den Fehler, beim Fotografieren eine falsche Brennweite zu wählen, in dem sie nach Einschalten der Kamera den voreingestellten Wert nicht verändern. Dieser ist aber meist sehr niedrig und wählt deshalb eine sehr breite Bildaufnahme. Anschließend – um ein bildfüllendes Porträt zu erreichen, nähern sich Anfänger der fotografierten Person eher an, anstatt den Kamerazoom zu verwenden. Dadurch kommt es mehr oder weniger zu einer räumlichen Gesichtsdeformation.

Damit Sie sich diese Gesichtsdeformation besser vorstellen können, finden Sie hier einige Porträtbeispiele, die mit verschiedenen Brennweiten aus unterschiedlichen Entfernungen vom Model aufgenommen wurden, jedoch stets so, dass das Gesicht dieselbe Bildfläche ausfüllt (alle Brennweiten wurden auf Full Frame, also Kameras mit Crop-Faktor 1 umgerechnet):

20 mm:

020mm

Porträt aufgenommen mit 20 mm Brennweite.

28 mm:

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Porträt aufgenommen mit 28 mm Brennweite.

40 mm:

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Porträt aufgenommen mit 40 mm Brennweite.

85 mm:

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Porträt aufgenommen mit 85 mm Brennweite.

150 mm:

150mm

Porträt aufgenommen mit 150 mm Brennweite.

235 mm:

235mm

Porträt aufgenommen mit 235 mm Brennweite.

Da bei den meisten Kameras die Brennweite zwischen 28 mm und 40 mm beginnt, sollten Sie sich vor allem auch diese Aufnahmen ansehen. Auf den ersten Blick mag der Mangel nicht sehr markant wirken, doch im Vergleich zum „richtigen“ Foto ist der Unterschied deutlich erkennbar. Es kommt hauptsächlich zu einer optischen Vergrößerung der Nase, da der Fotograf sehr nahe stehen muss und die Nase sich somit noch näher an der Kamera befindet und deshalb größer erscheint.

85 mm und höher ideal

Im Gegensatz dazu verlangen größere Brennweiten eine deutlich größere Entfernung von der fotografierten Person, weshalb die Nase in der Entfernung und Perspektive keine große Rolle mehr spielt. Die meist verwendeten Brennweiten für Porträtfotos sind deshalb 85 (nach Umrechnung auf Full Frame) bis cca. 150 mm. Sie können natürlich auch höhere Brennweiten benutzen, dann kommt es allerdings schon wiederum zu einer optischen Abflachung des Gesichts und die Aufnahme wird nicht mehr so dreidimensional wirken. Im Vergleich zur räumlichen Deformation ist dieser Effekt allerdings so klein, dass Sie unbesorgt auch mit einem 300 mm Objektiv fotografieren können.

Es ist besonders wichtig sich vor Augen zu halten, dass sich alle hier erwähnten Zahlen auf Kameras mit Kinofilm-Sensor (Full Frame) beziehen. Sofern Sie eine Basis-Spiegelreflexkamera oder eine spiegellose Systemkamera besitzen, wird Ihr Chip höchstwahrscheinlich das Format APS-C haben, also 1,6 mal oder 1,5 mal kleiner. Ihre Brennweiten sind dann umso kürzer, weshalb ein für Porträtfotografie 50 mm Objektive zu empfehlen sind, da 50 mm x 1,6 = 85 mm (bzw. 50 mm x 1,5 = 75 mm).

Brennweite und Entfernung

Obwohl ich hier vor allem die Brennweite thematisiert habe, muss man sich unbedingt auch über die räumlichen Gegebenheiten im Klaren sein. Steht man genügend weit entfernt, kann man ohne weiteres tolle Porträts mit 20 mm Objektiven und ohne jegliche Deformierungen schießen. In solchen Fällen wird es sich allerdings nicht mehr um typische Porträts im Sinne von „Kopf und Schultern“ handeln, da der Kopf auf dem Bild kleiner sein und auch der Rest des Körpers sichtbar wird.

Richtige Vorgangsweise

Der einfachste Weg zu guten Porträts besteht darin, sich noch vor dem Fotografieren die Brennweite auf 85 mm oder höher einzustellen und erst dann je nach Bildausschnitt die Entfernung von der Person so wählen, dass das Gesicht schön ins Bild passt. So erhalten Sie gelungene und präsentable Porträts.

Letzte Änderung 20. Juli 2015

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Autor: Vít Kovalčík

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