Mit Models zusammenarbeiten

Aller Anfang ist schwer. Falls Sie bis jetzt nur Landschaften fotografiert haben, dann wird man zu Beginn etwas nervös sein, wenn man Models zum ersten Mal fotografiert. In diesem Beitrag erhalten Sie ein paar Tipps, die Ihnen den Start erleichtern sollen.

Dieser Artikel behandelt viel mehr die Kommunikation und Zusammenarbeit mit dem Model als die technischen Aspekte. Ich möchte darauf aufmerksam machen, dass ich mit dem Begriff „Model“ nicht nur Personen meine, die Ihren Lebensunterhalt mit dem Modeln verdienen, sondern jede Person, mit der Sie sich verabreden und die vor Ihrem Objektiv posieren wird.

Erfahrene Models schaffen auch komplexe Posen. Canon 5D Mark II, Canon EF 24–70 mm F2,8 USM, 1/160 s, F6,3, ISO 200, Brennweite 45 mm.

WO FINDET MAN MODELS?

Zu Beginn ist es völlig ausreichend, wenn Sie eine Freundin fragen, um zu experimentieren. Der Vorteil besteht darin, dass Sie viel lockerer sind bei einer Person, mit der Sie bereits befreundet sind. Als Gegenleistung erhalten am Ende sowohl das Model als auch Sie die Aufnahmen – diese Art von Zusammenarbeit nennt man TFP oder TFCD (Time For Prints / Time For CD). Diese Form ist auch bei erfahrenen Fotografen und Models gewöhnlich.

Sobald Sie ein paar repräsentative Bilder in Ihrem Fotoarchiv haben, können Sie sich auch auf Internetseiten registrieren, wo man sowohl Models als auch Fotografen sucht und findet. Dort können Sie dann noch nicht so bekannte Models ansprechen, die ein paar neue Aufnahmen für ihr Fotoportfolio benötigen. Je besser Ihr Portfolio an Bildern im Laufe der Zeit wird, desto größer ist die Chance, dass Sie auch erfahrene Models für ein Fotoset gewinnen.

Zusätzliche Info: TFP muss nicht bedeuten, dass alles umsonst ist. Es können nämlich noch Kosten für das Atelier, die Visagistin usw. entstehen. Wer die Kosten hierfür trägt, hängt von der Absprache ab und sollte bereits vorher geklärt werden. Natürlich ist es am Anfang einfacher, auf die Visagistin zu verzichten oder anstatt einem Atelier, den Park für das Shooting zu wählen.

Natürlich können Sie auch direkt mit einem erfahrenen Model beginnen, welches ein Honorar dafür verlangen wird. Der Vorteil liegt darin, dass das Model bereits weiß, was von Ihr erwartet wird und ferner kann sie dem Fotografen manchmal auch helfen bzw. Tipps geben.

Hauptsache Ruhig bleiben und kommunizieren

Egal ob Sie mit einer bekannten oder einer fremden Person Fotos machen – beim Fotografieren sollten Sie die Ruhe bewahren und gut gelaunt bleiben. Ein Lächeln und ein bisschen Optimismus bewirken schon wahre Wunder. Ferner sollten Sie sich keinen Kopf draus machen, wenn nicht alle Fotos so aussehen, wie Sie es sich vorgestellt haben – das ist völlig normal! Aus hunderten von Fotos bleiben am Ende nur ein paar Fotos übrig.

Wichtig ist jedoch, dass Sie dem Model beschreiben, was es machen soll, falls Ihnen etwas nicht passt. Das Model sieht sich nämlich nicht selbst. Schämen Sie sich auch nicht, eine Pose selbst zu zeigen.

Bei erfahrenen Models ist der Erfolg viel höher, weil Sie bereits wissen, welche Posen gut aussehen. Aber auch so können Sie nicht in Ihren Kopf hineinschauen. Ihre künstlerischen Absichten bleiben somit dem Model verborgen, solange Sie sie nicht preisgeben.

Ich zeige dem Model eine Pose, damit sie genau weiß, wie ich mir das Bild vorstelle. Martin Kacvinský hat schnell reagiert und einen Schnappschuss gemacht 🙂

Dasselbe sollten Sie auch bei der Korrektur der Lichteinstellungen tun und nicht einfach vor sich hin murmeln. Die andere Seite weiß auch hier nicht, was gerade in Ihrem Kopf vorgeht. Sagen Sie dem Model deshalb, dass sie gut steht/sitzt oder liegt und Sie nur die Lichteinstellungen noch korrigieren müssen. 

Geben Sie dem Blick eine Richtung vor

Es gibt verschiedene Herangehensweisen, was die einzelnen Bewegungen betrifft. Der gewöhnliche Stil „an der Bushaltestelle stehen“ sieht nicht ideal aus. Hier ist es besser zu übertreiben. Wir müssen dem Model auch sagen, wohin es schauen soll. Normalerweise geht der Blick in Richtung des Objektives, aber nicht alle Aufnahmen müssen so aussehen. Versuchen Sie ruhig auch mal mit der anderen Seite oder wechseln Sie den Blick nach unten (leicht nach oben mit geneigtem Kopf). Manchmal ist auch eine Aufnahme mit geschlossenen Augen einfach toll.

Der Blick direkt ins Objektiv zieht den Betrachter magisch an. Canon 5D Mark II, Canon EF 70–200 mm F2,8 II IS USM, 1/50 s, F2,8, ISO 400, Brennweite 135 mm. 

Der Blick zur Seite kann auch gelungen wirken. Canon 5D Mark III, Canon EF 70–200 mm F2,8 II IS USM, 1/160 s, F2,8, ISO 100, Brennweite 80 mm.

Oder wie wäre es mit geschlossenen Augen? Canon 5D Mark III, Canon EF 85 mm F1,8 USM, 1/200 s, F1,8, ISO 100, Brennweite 85 mm.

Gerade bei jungen oder unerfahrenen Models können sehr weit geöffnete Augen problematisch sein – die Models erwecken einen leicht verunsicherten Eindruck oder wirken lustlos bzw. gelangweilt. Es genügt, wenn Sie sagen, dass das Model die Augen leicht schließen soll. Den Mund kann man hingegen ruhig etwas weiter öffnen. Schenken Sie diesen zwei Tipps ein besonderes Augenmerk – insbesondere bei Mode- oder Porträtaufnahmen.

Zur Demonstration auch leicht geschlossene Augen und ein weiter geöffneter Mund. Canon 5D Mark III, Canon EF 70–200 mm F2,8 II IS USM, 1/160 s, F5,6, ISO 200, Brennweite 90 mm.

Organisieren Sie alles gut

Falls Sie für die Zusammenarbeit TFP/TFCD ausgewählt haben, dann erwartet das Model ausgewählte und bearbeitete Fotos. Diese müssen nicht gleich den nächsten Tag geliefert werden, aber mehrere Monate sollten es auch nicht sein. Models müssen hier achtsam sein, manche Fotografen liefern die Bilder nur in einer niedrigen Auflösung. Für Bilder in hoher Auflösung hingegen verlangen sie Geld. Die Rahmenbedingungen sollten daher schon vorher abgesprochen werden.

Falls alles formal geregelt wird, dann wird ein Vertrag abgeschlossen, der die Nutzungsrechte, den Verwendungszweck sowie das Entgelt regelt. Diese Verträge werden auch Model Release genannt.

Die meisten Fotografen interessieren diese Formalitäten kaum, aber manchmal sind sie dennoch notwendig – bspw. wenn Sie für Dienstleister von Fotodatenbanken oder generell kommerzielle Fotos machen. Gerade bei Akt-Fotos empfehle ich, Verträge abzuschließen. Das Model weiß dadurch, was man mit ihren Fotos machen kann (bspw. weiterverkaufen). Auf der anderen Seite ist durch den Vertrag auch der Fotograf geschützt. Insbesondere dann, wenn sich das Model bspw. nach einem halben Jahr umentscheidet und plötzlich möchte, dass die Bilder nicht mehr in der Öffentlichkeit gezeigt werden. Der ganze Aufwand (Zeit sowie finanzielle Ausgaben) wären somit für die Katz.

Fangen Sie An

Hoffentlich helfen Ihnen die Tipps ein bisschen, Ihre Nervosität in den Griff zu bekommen. Falls Sie der englischen Sprache mächtig sind, dann empfehle ich Ihnen das Buch von Jen Brook, einem erfahrenen Model, welches auf amüsante Weise weitere Tipps gibt. Das Buch ist sowohl für Fotografen als auch Models gedacht. Die eigene Erfahrung kann jedoch nichts übertreffen. Überwinden Sie also Ihre Ängste und fangen Sie an.

Letzte Änderung 13. März 2017

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Autor: Vít Kovalčík

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