Infrarotfotografie: Grundlagen und erste Schritte

Mit Infrarotfotografie (IR) können Sie Lichtstrahlen einfangen, die für das menschliche Auge unsichtbar sind. Erfahren Sie, wie ein Infrarotfilter funktioniert, warum Gras auf den Bildern weiß erscheint, welchen IR-Filter Sie wählen sollten und wie Sie mit der Infrarotfotografie beginnen können.
Das erfahren Sie in diesem Artikel:
- Was Infrarotlicht ist und wie es sich vom sichtbaren Spektrum unterscheidet.
- Warum Gras auf IR-Aufnahmen weiß und der Himmel schwarz ist.
- Wie IR-Filter und IR-Sperrfilter bei Kameras funktionieren.
- Welche technischen Möglichkeiten Sie haben, wenn Sie mit der IR-Fotografie beginnen möchten.
Stellen Sie sich eine Welt vor, in der Gras schneeweiß, der Himmel dunkel und die Haut der Menschen marmorartig ist. Das ist keine Computergrafik und auch keine KI, sondern Infrarotlicht, das Sie mit Ihrer Kamera einfangen. In der Infrarotfotografie verwandeln sich gewöhnliche Szenen in magische, traumhafte Welten und enthüllen Strukturen und Farben, die mit bloßem Auge nicht sichtbar sind.
Infrarotfotografie ist keine neue Modeerscheinung. Sie wird schon lange in der wissenschaftlichen Fotografie, beim Militär oder in der Landschaftsdokumentation eingesetzt. Heutzutage wird sie aber auch von kreativen Fotografen entdeckt, die die bekannte Welt anders sehen wollen. Plötzlich betrachtet man eine Landschaft, die man kennt, die aber wie aus einer anderen Welt erscheint.
Was ist Infrarotfotografie und wie funktioniert IR-Licht?
Herkömmliche Fotografie erfasst sichtbares Licht mit einer Wellenlänge von 400 bis 700 nm. Unmittelbar hinter diesem Teil des Spektrums liegt die Infrarotstrahlung (700 nm und darüber), die für das menschliche Auge nicht wahrnehmbar ist. Digitale Sensoren können sie zwar erfassen, sind jedoch mit einem Infrarotfilter (IR-Filter) ausgestattet, damit die Farben herkömmlicher Aufnahmen nicht verfälscht werden.
Warum ist Gras auf IR-Fotos weiß und der Himmel schwarz?
Interessant ist, dass es bei IR-Fotografie nicht so sehr um Farben geht, sondern darum, wie verschiedene Materialien auf Infrarotstrahlung reagieren. Grünpflanzen – Blätter, Gras, Sträucher – reflektieren diese stark, weshalb sie auf dem Bild hell erscheinen. Wasser und Himmel hingegen saugen die IR-Strahlung auf und erscheinen daher auf den Fotos fast schwarz.

Die menschliche Haut lässt das Licht tiefer eindringen, wodurch kleine Unvollkommenheiten unterdrückt werden – die Haut wirkt glatt, wachsartig, manchmal sogar leblos, und gleichzeitig treten Adern hervor.

Das Ergebnis ist kein Spiel mit Farben, sondern ein Kontrast, der durch das unterschiedliche Verhalten der Materialien gegenüber Infrarotstrahlung entsteht. Und genau deshalb sind diese Bilder so besonders und gleichzeitig überzeugend.

Warum ist die Sonne für Infrarotaufnahmen so wichtig?
IR-Fotografie assoziiert man oft mit dem Nachtmodus, da wir sie von Nachtsichtkameras kennen. Tatsächlich ist sie aber bei hellem Sonnenlicht am effektivsten – je mehr Licht, desto besser. IR eignet sich besonders gut für Landschaften, Architektur und statische Szenen, in denen gewöhnliche Dinge wie aus einer anderen Realität erscheinen. Gras und Blätter sind dabei die besten Freunde – ohne Grün verliert IR seinen Zauber.

Ein dunkler Filter auf dem Objektiv verlängert die Belichtungszeit, normalerweise über 1/30 s, sodass Streetfotografie, Fotografieren von Kindern oder Tieren schwieriger wird. Für ruhige Szenen ist dies jedoch ideal.
TIPP: Beachten Sie, dass nicht alle Objektive für IR geeignet sind – Weitwinkelobjektive können in Kombination mit einem dunklen Filter zu Vignettierung führen, was jedoch manchmal einen interessanten Effekt erzeugt.
So geht Infrarotfotografie
Jede Digitalkamera verfügt über einen IR-Sperrfilter vor dem Sensor, der Infrarotstrahlung blockiert. Dieser Filter ist ein Hindernis für Infrarotaufnahmen, es gibt jedoch drei Möglichkeiten, ihn zu umgehen.
1. IR-Filter auf dem Objektiv
Die einfachste Möglichkeit, die keine Anpassung der Kamera erfordert, ist ein dunkelroter oder schwarzer Filter. Der Nachteil ist ein schwach sichtbares Ergebnis, sehr lange Belichtungszeiten von meist mehreren Sekunden, selbst bei Sonnenschein. Ein Stativ ist dabei unerlässlich.
Auch wenn Sie mit Infrarot fotografieren, ist der Sensor weiterhin farbig. Das Ergebnis hängt davon ab, welchen Filter Sie auf Ihrem Objektiv haben. Filter von 590–720 nm ermöglichen Farbexperimente – es entstehen surrealistische, gemalte Bilder. Filter über 830 nm entfernen nach und nach die Farbe und lassen Licht, Kontrast und Textur zurück – ähnlich wie bei der klassischen Schwarz-Weiß-Wahrnehmung der Welt, nur mit einer anderen Realität.
2. Permanente Kameramodifikation (IR-Konvertierung)
Hier müssen Sie eine ältere Kamera opfern, die Sie kaum noch benutzen. Und vor allem müssen Sie sich damit abfinden, dass sie nie wieder „normal“ fotografieren wird und dann praktisch nur noch für Infrarotaufnahmen geeignet ist. Technisch versierte Personen können dies auch selbst erledigen, aber ich würde es nicht riskieren und die Kamera lieber zu einem Fachgeschäft bringen und darum bitten, den IR-Sperrfilter vom Sensor zu entfernen.

3. Ältere Kameras mit abschaltbarem IR-Filter
Heute sind Kameras wie die Sony DSC-F828, die ich früher besaß, fast verschwunden. Die Canon EOS 20 DA eignete sich auch für Infrarotfotografie, oft ohne weitere Anpassungen. Der IR-Filter war elektronisch und konnte einfach ausgeschaltet werden. Leider wird heute nichts Vergleichbares mehr hergestellt. Die Hersteller streben nämlich eine möglichst genaue Farbwiedergabe an, weshalb der IR-Filter heute ein fester Bestandteil jedes Sensors ist.

Sehen Sie die Welt mit Infrarotaugen
Die Infrarotfotografie öffnet Ihnen die Türen zu einer Welt, die uns normalerweise verborgen bleibt – und genau darin liegt ihre Stärke. Es handelt sich nicht nur um ein technisches Experiment, sondern um eine Möglichkeit, vertraute Landschaften, Porträts und Architektur in Bilder mit einer völlig anderen Atmosphäre zu verwandeln.
Ob Sie sich nun für einen einfachen IR-Filter für Ihr Objektiv entscheiden oder sich an eine dauerhafte Modifikation Ihrer Kamera wagen – belohnt werden Sie mit Bildern mit ausgeprägtem Kontrast, traumhafter Ästhetik und einzigartigem Stil. Alles, was Sie dazu brauchen, ist Sonne, ein wenig Geduld und die Lust, die Welt mit anderen Augen zu sehen.
FAQ
Was ist Infrarotfotografie? Infrarotfotografie erfasst Licht mit einer Wellenlänge von über 700 nm, das für das menschliche Auge unsichtbar ist. Das Ergebnis sind Bilder mit einem starken Kontrast zwischen Vegetation, Himmel und Wasser.
Warum ist Gras auf Infrarotfotos weiß? Grün reflektiert Infrarotstrahlung stark (sogenannter Wood-Effekt), daher erscheint es auf IR-Aufnahmen sehr hell bis weiß.
Welchen Filter sollte man für Infrarotaufnahmen verwenden? Am häufigsten werden IR-Filter mit 590 nm, 720 nm und 830 nm verwendet. Niedrigere Werte ermöglichen farbige IR-Aufnahmen, höhere Werte führen zu einem fast schwarz-weißen Ergebnis.
Ist es möglich, ohne Kameraumrüstung im Infrarotbereich zu fotografieren? Ja, mit einem IR-Filter auf dem Objektiv. Der Nachteil sind jedoch sehr lange Belichtungszeiten.
Was ist eine IR-Umrüstung einer Kamera? Die IR-Umrüstung ist eine dauerhafte Modifikation, bei der der IR-Sperrfilter vor dem Sensor entfernt oder ersetzt wird. Die Kamera ist dann auf Infrarotfotografie spezialisiert.
Ist Infrarotfotografie für Porträts geeignet? Ja, aber man muss damit rechnen, dass die Haut sehr glatt wirkt und die Augen deutlich dunkler erscheinen können. Der Effekt kann kreativ, aber auch ablenkend sein.
Warum ist es am besten, IR bei Sonnenschein zu fotografieren? Infrarotstrahlung ist bei direkter Sonneneinstrahlung am stärksten, wodurch ein deutlicher Kontrast und ein typischer dramatischer Effekt entsteht.

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