Hartes vs. weiches Licht: Worin besteht der tatsächliche Unterschied?

Hartes und weiches Licht sind in der Fotografie ein immer wiederkehrendes Thema. Dennoch herrscht diesbezüglich unnötige Verwirrung. Oft höre ich, dass das eine „richtig” und das andere „falsch” ist. In diesem Artikel zeigen wir Ihnen, worin sich die beiden wirklich unterscheiden, wie man sie in der Praxis am besten einsetzt, und räumen dabei mit einigen Mythen auf.

Was Sie in diesem Artikel erfahren:

  • Was der tatsächliche Unterschied zwischen hartem und weichem Licht ist.
  • Warum die Härte des Lichts nichts mit der Tiefe der Schatten zu tun hat.
  • Welche Rolle die Größe und Entfernung der Lichtquelle spielen.
  • Warum Diffusoren allein das Licht nicht weicher machen.
  • Wann hartes Licht und wann weiches Licht geeignet ist.
  • Wie Licht die Hautstruktur und den Charakter eines Fotos beeinflusst.

Der grundlegende Unterschied zwischen hartem und weichem Licht liegt nicht in seiner Intensität oder der Tiefe der Schatten, sondern darin, wie die Schattenränder aussehen. Hartes Licht erzeugt scharfe, klar abgegrenzte Schatten. Ein typisches Beispiel dafür ist die Sommersonne hoch am Himmel. Weiches Licht hingegen hat fließende Übergänge zwischen Licht und Schatten, ähnlich wie das Licht bei bewölktem Himmel oder diffuses Licht aus einem Fenster. 

Hartes Licht – der Schatten der Nase ist scharf und deutlich.

Weiches Licht – Schatten im Gesicht haben verschwommene Ränder.

Hier ist die Größe der Lichtquelle im Verhältnis zum fotografierten Objekt entscheidend. Je größer die Quelle relativ gesehen ist, desto weicher ist das Licht. Je kleiner sie ist, desto schärfer sind die Schatten. Sie fragen sich vielleicht: „Aber die Sonne ist riesig, warum gilt sie dann als harte Lichtquelle?“ Sie ist zwar groß, aber gleichzeitig unglaublich weit von uns entfernt. Und wenn sich die Lichtquelle von uns entfernt, wird sie für uns relativ kleiner und erzeugt härtere Schatten. 

Wenn Sie also eine große Softbox hoch über das Model halten, „verhärtet“ sich das Licht. Das Ergebnis ist dasselbe wie bei einer kleineren Softbox, die direkt über dem Kopf positioniert ist. Sobald Sie dieses Prinzip verstanden haben, ergibt vieles einen Sinn.

Der Mythos Lichtqualität

Um hartes und weiches Licht ranken sich einige Mythen, die unter Fotografen fast automatisch weitergegeben werden. Lassen Sie uns diese alle auf einmal ausräumen! 

„Hartes Licht – tiefer Schatten“ 

Es wird oft behauptet, dass hartes Licht tiefe (dunkle) Schatten bedeutet. Tatsächlich hängt die Tiefe des Schattens nicht von der Qualität des Lichts ab, sondern davon, ob zusätzliches Licht auf den Schatten fällt. Reflexionen von Wänden, Boden oder anderen Lichtquellen können selbst bei sehr hartem Licht die Schatten deutlich aufhellen. Umgekehrt kann weiches Licht überraschend dunkle Schatten werfen, wenn es keine Reflexionen im Raum gibt (und Sie zusätzlich eine schwarze Flagge auf der dunklen Seite platzieren).

Das scharfe Licht von der linken Seite trifft auf die weiße Wand rechts und reflektiert zurück auf das Objekt, sodass es die Schatten erhellt. Das scharfe Licht bleibt jedoch scharf und die Schatten haben deutliche Konturen. 

„Die Wabe verhärtet das Licht“

Ich habe schon mehrfach von meinen Schülern gehört: „Ich habe Angst vor der Wabe, denn ich möchte kein hartes Licht!“ Waben machen das Licht jedoch weder härter noch weicher, sie lenken es lediglich. Sie helfen dabei zu bestimmen, wo das Licht hinfällt und wo nicht, beispielsweise damit es nicht auf den Hintergrund fällt. Wenn sich jedoch die Größe der Lichtquelle nicht ändert, ändert sich auch ihre Qualität nicht! Das Licht bleibt genauso weich wie zuvor, es ist lediglich besser kontrollierbar.

Das erste Bild wurde ohne Wabe aufgenommen, beim zweiten habe ich die Wabe auf dieselbe Softbox gesteckt. Die Tiefe des Hintergrunds hat sich verändert, die Lichtqualität ist jedoch völlig gleich geblieben. 

„Hartes Licht betont die Hautstruktur“

Das stimmt nicht ganz! Wie stark Poren, Falten oder die Hautstruktur hervortreten, hängt weniger von der Härte des Lichts als vielmehr von seiner Richtung ab. Seitliches Licht, egal ob hart oder weich, betont die Textur. Licht von vorne hingegen unterdrückt sie. Selbst eine weiche Softbox, die seitlich platziert ist, kann also ziemlich gnadenlos zur Haut sein.

Auf diesem Bild ist die Softbox seitlich platziert. Man beachte, wie deutlich die Hautstruktur hervortritt. 

„Der Diffusor macht das Licht weicher“

Ein Diffusor, ein Stück Stoff, Papier oder geriffeltes Plexiglas, wird als Weichmacher für Licht angesehen. Manchmal behaupten das sogar Verkäufer. Das ist ein Irrtum. Wenn der Diffusor die Lichtquelle selbst nicht vergrößert, ändert sich die Härte des Lichts nicht. Es ändert sich jedoch das Aussehen des Schattens im Hintergrund – seine Ränder werden so stark gestreut, dass der Schatten nahezu verschwindet. Das auf das Objekt fallende Licht hat denselben Charakter wie zuvor. Eine kleine Lichtquelle bleibt auch mit Diffusor eine harte Lichtquelle.

Wann sollte man hartes Licht einsetzen?

Hartes Licht eignet sich dort, wo wir Ausdruck, Kontrast und klar erkennbare Formen wünschen. Ich liebe hartes Licht in der Street-Fotografie: Es erzeugt starke Lichtakzente und Schatten, die der Szene Struktur und Rhythmus verleihen. In der Modefotografie hilft es, den Schnitt, das Material und die Details der Kleidung hervorzuheben. In der Werbe- oder Food-Fotografie erinnert es oft an die Sommersonne – das Foto strahlt dann Frische und Energie aus.

Sonne steht der Straßenfotografie einfach gut.

Hartes Licht setzt Akzente.

Wann sollte man weiches Licht einsetzen?

Weiches Licht wirkt dagegen ruhiger. Die Übergänge zwischen Licht und Schatten sind nicht störend und die Aufmerksamkeit bleibt auf dem Hauptmotiv. Genau deshalb wird es so oft bei Damen- oder Fine-Art-Porträts verwendet, bei denen die Kundin in der Regel kein dramatisches Licht, sondern ein zartes Foto wünscht, auf dem sie sich selbst gefällt. Genauso natürlich funktioniert es bei Kinderporträts und Neugeborenen. In der Interieurfotografie hilft es, ein ausgewogenes Bild des Raumes ohne harte Kontraste zu erhalten.

In der Kinderfotografie ist weiches Licht absolut angebracht. Auch wenn es keine Voraussetzung ist. 

TIPP: Sie benötigen weiches Licht, haben aber nur eine kleine Lichtquelle, wie beispielsweise einen Systemblitz? Richten Sie ihn auf eine weiße Wand, die das Licht zwar abschwächt, aber schön streut.

Abschließend möchte ich nur sagen: Haben Sie keine Angst vor hartem Licht! Es ist keineswegs schlechter, man muss es nur richtig einsetzen. Und übertreiben Sie es auch nicht mit weichem Licht, denn das kann unter Umständen unscheinbar wirken. Probieren Sie es aus und trauen Sie sich, Fehler zu machen. Viel Glück!

FAQ – Häufig gestellte Fragen

Ist hartes Licht schlecht für Porträts? Nein. Hartes Licht ist nicht schlechter als weiches Licht, es erzeugt lediglich einen anderen Ausdruck. Es kommt auf den Stil der Fotografie, die Lichtrichtung und die Arbeit mit Schatten an.

Bedeutet weiches Licht immer helle Schatten? Nein. Die Tiefe der Schatten hängt nicht von der Härte des Lichts ab, sondern davon, ob die Schatten durch Reflexionen oder weiteres Licht aufgefüllt werden.

Macht eine Wabe das Licht weicher? Nein. Eine Wabe lenkt das Licht lediglich und begrenzt dessen Streuung. Die Lichtqualität bleibt unverändert.

Verwandelt ein Diffusor hartes Licht in weiches Licht? Nur wenn er die Lichtquelle selbst vergrößert. Eine kleine Lichtquelle mit Diffusor bleibt hart.

Was hat einen größeren Einfluss auf die Hautstruktur – die Härte des Lichts oder seine Richtung? Die Lichtrichtung. Seitliches Licht betont die Hautstruktur, unabhängig davon, ob es hart oder weich ist.