Fototipps für anfangende Food Blogger

Essensfotografie ist ohne Zweifel keine leichte Aufgabe. Neben dem eigentlichen Fotografieren kommt man auch um aufwändiges Essensarrangement, das so genannte Food Styling, nicht umher. Natürlich kann man auch das Fotografieren von schmackhaft aussehenden Essen verhunzen, wirkt das Essen aber von vornherein unappetitlich, werden auch langjährige fotografische Erfahrungen die Mahlzeiten nicht retten können.

Etwas Leichtes für den Anfang

Es spielt keine Rolle, dass Sie ein perfektes Boeuf Bourguignon, einen Schweinebraten oder ein exotisches Phở zubereiten können. Wenn Sie selbst keine Fotoerfahrungen haben, laden Sie am besten einen erfahrenen Freund ein, der die Bilder für Sie erstellt. Beginnen Sie am besten mit etwas Einfachem wie Keksen oder Obst. Salate, Suppen und weitere Mahlzeiten, die sich aus vielen visuell uneinheitlichen Zutaten zusammensetzen und deshalb aufwändiger arrangiert werden müssen, sollten Sie lieber meiden.

Kekse sind ideale Objekte zum Experimentieren - Sie können Sie jederzeit zubereiten und dann auf passende Lichtbedingungen warten. Sie sind etwas resistenter, weshalb sie auch nach mehrmaligem Arrangieren nicht so schnell kaputt werden. Auch die Verschmutzungsgefahr ist bei nicht allzu fettigen Keksen nicht besonders groß. Nikon D60, Nikkor 18-55/3.5–5.6G, 1/20 s, F5.7, Brennweite 55 m (82 mm nach Umrechnung auf Full Frame).

Kekse sind ideale Objekte zum Experimentieren – Sie können Sie jederzeit zubereiten und dann auf passende Lichtbedingungen warten. Sie sind etwas resistenter, weshalb sie auch nach mehrmaligem Arrangieren nicht so schnell kaputt werden. Auch die Verschmutzungsgefahr ist bei nicht allzu fettigen Keksen nicht besonders groß.
Nikon D60, Nikkor 18-55/3.5–5.6G, 1/20 s, F5.7, Brennweite 55 m (82 mm nach Umrechnung auf Full Frame).

Verzieren Sie die Szene ruhig mit einer im Essen enthaltenen Zutat.  Nikon D60, Nikkor 35mm/1.8, 1/60 s, F5.6, Brennweite 35 mm (52 nach Umrechnung auf Full Frame).

Verzieren Sie die Szene ruhig mit einer im Essen enthaltenen Zutat.
Nikon D60, Nikkor 35mm/1.8, 1/60 s, F5.6, Brennweite 35 mm (52 nach Umrechnung auf Full Frame).

Inspirieren und imitieren Sie

Finden Sie Ihre eigene Food Blogger Ikone und Suchen Sie sich im Internet interessante Essensaufnahmen heraus. Denken Sie dann darüber nach, was Ihnen an den Aufnahmen so imponiert hat. Ist es das Essen an sich? Ist es das Styling? Das Licht? Die Geschichte, die von einer ganzen Fotoreihe erzählt wird?

Sie wissen möglicherweise noch nicht, wie sie zu solchen unwiderstehlichen Fotos gelangen können. Versuchen Sie nicht nur, nach dem aufgefundenen Rezept zu kochen, sondern ahmen Sie auch die Illustrationsfotos zum Rezept nach. Sie sollen weder die Fotos, noch das Rezept für Ihren Food Blog genau kopieren, aber etwas Gelungenes nachzumachen ist eine gute Möglichkeit, um verschiedene Stile auszuprobieren und so den eigenen zu finden.

Tageslicht nutzen

Tageslicht ist für Essensfotografen wortwörtlich ein Geschenk des Himmels. Das Essen schaut natürlicher aus und Sie müssen sich nicht den Kopf über zu wenig gestreutes Licht zerbrechen. Wenn Sie die Möglichkeit dazu haben, sollten Sie stets nur untertags beim Fenster oder draußen – dort jedoch im Schatten – fotografieren. Den möglicherweise zu starken Kontrast zwischen der hellen und dunklen Seite der Mahlzeit beim Fotografieren beim Fenster können Sie anhand von Reflexionsschirmen dämpfen. Für den Anfang reicht jedoch auch ein Stück Polystyren, das man auch leichter aufstellen kann.

Weißabgleich als Kameraeinstellung

Natürlich können Sie den Weißabgleich auch im Nachhinein mittels Zoner Photo Studio bearbeiten, vor allem dann, wenn Sie das Essen auf einem weißen Teller fotografieren und Sie im Bild einen Anhaltspunkt haben. Dennoch sparen Ihnen die vor ab Weißabgleicheinstellungen viel Zeit und Nerven. Durch das Anpassen in der Nachbearbeitung kann es zu ungewünschten Farbverschiebungen im Essen kommen.  Dieses müsste danach nicht mehr so lecker aussehen, was aber das eigentliche Ziel ist.

Wenn sie künstliches Licht verwenden, sollten Sie darauf achten, dass im Raum jeweils nur eine Lichtart verwendet wird. Beim Mischen unterschiedlich gefärbter Beleuchtung (auch nur bei der Kombination von weiß und gelb) kann das Essen unansehnlich wirken, was auch durch Nachbearbeitung nicht mehr zu retten ist.

Beim Veilchen Zucker ließe sich das Weiß ohne eines weiteren weißen Objekts im Bild nur recht schwer ausgleichen.

Nikon D60, Nikkor 35mm/1.8, ISO 100, 1/1000 s, F4.5, Brennweite 35 m

Nikon D60, Nikkor 35mm/1.8, ISO 100, 1/1000 s, F4.5, Brennweite 35 m

Richtigen Winkel wählen

Es gibt einige Basiswinkel, die sich für die Essensfotografie gut eignen, aber natürlich gibt es auch hier keine fixen Regelungen. Am häufigsten wir der 45 Grad Winkel verwendet. Dieser entspricht in etwa jenem Winkel, unter welchem man beim Essen seinen Teller ansieht. Diese Regel gilt nicht, wenn sie auf besondere Schichten oder Strukturen Ihre Mahlzeit hinweisen wollen. In einem solchen Fall gehen Sie mit der Kamera weiter nach unten.

Um die Textur Ihre  Schöpfung aufzuzeigen, müssen Sie sie direkt von der Seite fotografieren. Nikon D60, Nikkor 35mm/1.8, ISO 400, 1/250 s, F6.3, ohnisko 35 m

Um die Textur Ihre Schöpfung aufzuzeigen, müssen Sie sie direkt von der Seite fotografieren.
Nikon D60, Nikkor 35mm/1.8, ISO 400, 1/250 s, F6.3, ohnisko 35 m

Viele Menschen tendieren dazu, ihr Essen von oben, d.h. aus der Vogelperspektive, zu fotografieren. Diese Ansicht eignet sich jedoch nur in ein paar wenigen Situationen, da das Essen die Szene verzerrt und es nicht ganz klar ist, was eigentlich auf dem Teller liegt. Nutzen Sie diese Ansicht dann, wenn Sie etwa alle benötigten Zutaten festhalten möchten oder wenn Sie zu einem Artikel ein kompositionsmäßig interessantes Foto ergänzen möchten.

Vergleichen Sie die Wirkung der Aufnahme von oben und von der Seite. Von oben: Nikon D60, Nikkor 18-55/3.5–5.6G, ISO 400, 1/50 s, F10, Brennweite 22 m Seitlich: Nikon D60, Nikkor 18-55/3.5–5.6G, ISO 400, 1/50 s, F10, Brennweite 42 m

Vergleichen Sie die Wirkung der Aufnahme von oben und von der Seite.
Von oben: Nikon D60, Nikkor 18-55/3.5–5.6G, ISO 400, 1/50 s, F10, Brennweite 22 m
Seitlich: Nikon D60, Nikkor 18-55/3.5–5.6G, ISO 400, 1/50 s, F10, Brennweite 42 m

Vergessen Sie aber nicht zu experimentieren und finden Sie für jedes Essen den idealen Winkel. Ähnlich wie auch bei anderen Fotoarten, ist es auch hier manchmal notwendig, zunächst alle Regeln zu brechen.

Weißer Hintergrund – funktionstüchtig, aber langweilig

Viel besser eignet sich ein Tisch aus solidem Holz oder zumindest ein hochwertiges Brett. Besitzen Sie weder das eine noch das andere, besorgen Sie sich diverse Servietten und Stoffe und probieren Sie aus, welche am besten zum fotografierten Essen dazu passen. Denken Sie aber daran, dass zu kräftige Muster meistens zu sehr vom Gericht ablenken.

Das Bild eines einfärbigen Cocktails wird durch den Farbhintergrund aufgebessert, die Farben müssen jedoch stimmig sein. Nikon D60, Nikkor 18-55/3.5–5.6G, ISO nicht bekannt, 1/200 s, F6.3, Brennweite nicht bekannt

Das Bild eines einfärbigen Cocktails wird durch den Farbhintergrund aufgebessert, die Farben müssen jedoch stimmig sein.
Nikon D60, Nikkor 18-55/3.5–5.6G, ISO nicht bekannt, 1/200 s, F6.3, Brennweite nicht bekannt

Richtige Blende und Schärfe

Um ein Gericht schmackhaft darzustellen, sollten Sie lieber zu geringe Blenden vermeiden. Kleine Blenden lassen Fotos zwar möglicherweise wirkungsvoller aussehen, Ihre Hauptaufgabe ist es jedoch zu zeigen, wie ein bestimmtes Essen aussieht. Nur so können es andere nachkochen. Erfahrungsgemäß eignet sich am besten eine Blende zwischen 3.5 und 6. So bleibt für einen Bildbereich weiterhin der Unscharf-Effekt erhalten, es ist aber zugleich gut erkennbar, was auf dem Bild abgebildet ist.

Kleinere Blenden können Sie für einfachere Objekte verwenden oder wenn Sie einen konkreten Bereich des Gerichtes hervorheben möchten. Nikon D60, Nikkor 35mm/1.8, ISO 800, 1/100 s, F3.5, Brennweite 35 m

Kleinere Blenden können Sie für einfachere Objekte verwenden oder wenn Sie einen konkreten Bereich des Gerichtes hervorheben möchten.
Nikon D60, Nikkor 35mm/1.8, ISO 800, 1/100 s, F3.5, Brennweite 35 m

Größere Blenden eignen sich für Aufnahmen aus der Vogelperspektive und wenn Sie besonders viele Objekte ins Bild holen wollen (etwa bei Zutatenlisten).  Canon EOS 6D, Canon EF24-105mm/4L, ISO 400, 1/40 s, F6.3, Brennweite 92 m

Größere Blenden eignen sich für Aufnahmen aus der Vogelperspektive und wenn Sie besonders viele Objekte ins Bild holen wollen (etwa bei Zutatenlisten).
Canon EOS 6D, Canon EF24-105mm/4L, ISO 400, 1/40 s, F6.3, Brennweite 92 m

Stativ erst mit ein wenig Übung verwenden

Dank eines Stativs haben Sie beide Hände frei und können Ihre Food Szene beliebig umarrangieren. Auch das manuelle Schärfen wird natürlich mit Stativ deutlich erleichtert. Andererseits wird Ihnen das Experimentieren mit dem Aufnahmewinkel erschwert. Deswegen sollten Sie ein Stativ erst heranziehen, wenn Sie einige Erfahrungen gesammelt haben oder wenn Sie zuvor schon ein paar Bilder probeweise, ohne Stativ, geschossen haben. Auf jeden Fall sollten Sie es aber bei mangelnder Belichtung verwenden.

Erzählen Sie eine Geschichte

Rezept, Foto und fertig. Oder doch nicht? Schmücken Sie Ihr Rezept vielleicht doch noch mit einer kurzen Geschichte, wie Sie am Markt Ihre Zutaten eingekauft haben, wie Ihr Schokoguss misslungen ist oder wie Ihre ersten Backerfahrungen abgelaufen sind, aus? Jedes Foto kann eine Geschichte erzählen und es liegt nur an Ihnen, ob sie von den Kochvorbereitungen oder dem Genuss des Verzehrs handeln wird.

Eigentlich ganz normale Eier, nur hinten im Bild ist wohl eis verdorbenes. Warum es wohl braun ist? Aha! Stellt man auf das geschälte Ei scharf, entdeckt man den ungewöhnlichen Inhalt in Form eines Schokobrownies. Nikon D60, Nikkor 35mm/1.8, ISO 200, 1/320 s, F4.3, Brennweite 35 m

Eigentlich ganz normale Eier, nur hinten im Bild ist wohl eis verdorbenes. Warum es wohl braun ist? Aha! Stellt man auf das geschälte Ei scharf, entdeckt man den ungewöhnlichen Inhalt in Form eines Schokobrownies.
Nikon D60, Nikkor 35mm/1.8, ISO 200, 1/320 s, F4.3, Brennweite 35 m

Die Komposition ist nicht ganz optimal, aber die Aufnahme ist eigentlich eine Art von Anleitung: „Schälen und mit einem Glas Milch genießen“. Nikon D60, Nikkor 35mm/1.8, ISO 400, 1/30 s, F6.3, Brennweite 35 m

Die Komposition ist nicht ganz optimal, aber die Aufnahme ist eigentlich eine Art von Anleitung: „Schälen und mit einem Glas Milch genießen“.
Nikon D60, Nikkor 35mm/1.8, ISO 400, 1/30 s, F6.3, Brennweite 35 m

Zögern Sie nicht Ihr Foto lebendiger zu gestalten, indem Sie auch Kücheninstrumente, Hilfsmittel und Beschriftungen einbauen.  Nikon D60, Nikkor 35mm/1.8, ISO 200, 1/50 s, F6.3, Brennweite 35 m

Zögern Sie nicht Ihr Foto lebendiger zu gestalten, indem Sie auch Kücheninstrumente, Hilfsmittel und Beschriftungen einbauen.
Nikon D60, Nikkor 35mm/1.8, ISO 200, 1/50 s, F6.3, Brennweite 35 m

Wenn Sie sich wirklich verbessern wollen, sollten Sie über Ihre Fotos nachdenken, sich Notizen machen, und Gleiches mehrmals und noch besser fotografieren. Aber lassen Sie den Kopf nicht hängen, wenn ein Foto nicht gelingen sollte! Hauptsache, es schmeckt!

Letzte Änderung 12. Oktober 2015

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Autor: Aja Voráčková

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