Fotojournalismus – wenn die Schönheit eine nachrangige Rolle spielt

Der Fotojournalismus hat seine charakteristischen Eigenschaften wie jedes andere Genre auch. Fotojournalisten müssen sich an recht strenge Regeln halten, um qualitativ hochwertige Fotos mit einer großen Aussagekraft zu erstellen. Erfahren Sie zumindest ansatzweise, um welche Regeln es sich handelt.

Fotojournalismus

Mittlerweile ist es gang und gäbe, dass man ununterbrochen ein Aufnahmemedium bei sich trägt. Es muss sich aber nicht immer um eine Fotokamera handeln, sondern auch ein Mobilfunkgerät mit einer relativ guten Kamera zählen hierzu.

Bildgestaltung – der Schlüssel für eine gute Aufnahme

Der Begriff Komposition sollte selbstverständlich in allen fotografischen Disziplinen seine Gültigkeit finden. Beim Fotojournalismus spielt die Platzierung des Hauptmotivs im Bild eine wesentliche Rolle. Aufnahmen die zur Veröffentlichung in öffentlichen Nachrichten bestimmt sind, müssen strikt die Realität wiedergeben. Die Bearbeitungsmöglichkeiten mit Zoner Photo Studio oder anderen Fotosoftwares sind daher sehr eingeschränkt. Dies bedeutet auch, dass schlecht gemachte Aufnahmen während der Berichterstattung kaum nachträglich bearbeitet werden dürfen.

Beispielsweise sollen Sie auf einer öffentlichen Feier eine große Menge an Menschen, aber tatsächlich kommen nur wenige Personen. Jetzt kommt es auf Ihr fotografisches Geschick an, damit nicht bemerkt wird, dass nur wenige Menschen erschienen sind. Sie dürfen aber auf gar keinen Fall mehrere Besucher nachträglich am Computer sozusagen auf das Bild „hinzuklicken“.

Ferner müssen Sie darauf achten, aus welcher Perspektive Sie die Menschen fotografieren – ob Sie die Menschen von unten oder von oben fotografieren. Hierdurch können Sie z. B. die Macht eines Politikers demonstrieren.

Die Kompositionsregeln beim Fotojournalismus können zwar der Goldenen Schnitt Regel entsprechen, aber gewöhnlich gewinnen bei Wettbewerben die Aufnahmen, die diese Regel geschickt brechen und für sich zu nutzen wissen.

Wichtig ist vor allem die Wiedergabe der realen Welt

Was die Bildbearbeitung Ihrer Aufnahmen betrifft, können Sie sofort die Retuschearbeiten vergessen. Man legt viel Wert auf den Informationsgehalt, die Aktualität, die Aussagekraft sowie die Bereitschaft – die Schönheit und die Vollkommenheit spielen in diesem Fall eine nachrangige Rolle. Eine reale Wiedergabe der Welt ist sehr wichtig!

Die Unsitte von Retuschen, sowie die perfekte Pose eines Models auf einer Veranstaltung, kommen aber selbst in sehr renommierten Fotowettbewerben vor.

Fotojournalismus: Reportagefotografie.

Fokus auf Gesten

„Erstellen Sie ein paar Reportagefotos für mich. Bald ist Allerseelentag, also auf dem Friedhof.“ Diesen Satz habe ich ca. vor 3 Jahren vom Dozenten im Kurs “Grundlagen der digitalen Fotografie für Studenten der Journalistik” gehört. Er wollte uns ganz einfach das Prinzip von Fotojournalismus erklären.

Und weil es ein nasskalter Herbst war und sich Allerheiligen näherte, schickte er uns zum Friedhof von Brünn. Für unser erstes Projekt hat er uns folgende Grundregeln mit auf den Weg gegeben, auf die wir bei unseren Aufnahmen achten sollten: Gesten, Gesichter, Emotionen, Komposition und Hauptsache keine Angst haben.

Um ein aussagekräftiges Bild zu erhalten, sind Gesten sehr wichtig, welche das Ereignis demonstrieren. Daher kann man bei Pressekonferenzen beobachten, dass die Auslöser der vielen Kameras in dem Moment ausgelöst werden, wo der Redner zu gestikulieren beginnt.

Reden Sie mit den Menschen und seien Sie aufrichtig

Uns Studenten konnten somit Szenen wie das Anzünden der Kerzen und weinende Menschen auf dem Friedhof oder Verkäufer von Trauerkränzen sowie Kerzen vor dem Friedhof retten. Wenn ich aber ziemlich nah an die Personen herangetreten bin und das Objektiv auf sie gerichtet habe, dann habe ich häufig mürrische Blicke inklusive unangenehmen Fragen erhalten. Hierdurch habe ich herausgefunden, was der Dozent mit “keine Angst haben” gemeint hat.

Meine damaligen Aufnahmen waren wirklich schlecht, vielleicht deswegen, weil ich mich nicht fremden Leuten auf dem Friedhof nähern wollte oder mich nicht traute sie anzusprechen. Vielleicht auch wegen meines damals ungeschulten Auges, dass die vielen Möglichkeiten nicht erkannt hatte. Ich habe mich aber während meines dreimonatigen Praktikums bei einer regionalen Tageszeitung, mehrmals an die unbezahlbaren Regeln meines Dozenten erinnert. Daher lautet mein Ratschlag: Haben Sie keine Angst davor, mit den Leuten zu sprechen.

Lernen Sie aus meinen Fehlern

Jeder fängt einmal an und lernt mit seinen Fehlern. Daher möchte ich mit Ihnen über eine ganze Serie von schlechten Fotos reden und auch erläutern, was alles schlecht ist an diesen Bildern. Hoffentlich erhalten Sie so einige Inspirationen von mir und lernen genauso wie ich aus den Fehlern.

Erstes Foto: Die Absicht, brennende Kerzen zu fotografieren war vielleicht gut. Dennoch konnte ich die Szene von der anderen Seite machen, damit man ins Gesicht der Person sehen kann, die gerade die Kerze auf das Grab gelegt hatte. Ich konnte auch leicht von unten fotografieren. Hierdurch hätte ich dem Leser mitgeteilt, dass die Kerze im Mittelpunkt steht und die Person mit ihrem Gesicht sowie der Hand, die die Kerze gerade platziert, eine nachrangige Bedeutung spielt.

Fotojournalismus: Bei dieser Aufnahme wäre eine andere Komposition viel besser.

Bei dieser Aufnahme wäre eine andere Komposition viel besser.

Zweite Aufnahme: „Absolut überflüssig,“ sagte mir damals mein Dozent zu diesem Foto und heute muss ich ihm recht geben. Vielleicht hätte das Bild innerhalb einer umfangreichen Bildserie sowie einem breiteren Kontext eine zusätzliche Aussagekraft gehabt. Aber nur die
Chrysantheme alleine würde den Leser kaum dazu bringen, an Allerseelentag zu denken.

Fotojournalismus:Die Aussagekraft dieser Aufnahme ist sehr schwach.

Die Aussagekraft dieser Aufnahme ist sehr schwach.

Dritte Aufnahme: Versuch die Gesten zu erfassen. Wenn ich das Bild zugeschnitten hätte und das rechte Drittel fehlen würde, dann hätten die Gesichter der Frauen mehr Platz im Foto gefunden. Aber in diesem Fall bleibt ein Drittel des Fotos ungenutzt und dem Leser wird nichts mitgeteilt. Gut wäre auch gewesen, sich etwas mehr rechts für die Aufnahme zu positionieren, damit man das Gesicht der Frau auf der linken Seite besser sehen könnte. Hierdurch hätte man den Hintergrund mehr hervorheben können.

Fotojournalismus: Die Bildgestaltung hätte viel besser sein können, um die Gesten hervorzuheben.

Die Bildgestaltung hätte viel besser sein können, um die Gesten hervorzuheben.

Und hier die letzte Aufnahme: Der Versuch, die Aussage des Bildes mithilfe von Buchstaben zu unterstützen sowie die Person und ihr Gesicht mit auf ein Bild zu bekommen. Die Bildkomposition wäre deutlich besser ausgefallen, wenn ich abgewartet hätte, bis der Mann ungefähr an der Ecke des grünen Rasens angelangt wäre. Sein Gesicht wäre so deutlicher zu erkennen. Ferner würde auf der linken Seite im Hintergrund das ganze Kreuz hervortreten, welches gemeinsam mit den Grabsteinen signalisieren würde, dass die Aufnahme auf einem Friedhof gemacht wurde.

Fotojournalismus: Und schon wieder die Komposition.

Und schon wieder die Komposition…

Der Hintergrund spielt eine große Rolle

Der Unterschied zwischen der Bildkomposition beim Fotojournalismus und einer künstlerischen Aufnahme besteht darin, dass der Hintergrund eine sehr wichtige Rolle spielt. Man muss hier vielmehr an die Komposition der Elemente im Hintergrund denken. Eventuell ist auch eine höhere Schärfentiefe angebracht, um Details hervorzuheben.

Lassen Sie sich von der Reportagefotografie inspirieren

Die besten Fotos des Fotojournalismus tauchen jedes Jahr auf renommierten Fotowettbewerben wie z. B. der World Press Photo auf. Lassen Sie sich von den besten Fotos inspirieren und verinnerlichen Sie die wertvollen Ratschläge, die Sie hierdurch erhalten.

Letzte Änderung 31. Oktober 2017

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Autor: lucie Martinakova

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