Fotografieren Sie mit der falschen ISO-Einstellung? Wann niedrige und wann hohe ISO-Werte sinnvoll sind 

Der ISO-Wert gehört zu den wichtigsten Kameraeinstellungen und ist zugleich eine der häufigsten Ursachen für Fehler. Ein zu niedriger ISO-Wert kann zu unscharfen Aufnahmen führen, ein zu hoher hingegen zu starkem Bildrauschen. In diesem Artikel erklären wir Ihnen, wann Sie einen niedrigen ISO-Wert wählen sollten, um eine maximale Bildqualität zu erzielen, und wann Sie sich hingegen vor höheren Werten überhaupt nicht fürchten müssen.

Was Sie in diesem Artikel erfahren:

  • Was ISO ist und wie es das Endergebnis eines Fotos beeinflusst.
  • Wann man einen niedrigen ISO-Wert für maximale Bildqualität verwenden sollte.
  • In welchen Situationen ein hoher ISO-Wert erforderlich ist.
  • Wie der ISO-Wert mit der Blende und der Belichtungszeit zusammenhängt.
  • Wie man das Bildrauschen reduziert.
  • Welche Ausrüstung das Fotografieren mit einem niedrigeren ISO-Wert unterstützt.

Für normale Aufnahmen empfiehlt es sich, die Auto-ISO-Funktion Ihrer Kamera aktiviert zu lassen, da diese versucht, die verschiedenen Einstellungen selbstständig auszugleichen. Allerdings kennt sie Ihre Vorlieben nicht und weiß auch nicht, was genau fotografiert wird. Deshalb ist es sinnvoll, auf die manuelle Einstellung umzuschalten und der Kamera dabei zu helfen.

Was ist ISO und wie wirkt es sich auf die Fotografie aus?

Ich fasse kurz zusammen: Die ISO-Empfindlichkeit ist neben der Blende und der Verschlusszeit Teil des Belichtungsdreiecks. Die ISO-Empfindlichkeit bestimmt dabei die Lichtempfindlichkeit des Sensors – je höher der Wert, desto höher die Empfindlichkeit.

Leider nimmt mit steigender Empfindlichkeit auch das Rauschen zu. Wenn möglich, ist es also besser, bei niedrigen Werten zu bleiben.

Bildrauschen bei den Einstellungen ISO 100 und ISO 12800, beide aufgenommen mit der Canon R5; die Pixel sind um das Zweifache vergrößert. Der Unterschied ist deutlich erkennbar und würde nach weiteren Bearbeitungen noch größer ausfallen.

Eine geringe Empfindlichkeit bedeutet allerdings, dass wir eine viel größere Lichtmenge benötigen, sei es durch eine längere Belichtungszeit oder eine niedrige Blende (oder ein lichtstärkeres Objektiv). Jede Option hat ihre Vor- und Nachteile, daher geht es beim Fotografieren um Kompromisse zwischen diesen Faktoren.

Wann sollte man einen niedrigen ISO-Wert verwenden?

Eine niedrige Empfindlichkeit im Bereich von ISO 100 bis ISO 400 sorgt für höchste Bildqualität.

Sie können sie bei gewöhnlichen Fotos an einem sonnigen Tag in der Natur oder in der Stadt nutzen, wenn viel Licht vorhanden ist und das Fotografieren daher einfach ist.

Eine Bucht auf Mallorca an einem sonnigen Herbsttag, an dem es selbst bei einer Blende von f/16 kein Problem war, das Bild ohne Stativ und bei ISO 100 scharf aufzunehmen. Canon 5D Mark IV, Canon 16-35/2.8 III, 1/60, f/16, ISO 100, Brennweite 24 mm

Sobald es dunkel wird, nimmt die Lichtmenge drastisch ab, weshalb Landschaftsfotografen ein Stativ dabei haben. So können sie die Empfindlichkeit so niedrig wie möglich einstellen und durch eine längere Belichtungszeit das Licht „einfangen“. Diese kann sogar mehrere Sekunden betragen.

Die südmährische Landschaft am Morgen, mit einem Stativ fotografiert. Canon 5D Mark IV, Canon 70-200/2,8 II + 2-fach-Extender, 2 s, f/16, ISO 100, Brennweite 380 mm

Niedrige ISO-Werte lohnen sich auch dann, wenn Sie die Belichtungszeit bewusst verlängern. Zum Beispiel, wenn Sie Spuren hinter Autos fotografieren oder fließendes Wasser verwischen möchten.

Lichtspuren hinter Autos, aufgenommen mit ISO 100, hoher Blendenzahl und langer Belichtungszeit. Zusammengesetzt aus mehreren Fotos mit einer Belichtungszeit von jeweils 15 s. Canon R5, Canon 70-300/4-5.6L, 15 s, f/16, ISO 100, Brennweite 236 mm

Die niedrige Empfindlichkeit ist auch beim Fotografieren im Studio sicherlich von Vorteil. Die Studioblitze ersetzen hier die Sonne, und gerade dank ihnen erzielen Sie eine deutlich höhere Bildqualität als bei gewöhnlichen Innenaufnahmen.

Im Studio sind wir die Herren über das Licht, und eine niedrige ISO-Einstellung ist die übliche Wahl. Canon 5D Mark IV, Canon 85/1.4, 1/200 s, f/1.4, ISO 100, Brennweite 85 mm

Es gibt auch Fälle, in denen man geradezu gezwungen ist, den niedrigstmöglichen ISO-Wert zu verwenden. Konkret handelt es sich dabei um den Einsatz lichtstarker Objektive im Freien. Kameras haben nämlich eine Grenze für die kürzeste Belichtungszeit, die sie aufnehmen können. Oft liegt diese bei 1/8000 s, bei günstigeren Modellen ist die Grenze jedoch nur halb so lang, also 1/4000 s. Mit einer Blende von f/5,6 kommen Sie nicht an diese Verschlusszeiten heran, aber mit Objektiven mit einer Lichtstärke von f/1,4 oder sogar f/1,2 geraten Sie in Schwierigkeiten, und manchmal reicht nicht einmal ISO 100 aus. Eine fortgeschrittene Lösung besteht dann darin, das Bild gezielt mit einem Neutralgraufilter (Neutral Density, ND-Filter) abzudunkeln.

Wann ist eine hohe ISO-Einstellung angebracht?

Wo genau die Grenze für hohe ISO-Werte liegt, ist nicht fest vorgegeben. Das hängt von Ihrer Ausrüstung und auch davon ab, inwieweit Sie Bildrauschen in Kauf nehmen möchten. Früher galten bereits Werte um 1600 als hohe ISO-Werte, doch heute können in manchen Fällen sogar Werte wie 12 800 und höher verwendet werden, was vor Jahren noch undenkbar war.

In jedem Fall ist ein hoher ISO-Wert typisch für Situationen, in denen relativ wenig Licht zur Verfügung steht und man die Belichtungszeit nicht weiter verlängern kann. Entweder, weil man kein Stativ hat und die Hände nur begrenzt ruhig gehalten werden können, oder weil man eine sich bewegende Szene fotografiert.

Welche ISO-Einstellung eignet sich in verschiedenen Situationen?

Am typischsten ist die Verwendung eines hohen ISO-Werts in Innenräumen beim Fotografieren aus der Hand. Selbst wenn es draußen sonnig ist, reicht es schon, sich etwas weiter vom Fenster entfernt aufzuhalten, und das Licht lässt schnell nach. Während sich das menschliche Auge problemlos anpasst, ist es manchmal geradezu erstaunlich, wie hoch die Empfindlichkeitswerte der Kamera sein müssen, damit sie in einem normalen Raum „sehen“ kann.

Das Innere eines japanischen Tempels. Trotz der relativ langen Belichtungszeit von 1/15 s musste ein hoher ISO-Wert gewählt werden. Canon 7D, Canon 10-22/3.5-4.5, 1/15 s, f/4.5, ISO 3200, Brennweite 10 mm

Ähnlich verhält es sich mit Nachtaufnahmen von Städten, bei denen der begeisterte Fotograf mit leichtem Gepäck ohne Stativ unterwegs ist.

Die Stadt Brünn, abends ohne Stativ fotografiert. Canon 5D Mark IV, Canon 16-35/2.8 III, 1/60 s, f/2.8, ISO 1600, Brennweite 31 mm

Auch bei Sport- und Tanzaufführungen müssen Sie mit einer hohen Empfindlichkeit arbeiten, sofern diese nicht ausschließlich unter freiem Himmel stattfinden. Selbst wenn Sie in einer gut beleuchteten Arena fotografieren, erfordert Sport so kurze Belichtungszeiten, dass Sie auf einen hohen ISO-Wert nicht verzichten können.

Beim Eishockey sind kurze Belichtungszeiten erforderlich (1/500 s ist hier noch relativ lang), und ein höherer ISO-Wert ist praktisch unverzichtbar. Canon 5D Mark IV, Canon 70-200/2.8 II, 1/500 s, f/2.8, ISO 5000, Brennweite 115 mm

Ähnlich schnell sind auch Tiere. Auch wenn sie sich im Freien aufhalten, entstehen die schönsten Fotos leider meist bei Sonnenaufgang oder Sonnenuntergang, wenn das Licht nicht gerade im Überfluss vorhanden ist. Vor allem am Abend muss man die Empfindlichkeit nach und nach erhöhen (bis die Tiere entweder weggehen oder man sie gar nicht mehr sehen kann).

Ein Reiher, der spät am Abend im Schilf landet. Das Foto wurde zudem stark aufgehellt, sodass der entsprechende ISO-Wert sicherlich über 10.000 liegen würde. Canon R5, Sigma 150-600/5-6.3, 1/1250 s, f/6.3, ISO 3200, Brennweite 484 mm

Auch Eventfotografen greifen sehr häufig auf hohe ISO-Werte zurück, wenn der Einsatz eines Blitzes verboten ist oder dessen Blitzlicht die Atmosphäre stören würde – sei es bei einer Hochzeit, einem Konzert oder einer Firmenjubiläumsfeier.

Bei einem Konzert in einem kleinen Raum ist es sicherlich unangebracht, den Blitz zu benutzen und damit andere zu stören. Canon R5, Canon 85/1.4, 1/320 s, f/2, ISO 2500, Brennweite 85 mm

So reduzieren Sie das Rauschen

Ein wesentlicher Nachteil der hohen Empfindlichkeit ist gerade das erhöhte Bildrauschen. Dieses lässt sich jedoch teilweise durch Rauschunterdrückungsalgorithmen beheben, sei es in Zoner Studio oder in speziellen Anwendungen wie beispielsweise Topaz Denoise.

Allerdings kommen wir hier wieder auf weitere Kompromisse zu sprechen, da mit der Rauschunterdrückung in der Regel auch Details verloren gehen, weshalb solche Werkzeuge mit Gefühl eingesetzt werden müssen.

So senken Sie den ISO-Wert

Wenn Sie häufig zu hohe Empfindlichkeitseinstellungen wählen und das Ergebnis Ihre Toleranzgrenze überschreitet, sollten Sie über die Anschaffung eines Geräts nachdenken, das Ihnen bei diesem Problem hilft.

Für statische Motive wie Landschaften oder Architektur empfiehlt sich auf jeden Fall ein Stativ. Hier kommt es nicht so sehr auf die übrige Ausrüstung an; selbst Profis mit sehr teurer Fotoausrüstung verlassen sich auf ein Stativ – dieses hat hier den mit Abstand größten Einfluss auf das Ergebnis.

Wenn Sie jedoch bewegte Motive fotografieren, wird es etwas kniffliger. Am meisten hilft Ihnen dabei ein lichtstarkes Objektiv. Dieses ist zwar leider teurer, muss aber nicht unbedingt ein perfektes Universalzoomobjektiv sein. Oft reicht ein Festbrennweitenobjektiv aus, und die günstigeren Modelle verfügen meist über eine Blende um f/1,8, was einen großen Fortschritt gegenüber den Objektiven aus den Basis-Kits darstellt. Wenn das Objektiv nicht ausreicht, ist die zweite Möglichkeit ein neueres Kameragehäuse oder gegebenenfalls der Wechsel zu einer Kameraklasse mit größerem Sensor (was jedoch meist wiederum auch ein neues Objektiv bedeutet).

Allgemeine Vorgehensweise zum Abschluss

Versuchen Sie, die ISO-Empfindlichkeit so niedrig wie möglich zu halten, und wenn das nicht ausreicht, erhöhen Sie den Wert nur so wenig wie nötig. Andererseits müssen Sie keine Angst vor höheren Werten haben, und wie Sie oben sehen können, gibt es viele Situationen, in denen eine hohe ISO-Empfindlichkeit völlig normal ist. Denn im Allgemeinen ist Bildrauschen immer noch besser als ein unscharfes und unbrauchbares Foto.

FAQ

Welcher ISO-Wert eignet sich am besten für gewöhnliche Aufnahmen?

Wenn ausreichend Licht vorhanden ist, sollten Sie idealerweise ISO 100 bis ISO 400 wählen. So erzielen Sie die beste Bildqualität und ein Minimum an Bildrauschen.

Wann sollte man einen hohen ISO-Wert wählen?

Hohe ISO-Werte kommen beim Fotografieren in Innenräumen, am Abend, bei Konzerten, Sportveranstaltungen oder überall dort zum Einsatz, wo Sie eine kurze Belichtungszeit benötigen.

Ist eine hohe ISO-Einstellung besser oder ein unscharfes Foto?

In den meisten Fällen ist ein höherer ISO-Wert besser. Bildrauschen lässt sich bei der Nachbearbeitung teilweise entfernen, während ein unscharfes Bild nicht mehr zu retten ist.

Bis zu welchem ISO-Wert ist die Bildqualität noch akzeptabel?

Das hängt von der Kamera ab. Moderne Vollformatkameras erzielen bei ISO 6400 bis 12800 oft sehr gute Ergebnisse.

Wie kann man den ISO-Wert beim Fotografieren senken?

Ein Stativ, ein lichtstärkeres Objektiv, der Einsatz eines Blitzes oder das Fotografieren unter besseren Lichtverhältnissen können Abhilfe schaffen.

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AutorVít Kovalčík

Ich bin seit 2012 freiberuflich tätig und verdiene meinen Lebensunterhalt als Fotograf in Brünn. In den vergangenen Jahren habe ich meine Erfahrungen mit Fotografie im Studio und anderswo gesammelt, als ich tagsüber arbeitete und abends und am Wochenende fotografierte. Ich habe kein bestimmtes Thema - ich fotografiere gerne Menschen, aber auch Landschaften und Städte.

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