Fotografie und Kritik: Wie man Kritik akzeptiert und wo man sie findet

Wir alle wissen, wie wichtig es für einen Fotografen ist, seine Kamera bedienen, die Kompositionsprinzipien oder das Licht verstehen zu können. Was ihn jedoch wirklich vorwärtsbringt, ist Kritik und die Konfrontation mit anderen Meinungen. Feedback lockt Sie aus Ihrer zufriedenen Sesshaftigkeit heraus und zwingt Sie, Ihre Fähigkeiten weiterzuentwickeln. Es ist daher entscheidend, Kritik nicht nur zu ertragen, sondern auch so viel wie möglich davon anzunehmen.

Wenn man etwas Neues erlernt, hat man Freude daran. Und das ist natürlich und gut, jedoch sollte man nicht auf der Stelle stehen bleiben. Gehen Sie ein Wagnis ein und präsentieren Sie Ihre Fotos der Öffentlichkeit. Es ist eine Herausforderung, denn scharfe Kritik kann wirklich weh tun. Darüber hinaus ist dieser Prozess endlos und jegliches Gefühl von Perfektion wird immer unecht sein. Sie kann hart klingen, sollte Sie aber auf keinen Fall entmutigen. Sie werden die Kritik meistens erst nach einer gewissen Zeit zu schätzen wissen, sobald Sie feststellen, wie sehr sie Ihnen geholfen hat, sich weiterzuentwickeln.

Nichts persönlich nehmen

Diese Überschrift mag trivial klingen, aber viele Fotografen fassen Kritik tatsächlich als Angriff auf ihre Person oder Arbeit auf. Sie denken, dass ihre Absicht einfach nicht verstanden wurde. Sie vergessen, dass sie eine persönliche Verbindung zu dem fotografierten Ort oder Person haben, was sie daran hindert, das Foto unvoreingenommen zu betrachten. Deshalb ist es wichtig zu wissen, wie andere Leute es sehen und ob sie darin das finden, was Sie damit aussagen wollten. 

Ebenso wichtig ist, dass Ihre Kritiker, benennen und begründen können, was ihnen auf Ihrem Foto nicht gefällt. Wenn das Feedback zu spärlich ist, fragen Sie Ihren Kritiker, ob er die Gründe für seinen Einwand etwas näher ausführen könnte.

Fotografie und Kritik: Wie man Kritik akzeptiert und wo man sie findet
Wir mögen viele unserer Fotos, weil wir etwas fotografiert haben, wozu wir eine persönliche Beziehung aufgebaut haben. Deshalb brauchen wir die Sicht einer unvoreingenommenen Person.

Kritik bedeutet nicht, dass Sie ein schlechter Fotograf sind

Negative Kritik sollte Sie nicht zwingen, Ihr Thema zu verlassen oder gar mit dem Fotografieren aufzuhören. Im Gegenteil, es sollte Sie motivieren, darüber nachzudenken, warum Sie fotografieren, was Sie fotografieren und was Sie daran verbessern könnten. Seien Sie immer dankbar für umfangreiche Kritik. Versuchen Sie, sich aus der Gefangenschaft Ihres Ego zu befreien, welches Kritik natürlich nicht gut verträgt, und versuchen Sie, sie positiv aufzunehmen. Denn wenn sich jemand bemüht, Ihre Arbeit zu kritisieren, bedeutet dies, dass er Ihnen helfen und nicht damit sagen möchte, dass Sie ein schlechter Fotograf sind.

Versuchen Sie, Ihre Mängel anhand von Kritik zu analysieren und sich darauf zu konzentrieren, sie zu verbessern. Gehen Sie nicht nur von der Kritik einer Person aus, Fotografie ist eine subjektive Angelegenheit. Je mehr Leute Ihre Fotos kommentieren, desto besser.

Wie verliert man sich nicht darin?

Nun haben Sie genügend Feedback, aber ein neues Problem taucht auf. Jede Meinung ist anders, oft widersprüchlich. Wie kann man daraus etwas mitnehmen? Dafür gibt es keine konkrete Anleitung, man muss dem Gefühl folgen. Wenn Sie beispielsweise von jemandem für die Unschärfe eines Fotos kritisiert werden, die einem anderen gefällt, versuchen Sie sich zu fragen, ob die Unschärfe auf dem Foto sinnvoll ist. Wollten Sie etwas damit ausdrücken? Am Ende sollten Sie der Schiedsrichter sein. Versuchen Sie, ein Gleichgewicht zwischen offener Akzeptanz der Kritik und der Beibehaltung Ihres eigenen Stils, Ihrer eigenen Aussage zu finden.

Fotografie und Kritik: Wie man Kritik akzeptiert und wo man sie findet
Man könnte auf diesem Foto den viel zu großen, leeren Raum kritisieren. Dann kommt es darauf an, warum ich ihn dort haben wollte und was er aussagen soll. In diesem Fall unterstreicht er die Leere und Weite der Landschaft.

Wie man einen frustrierten Kritiker erkennt

Leider ist nicht jede Kritik konstruktiv. In einigen Fällen handelt es sich wirklich um einen Angriff, hinter dem sich als Motiv Ihres Kritikers Neid oder Frustration verbirgt. Sie erkennen es daran, dass seine Kritik aggressiv oder vulgär ist, sehr allgemein („alles ist schlecht!“) und kein einziges konstruktives Argument enthält.

Sie können einen frustrierten Kritiker auch daran erkennen, dass er den Inhalt Ihres Fotos  verurteilt oder lächerlich macht. Typischerweise zum Beispiel das Aussehen des Models oder den Lebensstil der abgebildeten Person. Dann ist es am besten, tief durchzuatmen und einfach nicht zu reagieren. Wenn Sie eine Reaktion zeigen, wird es Sie noch mehr verärgern und den frustrierten Kritiker ermutigen. Schätzen Sie Ihre kostbare Zeit und lassen Sie sich nicht auf eine Diskussion ein.

Wo kann man nach Kritik suchen?

Die einfachste Quelle sind soziale Netzwerke und Fotoportale. Es gibt eine große Anzahl in- und ausländischer Gruppen, in denen Sie Fotos hinzufügen und Feedback erhalten können. Der Vorteil ist der leichte Zugang. Als Nachteil können sich sehr dürftige Kommentare erweisen, die oft von Leuten kommen, über die Sie nichts wissen.

Etwas besser ist es, eine Gruppe mit Freunden in sozialen Netzwerken zu erstellen, in der Sie die Fotos des anderen bewerten können. Ähnlich funktionieren auch Fotoclubs, die Sie in jeder größeren Stadt finden und denen Sie problemlos beitreten können. Paradoxerweise können persönliche Beziehungen zum Nachteil werden, wenn Ihr bekannter Kritiker den Abstand zu Ihrer Arbeit verliert oder Sie einfach nicht kritisieren möchte.

Fotografie und Kritik: Wie man Kritik akzeptiert und wo man sie findet
Wenn Sie jemandem Ihre Arbeit persönlich zeigen möchten, ist es von Vorteil, die Fotos in physischer Form mitzubringen.

Die dritte und beste Möglichkeit besteht darin, einen anerkannten Fotografen um eine Rezension Ihrer Arbeit zu bitten (im englischen „Portfolio Review“ genannt). Das kann zwar etwas Geld kosten, jedoch kann die Meinung eines Experten von Ihrem Rang auch äußerst wertvoll und konstruktiv sein. Haben Sie keine Angst, einen Fotografen zu kontaktieren, den Sie schätzen. Im schlimmsten Fall wird er Sie ablehnen. 

Wenn Sie nicht wissen, an wen Sie sich wenden sollen, suchen Sie sich einen Fotografen, der schon etwas hinter sich hat – Buchveröffentlichungen, Ausstellungen in bekannten Galerien, Auftritte in renommierten Fotoinstitutionen… Damit sind Sie auf der sicheren Seite. Fallen Sie vor allem nicht auf Fotografen rein, die mehr Likes als tatsächliche Ergebnisse haben und die mit sozialen Netzwerken besser umgehen können als mit einer Kamera.

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