Fotobearbeitung – Meer und Sand

Exotische Destinationen bieten zwar außerordentliche Erlebnisse an, sie stellen manchmal aber auch Fotografen vor eine harte Probe. Weit entfernt von unserer Heimat ist nämlich aufgrund der unterschiedlichen Sonnenlage auch die Zusammensetzung des Strahlenspektrums ganz anders. Aufgrund der Farbumwandlung unseres Sehvermögens bleibt dies für uns zwar unsichtbar, unsere Digitalkamera nimmt die Farbszene aber kompromisslos genau so auf, wie sie tatsächlich ist.

Fotografiert man am Meer, wo sich häufig Dunst in der Luft bildet und wo sich das dominante Blau des Wassers in den winzigen Tröpfchen des Dunstes wiederspiegelt, muss man auch damit rechnen, dass die Aufnahmen einen schwer zu entfernenden Blaustich bekommen. Auf dem Foto, das in der Nähe des Burj Al Arab Hotels in den Vereinigten Arabischen Emiraten entstanden ist, ist diese Tatsache besonders gut zu sehen.

Originalaufnahme. Foto Erika Kusáková

Originalaufnahme. Foto Erika Kusáková


Was Sie brauchen werden

Schnellbearbeitungen (Q), Kurven (Strg+C), Magnetisches Lasso (A), Auswahl bearbeiten, Farben verbessern (Strg+1), Vignettierung (Strg+Umschalt+V), Schärfen (Strg+5), 100% Ansicht (Num *), Klon-Stempel (S).


Die Aufnahme hat uns Frau Erika Kusáková geschickt. Das Foto ist matt, kontrastlos und obwohl es einen Blaustich hat, kann man den Himmel nicht als „strahlend blau“ bezeichnen. Wir werden deshalb versuchen im Zoner Photo Studio den Kontrast zu erhöhen und das übermäßige Blau im Gegensatz zum Festland zu dämpfen. Da auf dem Foto auch Sand zu sehen ist, welcher gelb sein sollte, wird das nicht ganz so einfach. Würde man im gesamten Bild das Blau verringern, würde der Himmel noch matter erscheinen.

Gelb und Blau befinden sich auf dem Farbkreis genau gegenüber. Betont man die eine Farbe, wird zugleich die zweite gedämpft.

Gelb und Blau befinden sich auf dem Farbkreis genau gegenüber. Betont man die eine Farbe, wird zugleich die zweite gedämpft.

Zunächst wird das Foto vorvorbereitet. Die darauf folgenden Vorgänge verändern stark die Dynamik der Aufnahme und zerstören vollkommen die Schattenzeichnung. Im Editor Modul des Zoner Photo Studios wählen Sie rechts unter dem Blitzsymbol den Punkt Schnellbearbeitungen (Tastenkürzel Q) aus. Vergrößern Sie die Aufnahme und bewegen Sie sie auf einen dunklen Bereich – in unserem Fall ist es der Wald in der rechten Bildhälfte. Stellen Sie gefühlsmäßig den Wert Schatten aufhellen ein.

Das Aufhellen kann ruhig übertrieben werden.

Das Aufhellen kann ruhig übertrieben werden.

Die folgende digitale Manipulation regelt die Dynamik der Aufnahme. Sie können zunächst die Automatik-Möglichkeiten in der Menüauswahl  Einstellen  | Quick Fix (Strg+0) ausprobieren. Manchmal bekommen Sie auf diese Weise ein äußerst befriedigendes Ergebnis, aber nicht diesmal. Da wir zumindest teilweise wahrheitsgetreu bleiben möchten, müssen wir zur Bearbeitung der Kurven übergehen.

Im Menü Einstellen oder unter dem Filter Symbol wählen Sie den Punkt Kurven (Strg+C) aus. Stellen Sie im Dialogfenster den Kanal RGB ein und deaktivieren Sie die Option Farbkanäle anzeigen. Konzentrieren Sie sich auf das Ausgangshelligkeitshistogramm:

Sowohl von links als auch rechts aus befinden sich nur ganz geringe Werte und deshalb kann das Histogramm auseinandergezogen werden, ohne dass grundlegende Bildinformationen verloren gehen.

Sowohl von links als auch rechts aus befinden sich nur ganz geringe Werte und deshalb kann das Histogramm auseinandergezogen werden, ohne dass grundlegende Bildinformationen verloren gehen.

Mithilfe der Maus und anhand der roten Punkte passen Sie die Kurve des Helligkeitshistogramms an. Die Lichter (oberer rechter Punkt) schieben Sie mehr nach rechts, wobei Sie das Verschiebungsmaß nach dem Graph einstellen. Nach der Behandlung der Schatten (unterer linker Punkt) stellen Sie den Bildbereich, in dem Sie die Schattenaufgehellt haben, vergrößert dar und kontrollieren Sie gleichzeitig mit dem Verschieben des Punktes nach rechts das Ausmaß der Verringerung der Schattenzeichnung.

Es ist hilfreich in der Ansicht jenen Bildbereich einzustellen, mit dem gearbeitet wird.

Es ist hilfreich in der Ansicht jenen Bildbereich einzustellen, mit dem gearbeitet wird.

Obwohl die Farbtöne schon verbessert sind, ist ersichtlich, dass die hellen Bildbereiche noch aufgehellt werden, während die dunklen Bereiche möglichst unberührt  bleiben sollten. Wir widmen uns also dem oberen Bildbereich – beim Himmel wird der Kontrast und auch ein wenig die Helligkeit erhöht, wieder mithilfe des Kurven-Werkzeugs. Verschieben Sie den oberen Punkt nach links und mit Klicken auf die Linie (Kurve) fügen Sie einen weiteren Punkt hinzu, welchen Sie durch Ziehen der Maus auf der Diagonale platzieren.

Zwischenschritt nach vorgehenden Bearbeitungen.

Zwischenschritt nach vorgehenden Bearbeitungen.

Es wird weiterhin mit allen Farbkomponenten gleichzeitig gearbeitet und nur die Dynamik, nicht das Farbverhältnis, verändert.

Es wird weiterhin mit allen Farbkomponenten gleichzeitig gearbeitet und nur die Dynamik, nicht das Farbverhältnis, verändert.

Jetzt kommt die Regulierung der einzelnen RGB-Farbkomponenten – rot, grün und blau – an die Reihe. Eine leichte Korrektur des blauen Himmels wird durch Verstärkung des blauen Kanals durchgeführt. Erneut verwenden Sie dafür die Kurven, allerdings wählen Sie diesmal in der Auswahl der Kanäle Blau aus.

Sie verschieben beide Kurvenrandpunkte des B Kanals nach oben. Damit erreichen Sie eine höhere Blauintensität.

Sie verschieben beide Kurvenrandpunkte des B Kanals nach oben. Damit erreichen Sie eine höhere Blauintensität.

Die obere Bildhälfte ist nunmehr recht zufriedenstellend. Der Himmel ist bläulicher als auf dem Original. Die Sandstrandfarbe ist  allerdings noch korrekturbedürftig. Die Ton- und Farbbearbeitung bezogen auf das Gesamtbild ist abgeschlossen und nun werden selektive Manipulationen in ausgewählten Bildbereichen vorgenommen.

Das magnetische Lasso sucht Farbübergänge in der Nähe der Maus und zieht durch diese die Grenze des ausgewählten Bereiches. Sollten die Übergänge für die Automatik nicht deutlich genug sein, hilft ein Mausklick.

Das magnetische Lasso sucht Farbübergänge in der Nähe der Maus und zieht durch diese die Grenze des ausgewählten Bereiches. Sollten die Übergänge für die Automatik nicht deutlich genug sein, hilft ein Mausklick.

Für die Auswahl benutzen sie das Magnetische Lasso (A), mit dem Sie die Trennungslinie zwischen Meer und Strand im unteren Bildbereich nachziehen.

Das magnetische Lasso ist ein leitungsstarkes Werkzeug, das intuitive und bequeme Arbeit ermöglicht.

Das magnetische Lasso ist ein leitungsstarkes Werkzeug, das intuitive und bequeme Arbeit ermöglicht.

Ziehen Sie von der Auswahl das Surfbrett ab – erzeugen Sie mit dem magnetischen Lasso bei gleichzeitigem Halten der Strg-Taste einen weiteren Bereich.

Ziehen Sie von der Auswahl das Surfbrett ab – erzeugen Sie mit dem magnetischen Lasso bei gleichzeitigem Halten der Strg-Taste einen weiteren Bereich.

Da uns die Aufnahme in voller Auflösung zur Verfügung steht, können wir die Auswahlgrenze ein wenig weichzeichnen. In der oberen Menüleiste gehen Sie auf Auswahl | Auswahl modifizieren. Somit wird der Übergang gemildert und die weiteren Bearbeitungen werden für den Betrachter schonender sein.

Den Wert des Reiters Weichzeichnen wählen Sie je nach Bildauflösung.

Den Wert des Reiters Weichzeichnen wählen Sie je nach Bildauflösung.

Der Strandbereich wurde also „schonend“ ausgewählt und kann nun gelblicher werden. Erneut reicht das Kurven-Tool mit dem eingestellten Blau Kanal aus. Wie bereits anfangs erwähnt wurde, wird Gelb durch Dämpfung von Blau hervorgehoben.

Die Blaudämpfung im gesamten dynamischen Bereich erzielen Sie durch die Verschiebung der roten Punkte, sodass die Kurve den 45° Winkel behält, aber schlussendlich weiter unten liegt.

Die Blaudämpfung im gesamten dynamischen Bereich erzielen Sie durch die Verschiebung der roten Punkte, sodass die Kurve den 45° Winkel behält, aber schlussendlich weiter unten liegt.

Zwischenschritt nach vorgehenden Bearbeitungen.

Zwischenschritt nach vorgehenden Bearbeitungen.

Falls Sie mit der bisherigen Bearbeitung zufrieden sind, können Sie den folgenden Schritt überspringen. Sind Sie allerdings der Ansicht, dass die Farben jetzt zu intensiv, ja fast schon kitschig sind, können Sie gemeinsam mit uns die Sättigung reduzieren. Im Menü wählen Sie Einstellen | Farben verbessern (Strg+1) aus, oder Sie klicken auf das Symbol Filter | Farben verbessern in der Benutzerleiste.

Sie brauchen nur eine der vielen angebotenen Regler-Optionen: die Sättigung, welche Sie beliebig nach links verstellen.

Sie brauchen nur eine der vielen angebotenen Regler-Optionen: die Sättigung, welche Sie beliebig nach links verstellen.

Den aufmerksamen Lesern unter Ihnen ist sicherlich aufgefallen, dass die Bildränder unschön abgedunkelt wurden und Sie fragen sich womöglich, warum wir noch nichts dagegen getan haben. Der richtige Moment für die Behebung der sog. Vignettierung, die durch optische Fehler des Objektivs entsteht, ist allerdings erst jetzt. Die Korrektur hätte zwar schon eingangs durchgeführt werden können, da aber war der Makel noch nicht so ersichtlich, die Bearbeitung wäre schwieriger gewesen und man hätte sie am Ende sowieso wiederholen müssen. Das Zoner Photo Studio 16 liefert ein sehr gutes Werkzeug für das Entfernen der Farbabweichung. Wählen Sie im Menü Einstellen| Vignettierung (Strg+Umschalt+V) aus.

Die Vignettierung muss nicht immer entfernt, sondern kann auch gezielt verwendet und verstärkt werden.

Die Vignettierung muss nicht immer entfernt, sondern kann auch gezielt verwendet und verstärkt werden.

Desweiteren stehen nur mehr kleine Ausbesserungen an. Sie können das Foto etwa mit Einstellen | Schärfen (Strg+5) schärfer zeichnen.

Als Schärfungstyp wählen Sie Unscharf maskieren aus. Damit Sie die restlichen Regler besser einstellen können, wählen Sie zunächst eine hohe Effektstärke aus. Folglich senken Sie die Effektstärke auf den gewünschten Wert.

Als Schärfungstyp wählen Sie Unscharf maskieren aus. Damit Sie die restlichen Regler besser einstellen können, wählen Sie zunächst eine hohe Effektstärke aus. Folglich senken Sie die Effektstärke auf den gewünschten Wert.

Damit Sie eine markantere und störungsfreie Fotokomposition erzielen, können Sie das Bild zuschneiden und mithilfe des Klon-Stempels (S) den Strand retuschieren.

 Stellen Sie zuerst die Darstellung des Fotos auf der Arbeitsfläche auf Originalgröße (Symbol 1:1) ein. Danach suchen Sie einen geeigneten Durchmesser des Klon-Stempels aus und durch Mausklick bei gleichzeitigen Halten der Strg-Taste nehmen Sie den Quellbereich auf. So können Sie schrittweise den Strand retuschieren.

Stellen Sie zuerst die Darstellung des Fotos auf der Arbeitsfläche auf Originalgröße (Symbol 1:1) ein. Danach suchen Sie einen geeigneten Durchmesser des Klon-Stempels aus und durch Mausklick bei gleichzeitigen Halten der Strg-Taste nehmen Sie den Quellbereich auf. So können Sie schrittweise den Strand retuschieren.

Wie Ihnen sicherlich aufgefallen ist, ist für diesen Vorgang die subjektive Farbwahrnehmung besonders wichtig. Ein „Farbpuritaner“, ein „typischer Landschaftsfotograf“ oder ein direkter Beteiligter der Aufnahme, also der Autor – jeder von ihnen würde zu einem anderen Ergebnis der Fotobearbeitung kommen. Eins bleibt jedoch für alle gleich – damit die Einstellungen der Kurven und Regler nach Ihren Vorstellungen verlaufen, ist es notwendig, den Bildschirm richtig eingestellt zu haben. Ohne die richtige Einstellung sind wir halb blind.


Die finale und ursprüngliche Aufnahme. Fahren Sie mit der Maus über das Bild, um zwischen den Ansichten zu wechseln.

Letzte Änderung 14. Juli 2014

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Autor: Ivo Prümmer

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