Focal Length Blending: Wie Sie die Perspektive zweier Brennweiten in einem Foto vereinen

Ein Weitwinkelobjektiv fängt eine wunderschöne Aufnahme mit viel Tiefenwirkung  ein, doch entfernte Berge schrumpfen darauf perspektivisch zu einem winzigen Hügel am Horizont. Die Lösung heißt Focal Length Blending (oder Zoom Stacking) – das Zusammenführen von zwei oder mehr Aufnahmen mit unterschiedlichen Brennweiten zu einem Ergebnis, das natürlich wirkt, auch wenn es so gar nicht entstanden ist. Wir zeigen Ihnen, wie Sie die Fotos aufnehmen, wo Sie im Bild den Übergang zwischen ihnen platzieren und wie Sie die häufigsten Fehler vermeiden, auf die Sie beim Zusammenfügen stoßen.

Was Sie in diesem Artikel erfahren

  • Wann und warum es sich lohnt, Aufnahmen mit unterschiedlichen Brennweiten zu kombinieren.
  • Wie Sie die Aufnahmen für das Zusammenfügen richtig fotografieren.
  • Wo Sie im Bildausschnitt den Übergang zwischen den Fotos platzieren – und was Sie dabei vermeiden sollten.
  • Wie Sie den Übergang zwischen den Aufnahmen mithilfe einer Maske mit Verlauf erzeugen.
  • Wie die Technik auch bei einer komplexeren Szene mit drei unterschiedlichen Brennweiten funktioniert.

Eine besondere Technik, von der Sie sonst kaum erfahren würden, die aber gar nicht kompliziert ist und Ihnen bei einer fast unmöglichen Aufgabe hilft. Und das alles nur mit etwas Vorstellungskraft und schneller Arbeit mit Masken am Computer.

Die beschriebene Methode hilft Ihnen, wenn Sie eine Landschaft fotografieren und ihr Tiefe verleihen möchten, indem Sie auch etwas Nahes mit ins Bild nehmen. Das bedeutet aber oft, ein Weitwinkelobjektiv zu verwenden, wodurch sich der Hintergrund perspektivisch verkleinert. Der ursprünglich majestätische Berg wird dann nur noch zu einem Hügel am Horizont. Für diese Situation gibt es jedoch eine Lösung.

Brennweiten kombinieren

Die Idee ist einfach: zwei Aufnahmen mit unterschiedlichen Brennweiten machen und diese anschließend zusammenfügen.

Die Pálava, entstanden durch das Zusammenfügen von Aufnahmen mit den Brennweiten 16 und 35 mm.

Das klingt nach lästiger Arbeit, doch tatsächlich ist der ganze Prozess schnell, und selbst das Fotografieren an sich ist denkbar einfach. Aufgrund der großen Perspektivänderung zwischen den Aufnahmen ist nicht einmal ein Stativ nötig – es reicht, beide Fotos aus der Hand zu machen. Wenn Sie unterwegs in der Landschaft ein Zoomobjektiv griffbereit haben, ist es eine Sache von Sekunden, die erste Aufnahme mit einer kurzen Brennweite und die zweite herangezoomt zu machen. Wahrscheinlich bin ich deshalb einst unter der Bezeichnung Zoom Stacking auf diese Technik gestoßen. Viel gebräuchlicher ist allerdings die Bezeichnung Focal Length Blending.

So geht’s

Der Trick besteht darin, auf den Aufnahmen einen ausreichend breiten Streifen einer neutralen Umgebung zu haben, durch die die Trennlinie zwischen den beiden Fotos verlaufen kann. Auf dem vorherigen Foto ist das Wasser.

Beim Zusammensetzen in Ebenen erstellen Sie dann für eine der Aufnahmen eine Maske, die genau in diesem Bereich fließend von Weiß zu Schwarz übergeht. Wie scharf dieser Übergang ausfällt und wo genau er verläuft, ist dabei die entscheidende Frage und meist eine Sache mehrerer Versuche.

Das fertige Foto und die Maske, die zeigt, wo die obere und die untere Aufnahme aufeinandertreffen.

Theoretisch müsste die Trennlinie nicht fließend, sondern könnte auch scharf sein – etwa wenn sich hinter einem Felsvorsprung eine herangezoomte Landschaft verbirgt. Meist bedeutet das dann aber höhere Anforderungen an die Präzision der Arbeit und damit auch einen längeren Bearbeitungsprozess.

Im Hintergrund könnte sich auch eine völlig andere Landschaft befinden. Wenn Sie das versuchen, achten Sie darauf, dass das Licht übereinstimmt. Ein Stück weiter links oder rechts zu fotografieren ist kein Problem, doch wenn Sie sich bei einer der Aufnahmen um 90° drehen, merkt der Betrachter, dass etwas nicht stimmt.

Geeignete Bereiche zum Trennen der Fotos

Zwischen der ersten und der zweiten Aufnahme ändert sich zum einen die Perspektive deutlich, zum anderen wird ein Teil davon dem fließenden Übergang geopfert. Für den Trennbereich eignen sich daher die Stellen im Bild nicht, an denen der Betrachter eine der beiden Veränderungen bemerken würde. Das betrifft sämtliche geometrische Strukturen wie Gebäude, aber auch Gleise, Weinberge oder exakt gepflanzten Wald.

Sehr gut geeignet ist dagegen Wasser, aber auch andere natürliche Flächen eignen sich, ob sie mit Sand, trockener Erde oder auch Wald bedeckt sind. Entscheidend ist die „zufällige Regelmäßigkeit“. Dichter Waldbestand ist unproblematisch, doch einzelne Bäume verstreut auf kahlem Boden stellen ein großes Problem dar.

Noch ein Hinweis zum Thema Bäume: Auch wenn Sie glauben, den idealen Bildausschnitt mit „Niemandsland“ in der Mitte gefunden zu haben, prüfen Sie lieber, ob nicht in Ihrer Nähe Bäume oder höhere Sträucher wachsen. Leicht kann es passieren, dass einer davon optisch genau dort landet, wo Sie den Übergang in der Maske haben möchten. Es ist viel einfacher, ein paar Schritte zur Seite zu treten und solchen Bäumen auszuweichen.

Jede ähnliche Aufnahme mit einem ähnlich platzierten Strauch, Baum oder Mast lässt sich nur schwer mit einer anderen kombinieren.

Vorsicht vor Wolken

Eine weitere Falle sind Wolken über der Landschaft, die Schatten werfen. Diese bewegen sich überraschend schnell, weshalb Sie sich etwas auf den Übergangsbereich konzentrieren sollten, damit nicht eine Aufnahme dort im Schatten endet, während die andere schon in der Sonne beginnt. Dieser Effekt muss nicht immer stören und lässt sich manchmal durch lokales Aufhellen oder Abdunkeln einer der Ebenen korrigieren, doch einfacher ist es, ihn von vornherein zu vermeiden.

Vorbereitung der Fotos und Anpassungen

Vor dem Zusammenfügen müssen die Fotos möglichst weit angeglichen werden. Stellen Sie vor allem denselben Weißabgleich ein und versuchen Sie, auch die Helligkeit im Bereich des Übergangs ungefähr zu treffen.

Das Kombinieren der Fotos selbst ist nichts Kompliziertes: Öffnen Sie einfach das Modul Editor in Zoner Studio und fügen Sie beide als zwei Ebenen in ein Bild ein. Der oberen Ebene weisen Sie dann eine Maske zu und zeichnen darin mit dem linearen Verlauf (Umschalt+B) einen Farbverlauf von Schwarz nach Weiß. Während der Bearbeitung sehen Sie den Effekt sofort, sodass Sie die Maske im Handumdrehen einstellen.

Bei komplexeren Szenarien scheuen Sie sich nicht, zum Pinsel (B) zu greifen und die Maske an den problematischen Stellen manuell anzupassen. Der Übergang muss keineswegs gerade verlaufen, und er muss auch nicht überall gleich scharf sein.

Ein fortgeschritteneres Beispiel

Einen Übergang mitten in einen Stausee zu setzen ist einfach, zeigen wir also etwas auf dem Land – und sogar mit zwei Übergängen zwischen insgesamt drei Aufnahmen.

Das Beispiel stammt aus dem Brünner Steinbruch Hády, wo man von der oberen Ebene einen Ausblick auf Brünn und einen Teil des darunterliegenden Steinbruchs hat. Der Steinbruch im Vordergrund ist jedoch so groß, dass ein Weitwinkelobjektiv nur eine riesige, leere Fläche mit einer winzigen Stadt im Hintergrund sieht. Ein Teleobjektiv wiederum erfasst nicht die interessanten, nahen Bäume, die sich fast senkrecht unterhalb des Betrachters befinden.

Ich habe also drei Aufnahmen gemacht, nacheinander mit den Brennweiten 24, 44 und 90 mm.

Die drei verwendeten Aufnahmen, mit den Brennweiten 24, 44 und 90 mm.

Damit deutlich wird, wie groß die fast vierfache Vergrößerung der letzten Aufnahme ist, sind hier alle drei Aufnahmen in ein Bild eingezeichnet.

Die größte Aufnahme mit der Brennweite 24 mm enthält die Umrisse der beiden kleineren, aufgenommen mit den Brennweiten 44 und 90 mm.

Für die Übergänge habe ich mir die freie Fläche im Vordergrund ausgesucht. Am Ende habe ich sie aus der weitesten Aufnahme jedoch praktisch vollständig entfernt, einschließlich der Bäume links und eines kleineren Felsvorsprungs, der sich von links nach rechts zieht. Die erste Aufnahme endet also gleich hinter der Dreiergruppe von Bäumen weiter unten, während die nächste erst beim Weg beginnt.

Ungefähr der Bereich, der zwischen der ersten und der zweiten Aufnahme entfernt wurde.

Der Übergang zwischen der zweiten und der dritten Aufnahme versteckt sich zwischen zahlreichen Bäumen, und auch hier habe ich einen Trick angewendet: Ich habe praktisch zwei verschiedene Wälder miteinander verbunden und damit mehrere Gebäude dazwischen entfernt – vor allem einen sehr hellen Industriekomplex in der Mitte, der zu viel Aufmerksamkeit auf sich zog (Ich entschuldige mich beim Heißluftballon-Hersteller).

Diesmal ungefähr der Bereich, der zwischen der zweiten und der dritten Aufnahme entfernt wurde.

Das Ergebnis ist eine Aufnahme, die „normal“ wirkt, und der überwiegenden Mehrheit der Brünner würde daran nichts verdächtig vorkommen.

Das fertige Foto, mit weiteren üblichen Anpassungen nach dem Zusammenfügen (Kontrast, Belichtung, Vignettierung usw.).

Ein gelegentlicher, aber nützlicher Helfer

Die Technik des Zusammenfügens von Aufnahmen mit mehreren Brennweiten werden Sie sicher nicht täglich einsetzen. Sie hilft Ihnen aber dabei, Ansichten zu gewinnen, die zwar optisch nicht real sind, aber den Charakter eines Ortes treffend wiedergeben. Das menschliche Auge passt sich an, stellt scharf, nimmt Kontext und Tiefe wahr – die Fotografie dagegen ist begrenzt, und gerade dieses Verfahren bringt sie der echten Atmosphäre näher.

FAQ

Was ist Focal Length Blending?

Es handelt sich um eine Technik, bei der man zwei oder mehr Aufnahmen, vom selben Standort mit unterschiedlichen Brennweiten aufgenommen, zu einem Bild zusammenführt. Das Ergebnis hält sowohl das nahe Vordergrundmotiv (aufgenommen mit dem Weitwinkelobjektiv) als auch das herangezoomte, entfernte Motiv (aufgenommen mit dem Teleobjektiv) fest, ohne dass sich der Hintergrund perspektivisch verkleinert.

Benötigen Sie für Focal Length Blending ein Stativ?

Nein, dank der großen Perspektivänderung zwischen den einzelnen Aufnahmen reicht es, aus der Hand zu fotografieren. Es genügt, ein Zoomobjektiv griffbereit zu haben und nacheinander eine weitere und eine herangezoomte Aufnahme zu machen.

Wo platziert man den Übergang zwischen den Aufnahmen im Bild?

Am besten in einem neutralen Bereich ohne markante geometrische Elemente, etwa im Wasser, Sand, trockener Erde oder dichtem, zusammenhängendem Wald. Vermeiden Sie dagegen Gebäude, Gleise, Weinberge oder einzeln stehende Bäume auf kahlem Boden.

Wie erzeugt man technisch den Übergang zwischen zwei Fotos?

Sie fügen beide Fotos als Ebenen in ein Bild ein, weisen der oberen Ebene eine Maske zu und zeichnen darin an der Stelle, an der die Aufnahmen ineinander übergehen sollen, einen linearen Farbverlauf von Schwarz nach Weiß. An komplizierteren Stellen lässt sich die Maske manuell mit dem Pinsel nachbessern.

Worauf sollte man beim Zusammenfügen achten?

Achten Sie neben der Wahl eines geeigneten Übergangsbereichs auch auf wandernde Wolken und ihre Schatten, damit eine Aufnahme im Übergangsbereich nicht im Schatten endet, während die andere bereits in der Sonne beginnt. Es empfiehlt sich außerdem, die Fotos vorab im Weißabgleich und in der Helligkeit anzugleichen.