Entdecken Sie die Geheimnisse der Belichtung: das Belichtungsdreieck

Im Artikel über die Belichtungseinstellungen haben Sie die grundlegenden Expositionsparameter kennengelernt – die Blende und die Verschlusszeit. Die Einstellung dieser zwei Werte beeinflusst direkt jene Lichtmenge, die auf den digitalen Sensor der Kamera fällt. Um die optimale Belichtung zu bekommen, gibt es stets mehrere mögliche Kombinationen von Blenden- und Verschlusszeiteinstellungen. Welche Sie wählen, hängt von Ihren künstlerischen Absichten ab. Das Verhältnis zwischen Blende, Zeit und dem dritten Belichtungsparameter – der ISO-Empfindlichkeit – gibt das sog. Belichtungsdreieck an.

GRUNDBELICHTUNGSREGEL „SUNNY 16“

Stellen Sie sich vor, Sie möchten eine Außenszene zur Mittagszeit an einem sonnigen Tag aufnehmen. Unter diesen Lichtbedingungen gilt die Grundregel namens Sunny 16, also sonnige 16. Das bedeutet, dass an einem sonnigen Tag zu Mittag bei einer Blende von F16 die Verschlusszeit gleich dem Umkehrwert des ISO ist. Beispielsweise beträgt also bei einem ISO 100 die theoretische Belichtungszeit 1/100 Sekunden. Da aber die Basisskala der Verschlusszeiten 1/100 s nicht beinhaltet, wählen Sie für eine technisch richtige Belichtung den nächsten Wert 1/125 s.

Wenn Sie aus irgendeinem Grund einen der Expositionsparameter ändern, müssen Sie – um die richtige Belichtung beizubehalten – auch die beide anderen anpassen. Bestimmen Sie die gewählte Belichtung als Ausgangsexposition mit dem Wert 0 EV und schauen Sie sich die grundlegenden Parameterwerte an, die Ihnen zur Verfügung stehen.

BLENDE

Die Skala der Blendenziffern am Objektiv definiert das Verhältnis zwischen der tatsächlichen Brennweite und dem Durchmesser der Öffnung, durch die das Licht durchs Objektiv fließt. Deswegen bedeutet auch ein höherer Blendenwert eine kleinere Objektivöffnung.  Die Basisreihe der Blendenzahlen ist:

EV+8 EV+7 EV+6 EV+5 EV+4 EV+3 EV+2 EV+1 EV0 EV-1 EV-2 EV
Blende11,422,845,6811162232

Durch jede Erhöhung der Blendenzahl um 1 EV (Herabsetzung der Belichtung um 1 EV) verkleinert sich die Öffnungsfläche, durch die das Licht fließt, um die Hälfte.

Auf dem Bild sieht man den Blendenverschluss eines Objektivs bei Belichtung F1 (auf ein solches Belichtungsobjektiv werden Sie in der Praxis kaum stoßen).

Auf dem Bild sieht man den Blendenverschluss eines Objektivs bei Belichtung F1 (auf ein solches Belichtungsobjektiv werden Sie in der Praxis kaum stoßen).

ZEIT

Die Belichtungs-(Verschluss-)dauer beschreibt jenen Zeitabschnitt, während dessen der digitale Sensor dem durchs Objektiv einstrahlenden Licht ausgesetzt wird. Die Basisreihe der Belichtungszeiten ist:

EV-5 EV-4 EV-3 EV-2 EV-1 EV0 EV+1 EV+2 EV+3 EV
Zeit1/4000 s1/2000 s1/1000 s1/500 s1/250 s1/125 s1/60 s1/30 s1/15 s
EV+4 EV+5 EV+6 EV+7 EV+8 EV+9 EV+10 EV+11 EV+12 EV
Zeit1/8 s1/4 s1/2 s1 s2 s4 s8 s16 s30 s

Um die Belichtung um 1 EV zu verringern, die Verschlusszeit um die Hälfte gesenkt werden.

ISO-EMPFINDLICHKEIT

Der Wert der ISO-Empfindlichkeit drückt aus, wie empfindlich die lichtempfindlichen Zellen des digitalen Sensors auf die Lichteinstrahlung eingestellt sind. Die Basisreihe der ISO-Werte ist:

EV0 EV+1 EV+2 EV+3 EV+4 EV+5 EV+6 EV+7 EV+8 EV+9 EV
ISO1002004008001 6003 2006 40012 80025 60051 200

Um die Belichtung um 1 EV zu verringern, muss der ISO-Wert um die Hälfte reduziert werden.

DIE ÄNDERUNG EINES EXPOSITIONSPARAMETERS BEEINFLUSST AUCH DIE ANDEREN PARAMETER

Für den Fall, dass Sie etwa mit einer kürzeren Zeit fotografieren möchten, z.B. 1/500 s, kommt es bei dieser Verschlusseinstellung zu einer Unterbelichtung um 2 EV. Um wieder eine richtige Belichtung einzustellen, müssen Sie entweder die Blende um +2 EV oder die ISO-Empfindlichkeit um +2 EV ändern oder beide Parameter um jeweils +1 EV. Wie man die richtige Einstellung erreicht, zeigt die folgende Tabelle.

ZeitBlendeISOEV
1/125 s0 EVF160 EV1000 EV0 EV
1/500 s-2 EVF8+2 EV1000 EV0 EV
1/500 s-2 EVF160 EV4002 EV0 EV
1/500 s-2 EVF11+1 EV200+1 EV0 EV

Wenn wir die Analogie aus unserem letzten Artikel beibehalten (Objektiv und Verschluss stellen den Wasserhahn und die lichtempfindlichen Zellen Gläser, die mit Wasser gefüllt werden, dar), haben Sie im ersten Fall (zweite Zeile der Tabelle) die notwendige Zeit fürs Wasserfüllen um ein Viertel verkürzt. Deshalb benötigt man, um ein ganzes Glas zu füllen, einen viermal so großen Durchfluss. Im zweiten Fall (dritte Zeile) haben Sie den Durchfluss beibehalten und das Glas nur zu einem Viertel aufgefüllt. Anschließend haben Sie die Wassermenge im Glas mit vier multipliziert. Im dritten Fall schließlich (vierte Zeile) haben Sie den Durchfluss verdoppelt, das Glas zur Hälfte gefüllt und dann die Wassermenge mit zwei multipliziert.

Alle angeführten Kombinationen führen zu einer technisch richtigen Belichtung. Ale Aufnahmen umfassen dieselbe Luminanzverteilung (die Fotos haben identische Histogramme). Das erste Bild mit Verschlusszeit 1/500 s wird aufgrund der verwendeten kleineren Blende im Vergleich zur Basisbelichtung schwächer durchschärft sein, das zweite Foto wird aufgrund des höheren ISO Wertes mehr Rauschen aufweisen und das dritte wird einen Kompromiss zwischen den beiden ersten darstellen.

ZWISCHENWERTE DER BELICHTUNGSPARAMETER

Bei den meisten, heutzutage gängigen Kameras, kann man neben den Basisreihen auch mit Zwischenwerten der Blendenzahlen, Verschlusszeiten und ISO Werten arbeiten. Am häufigsten mit Dritteln bzw. auch Hälften. Um diese Problematik grundsätzlich kennenzulernen und auszutesten empfiehlt es sich jedoch, nur mit den Basiswerten zu arbeiten. Diese kann man sich recht einfach im Kopf ausrechnen.

EINFLUSS DER BLENDEN- UND VERSCHLUSSZEITEINSTELLUNG AUF DIE FOTOGESTALTUNG

Während Blende und Zeit ihr Foto direkt beeinflussen (sie sind Ihre Ausdrucksmittel), stellt die ISO-Empfindlichkeit einen Hilfsparameter dar, mit dessen Hilfe Sie flexibler mit Blende und Zeit arbeiten können.

Belichtungsdreieck

Durch die Blendeneinstellung bestimmen Sie, was auf Ihrem Foto scharf und was bereits unscharf (außerhalb der Schärfentiefe) sein soll. Durch konsequente Arbeit mit der Blende können Sie wunderbar das Hauptmotiv von seiner Umgebung abheben, die zwar sichtbar bleibt, aber nicht vom Hauptmotiv ablenkt.

Canon EOS 7D, EF 100/2.8, 1/160 s, F2.8, ISO 100, Brennweite 100 mm (Äquivalent 160 mm).  Bei Verwendung einer kleinen Blende mit längerer Brennweite erzielt man eine kleinere Schärfentiefe. Das Model hebt sich auf dem Bild klar vom Hintergrund ab, der allerdings weiterhin gut erkennbar bleibt.

Canon EOS 7D, EF 100/2.8, 1/160 s, F2.8, ISO 100, Brennweite 100 mm (Äquivalent 160 mm).
Bei Verwendung einer kleinen Blende mit längerer Brennweite erzielt man eine kleinere Schärfentiefe. Das Model hebt sich auf dem Bild klar vom Hintergrund ab, der allerdings weiterhin gut erkennbar bleibt.

Canon EOS 7D, EF-S 15-85/3.5-5.6, 1/125 s, F11, ISO 100, Brennweite 15 mm (Äquivalent 24 mm). Dank Weitwinkelobjektiv mit kurzer Brennweite und großer Blende wird die Aufnahme von vorne bis hinten gleichmäßig geschärft.

Canon EOS 7D, EF-S 15-85/3.5-5.6, 1/125 s, F11, ISO 100, Brennweite 15 mm (Äquivalent 24 mm).
Dank Weitwinkelobjektiv mit kurzer Brennweite und großer Blende wird die Aufnahme von vorne bis hinten gleichmäßig geschärft.

Durch passende Einstellung der Belichtungsdauer kann man auf dem Foto auch Bewegung darstellen. Möchten Sie jegliche Bewegung im Bild „einfrieren“, wählen Sie eine kurze Verschlusszeit (1/125 s und kürzer). Um im Gegensatz Bewegung hervorheben, verwenden Sie längere Zeiten, mittels derer die Bewegung verwischt exponiert wird. Es kann sich entweder ein Motiv in statischer Umgebung bewegen (verwischte Wasserströmung, Lichtstriche von Autoreflektoren auf Nachtaufnahmen) oder man kann das sog. Panning (Schwenken) verwenden, bei dem ein relativ scharfes Hauptmotiv auf unscharfem Hintergrund fotografiert wird. Das Objektiv verfolgt während der Belichtung fließend die Bewegung des Fahrzeugs.

Canon EOS 5D MkII, EF 24-105/4, 30 s, F22, ISO 100, Brennweite 67 mm, Zusammensetzung von 6 Expositionen.  Durch Einstellung einer langen Verschlusszeit entstehen aus den vorbeifahrenden Autos Lichtspuren , die den Verkehr auf der Kreuzung veranschaulichen.

Canon EOS 5D MkII, EF 24-105/4, 30 s, F22, ISO 100, Brennweite 67 mm, Zusammensetzung von 6 Expositionen.
Durch Einstellung einer langen Verschlusszeit entstehen aus den vorbeifahrenden Autos Lichtspuren , die den Verkehr auf der Kreuzung veranschaulichen.

Panasonic Lumix DMC-LX3, 1/30 s, F8, ISO 80, Brennweite 5,1 mm (Äquivalent 24 mm).  Bewegungsdarstellung anhand von Panning (Schwenken). Das Objektiv verfolgt während der Belichtung fließend die Bewegung des Fahrzeugs. Das erscheint im Vergleich zur Umgebung relativ scharf.

Panasonic Lumix DMC-LX3, 1/30 s, F8, ISO 80, Brennweite 5,1 mm (Äquivalent 24 mm).
Bewegungsdarstellung anhand von Panning (Schwenken). Das Objektiv verfolgt während der Belichtung fließend die Bewegung des Fahrzeugs. Das erscheint im Vergleich zur Umgebung relativ scharf.

Mit ISO Werten arbeiten Sie vor allem dann, wenn Sie mit kürzeren Belichtungszeiten arbeiten möchten, als es Ihnen die Einstellung bei einem völlig geöffneten Objektiv erlaubt. Ein klassisches Beispiel ist die Aufnahme eines statischen Motivs ohne Stativ bei schwachen Lichtbedingungen. Fotografieren Sie aus der Hand mit viel zu langer Zeit, wird das Bild durch die Kamerabewegung verwischt. Zweiter Grund für die Erhöhung der ISO-Empfindlichkeit ist der Fall, wenn Sie im Bild eine Bewegung einfrieren möchten und Sie eine kürzere Verschlusszeit einstellen müssen, als es die geringste Blendeneinstellung erlaubt.

Höhere ISO-Werte haben allerdings ihren Preis – die technische Qualität des Bildes nimmt stark ab. Es entsteht digitales Rauschen und der Dynamikumfang des Sensors wird verringert.

BELICHTUNGSREIHE (EXPOSURE BRACKETING)

Im Rahmen der Belichtungsproblematik sollte man jedenfalls auch die sog. Belichtungsreihe erwähnen, eine bei fortgeschrittenen Kameras eingebaute Funktion. Dabei exponiert die Kamera, nachdem der Auslöser gedrückt wird, die Aufnahme mehrmals mit voreingestellter Belichtungsverschiebung. Typischerweise handelt es sich um drei Aufnahmen mit 0 EV, -1 EV und +1 EV. Bei manchen Kameras kann man eine längere Belichtungsreihe einstellen und zugleich selbst bestimmen, um wie viel EV sich die einzelnen Bilder unterscheiden sollen. Diese Funktion war besonders früher, als auf Filme aufgenommen wurde, sehr nützlich, da der Fotograf in belichtungsmäßig schwierigen Situationen mehrere Aufnahmevarianten fotografieren und beim Entwickeln die beste auswählen konnte.

In der heutigen Ära der Digitalkameras, in der man ein Histogramm zur Verfügung hat und die Korrektheit der Belichtung meist schon bevor man auslöst prüfen kann, werden Belichtungsreihen meist bei Szenen mit hohem Dynamikumfang  verwendet. Anschließend werden diese Aufnahmen digital zu einem Ergebnisfoto zusammengefügt.

ZUSAMMENFASSUNG

Um die Belichtung gänzlich zu beeinflussen stehen Ihnen drei Parameter zur Verfügung.

  • Durch Blende und Zeit drücken Sie direkt Ihre künstlerischen Absichten aus.
  • Durch Anpassung der ISO Werte behelfen Sie sich dann, wenn Sie aufgrund von schwachen Lichtverhältnissen die gewünschten Blenden- oder Zeitwerte nicht einstellen können.

In jeder Situation gibt es mehrere Kombinationsmöglichkeiten der Parameter, um eine technisch Richtige Belichtung zu erreichen. Wenn Sie aus kreativen Gründen einen Parameter ändern, müssen Sie für eine korrekte Belichtung auch die anderen anpassen. Verwenden Sie einen automatischen oder halbautomatischen Modus, werden diese Parameter von Ihrer Kamera eingestellt.

Letzte Änderung 9. März 2015

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Autor: Jan Zeman

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