Die Drittelregel: So verbessern Sie sofort Ihre Bildkomposition

Die Drittelregel gehört zu den einfachsten Methoden, um die Komposition Ihrer Fotos sofort zu verbessern. Wir zeigen Ihnen, wie Sie mit einem einfachen Raster den Horizont, ein Porträt oder architektonische Motive so anordnen, dass Ihre Fotos ausgewogen wirken und eine klare Richtung erhalten. Außerdem verraten wir Ihnen, wann es sich lohnt, die Drittelregel gezielt zu brechen und stattdessen mit Fünfteln oder ganz nach Gefühl zu arbeiten.

Was Sie in diesem Artikel erfahren

  • Was die Drittelregel ist und wie das Kompositionsraster 3 × 3 funktioniert.
  • Wie sich die Drittelregel von der Fünftelregel unterscheidet.
  • Wie Sie den Horizont bei Landschaftsaufnahmen setzen.
  • Wie Sie bei Porträts und sich bewegenden Motiven mit freiem Raum arbeiten.
  • Wie Sie Drittel in der Architektur- und Stadtfotografie nutzen.
  • Warum es sich lohnt, die Regel zuerst zu beherrschen – und sie dann getrost wieder aufzugeben.

Die Drittelregel gehört zu den bekanntesten Kompositionsregeln. Ihr begegnen wir oft schon bei den ersten bewussten Versuchen, ein Bild zu komponieren.

Die Drittelregel basiert auf einer einfachen Aufteilung des Bildes mithilfe eines 3 × 3 Rasters. Zwei senkrechte und zwei waagerechte Linien teilen das Foto in neun gleich große Teile. Diese Linien – und vor allem ihre Schnittpunkte – sind nicht zufällig gewählt. Genau dort liegen die Stellen, zu denen sich das Auge des Betrachters ganz natürlich als Erstes hinwendet.

Neben den Dritteln arbeitet man manchmal auch mit der Fünftelregel. Während Drittel einfacher, übersichtlicher und für Anfänger sehr gut geeignet sind, bieten Fünftel eine breitere Palette an Möglichkeiten, das Bild in Ebenen zu gliedern. Beide Ansätze helfen dabei, die Beziehung zwischen Motiv und Umgebung schnell zu erfassen.

Es liegt ganz bei Ihnen, auf welche Bildteile Sie mehr Wert legen. Hier handelt es sich eher um Fünftel. © Ester Dobiášová

Praktische Hilfe: das Kompositionsraster

Bei den meisten Kameras und Smartphones lässt sich ein Kompositionsraster einblenden – am häufigsten im Format der Drittelregel. Sie finden es meist in den Anzeigeeinstellungen oder im Menü der Kamera.

Gerade für Anfänger ist es sehr hilfreich. Achten Sie bewusst darauf, wo Sie Ihr Motiv setzen, und experimentieren Sie mit seiner Position auf den einzelnen Linien oder Schnittpunkten des Rasters. Beobachten Sie, wie sich die Wirkung des Bildes verändert, wenn Sie das Motiv nur ein kleines Stück verschieben.

Sobald Sie beginnen, intuitiv zu komponieren, können Sie es getrost wieder ausschalten. Dann sehen Sie die Drittel einfach von selbst.

© Ester Dobiášová

Leserichtung im Bild: von links nach rechts, von oben nach unten – und umgekehrt

Die Drittelregel wenden wir typischerweise bei Landschaftsaufnahmen an, bei Porträts mit seitlichem Blick oder bei Motiven mit klarer Bewegungs- oder Blickrichtung. Wir deuten damit an, dass etwas geschieht – oder gerade erst geschehen wird. Genau diese Beziehung erzeugt oft die Geschichte eines Fotos.

In unserem Kulturkreis bewegt sich das Auge natürlicherweise von links nach rechts und von oben nach unten. Ähnlich wie einen Text „lesen“ wir auch ein Foto auf diese Weise – wir treten von links ein, folgen dem Hauptmotiv und verlassen das Bild rechts.

Welches Foto „liest“ sich für Sie natürlicher? © Ester Dobiášová

Beobachten Sie, wie unterschiedlich Aufnahmen wirken, bei denen Mensch oder Tier Raum in Richtung ihrer Bewegung oder ihres Blicks haben. Hat ein Tier Raum in seiner Blickrichtung, entsteht ein Gefühl von Ruhe und Erwartung – der Blick gleitet weiter, und die Komposition bleibt offen. Und genau dieses Gefühl von Harmonie lässt sich auch gezielt brechen.

Das untere Drittel dient zugleich als Rahmen der Szene. Das geschlossene Auge der Pute liegt fast genau im Schnittpunkt der linken vertikalen Linie, auf den unser Blick ganz natürlich fällt. © Ester Dobiášová

Die Drittelregel in der Landschaftsfotografie

In der Landschaftsfotografie wenden wir die Drittelregel am häufigsten wegen des Horizonts an. Die Grundfrage lautet: Wo setzen Sie ihn? Wird der Horizont auf die Trennlinie im oberen Drittel gelegt, erhält der Boden mehr Raum. Das eignet sich dort, wo die Struktur der Landschaft wichtig ist – Feldlinien, ein Weg, die Textur von Schnee, Wasser oder Gras. Das Bild wirkt geerdet und betont die Beziehung zum Raum unter unseren Füßen.

© Ester Dobiášová

Ein Horizont im unteren Drittel lässt dagegen den Himmel zur Geltung kommen. Das funktioniert, wenn dieser selbst die Hauptrolle im Bild übernimmt: dramatische Wolken, das Licht bei Sonnenuntergang, Nebel oder eine gewittrige Atmosphäre. Ein Horizont in der Mitte neigt dazu, das Bild zu „halbieren“ und die Spannung zu schwächen, wenn kein klarer Grund dafür vorliegt. Ein solches Foto wirkt oft langweilig.

Bei der Entscheidung hilft eine einfache Frage: Was ist in dieser Szene wichtiger?

Obwohl der Horizont hier fast in der Mitte des Fotos liegt, stört uns diese Komposition diesmal nicht. Wahrscheinlich, weil es hier gleich drei Elemente gibt: Land, Meer und Himmel. © Ester Dobiášová

Die Drittelregel im Porträt und die Arbeit mit freiem Raum

Die Augen sind der natürliche Schwerpunkt der Aufmerksamkeit, und ihre Position beeinflusst die Wirkung des Bildes entscheidend. Ebenso wichtig ist der Raum um die porträtierte Person herum – er kann ein starkes erzählerisches Mittel sein. Er kann Erwartung, Richtung, Unsicherheit oder auch das Ende eines Weges andeuten.

© Ester Dobiášová

Schreitet die Figur beispielsweise nach rechts, und lassen wir ihr bewusst Raum hinter dem Rücken auf der linken Seite, gewinnt das Bild an Spannung – dass sie etwas hinter sich lässt oder dass etwas sie einholen könnte. Hat die Figur dagegen genug Raum in die Richtung, in die sie blickt, erzeugt das beim Betrachter ein Gefühl von Offenheit und Fortsetzung. Freier Raum vor dem Blick deutet Richtung und Zukunft an und gibt dem Betrachter Zeit und Raum, im Bild durchzuatmen.

© Ester Dobiášová

Die Drittelregel in der Architektur- und Stadtfotografie

Architektur und städtisches Umfeld bieten markante Linien, Rhythmus und sich wiederholende Formen. Wenn Sie die Dominante außerhalb der Mitte anordnen, gewinnt das Foto mehr Raum für Beziehungen zwischen den einzelnen Elementen. Ein Gebäude, eine Statue oder ein markantes architektonisches Detail auf einer der Drittellinien zieht ganz natürlich die Aufmerksamkeit auf sich, ohne dass das Bild dadurch geschlossen wirkt. Linien von Fassaden, Gehwegen oder Fenstern können dann als Führungslinien dienen, die das Auge weiterleiten.

Auf diesem Foto arbeite ich mit allen vier Führungslinien. Während der Turm auf der linken vertikalen Linie liegt, folgt das Dach der oberen und das Ende der Mauer der unteren Linie. Und auf der rechten vertikalen wächst ein Baum. © Ester Dobiášová

Drittel als Schritt von der Regel zur Intuition

Die Drittelregel hilft vor allem dabei, den Raum sehen zu lernen. Sie schärft Ihren Blick für die Beziehungen zwischen Motiv und Umgebung, zwischen Leere und Fläche. Sobald Sie dieses Prinzip verinnerlicht haben, können Sie Kompositionsregeln kombinieren oder ganz aufgeben. Komposition ist nämlich kein Dogma. Sie ist die Sprache, in der ein Foto zum Betrachter spricht.

Auch die Zentralkomposition ist nicht falsch! Mehr dazu lesen Sie im Artikel Zentralkomposition in der Fotografie: Wann sie funktioniert und warum es kein Anfängerfehler ist.

FAQ

Was ist die Drittelregel?

Die Drittelregel ist ein Kompositionsprinzip, das auf der Aufteilung eines Fotos mithilfe eines 3 × 3 Rasters in neun gleiche Teile beruht. Das Motiv oder wichtige Elemente der Szene werden auf diesen Linien oder ihren Schnittpunkten gesetzt, auf die das menschliche Auge ganz natürlich zuerst blickt.

Wie schalten Sie das Kompositionsraster in der Kamera ein?

Die meisten Kameras und Smartphones ermöglichen es, das Drittelraster direkt im Sucher oder auf dem Display anzuzeigen. Sie finden es meist in den Anzeigeeinstellungen oder direkt im Menü der Kamera.

Wo setzen Sie den Horizont nach der Drittelregel?

Ein Horizont im oberen Drittel gibt dem Boden mehr Raum und eignet sich, wenn die Struktur der Landschaft wichtig ist. Ein Horizont im unteren Drittel lässt dagegen den Himmel zur Geltung kommen, etwa bei dramatischen Wolken oder Sonnenuntergängen. Eine Platzierung genau in der Mitte schwächt das Bild in der Regel, wenn kein klarer Grund dafür vorliegt.

Wie wenden Sie die Drittelregel bei Porträts an?

Beim Porträt ist es entscheidend, die Augen auf einer der Drittellinien zu setzen und dem Modell Raum in Richtung seines Blicks oder seiner Bewegung zu lassen. Freier Raum vor dem Blick verleiht dem Bild ein Gefühl von Offenheit und deutet die Fortsetzung des Geschehens an.

Müssen Sie sich immer strikt an die Drittelregel halten?

Nein. Die Drittelregel ist ein guter Ausgangspunkt, um die Beziehung zwischen Motiv und Umgebung wahrnehmen zu lernen. Sobald Sie sich dieses Prinzip angeeignet haben, können Sie es mit anderen Ansätzen kombinieren, etwa der Komposition in Fünfteln, oder es bewusst

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AutorEster Dobiášová

Ich bewundere (nicht nur) Dokumentarfotografen und versuche in meiner eigenen Arbeit Serien zu erstellen, die durch einen lesbaren Gedanken verbunden sind, aber Raum für eigene Fantasie und Geschichten lassen. Ich mache auch Reportage- und Reisefotografie und leite seit drei Jahren Fotokurse für Teenager. Meine Arbeit können Sie sich auf meiner Website ansehen.

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