Das Projekt 365 – mein Fototagebuch

„Letztes Jahr habe ich nicht viele Fotos geschossen, eher weniger als mehr. Die wenigen Urlaubsfotos, die es gibt, sind immer noch nicht bearbeitet und werden es wohl auch nicht mehr werden. Zumindest habe ich ein paar Party-Momentaufnahmen… .“ Das alles habe ich mir letztes Jahr vorgeworfen. Wirklich gebessert habe ich mich aber nicht. Wenn nicht sogar verschlechtert. Deshalb habe ich mich entschieden, das in der nächsten Saison zu ändern.

Der Anfang ist alles

Jedes Jahr ist das Internet am 1. Jänner überlaufen mit Artikeln darüber, wie perfekt die Zeit für den Start eines 365 Foto-Projekts ist.  Einen davon habe ich beim Warten auf einem Parkplatz gelesen und anschließend gleich das Handy gezückt und das erste Foto gemacht.

Mit dem ersten Bild müssen Sie nicht warten, knipsen Sie einfach drauf los.

Mit dem ersten Bild müssen Sie nicht warten, knipsen Sie einfach drauf los.

Fototagebuch

Und so wurde mein Projekt „365 Fotos im Jahr 2014“ ins Leben gerufen. Ich habe täglich versucht eine Aufnahme zu erstellen, die irgendwie den gegebenen Tag repräsentieren würde und damit ein ganzes Jahr durchzuhalten.

Das war dann im alltäglichen Arbeitsleben, wenn die meisten Tage ziemlich ineinander fließen, gar nicht so einfach. Jedes Bild sollte also zumindest irgendetwas Interessantes haben. Aber das Wichtigste war: durchhalten.

Nach gewisser Zeit habe ich mein Projekt ausgeweitet. Ich wollte für den Fall, dass es aus fotografischer Sicht keinen großen Wert hätte, zumindest für ein Jahr eine Dokumentation parat haben, anhand derer ich mich beim Ansehen eines Fotos grob an die Tagesumstände oder zumindest an den Kontext der ganzen Woche erinnern könnte.

Workflow – um tagelange Projektarbeiten zu verhindern

Handyfotos habe ich direkt am Smartphone bearbeitet und mittels der Zoner Photo Studio App für Android auf Zonerama hochgeladen. Bei den anderen Bildern nahm ich den Upload über das ZPS am PC vor. Bei den Spiegelreflex-Fotos basierte das gesamte Workflow auf dem Desktop-ZPS.

Ähnliche Projekte sind im Internet weit verbreitet. Sehr in sind momentan Selfie’s oder täglich erstellte Porträts – Fotograf Frans Hofmeester hat etwa im Video Portrait of Lotte 14 Jahre lang das Heranwachsen seiner Tochter dokumentiert.

Ebenso finden Sie unzählige Artikel darüber, wie Ihnen solche Projekte helfen, ein besserer Fotograf zu werden und wie Sie lernen, Ihre Kamera ständig dabei zu haben usw. Ich persönlich finde, ehrlich gesagt, nicht, dass ich mich fotografisch verbessert hätte, aber ich gebe zu, dass solche Projekte mehr Sinn für jemanden machen, der mit Fotografie sein Geld verdienen möchte.

Erste Krisenphase – woher nehme ich die Inspiration?

Natürlich hatte ich gleich im ersten Monat mit einer Kreativkrise zu kämpfen. Da ich untertags meist das Fotografieren vergaß, kam es dann abends oftmals zu gezwungenen Notaufnahmen. Ein klassisches Beispiel dafür sehen Sie auf folgendem Foto:

Frontscheibe im Regen vor einem Einkaufcenter.

Frontscheibe im Regen vor einem Einkaufcenter.

Angeblich wird nach etwa einem Monat aus einer Regel eine Gewohnheit, die der Mensch ohne darüber nachzudenken erfüllt. Bei mir traf das nicht wirklich zu. Es wechselten Phasen, in den die Fotos wie von alleine kamen und solche, in denen es mir komplett an Fantasie fehlte.

Am einfachsten war das Fotografieren für mich an Tagen, an denen ich mich an einem unbekannten oder ungewöhnlichen Ort befand – also im Urlaub oder bei Geschäftsreisen. Ganz egal, was man fotografiert hat, den Tag hat es immer verlässlich gut repräsentiert und auch inhaltlich waren die Bilder interessant.

Eine Erinnerung an meine Dienstreise in die USA – ein Ausblick im kalifornischen Nationalpark Yosemite. Praktisch alle dort aufgenommenen Bilder hätten Fotos des Tages werden können.

Eine Erinnerung an meine Dienstreise in die USA – ein Ausblick im kalifornischen Nationalpark Yosemite. Praktisch alle dort aufgenommenen Bilder hätten Fotos des Tages werden können.

Sommer Road Trip Richtung Italien – der Wiener Prater.

Sommer Road Trip Richtung Italien – der Wiener Prater.

Erinnerung an das Beskiden-Wochenende und die 10 Kilometerwanderung auf Radhošť.

Erinnerung an das Beskiden-Wochenende und die 10 Kilometerwanderung auf Radhošť.

Am schwierigsten zu bewältigen war die alltägliche Routine, insbesondere bei Schlechtwetter. Dann ging es darum Motive im Innenbereich zu suchen. Hatte ich für den Tag etwas Kulturelles auf dem Programm, war die Problemlösung naheliegend. An allen anderen Tagen im Sinne von Zuhause – Arbeit – Zuhause sahen die Bilder fast immer gleich aus:

Ein weiteres Abendessen im thailändischen Stil.

Ein weiteres Abendessen im thailändischen Stil.

Datenspielereien

Einen Haufen Fotos können Sie sich auch als einen Haufen Daten zur visuellen Darstellung vorstellen. Alle Handyfotos beinhalten nämlich GPS-Koordinaten und somit kann man mittels der Kartenansicht im Manager-Modul des Zoner Photo Studios ganz leicht feststellen, wo die Bilder aufgenommen worden sind. Es lässt sich also sehr einfach nachvollziehen, wo ich mich je aufgehalten hatte. Am interessantesten ist der Blick auf Brünn, weil gerade dort der überwiegende Teil des Albums erstellt worden ist.

mapa

Dank den Statistiken im Zoner Photo Studio kann ich praktisch mit einem Klick noch viele weitere interessante Fotodaten einsehen. Unter anderem habe ich etwa festgestellt, dass:

  • ich schlussendlich insgesamt 344 Fotos geschossen habe. Ich habe also 20 Tage verpasst (5,4 Prozent aller Fotos).
  • 90% der Bilder mit Handy und 10% mit Spiegelreflexkamera gemacht wurden.
  • 70% der Fotos in Nachmittags- oder Abendstunden, also zwischen 15 und 20 Uhr aufgenommen worden sind.

Weitere Daten kann man noch von Facebook ermitteln. Die meisten Likes und Kommentare bekamen folgende Bilder.

Blick vom brünner Zoner-Sitz auf das gegenüberliegende Gebäude. Eine gewisse kreative Fotoidee ist ersichtlich.

Blick vom brünner Zoner-Sitz auf das gegenüberliegende Gebäude. Eine gewisse kreative Fotoidee ist ersichtlich.

Die unendlichen Fertigstellungsarbeiten am Zoner Photo Studio 17, hier schon fast am Ende beim Upload der Installationspakete auf Flashdisks. Hier kann von einer Fotoidee nicht mehr die Rede sein.

Die unendlichen Fertigstellungsarbeiten am Zoner Photo Studio 17, hier schon fast am Ende beim Upload der Installationspakete auf Flashdisks. Hier kann von einer Fotoidee nicht mehr die Rede sein.

Ein schönes Beispiel dafür, dass Lokalität siegt. Wären auf dem Hügel keine neun Buchstaben, hätte das Bild wohl kaum den 3. Platz der Rangliste belegt.

Ein schönes Beispiel dafür, dass Lokalität siegt. Wären auf dem Hügel keine neun Buchstaben, hätte das Bild wohl kaum den 3. Platz der Rangliste belegt.

War es sinnvoll? Ja.

Je älter ich bin, desto sinnvoller finde ich jede Art von Tätigkeit, der man sich systematisch über einen längeren Zeitraum hinweg widmet und die einem Spaß macht. Sie werden keine Sportart binnen einer Woche gut lernen können. Sie können Sie über Jahre hinweg betreiben, aber wenn Sie dazu keine Lust haben und sie Ihnen keinen Spaß macht, macht es keinen Sinn.

Das Projekt 365 Fotos war für mich eine Bestätigung, dass ich regelmäßig fotografieren kann und dann es mir großteils Spaß gemacht hat, auch wenn ich mich manchmal ein wenig zwingen musste.

Jeder der schon einmal zu fotografieren versucht hat, hat höchstwahrscheinlich verstanden, dass Fotografie ein Handwerk ist. Falls er es nicht verstanden hat und er sie trotzdem beherrscht, beneide ich ihn um sein Talent. Übung macht aber bekanntlich den Meister, deshalb kann ich ein Projekt wie das Projekt 365 nur empfehlen. Testen Sie, ob Sie in der Lage sind langfristig zu fotografieren und ob es Ihnen Spaß macht.

Feedback

Wenn Sie sich überdies ein passendes Workflow einstellen und Ihre Bilder schließlich einem Publikum, etwa auf Facebook oder in Ihrem Freundeskreis, präsentieren, bekommen Sie zumindest ein gewisses Feedback, welches für Ihre weitere Arbeit hilfreich sein kann.

Ebenso empfiehlt es sich, die Fotos mit einem zeitlichen Abstand nochmals kritisch durchzusehen. Im besseren Fall stoßen Sie auf Fehler, die Sie schon längst nicht mehr machen. Im Schlechteren werden Sie solche erst entdecken.

Haben Sie schon mal ein ähnliches Projekt probiert? Haben Sie durchgehalten? Teilen Sie uns in der Diskussion unter dem Artikel Ihre Erfahrungen mit. Haben Sie aufgegeben? Diskutieren Sie trotzdem mit.

 

Letzte Änderung 25. Mai 2015

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Autor: Michal Prouza

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Kommentare

  • Karin

    Hallo, habe zum ersten Mal das „Magazin Zonerama“ erhalten, und bin voll begeistert! Ich wünsche mir weitere Informationen in dieser Richtung.
    MfG K.L.