Coloring Schritt-für-Schritt I: Farbtheorie

Wahrscheinlich haben Sie die Vielzahl beliebter Fotostile, Presets und Filter bemerkt, die Fotos einen bestimmten Retro-Look verleihen – als hätten Sie sie aus einem alten staubigen Album entnommen. Wir mögen sie auch und natürlich finden Sie sie in unseren Presets. Sie können einen solchen Vintage-Look nicht nur bei Porträts und Reportagefotos, sondern auch bei Landschaftsfotos antreffen. Aber warum verwandelt jemand die üppige und grüne Natur in herbstliche und trockene Natur, wie nach einer Trockenzeit?

Und was ist richtig? Was ist die kreative Absicht des Fotografen? Was können Sie aus einem solchen Stil lernen, auch wenn Sie ein natürliches Layout bevorzugen, das RAW-Dateien beim Öffnen im Modul Entwickeln ähnelt?

In dieser Artikelserie werden wir dies unter die Lupe nehmen und uns darauf fokussieren. Aber alles der Reihe nach – ein bisschen Theorie am Anfang schadet nicht. Wir werden das Farbmodell erklären und zeigen, wie Farben miteinander interagieren.

Wenn Ihre Farben „verschoben“ sind und ihr Freund, der Fotograf ist, gemischte Gefühle in Bezug auf Ihre Kreation hat (der Hautton oder die Farbe des Himmels sind ihm nicht geheuer), ist das Farbmanagement möglicherweise nicht korrekt eingestellt. Ein kürzlich veröffentlichter Artikel über Farbräume wird Ihnen helfen.

Farbmodell

Ein Farbmodell ist ein System, das Farben basierend auf dem Anteil jeder Komponente mathematisch beschreibt. Die Farben in der Natur sind durch eine Mischung aus Licht in unterschiedlichen Wellenlängen gegeben und durch verschiedene Farbmodelle wird versucht, Farben so originalgetreu wie möglich zu erzeugen und zu reproduzieren.

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Vergleich von RGB- und HSL-Modell.

RGB-Farbmodell

Zumindest auf einem Computer sind Sie bestimmt mit dem RGB-Modell vertraut. Es drückt die Farben aus, die sich aus der Zusammensetzung der Komponenten Rot, Grün und Blau ergeben. Das Modell arbeitet mit einer Lichtquelle und „projiziert“ jede Komponente mit unterschiedlichen Intensitäten. Durch dieses Mischen können wir jede beliebige Kombination von Farben erzeugen.

Sie sind mit dem RGB-Modell schon beim Arbeiten mit der Gradationskurve im Modul Entwickeln oder Editor in Kontakt gekommen. Sie werden mir sicher zustimmen, dass das Anpassen der Farbtöne in einem Bild auf den ersten Blick nicht ganz intuitiv ist.

HSL-Farbmodell

Das HSL-Modell ist zwar weniger bekannt, aber umso intuitiver zu verstehen. Während Computer näher am RGB-Modell sind, wird ein Fotograf HSL eher zu schätzen wissen, da es ein einfaches Mischen von Farben ermöglicht.

Es funktioniert nicht direkt mit den Komponenten Rot, Grün und Blau, sondern mit drei Parametern: Farbton (Hue), Sättigung (Saturation) und Helligkeit (Lightness). Dieses Modell können Sie auch im Zoner Photo Studio kennenlernen. Das Farbkorrektur-Tool funktioniert nach dem HSL-Modell.

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Unter dem englischen Namen Hue suchen Sie nach dem Farbton. Der Wert wird im Farbkreis in Grad definiert.

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Dieser Wert zeigt die Sättigung oder die „Blässe“ einer Farbe an.

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Mit der Einstellung der Helligkeit bestimmen Sie, wie hell oder dunkel die Farbe sein wird.

Farben können technisch gut definiert und beschrieben werden. Wir werden uns aber mehr für ihre subjektive Wahrnehmung interessieren, als für die Wellenlänge einzelner Farben.

Die Psychologie der Farben ist großartig, weil sie Ihnen sagt, wie Farben uns beeinflussen, was aber für einzelne Farben gilt. Und vergessen Sie nicht, dass am Ende jeder eine andere Lieblingsfarbe hat.

Wussten Sie, dass einige Nationen nicht für alle Farben einen Namen in ihrer Sprache haben, wie wir sie kennen?

Werkzeuge zum Arbeiten mit Farben

Auf Fotografien stoßen wir normalerweise auf eine Darstellung von mehreren Farben. Hinzu kommt der Kontrast und das gegenseitige Gleichgewicht der Farben oder ihre Harmonie. Und hier können wir uns auf etwas stützen. Es sind die verschiedenen Arten von Kontrasten und Farbharmonien, die bestimmen, ob das Bild als Ganzes in Bezug auf Farbe ästhetisch attraktiv ist oder ob „etwas nicht stimmt“.

Arten von Kontrasten

Zwei Farben, die einen deutlich unterschiedlichen Charakter haben, fallen noch mehr auf, wenn wir sie auf einem Foto festhalten. Die Kontraste sind meist tonal, wobei der Schatten die Hauptrolle spielt. Aber vergessen wir nicht die Kontraste, die über diese Eigenschaft der Farben hinausgehen. Es gibt beispielsweise den Lichtkontratt In der Schwarzweißfotografie.

Der Schweizer expressionistische Maler Johannes Itten hat bereits sieben Arten von Kontrasten klassifiziert:

  • Der Lichtkontrast ist am auffälligsten, weil das menschliche Auge die Helligkeit am besten unterscheidet. Der Lichtkontrast zwischen Weiß- und Schwarztönen macht sich auf einem Schwarzweißfoto am deutlichsten bemerkbar, aber Sie werden ihn auch bei Farben bemerken.

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  • Komplementärer Kontrast ist ein starker Farbkontrast auf der gegenüberliegenden Seite des Spektrums.

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  • Der Temperaturkontrast hängt mit der menschlichen Farbwahrnehmung zusammen. Warme Farben sind Sonnen- und Feuertöne. Kalte Farben verbinden wir mit Eis und Wasser.

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  • Der Sättigungskontrast hilft uns dabei, einen subtilen Effekt zu erzielen, der dem Kontrast von Komplementärfarben entgegengesetzt ist.

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  • Der proportionale Kontrast wirkt sich auf den Bereich jeder Farbe aus. Gesättigte und klare Farben benötigen weniger Bereich, um hervorzustechen.

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  • Der simultane Kontrast könnte einfach als Kontrast ungenauer komplementärer Paare definiert werden. Die Farben versuchen sich näher zu kommen.

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  • Der Elementarkontrast entsteht bei Verwendung von drei oder mehr Primärfarben.

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Prinzipien der Farbharmonie

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Das vereinfachte RGB-Farbrad zeigt Primär- und Sekundärfarben an.

Die Regeln der Ästhetik, die die Theorie der Farbharmonie bilden, gelten vor allem für reine Farben. Wenn wir mit weniger gesättigten Farben arbeiten, ist es ratsam, nach Gefühl zu arbeiten. Die Harmonie der Farben lässt neutrale Farben aus, d. h. Schwarz- und Weißtöne. Diese sind in Harmonie mit jeder Farbe. Wir zeigen 5 grundlegende Harmonien, die im RGB-Farbrad definiert sind.

Der erste Farbkreis wurde von Isaac Newton nach den sieben Grundfarben des Regenbogens zusammengestellt. Künstler und Maler verwenden Rot, Gelb und Blau als Grundfarben. Sie können auch noch auf das RYB-Farbrad stoßen.

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Wenn Komplementärfarben zu aggressiv wirken, können wir einen natürlicheren, aber dennoch starken Kontrast erzielen, indem wir von der ursprünglichen Achse abweichen.

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Dies ist ein feinerer Kontrast als der vorherige, aber gleichzeitig ist er auch ausgeglichener. Die Farben sind nämlich im Farbkreis gleich weit voneinander entfernt.

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Drei Farben, die im Farbkreis nahe beieinander liegen. Keine Farbe tritt in den Vordergrund, die Kombination wirkt harmonisch.

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Der monochrome Kontrast hängt nicht mit dem Farbkreis zusammen, sondern arbeitet mit einem Farbton in unterschiedlicher Helligkeit.

Achten Sie beim Fotografieren auf die einzelnen Farben. Wie wirkt sie auf Sie? Suchen und identifizieren Sie individuelle Kontraste und Harmonien. Sie möchten draußen fotografieren und suchen einen geeigneten Hintergrund? Wie passt die Wand zu Ihrem Model? Passt die Szene zur Kleidung? Sie werden die Wand eines Hauses nicht neu streichen, können dem Model aber im Voraus mitteilen, welche Farbe der Kleidung vorzubereiten ist.

Sie können die Farben nicht nur beim Fotografieren beachten. Sie können sich ständig mit Ihrem fotografischen Auge umsehen und sich darauf konzentrieren, wie Profis mit Farben arbeiten. Sie können gute Arbeit mit Farben auf Postern, Werbetafeln, Titelseiten von Zeitschriften, Internetgrafiken oder auf der Verpackung Ihrer Lieblingssüßigkeiten sehen. Und Sie werden sicherlich noch viele weitere Beispiele finden.

Hausaufgabe: Finden Sie mindestens fünf Beispiele für gute (oder schlechte) Farbarbeit in Ihrer Umgebung!

Im nächsten Teil werden wir Beispiele aus der Geschichte zeigen und wie sich die Arbeit mit Farben und Color Grading in der Filmindustrie entwickelt hat, die als Inspiration für Fotografen angesehen werden kann – und bis heute ist das Video sozusagen einen Schritt voraus. Aber es spielt überhaupt keine Rolle, als Fotografen können wir darauf aufbauen und uns inspirieren lassen.

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Letzte Änderung 21. August 2020

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Autor: Tomas Galik

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