Bewegung zum eigenen Vorteil nutzen

Viele Fotografen versuchen die Bewegung perfekt einzufrieren, aber manchmal lohnt es sich eine Ausnahme zu machen. Fotografieren kann nämlich viel kreativer sein. Es genügt schon, die Bewegungsunschärfe richtig zu nutzen. Erfahren Sie, wie man die Bewegung in drei verschiedenen Bereichen fotografieren.

Bewegung zum eigenen Vorteil fotografieren

Dynamik bzw. Bewegung gehört beispielsweise zum Sport oder zu Reportagen. Und dank langen Verschlusszeiten ist auch jede Nachtaufnahme in gewisser Weise eine Zeitrafferaufnahme. In allen drei Fällen können Sie die Bewegungsunschärfe zu Ihrem Vorteil nutzen und die Szene so deutlich beleben.

Sport und kreatives Fotografieren von Bewegung? Probieren Sie Panning aus

Sport und Bewegung gehören einfach zusammen. Gerade bei Sportveranstaltungen finden Sie Verwendung der sogenannten Panning-Technik.

Beim Panning fokussieren Sie auf ein sich bewegendes Objekt und folgen ihm im Sucher bis zur Betätigung des Auslösers. Sie verlieren somit nicht das Objekt aus dem Auge und bei einer langen Belichtungszeit erreichen Sie zusätzlich noch eine verschwommene Umgebung auf dem Bild.

Faktoren, die diesen Effekt beeinflussen, sind neben der eben genannten langen Belichtungszeit auch die relative Geschwindigkeit des Objektes gegenüber dem Hintergrund.

Beim Panning spielt auch die Verwendung der Brennweite des Objektivs sowie die Entfernung zum Hauptmotiv eine wichtige Rolle. Es gibt zwar keine allgemeine Anleitung, welche Verschlusszeit man nehmen muss, aber nach ein paar Versuchen werden Sie selbst feststellen, welche Kombination und Zeit gut ist. Dennoch habe ich ein paar Ratschläge für Sie.

Es ist selbstverständlich, dass Sie viel einfacher die Hand des Volleyballspielers beim Schmettern oder einem rasenden Rennwagen verschwommen darstellen können, als ein Segelboot auf ruhigem Wasser. Gerade bei sonnigen Tagen geraten Sie ganz schnell in die Situation, wo der Automatikmodus Ihnen kaum Chancen auf eine Verlängerung der Verschlusszeit bietet.

Suchen Sie in diesem Fall nicht nach einem Fehler der Fotokamera, weil genauso soll sich die Kamera verhalten. Selbst bei schlechteren Lichtverhältnissen wird zunächst die Blende sowie anschließend die Lichtempfindlichkeit erhöht (beim Auto-ISO). Erst wenn jetzt nichts mehr zu einer ausgeglichenen Belichtung führt, dann greift der Automodus auf die Verschlusszeit zurück. Ich persönlich würde die Automatik ganz vermeiden.

Verwendung der Panning-Technik beim Sport, in diesem Fall beim Biathlon.

Verwendung der Panning-Technik beim Sport, in diesem Fall beim Biathlon.
Canon EOS 400D, Tokina 12-24 mm f/4.0, 1/20 s, f/13, ISO 200, Brennweite 14 mm (EQ 35: 22 mm)

Beim Fotografieren der Bewegung ist es besser, weitere Modi zu verwenden. Zur Auswahl steht die volle Kontrolle der Einstellungen im manuellen Modus (M) oder ein etwas einfacherer Modus ist die Zeitvorwahl. Im Falle des Panning ist es gut, wenn man mit einer Verschlusszeit beginnt, bei der man noch mit Leichtigkeit Aufnahmen aus der Hand schafft. Danach kann man mit schrittweise längeren Verschlusszeiten arbeiten, bis man mit dem Ergebnis sowohl technisch als auch visuell zufrieden ist.

Eigentümer von Kompaktkameras, die die Belichtung nicht direkt beeinflussen können, können die einfallende Lichtmenge auf den Sensor mithilfe von Graufiltern reduzieren.

Wie fotografiert man die Bewegung bei Landschaftsaufnahmen?

Ist Ihnen schon mal eingefallen, warum Landschaftsfotografen so viel Ausrüstung bei sich tragen? Die Sicherung der Komposition hilft dem Fotografen dabei, sich ausschließlich auf die Kameratechnik zu konzentrieren. Dies ist insbesondere dann wichtig, wenn Sie auf das richtige Licht warten.

Ein weiterer Grund ist, dass man mithilfe eines Stativs deutlich einfacher ein Panoramabild erstellt. Ferner hat man mehr Möglichkeiten mit der Belichtungszeit zu experimentieren.

Ein Wasserfall im Herbst bei der Verwendung einer langen Belichtungszeit.

Ein Wasserfall im Herbst bei der Verwendung einer langen Belichtungszeit.
Canon EOS 400D, Canon EF 50 mm f/1.8, 6 s, f/3.5, ISO 100, Brennweite 50 mm (EQ 35: 80 mm)

Stellen Sie sich einen dramatischen Anblick der Landschaft mit klaren Strukturen des Himmels vor. Ein Bild kann alleine schon deswegen interessant sein, aber manchmal können die Strukturen zu konkret sein. Ich meine hiermit eine unendliche Schärfentiefe, die die Aufmerksamkeit vom Hauptmotiv der Landschaft abwendet. Gerade in solchen Fällen eignet es sich sehr gut, den Himmel mithilfe einer längeren Verschlusszeit leicht verschwommen aussehen zu lassen.

Die Zeit ist vom Wolkentyp ab. Bei manchen Typen genügen schon ein paar zehntel Sekunden. In anderen Fällen sind wiederum mehrere Minuten nötig. Solche langen Verschlusszeiten bedeuten jedoch auch, dass mehr Licht auf den Sensor fällt, was in diesem Fall unerwünscht ist.

Sie können daher bis zur Dämmerung warten, müssen jedoch mit einer geringeren Lichtintensität rechnen, wodurch wieder der natürliche Zauber verloren geht. Eine bessere Lösung ist die Erhöhung der Blende. Aber auch in diesem Fall handelt es sich um einen Kompromiss, weil die Möglichkeit die Blendenzahl zu erhöhen nicht bis ins Unendliche möglich ist. Wenn Sie die Blende zu hoch einstellen, dann führt dies wiederum paradoxerweise zu einem Verlust der Schärfe.

Zum Fotografieren von Wolken ist es daher am besten, einen Neutral-Graufilter zu verwenden, den Sie vor das Objektiv montieren.

Denken Sie aber daran, dass es bei Filtern mit so einer niedrigen Durchlässigkeit oftmals zu Schwierigkeiten bei der Fokussierung kommt. Daher ist es am besten, die Fokussierung noch vor der Montage des Filters durchzuführen und dann zum manuellen Fokus zu wechseln (falls vorhanden).

Unterschiedliche Belichtungszeiten mit fließendem Wasser.

Unterschiedliche Belichtungszeiten mit fließendem Wasser. Links: Canon EOS 400D, Tokina 12-24mm f/4.0, 1/2 s, f/4, ISO 400, Brennweite 18 mm (EQ 35: 29 mm). Rechts: Canon EOS 400D, Tokina 12-24mm f/4.0, 13 s, f/9, ISO 100, Brennweite 18 mm (EQ 35: 29 mm)

Diese Technik findet auch beim Fotografieren von fließendem Wasser Verwendung. Je nach der Geschwindigkeit des Wasserstroms reicht schon eine geringe Verlängerung der Belichtungszeit aus, diesen „milchigen“ Effekt des Wassers zu erzielen. Es liegt vor allem am Auge und dem Geschmack des Fotografen, wie viele Kubikmeter Wasser er bei der Aufnahme vorbeifließen lässt.

Fotografieren von Bewegungen bei Nacht

Der Vorteil beim Fotografieren bei Nacht ist das wenige Licht, wodurch wiederum Aufnahmen mit längeren Belichtungszeiten möglich sind. Das was normalerweise zu den größten Hürden bei der Fotografie gehört, kommt hier wie gerufen.

Das wenige Licht ist beispielsweise beim Fotografieren in der Stadt vorteilhaft, wo Sie in dunkleren Gassen auf viele Themen stoßen werden. Kreuzungen, Autobahnen usw. – dies ist in allen Fällen ein Spiel mit dem Licht.

Es hat sich für mich bewährt, nicht in der tiefen Nacht zu fotografieren, sondern kurz vor dem Sonnenaufgang oder nach dem Sonnenuntergang. Der Kontrast zwischen den Lichtern und Schatten ist nämlich zu dieser Zeit noch nicht so groß. Dank diesem Fakt vermeiden Sie Probleme mit dem Dynamikumfang.

Licht und Bewegung der Stadt bei Nacht.

Licht und Bewegung der Stadt bei Nacht. Canon EOS 400D, Canon EF 70-210mm f/3.5-4.5 USM, 67 s, f/16, ISO 100, Brennweite 210 mm (EQ 35: 336 mm)

Auch beim Fotografieren bei Nacht gelten die gleichen Regeln: ein Stativ idealerweise mit einem Selbstauslöser. Sie können auch Geld in einen Fernauslöser investieren (egal ob per Funk oder Kabel). Dank einem Fernauslöser müssen Sie keine Angst vor Verwacklungseffekten haben.

Dies werden Sie insbesondere im Modus Bulb (B) wertschätzen. Sie finden diesen Modus insbesondere bei Fotokameras der mittleren und Premiumklasse. Der Zauber dieses Modus liegt darin, dass die Blende so lange geöffnet bleibt, wie lange Sie den Auslöser gedrückt halten.

Keine Angst vor misslungenen Aufnahmen

Falls Sie selbst nach längerem Probieren das Gefühl haben, dass Ihre Fotos nicht zufriedenstellend sind, dann sollten Sie dennoch die Ruhe bewahren. Auch beim Fotografieren benötigt man seine Zeit und gerade bei Panning muss man sich dies mehrmals in Erinnerung rufen. Selbst Profis gelingt es nicht immer, gleich beim ersten Versuch gelungene Ergebnisse zu erzielen.

Ferner benötigt jede Situation eine individuelle Herangehensweise – daher muss man bereits im Vorfeld mit ein paar misslungenen Fotos rechnen.

Letzte Änderung 9. Januar 2018

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Autor: Jiri Zach

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