Bewegung, Landschaft und Schnee: So fotografieren Sie Berge im Winter

Berge im Winter bieten eine wunderschöne Landschaft, extreme Kontraste sowie rasante Abfahrten auf Skipisten. In diesem Artikel finden Sie praktische Tipps zur richtigen Belichtung im Schnee, zur Arbeit mit der Verschlusszeit beim Fotografieren von Skifahrern, bewährte Kompositionsverfahren und wann Sie Minimalismus oder Schwarz-Weiß wählen sollten. Wir zeigen Ihnen, wie Sie Ihre Kamera unter wechselhaften Bedingungen in den Bergen einstellen und aus einzelnen Aufnahmen eine funktionierende Fotoserie zusammenstellen können.

Was Sie in diesem Artikel erfahren

  • Wie man beim Fotografieren von Skifahrern kreativ mit langen und kurzen Verschlusszeiten arbeitet.
  • Warum ein gerader Horizont in den Bergen entscheidend ist und wie man die Drittel- und Fünftelregel anwendet.
  • Wie man mit Linien und Dreieckskomposition in der Berglandschaft arbeitet.
  • Wie man Schnee richtig belichtet, damit er weder grau noch überbelichtet ist.
  • Wann man einen minimalistischen Ansatz wählen sollte und wann Schwarz-Weiß-Fotografie.
  • Warum man Serienaufnahmen in Betracht ziehen sollte, anstatt nur nach einer einzigen Aufnahme zu streben.

Berge im Winter können fotografisch gesehen sowohl großzügig als auch tückisch sein. Sie bieten klare Linien, dramatisches Licht und eine starke Atmosphäre, aber auch extreme Kontraste und unvorhersehbare Bedingungen. Die folgenden Tipps helfen Ihnen, diese Tücken zu meistern und das Potenzial der Berge voll auszuschöpfen.

Skifahrer in Bewegung fotografieren

Bewegung, Dynamik und Maßstab erhalten Winteraufnahmen beispielsweise durch Skifahrer. Da sie sich an einem Ort konzentrieren – auf der Piste – und ihre Bewegungen vorhersehbar sind, bleibt genügend Zeit, um mit langen Verschlusszeiten zu experimentieren.

Kurze Belichtungszeiten (z. B. 1/1000 s, je nach Lichtverhältnissen) eignen sich, wenn Sie eine Aktion in einem eingefrorenen Moment festhalten möchten: Schnee, der von den Skiern aufwirbelt, der kurze Moment eines Sprungs, der verdutzte Gesichtsausdruck eines Snowboarders beim Sturz.

f/2,8, 1/2500 s, ISO 160, 75 mm © Ester Dobiášová

Längere Belichtungszeiten (z. B. 1/30 s, aber auch 1/10 s) verwischen die Bewegung der Skifahrer. Damit auf dem Foto deutlich wird, dass die Bewegungsunschärfe beabsichtigt ist und kein Fehler, sollte etwas Scharfes auf dem Foto abgebildet sein. Das kann beispielsweise ein Teil der Landschaft sein – ein Baum, ein Seilbahnmast, ein Felsen, der Rand der Piste oder eine Stelle am Hang, an der der Skifahrer vorbeifährt.

Um mit einer längeren Verschlusszeit fotografieren zu können, muss die Kamera entsprechend eingestellt werden. Deshalb habe ich das Objektiv auf f/22 abgeblendet und die ISO-Empfindlichkeit so niedrig wie möglich eingestellt. Bei einer so hohen Blende ist selbst der kleinste Fleck auf dem Objektivglas oder dem Sensor auf dem Bild zu sehen, was zu langwieriger Bildbearbeitung führt. Das sollte man bedenken und berücksichtigen. f/22, 1/10 s, ISO 100, 28 mm © Ester Dobiášová

Besonders bei längeren Belichtungszeiten ist dieses Prinzip entscheidend. Es sei denn, Sie möchten ein abstraktes Foto erstellen, für das sich die große weiße Fläche und die bunten Jacken der Skifahrer hervorragend eignen.

Komposition einer Berglandschaft

Eine grundlegende Regel, die sich in den Bergen zu beherzigen lohnt, ist die gerade Horizontlinie. Eine diagonal geneigte Horizontlinie kann einem Bild zwar Dramatik verleihen, in der Landschaftsfotografie sorgt sie jedoch für Unruhe und vermittelt das Gefühl, dass das Bild „umkippt“. Berge sind ein Symbol für Stabilität und Halt – eine diagonale Komposition nimmt ihnen diese Stabilität und schwächt ihre natürliche Kraft. Dynamik sollte man eher in Bewegung, Licht oder Linien in der Landschaft suchen, nicht in der Neigung der ganzen Welt.

© Ester Dobiášová

Drittel- und Fünftelregel: In einer offenen Landschaft funktioniert die Drittel- und Fünftelregel, die dabei hilft, das Bild in übersichtliche Teile zu unterteilen, sehr gut. Die Platzierung des Horizonts, eines Bergrückens oder einer markanten Linie außerhalb der Bildmitte verleiht dem Bild Rhythmus. Besonders im Winter, wenn die Landschaft optisch einfacher ist, hilft eine solche Unterteilung dabei, zu verhindern, dass das Bild flach wirkt.

Es stellt sich die Frage, ob der Horizont im unteren oder oberen Teil des Bildes platziert werden soll. Bei der Entscheidung hilft eine einfache Frage: Was ist in dieser Szene wichtiger? Wenn es der Himmel ist, geben Sie ihm mehr Platz. Wenn es die Landschaft, das Gelände oder die Linien im Vordergrund sind, gehört der Platz der Landschaft.

Die Fünftelregel. Mit dem Smartphone fotografiert. © Ester Dobiášová

Linien: Ein starkes kompositorisches Element sind Linien – Hänge, Wege, Skilifte, Spuren im Schnee. Diese führen das Auge des Betrachters auf natürliche Weise durch das Bild. Skispuren oder Wanderwege können zudem den Vordergrund mit dem fernen Horizont verbinden und dem Bild Tiefe verleihen.

© Ester Dobiášová

Dreieck: In Berglandschaften eignet sich auch die Dreieckskomposition sehr gut. Dabei handelt es sich nicht um eine formale Regel, sondern um die Arbeit mit einer Form, die für Berge natürlich ist. Dreiecke kann man bewusst suchen, aber oft entstehen sie von selbst – man muss nur die Formen der Hänge und Gipfel im Sucher beachten und sie auf natürliche Weise das Bild „zusammensetzen“ lassen.

Die Dreieckskomposition funktioniert so, dass das Hauptmotiv auf einer imaginären Basis steht und zum höchsten Punkt hin ausgerichtet ist. Es kann sich um einen dominanten Gipfel, eine Gruppe von Hügeln oder eine Kombination aus Hang, Weg und Himmel handeln. Das Ergebnis ist ein Bild, das ausgewogen, aber nicht statisch wirkt und den Blick auf natürliche Weise nach oben oder in die Bildmitte lenkt.

Ein und derselbe Ort im Abstand von drei Stunden. © Ester Dobiášová

Einstellung der Kamera für Aufnahmen im Schnee

Schnee ist eine der anspruchsvollsten Oberflächen für die richtige Belichtung, da die große weiße Fläche den Belichtungsmesser täuscht. Sobald eine schneebedeckte Fläche im Bild erscheint, neigt die Kamera dazu, die Belichtung zu verringern und die Szene „auszugleichen”. Wenn Sie im halbautomatischen Modus fotografieren, verkürzt er entweder die Belichtungszeit bei Blendenpriorität (Modus A oder Av) oder erhöht die Blendenzahl bei Zeitpriorität (Modus S bei Nikon/Sony, Tv bei Canon). Das Ergebnis ist grauer, trüber Schnee.

Was tun? Stellen Sie die Belichtungsmessung von Vollbild auf Spot- oder Mittenbetonung um. Die Kamera bewertet dann die Belichtung nicht mehr anhand des Lichts im gesamten Bild, sondern nur noch anhand des Bereichs, auf den Sie fokussieren. Aber Vorsicht: Wenn der Bereich, auf den Sie fokussieren, zu dunkel ist, kann das Ergebnisfoto überbelichtet sein.

Sie können auch versuchen, das Bild absichtlich leicht zu überbelichten, aber nur so weit, dass es nicht zu ausgefressenen Lichtern kommt. Entweder im manuellen Modus oder durch Belichtungskorrektur (EV). Bei Schnee wird meist eine positive Korrektur (z. B. +0,3 bis +1 EV) verwendet, damit der Schnee wirklich weiß bleibt. Die Kamera misst zwar weiterhin automatisch die Szene, verschiebt jedoch absichtlich die resultierende Belichtung. Dies ist eine schnelle Lösung in Situationen, in denen keine Zeit bleibt, in den manuellen Modus zu wechseln – beispielsweise beim Fotografieren von Skifahrern in Bewegung oder bei wechselnden Lichtverhältnissen.

Minimalismus beim Fotografieren in den Bergen

Schnee schafft ideale Bedingungen für minimalistische Fotografie. Er wirkt wie ein natürlicher Negativraum, der störende Details entfernt und das Wesentliche hervorhebt. Gerade in den winterlichen Bergen bietet sich oft die Gelegenheit, die Anzahl der Motive zu reduzieren und die Komposition insgesamt zu vereinfachen.

© Ester Dobiášová

Ein minimalistisches Bild kann auf einem sehr einfachen Motiv basieren: ein Baum, eine Figur, ein Gipfel. Eine solche Beschränkung hilft, die Botschaft klar zu halten und gleichzeitig die Stille und Ruhe der Berglandschaft zu betonen. Je weniger Elemente im Bild vorhanden sind, desto stärker kann ihre Beziehung zum umgebenden Raum wirken.

Minimalismus funktioniert außerdem gut mit Maßstäben und Alleingängigkeit. Eine kleine Figur, die sich in der weißen Fläche eines Hangs verliert, oder ein einsamer Baum in einer offenen Landschaft verleihen den Bergen Größe und Gewicht.

Wann passt Schwarz-Weiß?

Es gibt Momente, in denen Farben störend wirken – beispielsweise bei bewölktem Himmel, flachem Licht oder in Szenen, in denen Farben keine zusätzlichen Informationen liefern. In solchen Fällen hilft Schwarz-Weiß dabei, visuelle Störungen zu beseitigen und die Aufmerksamkeit wieder auf das Wesentliche im Bild zu lenken.

Die Berge im Winter sind ein idealer Kandidat für Schwarz-Weiß-Winterfotografie. Der Schnee bildet eine ideale Grundlage – er vereinheitlicht die Flächen, vereinfacht die Szene und ermöglicht es, sich auf Licht und Formen statt auf Farben zu konzentrieren. Gerade deshalb kann Schwarz-Weiß dazu beitragen, das Wesen der Berglandschaft hervorzuheben.

© Ester Dobiášová

Sie können auch mit Strukturen arbeiten. © Ester Dobiášová

Eine Serie ist mehr als nur ein schönes Foto

Berge verleiten oft dazu, nach einem einzigen starken Bild zu suchen. Einem „Gipfelbild“, das alles auf den Punkt bringt. Das Denken in Serien eröffnet jedoch viel mehr Möglichkeiten, über Ihre Erfahrungen in den Bergen zu berichten. Es hilft Ihnen, Ihre Reise im Zusammenhang zu betrachten und nicht nur als einzelne Bilder.

Eine Serie kann das Ganze, Details, Action und Ruhe kombinieren. Eine Weitwinkelaufnahme zeigt den Raum und die Größe der Berge, Details zeigen die Struktur des Schnees oder die Ausrüstung, Actionaufnahmen bringen Bewegung und Energie, ruhige Fotos hingegen Stille und Stillstand. Jede Art von Aufnahme hat ihren Platz in der Geschichte.

Wichtig ist, dass für diesen Ansatz keine hochmoderne Technik erforderlich ist. Die Geschichte kann auch mit einer Kompakt- oder Mobiltelefonkamera erstellt werden, wenn Sie eine klare Vorstellung und ein Gespür für die Abfolge der Bilder haben.

Aufgenommen im Filmkorn-Modus mit einer Kompaktkamera. © Ester Dobiášová

Berge sind nicht nur Kulisse

Berge sind nicht nur Kulisse für schöne Fotos. Sie bieten Raum zum Entschleunigen, Beobachten und Wahrnehmen von Licht und Bewegung. Sie können versuchen, jeden Tag eine Fotoserie zu machen und eine Geschichte zu erzählen.

FAQ

Warum ist Schnee auf Fotos grau? Schnee ist oft grau, weil der Belichtungsmesser der Kamera die Szene in mittleres Grau umwandelt. Eine große weiße Fläche verwirrt ihn daher und führt zu einer Unterbelichtung. Eine positive Belichtungskorrektur oder eine Spotmessung auf den hellen Teil der Szene kann hier Abhilfe schaffen.

Welche Verschlusszeit sollte man für Skifahrer wählen? Um Bewegungen einzufrieren, eignet sich eine Belichtungszeit von etwa 1/1000 s oder weniger. Wenn Sie Bewegungen kreativ verwischen möchten, probieren Sie 1/30 bis 1/10 s. Wichtig ist, dass Sie einen scharfen Fixpunkt im Bild haben, damit klar ist, dass die Unschärfe beabsichtigt ist.

Muss man im manuellen Modus fotografieren? Nein. Der halbautomatische Modus mit Belichtungskorrektur ist bei wechselhaftem Licht in den Bergen oft praktischer und schneller. Der manuelle Modus ist eher bei stabilen Bedingungen sinnvoll.

Wann ist Schwarz-Weiß-Fotografie sinnvoll? Schwarz-Weiß eignet sich bei bewölktem Himmel, flachem Licht oder dort, wo Farben keine zusätzlichen Informationen liefern. Es hilft, Formen, Strukturen und Kontraste der Winterlandschaft hervorzuheben.

Muss man teure Ausrüstung haben? Nicht unbedingt. Für das Erzählen einer Geschichte sind Komposition, Licht und Idee wichtiger als der Kameratyp. Eine gute Serie lässt sich auch mit einer Kompaktkamera oder einem Handy erstellen.

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AutorEster Dobiášová

Ich bewundere (nicht nur) Dokumentarfotografen und versuche in meiner eigenen Arbeit Serien zu erstellen, die durch einen lesbaren Gedanken verbunden sind, aber Raum für eigene Fantasie und Geschichten lassen. Ich mache auch Reportage- und Reisefotografie und leite seit drei Jahren Fotokurse für Teenager. Meine Arbeit können Sie sich auf meiner Website ansehen.

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