Beherrschen Sie das Fotografieren der Sternspuren. 5 Tipps, wie man Startrails fotografiert

Faszinierende Aufnahmen von Sternen, die sich am Himmel bewegen und Sternspuren hinter sich lassen. Solche Fotos interessieren wohl jeden, der einmal das Fotografieren von Sternen ausprobieren wollte. Es ist viel einfacher solche Bilder zu machen, als man auf den ersten Blick denken könnte. Erfahren Sie in diesem Artikel, wie man solche Aufnahmen macht.

Beherrschen Sie das Fotografieren der Sternspuren. 5 Tipps, wie man Startrails fotografiert: Sternspuren über der Bergruine Zubštejn.

Bei Startrails handelt es sich um eine Zeitrafferaufnahme der Sternbewegung am Nachthimmel. Die beste Zeit zum Fotografieren ist die Morgen- oder Abenddämmerung. Und die Geduld sowie Bereitschaft ist in diesem Fall viel wichtiger, als der Scharfsinn sowie die Fähigkeit zu improvisieren. Das Fotografieren der Sternbewegung dauert nämlich mehrere Stunden. Berücksichtigen Sie daher auch Ihre zeitlichen Möglichkeiten.

Eine gute Vorbereitung ist das A und O

Bevor Sie damit beginnen Ihr Stativ einzupacken, muss noch viel Vorarbeit geleistet werden. So sollten Sie beispielsweise im Vorfeld den geplanten Aufnahmeort erkunden. Idealerweise Nachts, wo die ganze Szene einschließlich der Lichtdetails gut erkennbar wird und die Sie so am Tag nicht mitbekommen. Ferner hilft Ihnen dieser Schritt dabei, in Erfahrung zu bringen, wo genau sich der Polarstern befindet, also den Stern, um den sich praktisch alles dreht.

Vergessen Sie auch nicht zu überprüfen, in welcher Phase sich der Mond befindet. Beim Fotografieren der Sterne ist ein Vollmond nicht gerade wünschenswert. Aber manchmal hilft er auch bei der Frage mit der Belichtung der Szene. Aber auf die Aufnahme sollte er auf jeden Fall nicht erscheinen.

Behalten Sie die Situation unter Kontrolle

Grundvoraussetzung beim Fotografieren der Startrails sind gute Windbedingungen. Aber ein klarer Himmel alleine reicht noch nicht aus.

Es genügt nicht, nur die entsprechenden Sterne zu entdecken, sondern Sie müssen sich auch die ganze Zeit über Ihrem Kopf während der Aufnahme befinden. Sonst erhalten Sie in Ihren Aufnahmen anstatt Sternspuren, lediglich isolierte und voneinander getrennte Linien. Sie sollten in sich den Meteorologen wecken, der in der Lage ist, die Entwicklung der Situation in den nächsten Stunden richtig abzuschätzen.

Arbeiten Sie aber in erster Linie mit dem aktuellen Wetter, welches zu dieser Zeit am Ort herrscht.

Machen Sie auch Bekanntschaft mit den neuesten Wettervorhersage-Modellen, Aufnahmen von Satelliten, weil hierdurch eine genauere Abschätzung des voraussichtlichen Wetters möglich ist. Denken Sie auch daran, dass neben der Bewölkung auch große Temperaturschwankungen unangenehm werden können.

Die Vorbereitung der Komposition und das zusammengesetzte Bild. Canon EOS 400D, Tokina 12-24 mm f/4.0, 80×30 s, f/5, ISO 800, Brennweite 12 mm (EQ 35: 19 mm)

Die Auswahl des Standorts ist elementar

Falls Sie darüber nachdenken, wie man den Himmel bei Nacht fotografiert, damit die Sterne klar sichtbar sind, dann sollten Sie Lichter der Stadt vermeiden. Dieses Licht ist überflüssig und stellt sowohl für Astronomen sowie Fotografen ein großes Problem dar. Je weiter man von solchen Lichtquellen entfernt ist, desto bemerkbarer macht sich dies an der Klarheit des Sternenhimmels.

Verlassen Sie sich in diesem Fall auch nicht darauf, dass Sie in diesem Fall bessere Ergebnisse mit einer teureren Kamera oder einem Bildbearbeitungsprogramm erzielen.

Nicht weniger wichtig ist die Höhe über dem Meeresspiegel. Für bessere Luft und weniger Lichtsmog eignen sich Berge am besten. Problematisch hingegen sind Täler in der Nähe eines Flusses, wo zudem noch die Gefahr besteht, dass bei der Abenddämmerung der Nebel auftaucht.

5 Tipps, wie man Startrails fotografiert: Kassiopeia.

Ausschnitt Kassiopeia. Canon EOS 400D, Canon EF-S 18-55 mm f/3.5-5.6, 230×30 s, f/3.5, ISO 800, Brennweite 18 mm (EQ 35: 29 mm)

Geeignete Ausrüstung für Startrail-Aufnahmen

Ihre Ausrüstung gibt viel Auskunft darüber, welche Ergebnisse Sie erzielen können und wo Sie an die Grenzen stoßen. Bereiten Sie daher Ihre Ausrüstung gut vor und überprüfen Sie sie auf ihre Funktionsfähigkeit, bevor Sie sich auf den Weg machen.

Fehlen sollte nicht:

  • ein gutes Stativ – die Stabilität ist beim Fotografieren von Sternen sehr wichtig. Bei langen Belichtungszeiten werden hohe Anforderungen an das Stativ gestellt und ein schlecht gewähltes Stativ wird sich mehr als bei üblichen Fotos bemerkbar machen.
  • eine geeignte Fotokamera – für das Fotografieren von Sternspuren benötigen Sie den manuellen Modus (M) mit möglichen Belichtungszeiten von mindestens 30 s, eventuell im Modus Bulb (B). Falls Sie also eine Spiegelreflexkamera besitzen, dann haben Sie schon gewonnen.
  • Fernauslöser – hierdurch vermeiden Sie Verwacklungseffekte, die ansonsten bei der Berührung der Kamera auftreten können.
  • geeignete Kleidung – Sternspuren können Sie nur bei Nacht erstellen, daher sollten Sie mit niedrigeren Außentemperaturen rechnen. Glauben Sie mir, dass selbst in einer Sommernacht die Temperaturen so niedrig sind, dass ein T-Shirt kaum ausreicht. Eine Decke sowie Handschuhe sind daher nie Fehl am Platz.
  • ein Batteriegriff mit weiteren Akkus – da Sie auch bei kalten Temperaturen die Fotokamera mehrere Stunden im Einsatz haben werden, ist die Akkukapazität nur eines Akkus nicht ausreichend. Nehmen Sie daher einen Batteriegriff mit.
  • einen Kompass bzw. ein Smartphone mit einer Sternenkarte – gerade gelegentliche Beobachter des Nachthimmels müssen in der Lage sein, mindestens den großen Wagen am Himmel zu erkennen und dementsprechend den Polarstern zu orten.
  • eine rote Diode – aufgrund der Dunkelheit, werden Sie dazu geneigt sein, eine Taschenlampe einzusetzen. Viel besser eignet sich jedoch eine rote Diode. Zwar ist die Leistung nicht mit dem klassischen Licht vergleichbar, aber in diesem Fall ist die rote Diode unbezahlbar.

Denken Sie auch daran, dass der Blick auf das Display der Kamera oder anderen Lichtquellen für die Augen gewöhnlich nicht gerade angenehm ist bei Nacht. Kontrollieren Sie daher nicht unnötig oft das Display der Fotokamera.

5 Tipps, wie man Startrails fotografiert: Ein Sternenhimmel über dem Burgtor.

Ein Sternenhimmel über dem Burgtor. Canon EOS 400D, Canon EF-S 18-55 mm f/3.5-5.6, 39×30 s, f/3.5, ISO 800, Brennweite 18 mm (EQ 35: 29 mm)

Die Komposition von Startrails umfasst nicht nur Sterne

Beim Fotografieren von Sternen spielt sicherlich deren Bewegung am Nachthimmel die Hauptrolle. Ich wage es zu behaupten, dass mindestens einer der Himmelpole erfasst wird. Es sieht einfach gut aus und ferner erhalten Sie ein Bild mit relativ konzentrischen Kreisen.

Denken Sie auch daran, dass die Objektivverzerrung eine Deformation zur Folge hat, die insbesondere an den Rändern der Aufnahme sichtbar sind. Es gilt auch, je niedriger die Brennweite (also breiterer Aufnahmewinkel) ist, desto sichtbarer wird dieser Effekt.

Vergessen Sie bei der Startrails-Technik nicht an die Komposition des Bildes zu denken – also auch ein geeigneter Vordergrund.

Denken Sie auch daran, dass Sie bis ins Unendliche fokussieren. Somit kann es passieren, dass Objekte, die nur ein paar Meter entfernt sind, keine richtige Zeichnung aufzeichnen. Ist man weit von Städten entfernt, dann steht einem nicht viel Licht zur Verfügung – das Vorhaben ein dunkles Element in das Bild hineinzukomponieren wird dadurch erschwert. Sie können die Szene daher beleuchten. Es ist aber wichtig, dass Sie mit Gefühl arbeiten, damit Sie die natürliche Helligkeit über dem Horizont beibehalten.

5 Tipps, wie man Startrails fotografiert: Sterne und Zug.

Es müssen nicht nur Sterne sein. Hier fuhr ein Zug vorbei. Canon EOS 400D, Tokina 12-24mm f/4.0, 140×30 s, f/5, ISO 1600, Brennweite 12 mm (EQ 35: 19 mm)

Die richtige Kameraeinstellung

Durchdenken und kontrollieren Sie bewusst die Einstellungen der Fotokamera. Die Fokussierung ist ausschlaggebend. Suchen Sie bei eingeschaltetem automatischen Autofokus einen hellen und klaren Punkt in der Entfernung und halten Sie den Fokus hierauf fest. Danach müssen Sie wieder zum manuellen Fokus wechseln, ohne dabei versehentlich neu zu fokussieren! Falls Sie sich nicht ganz sicher sind, dann sollten Sie ein paar Kontrollaufnahmen machen.

Das Fotografieren der Bewegung der Sterne können Sie schon vor dem eigentlichen Fotografieren ruinieren. Ein kritischer Moment ist bei der Betätigung des Auslösers. In kurzer Zeitfolge klappt der Spiegel um und die Blende öffnet sich.

Damit Sie ein verwackeltes Bild vermeiden, sollten Sie einen Fern- oder Selbstauslöser verwenden. Alle aktuellen Spiegelreflexkameras bieten heute die Möglichkeit der Spiegelvorauslösung. Falls Sie nicht wissen, wie dies bei Ihrer Kamera geht, dann sollten Sie einen Blick in die Bedienungsanleitung werfen. Eigentümer von Kompaktkameras und spiegellosen Systemkameras müssen dies selbstverständlich nicht beachten.

Da Sie mit einem Stativ fotografieren, ist es wichtig, die Bildstabilisierung zu deaktivieren. Und es ist egal, ob die Stabilisierung direkt im Gehäuse oder im Objektiv verbaut ist. Wenn Sie die Funktion aktiviert lassen, dann kommt es in diesem Fall durch die Stabilisierung zu verwackelten Bildern.

2 Einstellungsmöglichkeiten beim Fotografieren von Startrails

Die Einstellungen bei der Bewegung der Sterne zu meistern, ist ganz bestimmt keine Selbstverständlichkeit. Allein über diese Problematik könnte man einen Artikel schreiben. Aber einfach gesagt, es gibt zwei Methoden, die Sie verwenden können:

  • Alles mit einem Bild im Modus B fotografieren.
  • Mehrere Aufnahmen mit einer kürzeren Verschlusszeit anfertigen (aber immer noch im Bereich mehrerer Sekunden), die Sie anschließend zusammenfügen.

Beide Vorgehensweisen haben Ihre Vorteile, keine dieser Methoden gilt jedoch als klarer Sieger. Nichtsdestotrotz ist die Wahl einer Aufnahme (also Single-Shot), die einfachste Variante.

5 Tipps, wie man Startrails fotografiert: Nicht nur mit dem Licht der Sterne über der Burgruine Zubštejn zaubern.

Nicht nur mit dem Licht der Sterne über der Burgruine Zubštejn zaubern. Canon EOS 400D, Canon EF-S18-55mm f/3.5-5.6, 30 s, f/3.5, ISO 800, Brennweite 18 mm (EQ 35: 29 mm) und Canon EOS 400D, Canon EF-S 18-55mm f/3.5-5.6, 54×30 s, f/3.5, ISO 800, Brennweite 18 mm (EQ 35: 29 mm)

Bei den Belichtungseinstellungen hilft selbst der ansonsten so zuverlässige Belichtungsmesser nicht. Da Sie jedoch soviel Licht wie nur möglich einfangen müssen, kann eine ideale Einstellung folgendermaßen aussehen:

  • Blendenzahl falls es nicht unbedingt nötig ist (schlechtere optische Eigenschaften, Schärfentiefe), dann wählen Sie eine offene Blende.
  • Lichtempfindlichkeit ist ein Kompromiss zwischen dem Bildrauschen und der Helligkeit, gewöhnlich ISO-Werte zwischen 8003200.
  • Verschlusszeit (zusammenfassend) für Weitwinkelaufnahmen mit dem Polarstern empfehle ich Verschlusszeiten, die nicht kürzer als 1 Stunde sind, was das Minimum darstellt. Aber mit Brennweiten von 100 mm ist auch eine kürzere Verschlusszeit möglich.

Der Zauber im Fotografieren der Sternspuren liegt in der Sammlung von Erfahrung und der Möglichkeit, sich von anderen Autoren mit ähnlichen Aufnahmen inspirieren zu lassen. Probieren Sie es daher auch aus und teilen Sie mit uns Ihre Erfahrungen sowie Ergebnisse. Wir wünschen viele klare Nächte.

Letzte Änderung 16. Januar 2018

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Autor: Jiri Zach

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