5 Ausrüstungsteile, die Fotoeinsteiger unnötig kaufen

Jeder Einsteiger möchte beim Fotografieren professionell wirken, und die Hersteller von Fotoausrüstung verdienen daran gerne mit. Wir nehmen fünf beliebte Zubehörteile und Ausrüstungsstücke unter die Lupe, für die Sie oft eher für das Gefühl von Professionalität bezahlen als für tatsächlich bessere Fotos. Wir zeigen Ihnen, wann sich diese Ausrüstung wirklich lohnt und wann es sich eher um eine unnötige und verfrühte Ausgabe handelt.
Was Sie in diesem Artikel erfahren
- Wann eine Gegenlichtblende praktischen Sinn hat und wann es nur um die Optik geht.
- Warum ein großes Teleobjektiv im Studio die Arbeit eher erschwert als erleichtert.
- Wem sich ein Batteriegriff lohnt und wem nicht.
- Ob das teuerste Kameragehäuse automatisch bessere Fotos bedeutet.
- Wann sich ein Stativ für Familienfotos lohnt und wann es nur unnötiger Ballast ist.
Jeder Fotograf möchte professionell wirken. Und das gilt doppelt, wenn man mit dem Fotografieren gerade erst anfängt. Ich erinnere mich noch gut daran – man hat das Gefühl, dass einen die anderen ernster nehmen, wenn man dieselbe Technik hat wie erfahrene Fotografen. Doch vieles, was auf den ersten Blick „professionell“ wirkt, bringt einem Einsteiger in Wirklichkeit fast nichts.
Oft handelt es sich nur um Zubehör oder Ausrüstung, die erst dann sinnvoll ist, wenn Sie bereits Ihren eigenen Stil und Ihr Genre gefunden haben und genau wissen, warum Sie sie brauchen. Ich selbst habe einiges von dem hier Beschriebenen durchgemacht, es geht in diesem Artikel also keineswegs darum, sich über irgendjemanden lustig zu machen. Eher um eine kleine Abkürzung für alle, die nicht unnötig und vor allem nicht vorzeitig viel Geld ausgeben möchten.
1. Gegenlichtblende

Dank ihr wirkt sogar ein kleineres Objektiv größer und der Fotograf ein bisschen professioneller. Tatsächlich hat die Gegenlichtblende zwei Hauptfunktionen.
Die erste besteht darin, das Auftreffen von hartem Sonnenlicht zu verhindern, das Reflexionen verursachen oder den Kontrast des Bildes verringern kann. In vielen Situationen erfüllt jedoch auch Ihre freie Hand denselben Zweck, wenn Sie das Licht damit abschirmen.
Die zweite Funktion ist der Schutz des Objektivs bei einem Stoß – wenn Ihnen die Kamera herunterfällt, kann die Blende einen Teil der Energie absorbieren und die vordere Linse retten. Zum Schutz des Glases würde ich aber viel eher einen hochwertigen UV-Filter empfehlen. Er ist unauffällig, platzsparend, beeinflusst die Fotos nicht, und im schlimmsten Fall zerbricht der Filter statt des vorderen Objektivelements.

Ein Nachteil der Gegenlichtblende kann sein, dass sie bei einem Zoomobjektiv im weiteren Brennweitenbereich in den Bildrand hineinreicht und eine Vignettierung verursacht.
2. Ein großes Teleobjektiv

Je länger das Objektiv, desto größer der Respekt. Zumindest denken das manche. Ich kenne einen Fotografen, der Kunden im Studio nur deshalb mit einem Teleobjektiv fotografiert, weil ein großes Glas für das Laienauge professioneller wirkt als ein gewöhnliches Fünfziger-Objektiv. Tatsächlich erschwert er sich damit aber eher die Arbeit.

Sie stehen viel weiter vom Modell entfernt, was die Kommunikation unnötig erschwert. Wenn Sie zwischendurch das Licht anpassen, legen Sie wegen der Entfernung jede Menge zusätzliche Schritte zurück. Und die Fähigkeit des Teleobjektivs, den Hintergrund stark unscharf zu machen, nutzen Sie im Studio oft ohnehin nicht. Entweder fotografieren Sie vor einem Papierhintergrund, wo Bokeh völlig überflüssig ist, oder Sie haben ein schönes Interieur, das es schade wäre, in einen bunten Farbbrei zu verwandeln.
3. Batteriegriff

Sie setzen den Griff auf, und die Kamera wirkt plötzlich viel größer und professioneller. Die meisten Amateure nutzen seine Vorteile jedoch überhaupt nicht. Den zweiten Akku können Sie ebenso gut in der Tasche tragen und sich damit einige hundert Gramm zusätzliches Gewicht sparen. Wenn Sie nicht Tausende von Aufnahmen pro Tag machen oder lange Events ohne Pause filmen, bringt Ihnen der Griff meist nichts Wesentliches, sondern nimmt nur Platz in der Tasche weg.

Eine Ausnahme können Fotografen mit größeren Händen sein, die ein kleines Kameragehäuse ohne Griff schlecht halten können. Sinn ergibt er vor allem für Sport- oder Reportagefotografen, die wirklich keine Zeit für nicht einmal einen kurzen Akkuwechsel haben. Für die meisten Einsteiger ist er jedoch eher eine Frage der Optik als des tatsächlichen Bedarfs.
4. Das teuerste Gehäuse

„Wenn ich mir die beste Kamera kaufe, werden meine Fotos automatisch besser.“ Das ist eine Vorstellung, auf der die Technikhersteller natürlich gerne aufbauen. Die Realität sieht aber anders aus. Mit einem Flaggschiff-Modell lernen Sie das Fotografieren nicht schneller als mit einer gut ausgestatteten Kamera der Mittelklasse.
Flaggschiff-Geräte bieten enorme Vorteile für Sport-, Reportage- oder Motorsportfotografen. Sie bieten extrem schnelle Serienaufnahmen, einen erstklassigen Autofokus und hohe Robustheit. Wenn Sie jedoch Porträts, Landschaften, Familie oder Reisen fotografieren, nutzen Sie nur einen kleinen Teil ihrer Möglichkeiten. Einen viel größeren Unterschied als ein teureres Gehäuse machen ein hochwertiges Objektiv, gutes Licht und vor allem die Erfahrung des Fotografen.

Und gestehen wir uns noch etwas ein: Nicht jeder kauft sich ein Flaggschiff-Modell, weil er dessen Möglichkeiten wirklich braucht. Manchmal steckt einfach die Freude dahinter, das Beste zu besitzen. Und manchmal auch der Wunsch, das Umfeld und sich selbst zu beeindrucken. Daran ist nichts falsch, solange Sie wissen, dass Sie sich damit nicht bessere Fotos kaufen, sondern eher ein teureres Spielzeug. Schade wäre es nur, zu erwarten, dass die Rechnung aus dem Fotofachgeschäft die Stunden ersetzt, die Sie mit dem Fotografieren verbringen.
5. Ein Stativ für jedes Familienfoto

Manche Einsteiger stellen jedes Mal ein Stativ auf, wenn sie die Kamera herausholen. Dabei wirken sie plötzlich viel seriöser. Doch während Sie das Stativ aufbauen und die Höhe einstellen, machen die Kinder längst schon etwas ganz anderes.
Die meisten Familienfotos entstehen problemlos aus der Hand. Moderne Kameras kommen mit hohen Empfindlichkeiten sehr gut zurecht, und die Bildstabilisierung hilft auch bei schlechterem Licht. Außerdem bewegen sich Menschen bei einem gewöhnlichen Shooting, sodass auch ein Stativ ihre Unschärfe nicht verhindert.

Ohne Stativ kommen dagegen Landschaftsfotografen, Produktfotografen oder alle, die Langzeitbelichtungen fotografieren, nicht aus. Für Einsteiger, die von allem ein bisschen ausprobieren, ist es aber oft nur ein weiteres Ausrüstungsstück, das sie unnötig mit sich herumtragen.
Einen Profi erkennen Sie nicht an der Größe des Objektivs oder am Preis der Kamera. Sie erkennen ihn daran, dass er genau weiß, warum er gerade die Technik in der Hand hält, die er benutzt. Einsteiger kaufen Ausrüstung oft, um wie Fotografen auszusehen. Erfahrene Fotografen kaufen Technik, weil sie ihnen hilft, ein konkretes Problem zu lösen.
Lesen Sie auch: 6 Gründe, warum Sie kein lichtstarkes Objektiv brauchen
FAQ
Hat eine Gegenlichtblende einen praktischen Nutzen?
Ja, sie schützt vor Reflexionen und verringertem Kontrast durch hartes Seitenlicht und dämpft teilweise den Stoß, wenn die Kamera herunterfällt. In vielen Situationen erfüllt gegen die Sonne jedoch auch die eigene Hand denselben Zweck, und zum Schutz der vorderen Linse eignet sich besser ein hochwertiger UV-Filter.
Warum sollten Sie im Studio kein Teleobjektiv für Porträts verwenden?
Ein Teleobjektiv zwingt Sie, weit vom Modell entfernt zu stehen, was sowohl die Kommunikation als auch die Arbeit mit dem Licht erschwert, und seinen Hauptvorteil – die starke Hintergrundunschärfe – nutzen Sie in einem kleinen Studioraum ohnehin meist nicht.
Lohnt sich ein Batteriegriff für Einsteiger?
Für die meisten Einsteiger nicht – den zweiten Akku können Sie ebenso gut in der Tasche tragen. Der Griff ergibt vor allem für Fotografen mit größeren Händen Sinn oder für alle, die ohne Pause große Mengen an Aufnahmen machen, etwa bei Sportveranstaltungen.
Verbessert die teuerste Kamera automatisch meine Fotos?
Nein. Flaggschiff-Modelle bieten vor allem für Sport, Reportage oder Motorsport Vorteile durch schnelle Aufnahmen und Robustheit. Für Porträts, Landschaft oder Familienfotos haben ein hochwertiges Objektiv, gutes Licht und die Erfahrung des Fotografen einen viel größeren Einfluss.
Brauche ich ein Stativ für Familienfotos?
Meist nicht – moderne Kameras kommen auch bei schlechterem Licht gut mit hohen ISO-Werten und der Bildstabilisierung zurecht, und sich bewegende Kinder hält ein Stativ ohnehin nicht auf. Ein Stativ eignet sich eher bei Lichtmangel oder wenn Sie selbst mit auf dem Gruppenfoto sein möchten.

Hier gibt es derzeit noch keine Kommentare.