12 Klischees, die Sie vermeiden sollten

Wir alle wollen wunderschöne Fotos, aber manchmal begeben wir uns unbedacht in die falsche Richtung. Klischees verhelfen uns möglicherweise zu Beginn zu tollen Fotos, wirken mit der Zeit jedoch wie ein reiner Abklatsch. Um welche handelt es sich und vor welchen sollten wir uns hüten?

12 Klischees, die Sie vermeiden sollten

Auf der Welt gibt es Orte, die so oft fotografiert wurden, dass man eigentlich gar nicht mehr daran denken sollte, die Fotokamera herauszuholen. Dabei handelt es sich nicht nur um den Eifelturm, den indischen Tadsch Mahal oder die Tower Bridge von London. Auch die “witzige” Darstellung, wie man den Schiefen Turm von Pisa mit der eigenen Hand stützt, gehören hierzu. Mit solchen Aufnahmen möchte man eigentlich nichts anderes sagen als “Ich war hier und kann den Auslöser betätigen”.

Wie kann man es also besser machen? Kaufen Sie eine Postkarte und verschicken Sie sie an jemanden, den Sie gern haben. Und entdecken Sie lieber eher unbekannte Orte, die sich außerhalb der Touristen Hotspots befinden.

12 Klischees: Beispielsweise von einem menschenleeren Strand mit einem verlassenen Kinderspielplatz.

Bekannte Sehenswürdigkeiten fotografiert jeder. Sie können jedoch auch von weniger bekannten Orten Postkarten erstellen. Beispielsweise von einem menschenleeren Strand mit einem verlassenen Kinderspielplatz.
Canon EOS 1000D, EF-S 18–55mm f/3.5–5.6, 1/500 s, f/7.1, ISO 100, Brennweite 18 mm

Der Sonnenuntergang

Wahrscheinlich das größte Klischee überhaupt. Der warme und orangefarbene Horizont zieht Fotografen genauso an, wie der Vollmond die Werwölfe. Um nach so einem Sonnenuntergang nicht nackt und wehrlos aufzuwachen, sollten Sie sich lieber auf die Qualität des Lichts, als auf den Sonnenuntergang konzentrieren.

Denken Sie darüber nach, wie Sie das Licht zu Ihrem eigenen Vorteil beim fotografieren anderer Objekte nutzen können, um so eine abendliche Atmosphäre in Ihren Bilder zu schaffen.

12 Klischees: So sieht das Suchergebnis nach der Suchanfrage “sunset” in Google aus.

So sieht das Suchergebnis nach der Suchanfrage “sunset” in Google aus. Abwechslung finden Sie hier vergeblich.

Matt und Nachahmung im Filmstil  

Seit der Entstehung von Instagram verbreiten sich Aufnahmen im Filmstil, wie ein Virus. Hierbei handelt es sich um Fotos mit unterdrückter Tonalität und niedrigerem Kontrast. Es ist natürlich nichts daran auszusetzen, wenn Sie sich für die Bearbeitung der Farbtöne und dem Analogfilmen inspirieren lassen. Wenn Sie jedoch am falschen Ende beginnen und es mit der Bearbeitung übertreiben, dann haben Sie ein Problem.

Matte und nicht kontrastreiche Fotos sind eher ein Merkmal für qualitativ schlechte Analogaufnahmen, die aufgrund der schlechten Belichtung bei der Entwicklung des Negativs entstanden.

Wenn Sie diese Richtung einschlagen, dann gehen bei der nachträglichen Bildbearbeitung am Rechner wertvolle Details, lebendige Farbe, Kontrast verloren. Am Ende haben Sie eine Aufnahme, die so aussieht, als wäre sie mit einem billigen Instragram Filter bearbeitet worden. Und wenn Sie so ein Foto ausdrucken? Dann sieht es milchig und fade aus. Seien Sie also anders als alle anderen und lassen Sie sich von qualitativ hochwertigen Fotos inspirieren.


Die erste Aufnahme – matt mit der Simulation von Filmkörnern. Die zweite Aufnahme – gewöhnliche Bearbeitung des Kontrastes, der Belichtung und der Schatten. Im ersten Foto kann man sehen, wie die Details ineinander verlaufen und das Bild weniger ausdrucksstark ist. Sony A7, Sony FE 35mm f/2.8 ZA, 1/200 s, f/11, ISO 400, Brennweite 35 mm

Machen Sie keine Schwarz-Weiß Aufnahmen, nur um sie “künstlerischer” aussehen zu lassen

Es gab Zeiten, wo es keine andere Möglichkeit gab, als S/W Fotos zu machen. In diesem Sinne hatten es die Fotografen leichter, weil Sie nicht vor der Wahl standen, ob Sie sich für eine Farb- oder S/W Aufnahme entscheiden sollen. Und bei manchen Bildern war dies auch gut so.

Dies soll kein Widerstand gegen Schwarz-Weiß Fotos sein, weil diese immer noch berechtigterweise ihren Platz in der digitalen Fotowelt haben. Aber viele Fotografen denken, wenn sie ihre Bilder in S/W umwandeln, dass sie plötzlich wie ein Kunstwerk aussehen.

Und manche gehen bei der Bearbeitung so weit, dass sie das Bild selektiv bis auf den geöffneten roten Regenschirm entfärben. Dies macht aber hoffentlich niemand mehr – hoffen wir es zumindest.

Bei der Umwandlung können Sie dem Bild schaden. Beispielsweise treten manche Elemente im Bild ganz plötzlich völlig in den Hintergrund. Und mit Kunst hat das wirklich nicht viel zu tun. Falls Sie vor dem Dilemma stehen, ob Sie das Bild in ein S/W Bild umwandeln sollen, dann sollten Sie einen Blick auf diesen Artikel werfen.

Beim unbearbeiteten Foto sieht man, dass es sich um ein recht langweiliges Foto zweier spazierender Personen handelt. Diese Tatsache hat man mit einer Umwandlung in eine Schwarz-Weiß Aufnahme versucht zu vertuschen. Sony A7, Sony FE 35mm f/2.8 ZA, 1/320 s, f/8, ISO 100, Brennweite 35 mm

Bitte kein weiterer oberflächlicher Abenteurer

In den letzten Jahren ist eine große Anzahl an Bloggern und Instagrammern aufgetaucht, die sich als Globetrotter oder Abenteurer (nicht als Touristen) betrachten. Und dies obwohl sich ihre Aufnahmen oftmals kaum vom wiederholten Fotografieren des Eifelturms unterscheiden.

Zu deren Repertoire gehören oftmals Bearbeitungen im Stil von matten Fotos oder Filmstil. Auch die Thematik Fotografie ist ziemlich ähnlich.

Falls Sie diesen Bereich etwas länger beobachten, dann werden Sie sicherlich schnell feststellen, dass es sich meist um eine Person auf dem Gipfel eines Berges handelt, die verträumt einen Blick auf die Landschaft wirft (immer öfter auch in einem sehr modischen Outfit). Nachdem Sie zehn Profile solcher “Globetrotter” angeschaut haben, werden Sie Probleme haben, diese voneinander unterscheiden zu können.

Meine Empfehlung? Wenn Sie reisen, dann sollten Sie in Erinnerung behalten, dass es manchmal besser ist, die Reise zu genießen, als nur ein paar Fotos zu machen, um hinterher ein paar Likes auf sozialen Netzwerken zu sammeln.

12 Klischees: Eine typische Reiseaufnahme auf Instagram.

Eine typische Reiseaufnahme auf Instagram der Nutzerin chelseakauai. Der Blick vom Gipfel auf die Landschaft fehlt wohl auf gar keiner Aufnahme dieser Nutzerin.

Keine Selfies vor dem Spiegel

Fühlen Sie sich wie ein Fotograf? Dann müssen Sie sich bestimmt nicht mit Ihrer “Kamera” im Bad vor dem Spiegel fotografieren und diese Aufnahme als Profilfoto nutzen.

Die Besucher werden von selbst darauf kommen, dass Sie höchstwahrscheinlich eine hochwertige Fotokamera haben und mit dieser fotografieren. Und Sie wollen auch nicht wie Dutzende andere Personen aussehen.

Machen Sie lieber ein eigenes Autoporträt. Eines, welches wirklich etwas über Ihre Fähigkeiten aussagt.

12 Klischees: selfie.

Canon EOS 1000D, EF 50mm f/1.8 II, 1/80 s, f/2.2, ISO 800, Brennweite 50 mm

12 Klischees: autoportät.

Klassische Selfiefotos im Spiegel kann man auch anders und kreativer gestalten.
Sony A7, Sony FE 50mm f/1.8, 1/200 s, f/3.2, ISO 100, Brennweite 35 mm

Nur wegen einem Bokeh machen Sie noch lange keine perfekten Aufnahmen

Die Besessenheit bei der technischen Ausrüstung ist nicht nur bei den Selfie-Fotografen erkennbar. Es gibt auch eine Gruppe von Fotografen, die irgendein Objektiv zu irgendeinen Preis kaufen, nur weil es ihnen Bokeh-Aufnahmen mit einer großen Anzahl an Bläschen verspricht.

Was spricht jedoch dagegen, dass man auf diesen Fotografien auf nichts anderes als auf das Bokeh Fenster schauen kann?

Darum geht es in der Fotografie jedoch nicht.

Sie müssen sich sicherlich nicht dafür schämen, dass Sie so ein Objektiv nicht besitzen. Sie sollten sich eher auf die Komposition und den Inhalt der Aufnahme konzentrieren, als sich mit technokratischen Scharmützeln auseinanderzusetzen.

12 Klischees: bokeh.

Bei solchen Aufnahmen weiß der Betrachter nicht, ob das Ziel die Erfassung des Pilzes war oder ob man nur die Möglichkeiten mit einer offenen Blende demonstrieren wollte.
Sony A7, FE 35mm f/1.4 ZA, 1/100 s, f/1.4, ISO 100, Brennweite 35 mm

Bei der Street Fotografie geht es nicht um das Fotografieren von Obdachlosen

Wenn ich an das für mich am wenigsten sympathische Klischee denke, welches häufig bei Street-Fotografen auftritt, dann sind es Fotos von bettelnden Obdachlosen. Man kann es nämlich auch so verstehen, dass man diese unglückliche und nicht beneidenswerte Situation dieser Menschen, zum eigenen Vorteil ausnutzt.

Ähnlich sieht es bei Aufnahmen aus, wo kleine Kinder durch dreckige Straßen in armen Ländern laufen, wo der Fotograf für Aufsehen sorgt.

Wenn Sie also solche Aufnahmen nur deswegen machen wollen, um Ihr Portfolio zu erweitern, dann sollten Sie einen Gang rückwärts einlegen. Es handelt sich dabei nicht nur um ein Klischee, sondern auch aus ethischen Gesichtspunkten fragwürdige Fotos.

Denken Sie daher lieber darüber nach, was eine Aufnahme wirklich wert ist und was jemand beispielsweise nicht ohne Weiteres bemerkt.

Bitte keine Aufnahmen mit Regentropfen auf dem Fenster                  

Ein weiteres abgeleiertes Thema der Street Fotografie. Es ist nämlich nicht angenehm, bei regnerischem Wetter draußen herumzulaufen und zu versuchen, eine authentische Situation zu erfassen. Zum einen hat man Angst die eigene Technik nicht zu beschädigen und zum anderen fragt man sich – was soll ich hinter dem Fenster fotografieren? Und um ein bisschen Nostalgie ins Spiel zu bringen, wie wäre es die herunterfließenden Regentropfen zu fotografieren und die Straße im Hintergrund unscharf abzubilden?

Die Klugen wissen bereits, dass dieser Weg nicht zielführend ist. Solche Aufnahmen wurden schon so oft gemacht, dass man nichts mehr Weltbewegendes hiermit erreicht. Daher sollte man sich lieber regenfeste Kleidung besorgen, einen Schutz für die Kamera kaufen und draußen Aufnahmen machen oder lieber abwarten, bis der Regen vorbei ist.

Aufnahmen hinter einem Fenster bei Regen.

Aufnahmen hinter einem Fenster bei Regen – ein typisches Klischee.
Canon EOS 1000D, EF-S 18–55mm f/3.5–5.6, 1/50 s, f/6.3, ISO 100, Brennweite 55 mm

Man sollte es nicht mit HDR übertreiben

Hoffentlich wurde hierüber schon genug berichtet, sodass man dieses Thema nicht weiter ausführen muss. Bei der HDR Technik wird leider oftmals bis ins Extreme übertrieben. Solche Aufnahmen ziehen zwar auf den ersten Blick den Betrachter an, leider aber nicht im positiven Sinne. Durch das Übermaß an Details und der übertriebenen Sättigung bekommt der Betrachter schnell Kopfschmerzen.

Hier gilt: Weniger ist manchmal mehr.

12 Klischees: Es handelt sich zwar nicht um eine waschechte HDR Aufnahme, aber die Bearbeitung ähnelt dem sehr.

Es handelt sich zwar nicht um eine waschechte HDR Aufnahme, aber die Bearbeitung ähnelt dem sehr. Ein üppiger Kontrast, sowie eine übertriebene Schärfe und Sättigung sind typisch für misslungene HDR Fotos.
Canon EOS 1000D, EF-S 18–55mm f/3.5–5.6, 1/200 s, f/7.1, ISO 200, Brennweite 34 mm

Die Neigung des Horizonts

Wahrscheinlich ist es Ihnen auch schon passiert, dass Sie sich bereits beim Blick durch den Sucher gesagt haben, dass das Bild langweilig aussieht. Deswegen versuchen Sie auf irgendeine Weise etwas Leben und Dynamik in das Bild zu bekommen. Wenn Sie jetzt daran denken, die Kamera etwas zu neigen, dann sollten Sie diese Idee schnell wieder vergessen. Natürlich nur, wenn Sie nicht im Sinne haben, dass der Betrachter später Nackenschmerzen bekommt.

Dieses Klischee kann man oftmals bei Konzerten oder Porträts erkennen. Die Personen stehen oder sitzen in einem komischen Winkel und die Betrachtung ist nicht besonders angenehm.

12 Klischees: Aufnahmen mit einer Neigung sind nicht besonders ausdrucksstark, aber der Mensch hat die Tendenz, diese mit einer Neigung des Kopfes auszugleichen.

Aufnahmen mit einer Neigung sind nicht besonders ausdrucksstark, aber der Mensch hat die Tendenz, diese mit einer Neigung des Kopfes auszugleichen.
Sony A7, Sony FE 35mm f/2.8 ZA, 1/100 s, f/2.8, ISO 400, Brennweite 35 mm

Wasserzeichen

Es ist wirklich eine langjährige Arbeit, bis man seine wiedererkennbare Handschrift in seine Aufnahmen bringt, um auf Anhieb wiedererkannt zu werden. Niemand erleichtert sich jedoch die Arbeit, wenn man ein großes Wasserzeichen mit einer auffälligen Schriftart auf seinen Fotos verwendet.

Das Sie hierdurch auch das Bild vor dem Missbrauch durch Dritte schützen möchten, ist verständlich. Aber selbst Wasserzeichen müssen keinen hundertprozentigen Schutz vor dem Diebstahl von Fotos im Internet sein. Machen Sie es daher Ihren Betrachtern etwas einfacher und lassen Sie sie ihre Aufnahmen genießen.

(Fast) unendliche Liste  

In der Nennung von Klischees könnte man sicherlich noch fortfahren. Man könnte z. B. ohne Probleme ein eigenes Kapitel über die Klischees in der Hochzeitsfotografie, dem Fotografieren von Schwangeren oder arrangierten Fotos von kleinen Kindern schreiben.

Ein weiteres Klischee sind Aufnahmen aus der Fotobank oder von Speisen und Getränken (insb. Caffè latte).

Falls auch Sie von Klischees wissen, die Ihnen ein Auge im Dorn sind, dann teilen Sie uns dies gerne mithilfe eines Kommentars mit.

Letzte Änderung 27. März 2018

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Autor: Dasa Husarova

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