Burgen und moderne Gebäude fotografieren: 10 Tipps, wie man verschiedene Architekturtypen fotografriert

Die Architektur kann unzählbare Gestalten annehmen – von der mittelalterlichen Burg bis hin zu modernen Bürokomplexen. Und bei jedem Typ müssen Sie unterschiedlich vorgehen, um die Monumentalität, die Dynamik oder die interessanten Details zu erfassen. Unsere Tipps werden Ihnen dabei helfen, verschiedene Architekturtypen zu fotografieren.

Burgen und moderne Gebäude fotografieren: 10 Tipps, wie man verschiedene Architekturtypen fotografriert

So gut wie an jeder Ecke trifft man auf irgendeinen Architekturtyp. Gefallen können Sie an alten sowie modernen Gebäuden oder Fabrik- sowie Bürokomplexen finden. Es lohnt sich jeden Gebäudetyp etwas anders zu fotografieren. Egal ob es sich dabei um die Komposition oder die Lichtverhältnisse handelt.

Wie fotografiert man historische Bauten?

Kathedralen, Burgen, Schlösser und andere alte Bauten stechen durch ihre Majestät sowie dem Fakt, dass sie schon seit mehreren Jahrhunderten existieren. Sie sollten eine einfache Komposition sowie ein ausgeglichenes Bild erstellen, welches die gesamte Schönheit des Baus wiederspiegelt.

Beim Fotografieren historischer Architektur sollten Sie davor hüten, moderne Elemente mitzufotografieren – z. B. benachbarte Bauten, Autos oder Straßenlampen. Hierdurch erzielen Sie einen zeitlosen Eindruck. Falls es unvermeidbar ist, dann können Sie die modernen Objekte auch nachträglich entfernen.

Bei historischen Bauten eignet sich besonders weiches Licht am frühen Morgen oder gegen Abend. Ferner haben Sie um diese Uhrzeit nicht mit vielen Touristen zu kämpfen.

Auf dem Foto waren ursprünglich zwei Infotafeln. Dank der Retusche mit ZPS X sind wir sie schnell losgeworden.

Auf dem Foto waren ursprünglich zwei Infotafeln. Dank der Retusche mit ZPS X sind wir sie schnell losgeworden. Ferner musste ich einige Zeit warten, bis keine Touristen mehr sichtbar waren.
Sony A7, FE 28 mm F2, 1/100 s, f/8, ISO 1600, Brennweite 28 mm

Moderne Architektur fotografieren

Die Geometrie, die klaren Linien sowie die Einfachheit moderner Bauten fordern einen dazu auf, beim Fotografieren anders vorzugehen. Sie können sich viel mehr auf die Form des Gebäudes, der Symmetrie, die Kurven sowie die Details konzentrieren. Die moderne Architektur ist auch ein Paradies für Befürworter der minimalistischen Fotografie.

Während Fotografen es gewöhnlich vermeiden bei Gegenlicht zu fotografieren, kann es bei der modernen Architektur sogar wünschenswert sein. Probieren Sie es aus und bringen Sie in Erfahrung, inwiefern der hohe Kontrast und das harte Licht den formalen Charakter des Baus hervorheben.

Hartes Licht und ein höherer Kontrast passen sehr gut zu modernen Bürokomplexen.

Hartes Licht und ein höherer Kontrast passen sehr gut zu modernen Bürokomplexen.
Canon EOS 100D, EF-S24mm f/2.8 STM, 1/60 s, f/13, ISO 200, Brennweite 24 mm

Industriekomplexe bieten Struktur und Abstraktion

Die Industriezonen gehören nicht unbedingt zu den schönsten Teilen von Städten und Landschaften, aber manch ein Fotograf hat schon seine Liebe in der Fotografie von Fabriken, Handelshäfen und Umschlagplätzen für Waren gefunden. Zwischen dem ganzen Gewirr von Metallrohren und Konstruktionen finden Sie sehr viel Spielraum zur Abstraktion. Achten Sie auf die Strukturen die entstehen und die Oberflächentextur. Damit die Textur und Struktur auffälliger sind, sollten Sie eine höhere Blende wählen.

Gut eignen sich auch Gesamtaufnahmen, die den gewaltigen Baukomplex sowie die Einfügung in der Landschaft bzw. die Auswirkungen auf die Umgebung widerspiegeln. Die Atmosphäre wird noch deutlich besser durch düsteres Wetter hervorgehoben. Interessante Bilder sind auch Nachtaufnahmen solcher Fabriken.

Die Herbstfarben ergänzen sich gegenseitig mit der alten sowie abgeblätterten Farbe auf der Mauer eines Industrieareals.

Die Herbstfarben ergänzen sich gegenseitig mit der alten sowie abgeblätterten Farbe auf der Mauer eines Industrieareals.
Sony A7, Sony FE 28 mm F2, 1/640 s, f/3.5, ISO 200, Brennweite 28 mm

Fotografieren weiterer Architekturtypen

Halten Sie nicht nur nach Gebäuden Ausschau. Brücken, Denkmäler, Aussichtstürme, Haltestellen der Metro oder der Straßenbahn können genauso interessant sein. Greifen Sie zu einem Weitwinkelobjektiv und suchen Sie nach Perspektiven, mit denen solche Bauten gewöhnlich nicht betrachtet werden.

Denken Sie auch an das Fotografieren des Interieurs

Sobald Sie das Gebäude von außen fotografiert haben, sollten Sie auch einen Blick in den Innenbereich werfen. Auch hier kann es interessante Dinge geben.

Konzentrieren Sie sich auf das Licht, welches durch die Fenster dringt und wie es den Raum beleuchtet. Gerade bei historischen Gebäuden, wo die Lichtverhältnisse i. d. R. schlechter sind, kommen Sie ohne ein Stativ nicht aus. Und auch hier lohnt sich wiederum ein Weitwinkelobjektiv und dies auch bei kleinen Räumen.

Ein tolles Motiv ist z. B. eine Wendeltreppe, die sich über zwei Stockwerke erstreckt.

Der Wände des Innenbereichs waren mit mehr Ornamenten verziert als im Außenbereich.

Der Wände des Innenbereichs waren mit mehr Ornamenten verziert als im Außenbereich. Das Sonnenlicht hat zudem den Flur schön belichtet.
Canon EOS 100D, EF-S24mm f/2.8 STM, 1/3.5 s, f/3.2, ISO 100, Brennweite 24 mm

Denken Sie bei der Architekturfotografie auch an Details

Obwohl man gewöhnlich den kompletten Bau auf einem Foto erfassen möchte, sollte man auch an die Details denken. Es kann sich hierbei um Ornamente und Statuen bei historischen Gebäuden handeln, eine abgeblätterte aber zugleich interessante Mauer oder sich wiederholende architektonische Muster.

Falls Sie keinen Zugang zum Gebäude haben oder es besonders groß sein sollte, dann ist die Verwendung eines Teleobjektivs empfehlenswert.

Auch moderne Bauten bieten interessante Details zum Fotografieren an.

Auch moderne Bauten bieten interessante Details zum Fotografieren an. Was hier etwas an das Spiel Tetris erinnert, ist in Wirklichkeit eine Wand eines Universitätscampus.
Canon EOS 1000D, EF 50 mm f/1.8 II, 1/50 s, f/8, ISO 200, Brennweite 50 mm

Lernen Sie das Licht zu nutzen

Die Arbeit mit Licht ist bei der Architekturfotografie besonders wichtig. Mit der Beziehung zwischen der Architektur und dem Licht beschäftigt sich beispielsweise der japanische Architekt Tadao Andó.

Denken Sie daher auch stets beim Fotografieren an das Licht. Bringen Sie in Erfahrung, wer der Autor dieses Baus ist und versuchen Sie herauszufinden, welche Absichten er verfolgt hat und welche Rolle das Licht im Gebäude spielen sollte. Sie können hierdurch auch Ihren Aufnahmestil anpassen.

Es ist auch hilfreich, wenn Sie das Gebäude zu unterschiedlichen Zeiten besuchen. So finden Sie heraus, bei welchem Licht das Gebäude am besten aussieht. Sie werden vielleicht auch feststellen, dass der Bau bei der künstlich erzeugten Nachtbeleuchtung viel schöner aussieht.

Das Marie-Elisabeth-Lüders-Haus wirkt auch bei Tageslicht beeindruckend.

Das Marie-Elisabeth-Lüders-Haus wirkt auch bei Tageslicht beeindruckend. Die Nachtbeleuchtung verleiht dem Bau jedoch einen gewissen Charme.
Sony A7, Sony FE 35mm f/2.8 ZA, 1/6 s, f/8, ISO 2000, Brennweite 35 mm

Suchen Sie nach einem Rhythmus

Es ist nie falsch, wenn Sie sich an die klassischen Kompositionsregeln wie dem Goldenen Schnitt oder der Drittel-Regel halten. Sie werden jedoch bei vielen Gebäuden feststellen, dass die Konstruktion sowie die Anordnung von Bauelementen einen bestimmten Rhythmus enthält.

Es genügt schon, wenn Sie die richtige Perspektive ausfindig machen, die diesen Rhythmus betont und so erhalten Sie eine eindrucksvolle Aufnahme. Oftmals handelt es sich um parallel verlaufende Linien oder die Anordnung der Bögen.

Die Regelmäßigkeit, wie die großen und kleinen Fenster wechseln, verleihen dem Foto einen rhythmischen Eindruck.

Die Regelmäßigkeit, wie die großen und kleinen Fenster wechseln, verleihen dem Foto einen rhythmischen Eindruck.
Canon EOS 100D, EF-S 24mm f/2.8 STM, 1/100 s, f/10, ISO 100, Brennweite 24 mm

Schauen Sie nach oben und unten

Eine sehr bewährte Methode, wie man einen Bau fesselnd fotografieren kann, ist die Verwendung des Blicks nach oben und dann nach unten. Normalerweise betrachten wir Gebäude von vorne. Es genügt jedoch oftmals schon, wenn man sich dicht an das Gebäude stellt und dann einen Blick in Richtung des Himmels machen. Oder man kann auch ein paar Treppen hochsteigen und anschließend vom höchsten Punkt aus nach unten blicken.

Die Perspektive von unten nach oben mit einem Weitwinkelobjektiv kann die Mächtigkeit sowie die Größe des Baus unterstreichen. Sie bieten dem Betrachter ferner eine ungewöhnliche Betrachtungsweise, die er so nicht gewohnt ist.

Mit einem Blick nach oben können Sie beispielsweise so ein “Fenster” in den Himmel entdecken.

Mit einem Blick nach oben können Sie beispielsweise so ein “Fenster” in den Himmel entdecken.
Sony A7, Sony FE 28 mm F2, 1/100 s, f/6.3, ISO 100, Brennweite 28 mm

4 Möglichkeiten, für die richtige Perspektive

Eines der häufigsten Probleme bei der Architekturfotografie sind die zusammenlaufenden bzw. stürzenden Linien. Das Bild sieht hierdurch so aus, als ob es nach hinten kippen würde. Auf dieses Problem treffen Sie z. B., wenn Sie ein hohes Gebäude aus naher Entfernung fotografieren möchten. Es gibt jedoch einige Möglichkeiten, wie man dem vorbeugen kann oder dieses Problem zumindest beheben kann.

  1. Die einfachste Methode ist, wenn Sie ganz einfach ein paar Schritte bzw. Meter zurücktreten. Hierdurch fällt der Effekt geringer aus.
  2. Suchen Sie auch nach einer höheren Stelle, von der Sie das Gebäude von Nahem und von Vorne fotografieren können.
  3. Falls Sie es mit der Architekturfotografie ernst meinen, dann lohnt sich die Anschaffung eines Tilt-Shift Objektivs, welches die Deformation korrigieren kann.
  4. Sollte es Ihnen dennoch nicht gelingen, die stürzenden Linien zu vermeiden, dann können Sie dies nachträglich mit Zoner Photo Studio korrigieren. Hier werden Ihnen das Bearbeitungswerkzeug Linien ausrichten im Modul Entwickeln weiterhelfen.
Die Aufnahme vor und nach der Bearbeitung stürzender Linien.

Die Aufnahme vor und nach der Bearbeitung stürzender Linien. Beachten Sie, dass bei der Korrektur auch ein gewisser Zuschnitt vorgenommen wird – halten Sie diesen Fakt bereits beim Fotografieren im Hinterkopf.
Sony A7, Sony FE 28 mm F2, 1/100 s, f/11, ISO 100, Brennweite 28 mm

Ausrüstung

Bei der Architekturfotografie gibt es eine Vielzahl an Ausrüstungsgegenständen, die in Ihrem Rucksack nicht fehlen “sollten”:

  • Stativ zum Fotografieren bei Nacht und schlechteren Lichtverhältnissen.
  • Weitwinkelobjektiv.
  • Tilt-shift Objektive zur Korrektur stürzender Linien.
  • Polarisationsfilter für gesättigtere Farben.
  • ND Filter für lange Belichtungszeiten.
  • Und noch vielem mehr.

Erschrecken Sie jedoch nicht gleich, wenn Sie etwas aus der Liste nicht besitzen. Wenn Sie mit der Architekturfotografie erst beginnen möchten, dann reicht es schon aus, wenn Sie sich auf den Weg machen, um ein paar Architekturfotos zu machen. Mit der Zeit werden Sie feststellen, inwieweit Ihnen die jetzige Ausrüstung ausreicht und wie Sie schöne Aufnahmen machen.

Letzte Änderung 14. Dezember 2017

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Autor: Dasa Husarova

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